Prolog - Schattenelfen

 

Es steht geschrieben, dass einst zwei Dämonenheere am Kamm Keranis zusammentrafen und ein Krieg ausbrach, der viele Opfer forderte. Viele fielen unter den Klauen des Feindes, andere durch die kraftvolle Magie. Schließlich, nach einem erbitterten Kampf wurde ein Heer besiegt- das Eis brach, ließ Shinaye erzittern und verschluckte die Körper der Gefallenen. Die vergänglichen Reste ihres Daseins, ihre Körper, verfielen, doch ihre unsterblichen Seelen blieben durch das Eis auf dieser Welt gefangen...

Die Zeit verstrich, die Dämonen verließen Shinaye. Man schreibt, sie seien gestorben. Doch viele sagen auch sie seien verschwunden, doch niemand weiß warum und so wurde das Treiben um die Dämonen zu einer Legende... Elfen tauchten in dem flutenden Sonnenlicht auf und besiedelten die Welt, doch woher sie kamen weiß keiner. Legenden erzählen, dass Shinaye ihre Heimat war, bevor die Dämonen kamen. Kriegsscheu versteckten sie sich in einem Wald, Elfen fielen, als sie ihre Kraft dafür gaben diesen Wald in eine scheinbar andere Paralleldimension zu schicken.

Doch- die Elfen bevölkerten schon bald ganz Shinaye und nach Zeiten der Ausbreitung und dem Vergessen der Legenden kamen sie auch Keranis nahe. Und dann geschah es- das Eis brach erneut auf, die Seelen der Dämonen, die darin weilten wurden freigesetzt und drangen in die wunderschönen Körper der Elfen.  Ihr Antlitz und ihre Eigenschaften wurden von den Dämonen geprägt. Ihre Haut färbte sich dunkel, ihre Haare verloren ihren natürlichen Glanz und ihr sonst so warmer und entgegenkommender Blick wandelte sich kühl und abweisend. Sie liebten den Kampf, den heimtückischen und subtilen Kampf, scheuten jedoch einen offenen. Sie gingen immer den Weg des geringsten Widerstandes um ihr Ziel zu erreichen...

So kam es, dass die Schattenelfen, auch Eiselfen und Dunkelelfen genannt, die erbitterten Feinde der Hochelfen wurden und die Welt Shinaye in zwei Reiche unterteilt ward, Tahln, der Kristallwald inmitten dieser Reiche. Es weiß keiner mehr, ob dies das Reich der Elfen früher war, als die Dämonen kamen, doch nur dadurch konnte man sich die Kraft die darin verborgen liegt erklären. Noch immer wurden Schwächen und Stärken der Gegner ausgeglichen.

     

 

<Als ich erwachte befand ich mich in Tahln, einsam und verloren...

Meine Erinnerungen hatte der mich umgebende Wind weit fortgetragen

und ein Netz voller Schwärze hatte sich undurchdringbar vor den Verbliebenen gelegt.

Das fließende Wasser der Quelle Saylon war das erste Geräusch welches ich vernahm,

doch es bedeutete mir nichts...

Ein Wort kam mir in den Sinn und ich vermutete es sei mein Name... Yara...

Mehr war nicht geblieben... Kein Stückchen, kein Fetzen meiner Erinnerung. Alles war

so verschwommen und fremd...  

Ich ahnte etwas wichtiges verloren zu haben, doch ich konnte mich nicht erinnern...

Hochelfen aus Halaris...

Schattenelfen aus Vahlas...

Aber...

Wo gehörte ich hin?

Scheinbar neu geboren inmitten zweier Reiche wollte ich meine Vergangenheit suchen,

dem Wind nachjagen und meine Erinnerungen wiederfinden.

Wer war ich?

Diese Frage konnte ich nicht aus meinem Kopf bannen, sie war allgegenwärtig, wenn auch

einige Zeit unterdrückt...

Doch als ich es herausfand... Ich wusste nicht, ob ich glücklich oder bekümmert sein sollte-

niemals hätte ich gedacht, dass ich die bin, die ich war...> 

                                                                                                       Yara

 

Begriffserklärungen:

Arenon:

Fluss in Halaris, in der Nähe des Dorfes Telenna.

Asrei:

Berg auf dem Sorn Talyn lebt.

Devyor:

Heimatdorf Ayren Pharns.
Faeryl:
Das Schwert, welches <das Unheil vereinen> soll.
Halaris:
Reich der Hochelfen.
Keranis:
Kamm, bei dem zwei Dämonenheere zusammenstießen. (Prolog)
Monchette:
Giftige Blume; violette Blütenblätter.
Saven:
Schwarzer Vogel, bekannt als Unglücksbringer in Halaris. In Vahlas jedoch ein angenehmer Genosse.
Nym:
‚Hauptstadt’ des Reiches Halaris.
Saylon:
Quelle inmitten von Tahln.
Shinaye:
(Gesprochen: kurz, schnell) Welt der Elfen.
Tahln:
Der Kristallwald inmitten der Reiche Vahlas (siehe ‚Vahlas’) und Halaris (siehe ‚Halaris’), der diese beiden verbindet. Es stellt den Mittelpunkt der Welt Shinaye dar. Tahln ist zu einem Ort der Streitigkeiten geworden, da an diesem Ort weder Licht noch Dunkelheit zu sein scheint- so sind beider Rassen gleich. Doch durch die häufigen Kämpfe, ist auch der Kristallwald bedroht.
Talabrina:
Festgewand der Hochelfen, getragen beim Yas’tehroll.
Telenna:
Ort im Reich Halaris.
Vahlas:
Reich der Schattenelfen.
Xalyth:
Das Schwert, welches <das Licht brechen> soll.
Yas’tehroll:
Fest der Hochelfen, findet immer alle sechs Monate bei Vollmond statt, um den Vorfahren zu danken.
Ziy’Kuna:
Blume, hellblaue Blütenblätter mit grünen Narben.

 


Charaktere:

Abstammung unbekannt:

Yara

Alter: unbekannt

Augenfarbe: hellviolett mit silbernem Glanz

Haare: silbern, schmale violette Strähnchen, lang

Haut: hellbraun (dunkler als bei normalen Elfen)

Auffälligkeiten: Yara hat keine Erinnerungen an ihr Leben, sie befand sich im Kristallwald Tahln als sie erwachte und die Welt scheinbar zum ersten Mal erblickte.

Nachname: /

Abstammung undefinierbar:

Yira

Augenfarbe: silbern

Haare: schwarz

Haut: helles braun

Hochelfen:

Schattenelfen:

Ayren

Alter: 20

Augenfarbe: silbern

Haare: weiß, kurz

Haut: weiß

Nachname: Pharn

Alok

Alter: 35

Augenfarbe: grün

Haarfarbe: weiß, kurz

Nachname: Binthel

Anmerkung: Herrscher des Reiches Vahlas

Gelroos Valas

Alter: 70

Augenfarbe: mattes gold (bronze)

Haare: weiß

Haut: weiß

Nachname: Coborel

Anmerkung: Ältester des Dorfes Telenna

Elora

Alter: 21

Augenfarbe: blau

Haare: violett, lang

Haut: dunkel

Nachname: Laren

Kellia

Alter: 20

Augenfarbe: golden

Haare: kurz, silbern

Haut: weiß

Nachname: Devir

Viconia

Alter: 20          

Augenfarbe: schwarz

Haare: rot, lang

Haut: dunkel

Nachname: Sellah

Sharn

Alter. 22

Augenfarbe: silbern

Haare: golden, lang

Haut: weiß

Nachname: Thaeyalla

Vorn

Alter: 20

Augenfarbe: violett

Haare: schwarz, lang

Haut: dunkel

Nachname: Xaran

Sorn Talyn

Alter: 74          

Augenfarbe: / blind

Haare: vermattetes Silber

Haut: weiß

Nachname: Gahn

Yasraena

Alter: verstorben, zum Zeitpunkt ihres Todes 18

Augenfarbe: golden

Haare: lang, silbern

Haut: weiß

Nachname Devir; Zwillingsschwester Kellias

Irae

Alter: unbekannt

Augenfarbe: mildes grün

Haarfarbe: grün

Haut: weiß

Jerina

Alter: unbekannt

Augenfarbe: golden

Haarfarbe: blond

Haut: weiß

 

 

 

 

 

Eine Legende beginnt...

 

Kapitel 1 – Umgebende Finsternis

 

 

Anmutig funkelten die kleinen Kristalle in den Kronen der Bäume Tahln, dem Wald, der die beiden Reiche Halaris, das Reich der Hochelfen und Vahlas, das Reich der Schattenelfen miteinander verband. Wunderschön spiegelten sich die Sonnenstrahlen in den Edelsteinen und das Farbenspiel am Himmel war atemberaubend. Irgendwo in der Ferne plätscherte es leise. Kleine Wellen schlugen sanft an Steine und zwischen dichten Büschen bemerkte man eine junge Elfenfrau, die langsam aus der Quelle Saylon inmitten des Kristallwaldes schritt. Die in der Sonne glänzenden Perlen tropften langsam ihren geschmeidigen Körper hinab und versanken im weichen Gras unter ihren Füßen. Die Gestalt ward umgeben von einem durchnässten weißen Stoff, der an ihrem Körper haftete und ihre wunderschöne Gestalt entblößte. Ihre langen silbernen Haare mit kleinen violetten Strähnchen hingen schwer vom Wasser auf ihren Schultern und langsam öffnete sie ihre violetten Augen, denen in der Sonne ein silberner Glanz entkam. Neugierig suchten ihre Augen die Gegend ab und stöhnend führte sie ihre zarte Hand an ihren Kopf und mit ihren Fingerspitzen berührte sie ganz leicht ihre Stirn. Scheinbar geschwächt stützte sie sich auf einen von den Wellen befeuchteten Stein ab und setzte sich gequält darauf.

„Was- Wer?! ...“ Entkam ihrer Kehle und ihre Stimme klang so lieblich wie das Zwitschern der Vögel, dass Tahln erfüllte und doch schwang eine undefinierbare Kühle in ihr mit. Ihre Stimme schwankte und die Unsicherheit, die sie zu verspüren schien, konnte man an ihren verzerrten Gesichtszügen erkennen.   „Wer bin ich?!“ Entsetzt starrte die Elfenfrau in die Ferne. Sie konnte es selbst nicht glauben, als sie es aussprach. Vor ihre Erinnerungen lag ein scheinbar undurchdringbares Netz voller Finsternis und nur ein Wort schien diese Barriere langsam überwinden zu können.

„Yara...“ Flüsterte die Silberhaarige leise und blickte auf die ruhige Wasseroberfläche, in der sich schimmernd ihr Spiegelbild befand und violette Augen sie gequält anstarrten. Yara... Es war das einzigste Wort, an welches sie sich noch erinnerte. Ihre Umgebung- fremd und dennoch anziehend, lieblich und doch in irgendeiner Weise vertraut. Langsam richtete sie sich auf, kniete sich vor der Quelle nieder, stützte sich an ihren schlammigen Enden ab und blickte verunsichert unter sich. Ihr Gesicht, weichere Konturen als der Flaum von Vögeln, ihre Lippen rot wie Blut... Wütend schlug sie mit der Handfläche auf das Wasser und weiche Wellen zerstörten das Abbild der Schönheit. Was hatte es für ein Grund sein Äußeres zu kennen, wenn man nichts mehr wusste? Weder aus der Vergangenheit noch aus der Gegenwart?! Langsam stand sie auf und entfernte sich langsam von Saylon, blickte die dicken bräunlichen Stämme der Bäume hinauf, bevor ihre Augen die glänzenden Kronen erblickten...

Plötzlich hörte sie ein sirrendes Geräusch und alarmiert blickte sie sich um, suchte den Himmel und die umliegende Umgebung ab.  Sie erkannte ein Funkeln vor ihr und blitzschnell ließ sie sich zur Seite fallen, rollte sich auf der Schulter ab und kam schnell wieder auf die Beine. Da wo sie eben noch gestanden hatte, steckte ein Pfeil schwingend im Boden. Blitzartig traf sie etwas im Rücken, bevor sie noch reagieren konnte und ein raues Seil, an dessen Enden zwei Steine befestigt waren, schlängelte sich um ihren Körper und von der Wucht getroffen fiel sie hart auf den grasbedeckten Boden. Stöhnend blieb sie kurze Zeit liegen, ihre Sinne wirr und ungeordnet. Mit zusammengebissenen Zähnen versuchte sie kläglich sich zu befreien, doch mit jeder weiteren Bewegung rieb  sich das Seil weiter in ihre bloße Haut. Aus zusammengekniffenen Augen blickte sie in die Richtung aus der sie ein Rascheln vernahm und erschrocken weitete sie ihre Augen als drei Gestalten aus den Kronen sprangen und langsam, mit einem verächtlichen Grinsen in ihre Richtung gingen. Ihre Haut, dunkler als die ihre und ihre Blicke kühl und herablassend. Obwohl sie keine Erinnerungen zu haben schien, wusste sie plötzlich, dass dies Schattenelfen sein mussten, doch sie verspürte keinerlei Furcht, obwohl sie glaubte sich in Gefahr zu befinden.

Einer der Schattenelfe kam direkt auf sie zu, streckte langsam eine Hand nach ihr aus, streifte leicht ihre Wange und schließlich bohrte sich seine Hand fest in ihre Schulter. Grob zog er sie mit scheinbar unmenschlichen Kräften zu sich heran, so dass ihrer beiden Gesichter nahe beieinander waren und ein Jeder der beiden den Atem des Anderes auf seiner Haut spüren konnte. Warnend legte der Schattenelf mit den schwarzen Haaren einen seltsam geformten Dolch an ihren Hals und langsam floss ein kleiner Blutstropfen an der Klinge entlang. Mit festem Blick starrte die Elfe in das Gesicht ihres Peinigers und selbst seine violetten, gefühlskalten Augen ließen sie ihren Blick abwenden.

„Wer bist du?“ Fragte der Schattenelf, seinen Mund zu einer Art Lächeln verzogen und dennoch hörte die Elfe versteckte Neugierde in seiner Stimme mitschwingen. Sie überlegte kurz, starrte ihn jedoch weiterhin ohne jegliche Reaktion an ihrem Äußeren an. Ihr Inneres war aufgewühlt von dieser Frage- wie sollte sie etwas beantworten, was sie sich selber nur fragen konnte?!

„Vielleicht ist sie ja stumm.“ Murmelte eine andere Schattenelfe und der Schattenelf vor Yara wirbelte mit verärgertem Blick herum.

„Sei still, Elora!“ Herrschte er sie an und die Elfe konnte sehen wie sich die blauen Augen von Elora langsam zu zwei kleinen, engen Schlitzen verwandelten, die den Schattenelf feindlich ansahen. Doch dieser ließ sich nicht ablenken und wandte sich wieder der Silberhaarigen zu, die bisher kein Wort verloren hatte und nicht einmal den Mund ein wenig geöffnet hatte.

„Wer bist du?“ Schrie der Schattenelf mit blitzenden Augen und drohend verstärkte er den Druck der Klinge auf ihren Hals, so dass weitere Blutstropfen an dem Dolch entlang liefen und langsam zu Boden tropften.

„Das ist wohl nichts, was euch anginge.“ Erwiderte die Elfe und blickte in das fiese Grinsen eines attraktiven Schattenelfs. Bevor sie die Bewegung überhaupt hätte kommen sehen, spürte sie schon seine geballte Faust in ihrem Gesicht und von der Kraft seines Schlages wurde ihr Kopf in ihren Nacken geschleudert. Allmählich stieg Furcht in ihr auf. Ihre Nase schmerzte furchtbar und mit Tränen in den Augen blickte sie den Schattenelf wieder an, der sie abermals zu sich heran zog. Blut lief schleppend aus ihrer Nase über ihre Lippen, über ihr Kinn und schließlich ihrem Hals hinab.

„Ein letztes Mal- sage mir endlich wer du bist.“ Zischelte der Schwarzhaarige und seine andere Hand schloss sich derb um ihr Kinn.

„Mein Name ist Yara. Die Frage ist wohl eher, wer ihr seid. Was wollt ihr von mir?“ Widerfragte die Elfe ruhig und zornig schlug der junge Elf ihr abermals ins Gesicht. Und auch diesmal wurde sie nach hinten geschleudert und blieb schmerzvoll ächzend auf dem Boden liegen.

„Es hat keinen Sinn, Vorn.“ Mischte sich nun wieder Elora ein und mit schwungvollen Schritten näherte sie sich der am Boden liegenden. Ihre violetten Haare hüpften dabei auf und ab und ihre Augen blitzten verräterisch auf. „Sie kann keine Erinnerungen haben. Das weißt auch du, deshalb- wieso fährst du fort?“

Erschrocken blickte die Elfe die Schattenelfe an und langsam öffnete sich ihr Mund, bereit eine Frage zu stellen, doch Vorn, der bisher noch vor ihr kniete, stand unbeherrscht auf und blickt der jungen Elfenfrau entgegen.

„Was fällt dir ein dich einzumischen?!“ Schrie er sie an, doch Elora grinste ihn nur verdrießlich an.   

„Was... Was willst du damit sagen?“ Stammelte die Silberhaarige verwirrt und Elora blickte wieder zu ihr- ihre Augen erfüllt von Hass. Lachend ging sie auf sie zu, packte die Elfe am Kinn und wollte gerade etwas sagen, als sie die Klinge eines Schwertes in ihrem Rücken fühlte. Die Elfe konnte spüren, wie sich die Glieder der Schattenelfe verkrampften und fluchend ließ sie von ihrem Opfer ab und drehte langsam ihren Kopf. Yara spürte, dass sie ihre Hand nach ihr ausgestreckt hätte, wenn sie nicht gefesselt gewesen wäre- Elora schien etwas über sie zu wissen und sie wollte unbedingt erfahren wer sie war, wo sie hingehörte und wo ihr zu Hause war.

„Vorn... Es wäre so einfach, wenn wir sie einfach hier und jetzt töten würden...“ Knurrte Elora böse, doch Vorn schüttelte bekräftigend den Kopf.

„Deswegen wurde ich für diesen Auftrag gewählt. Eure Mordlust macht euch blind.“ Entgegnete Vorn ruhig und beugte sich zu Yara hinunter.

„Wenn du meinst. Aber vergiss eines nicht- wenn wir unser Ziel erreicht haben, wird sie sterben. Ich kann diesen Gestank der Hochelfen nicht mehr ertragen.“ Angewidert schüttelte sie sich und blickte finster zu Yara hinunter, die sie anstarrte.

„Stell dich nicht so an, Elora. Ihr Körper wird dir gehören, doch mir gehört ihre Seele.“ Lachend packte er Yara an den Seilen um ihre Hüften, riss sie grob auf und hievte sie auf seine Schulter. Schmerzvoll stöhnte die Elfe als die Seile ihre zarte Haut aufrissen und sich ihr weißes Kleid an einigen Stellen langsam rötlich färbte.

„Ich kann mir vorstellen, dass du diese Aufgabe sehr gerne übernommen hast.“ Grinste Elora, während sie Vorn folgte und dieser schmunzelte leise. Die Angst, die Yara ergriff konnte sie nicht beschreiben. Die Schmerzen durchfluteten ihren Körper, ihre Schürfwunden pochten leise und ihr Gesicht war von den Schlägen immer noch schmerzverzerrt. Sie versuchte sich zu befreien, mit ihrem Beinen zu strampeln, doch auch diese waren gefesselt. Der Schattenelf, der hinter Vorn herging, blickte sie finster an und ein Schauer strich langsam über ihren Rücken. Sie fing an zu schreien. Der spitze Schrei der Furcht, des Schmerzes und der Verwirrtheit hätte jedem die Glieder erstarren lassen, doch die Schattenelfen gingen grinsend weiter, als ob für sie diese Laute angenehm wären.

„Wo bringt ihr mich hin?“ Wimmerte Yara und sie spürte die kalte Hand von Vorn an ihren Beinen, der sie hielt, damit sie nicht hinunterstürzte.

„Nach Vahlas, Reich der Schattenelfen.“ Antwortete er und Yara öffnete erstaut die Augen. Was sollte sie eigentlich dagegen haben, ins Reich der Schattenelfen geschleppt zu werden?! Sie wusste doch nicht, woher sie kam und vielleicht könnte sie mehr über sich in Erfahrung bringen.

Auf einmal glaubte sie wieder etwas gehört zu haben, ihre zugespitzten Ohren zuckten leise, doch als sie weiter nichts vernahm, entspannte sie sich wieder so gut es ging. Wahrscheinlich waren es Geräusche, die der Wind zu ihnen getragen hatte. Wieder raschelte es und Yara war sich sicher, sich diesmal nicht verhört zu haben. Ächzend drehte sie ihren Kopf und konnte aus den Augenwinkeln den Weg vor ihnen erkennen. Sie wusste nicht woher, doch das Bild, dass sich ihr bot, war ihr seltsam vertraut. Als ob sie es schon länger gesehen hatte... Vor ihnen erstreckte sich noch einige Meter der wunderschöne Boden des Kristallwaldes, doch wie abgeschnitten begann plötzlich karger, scheinbar schwarzer Boden. Die dunklen Bäume ließen ihren Schatten auf die Erde fallen und die Sonne konnte Yara nicht erkennen. Und sie wusste, dass dies der Beginn von Vahlas war, dem Reich der Schattenelfen. Das Rascheln wurde lauter und plötzlich tauchten vier Hochelfen vor ihnen auf, alle gekleidet in wunderschönem grünen Samt, bestickt mit goldenen Facetten.

„Haltet ein.“ Sprach einer der Männer freundlich und streckte die Hand aus, um seine Worte noch zu unterstreichen. „Ich, Ayren Pharn, lasse euch wissen, dass ihr diese Hochelfe nicht in euer dunkles Reich mitnehmen dürft.“

„Und wieso bitte nicht? Sie ist unsere Beute.“ Erwiderte Vorn grob.

„Lasst sie frei.“ Sagte der Weißhaarige Elf mit den freundlichen silbernen Augen erneut und diesmal klang seine Stimme fordernder. Vorn nahm seine Hand von Yaras Bein und ließ sie von seinen Schultern gleiten. Mit einem dumpfen Stöhnen fiel zu hart zu Boden und beobachtete das Treiben der beiden Elfenrassen.

„Wisst ihr, wer sie ist?“ Fragte Vorn auffordernd und Ayren blickte ihn fragend an.

„Nein... Sie ist eine unseres Volkes.“ Bemerkte er zögernd und blickte auf Yara, die ihn anstarrte.

„Und du meinst, dass es eure Pflicht ist sie zu retten? Wir werden sie niemals freiwillig hergeben.“ Erklärte Vorn mit verstecktem Grinsen. Langsam zog er scharrend sein Schwert aus der Scheide und murmelte einen Spruch, woraufhin das Schwert schwarz aufleuchtete und kleine Runenzeichen sich durch seine Klinge zogen. Zwei der Hochelfen wollten ihre Waffen ziehen, doch Ayren hielt sie mit einer Handbewegung davon ab. Sie waren nicht hier um zu kämpfen, wenn sie es vermeiden konnten.

„Was wollt ihr im Austausch für sie?“ Fragte Ayren immer noch freundlich, doch auch zorniger. Die Schattenelfen würden sich niemals ändern.

„Euer Leben...“ Flüsterte Elora leise und kniete sich neben Yara hin. Langsam ließ sie ihren Finger auf der Wange der Elfe nieder und gemächlich wanderte er bis zu ihrem Hals. Yara schauderte als sie die kalte Berührung der Schattenelfe und deren scharfe Nägel an ihrer Haut kratzen spürte. Ihr Körper bäumte sich ein wenig auf und wimmernd wollte sie sich ihren Berührungen entziehen, doch die Fesseln hinderten sie daran.

„Das ist nicht akzeptabel.“ Erwiderte Ayren fest und blickte Yara mit Entsetzen an. Sein Blick wanderte zwischen der Schattenelfe und der Hochelfe hin und her. „Lasst sie in Frieden.“

Lächelnd beugte sich Elora zu Yara nieder, so dass ihr Gesicht nahe an ihrem Ohr war.

„Das Aussehen kann trügen, Elfe. Wenn du mit ihnen gehst wirst du niemals erfahren, wer du wirklich bist.“ Hauchte sie und Yara zuckte zusammen. Ihre Augen wurden groß und der Schock über das Gesagte traf sie tief im Inneren ihres Herzens. Woher wussten sie, dass sie keine Erinnerungen mehr hatte? Woher?! Ihr inneres schrie auf, wollte sich ihr entreißen und der Schmer in ihrem Herzen schien sie zu zerreißen wollen.

„Warum?“ Fragte sie mit Tränen in den Augen. „Warum tut ihr mir das an? Was habe ich euch getan?“

„Egal was du verlauten lässt, Elfe, du wirst uns eines Tages helfen. Helfen die Hochelfen für immer zu vernichten, so dass Shinaye vollständig uns gehört.“

Yara verstand den Sinn ihrer Worte nicht. Sie wollte es nicht verstehen und die Sicherheit, die in Eloras Stimme lag machte sie unsicher.

„Aber warum?“ Fragte sie erneut, doch Elora wendete sich ab, als Vorn ihr einen warnenden Blick zuwarf. „Warum?“ Schrie Yara hinter der Schattenelfe her, die sich zu den Hochelfen wandte, bereit ihre Gefangene zu verteidigen. Sie ließ ihr rechtes Bein nach hinten rutschen und ihre Aura um ihre Gestalt verfärbte sich schwarz, so schwarz wie der Schatten hinter einem Baum am sonnigen Freudentag.

„Wir suchen keinen Streit mit euch.“ Versicherte Ayren abermals, der die Unterhaltung der beiden Elfen verfolgt hatte. „Wir haben keinen Grund uns zu bekämpfen und weitere sinnlose Opfer zu fordern.“

„Ihr habt uns einen gegeben, Hochelf.“ Erwiderte Vorn grinsend. „Diese Elfe gehört uns.“

„Wieso tötet ihr sie nicht, wie die anderen alle auch?!“ Mischte sich nun eine weitere Hochelfe ein, deren Wut deutlich in ihrem Gesicht abzulesen war.

„Beherrsch dich, Kellia. Es hat keinen Sinn mehr.“ Erwiderte Ayren und Vorn lachte auf. Seine langen schwarzen Haare fielen ihm dabei ins Gesicht und Yara glaubte wahrhaftig die Ausgeburt des Bösen vor sich zu haben.

Ohne eine weitere Vorwarnung löste sich Eloras Aura und die wabernde Schwärze schnellte auf die Hochelfen zu. Mit einem Schreckensschrei wich Ayren aus, riss dabei Kellia mit auf den Boden, rappelte sich jedoch schnell wieder auf und blickte die Schattenelfen nun unerbittlich an.

„Wenn ihr es so haben wollt, dann werden wir kämpfen!“ Schrie Ayren, zog sein Schwert und ebenso taten es seine Begleiter, mit Ausnahme von Kellia, die die Schattenelfen aus zusammengepressten, hasserfüllten Augen anblickte. 

„Mein zweites Ich, ausgelöscht durch die Hände der Euren- diese Tat werde ich euch niemals vergeben.“ Yara verstand die hasserfüllten Worte Kellias nicht, doch darüber nachzudenken war nicht der richtige Augenblick. Sie konnte sich nicht rühren und die Spannung zwischen den beiden Elfenrassen war unübersehbar. Mit Augen, erfüllt mit der Erwartung des Todes, gifteten die Schattenelfen die Hochelfen und dann durchbrach ein Schrei Vorns die Stille und mit gezogenem Schwert lief er auf die Hochelfen zu, von denen einer sich mit verängstigten Augen in den Wald zurückzog und daraufhin nicht mehr erschien. Fluchend parierte Ayren den ersten Schlag Vorns, duckte sich unter einen anderen und trat so fest gegen die Kniekehlen des Schattenelfs, so dass er um sein Gleichgewicht kämpfen musste. Währenddessen  prallten die Schwerter der anderen funkensprühend aufeinander und Yara blieb in sicherer Entfernung am Boden liegen, versuchend sich zu befreien. Ein Schrei zog ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Schlachtfeld und sie musste sehen, dass Vorn sich wieder gefangen hatte und unerbittlich auf den Hochelf einschlug, doch dieser war so gewandt, dass er bis jetzt jedem der Schläge mehr oder minder ausweichen konnte. Wütend ließ Vorn unerwartet sein Schwert fallen, schlug mit dem Ellenbogen schreiend mitten ins Gesicht seines Feindes, der schmerzerfüllt zurücktaumelte, sich jedoch auf den Beinen halten konnte und das Blut schnell wegwischte, welches aus seiner Nase tröpfelte. Er blickte nach vorn, doch überrascht musste er auf einen leeren Platz sehen- der Schattenelf war verschwunden! Gehetzt blickte er sich um und mit einem Schmerzenslaut fiel er zu Boden, als er einen harten Schlag in seinem Rücken spürte. Verwirrt rappelte er sich wieder au, rollte zur Seite und diese Reaktion war es, die ihm sein Leben rettete. Dort, wo er eben noch gestanden hatte,  steckte das Schwert Vorns im Boden und der Träger ließ keine Zeit verstreichen. Verächtlich grinsend ließ er die Klinge auf den völlig überrumpelten Hochelf hinuntersausen, der wie erstarrt sitzen blieb und in die Schneide der Waffe blickte, die sein Tod zu bedeuten hatte. Yara sah, dass er erwartend die Augen schloss, doch bevor die Klinge ihn erreichen konnte, schlug Kellia mit solch einer Wucht gegen diese, dass sie aus den Händen des Schattenelfs geschleudert wurde und schwingend im Boden steckend blieb. Zuerst strotzten Vorns Augen vor Hass, doch dann fing er an zu verächtlich zu lachen und brach schließlich in schallendes Gelächter aus. Kellia jedoch ließ sich nicht von ihn beirren und griff ihn an, konnte ihn jedoch nicht erreichen, da Elora ihre Magie zwischen Vorn und sie warf und sie von der Druckwelle zu Boden gerissen wurde.

„Glaubt ihr mit diesen kleinen Taschenspielertricks könnt ihr uns besiegen? Ihr solltet besser mal an euren Kampftechniken feilen, bevor ihr euch entschließt andere retten zu wollen.“ Elora lachte bei Vorns Worten auf und stellte sich hinter ihren Führer um seine Worte noch zu unterstreichen.

„Ihr seid Narren.“ Entgegnete Ayren und Vorn verschlug es die Sprache als der Körper des Hochelfs in einem hellen Licht aufzuglühen begann. „Glaubt ihr, wir haben mit unserer ganzen Kraft gekämpft? Eurer Fehler war es schon immer Feinde zu unterschätzen. Doch ihr werdet euch niemals ändern. Diese Welt wird irgendwann zerbrechen und wenn es so weit kommt, dann wisst, dass ihr dieses Unglück zu tragen habt.“

„Eure Fantasie wird uns nicht schaden, Hochelf. Wir wissen genau, wer an diesem ganzen Schlamassel Schuld ist. Seid ihr es nicht, die uns immer in die Quere kommen und uns so zwingen einen Krieg zu beginnen?! Denkt mal darüber nach.“ Langsam wendete sich Vorn ab, seinen Blick immer noch auf den Hochelf gerichtet, der ihn schockiert und überlegen zugleich anblickte. „Eure Eitelkeit wird euch noch böse zu stehen kommen.“ Als Vorn zu der Stelle blickte, an der Yara gelegen hatte, riss er plötzlich erstaunt seine Augen auf- neben ihr stand ein Hochelf- der, der vorhin geflohen war und Yara stand befreit neben ihm.

„So ist das also...“ Murmelte er leise und laut meinte er: „Glückwunsch, Hochelfen. Dieses eine Mal habt ihr mich an der Nase herumgeführt, doch mögt ihr wissen, dass sie das Unglück heraufbeschwört.“ Yara zuckte zusammen und der Elf neben ihr blickte sie stumm an. In seinen Augen spiegelte sich Furcht und bedrückt blickte sie zu Boden. Wenn Vorn Recht hatte, dann konnte sie einfach nicht die hilfreich ausgestreckte Hand der Hochelfen annehmen. Sie durfte niemanden in Gefahr bringen. Doch Ayren lachte auf und stellte sich stolz hinter Vorn.

„Glaubst du auf so etwas falle ich herein?! Du willst uns nur ängstigen, damit wir sie dir übergeben, doch eines sage ich dir- so wirst du bei mir nichts erreichen.“

„Wenn du meinst, Hochelf.“ Erwiderte Elora und Kellia blickte die Schattenelfe erstaunt an.

„Wollt ihr nicht mehr kämpfen, ihr Ausgeburten des Bösen?“ Fragte die Erstaunte und Vorn wendete seinen Blick zu der jungen Hochelfe.

„Nein. Wenn ihr es so wollt, so sollt ihr euer Schicksal selber in die Dunkelheit lenken. Glaubt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt. Mit oder ohne sie, wir werden euch vernichten.“ Lachend drehte er sich zum Weg führend nach Vahlas- das Reich der Schattenelfen. Mit einem Grinsen auf dem Gesicht begann er langsam auf die wabernde Schwärze zuzugehen und erschrocken und erstaunt zugleich blickten die Hochelfen und Yara den Schattenelfen nach. Elora rannte zu ihrem Führer und fragte ihn leise, warum er dies tat. Warum er die Elfe zurückließ.

„Elora... Beruhige dich. Es läuft alles nach Plan. Ich wusste, dass die Hochelfen hier Spione haben und ich wusste, dass sie kommen würden. Sollen sie ihr Glück bei der Elfe versuchen, doch ich weiß wie es enden wird. Nichts passiert zufällig, meine Liebe. Nichts...“

Die drei Gestalten verschwanden in der Schwärze und schon bald waren ihre Facetten von den wuchtigen, dunklen Bäumen verschluckt worden. Kellia, Ayren und die anderen beiden Hochelfen blickten den Schattenelfen stirnrunzelnd hinterher und Yara ließ sich langsam auf dem weichen Boden nieder. Sie verstand so vieles nicht und die Handlung war ihr unerklärlich. Sie hörte Schritte und als sie aufblickte sah sie in Ayrens Gesicht.

„Wie geht es dir?“ Fragte er sichtlich besorgt und Yara verzog den Mund zu einem Lächeln.

„Danke. Es geht schon wieder... Aber... Ich verstehe nicht, was das sollte. Ich meine, ich kenne sie nicht und ich... Ich weiß doch nichts. Ich...“ Mit einem Mal wurde ihr klar, dass sie Unsinn stammelte und blickte seufzend zu Boden.

„Schon gut. Du wirst später genug Zeit haben uns alles genau zu erklären. Wie heißt du?“ Fragte Ayren beruhigend und strich der Elfe über die Haare.

„Yara.“ Antwortete sie kurz und knapp und ihr Mund verzog sich zu einem wirklichen Lächeln. „Ich danke euch.“

„Yara? Und wie weiter?“ Mischte sich Kellia grob ein und Ayren warf ihr einen vernichtenden Blick zu.

„Halte ein mit deinem Hass. Sie hat dir nichts getan.“

„Das meinst du. Ich glaube kaum, dass sie wirklich eine Hochelfe ist, Ayren. Sieh sie dir doch mal an. Violette Augen haben nur die Schattenelfen. Sie ist mit Sicherheit eine Spionin- was meinst du, warum die Schattenelfen sie so leicht gehen gelassen haben? Sie wollten, dass wir sie mitnehmen.“

„Hör auf solche Gerüchte zu verbreiten, Kellia.“

„Sei doch nicht immer so naiv, Ayren. Auch wenn wir Hochelfen das Gute in jedem sehen wollen, mir ist dies verloren gegangen, als meine Zwillingsschwester in meinen Armen starb. Kommt es dir denn nicht seltsam vor, dass sie einfach gegangen sind?“

„Nein. Wir haben sie besiegt und nun hör auf, Kellia. Ich weiß, dass die Wunde in deinem Herzen schmerzt und niemals richtig heilen wird, doch übertrage deinen Hass nicht auf Andere.“ Erwiderte Ayren leise und Yara blickte Kellia mitleidig an. Sie hatte ein Schmerz in ihrer Brust gespürt. Es war ihr als ob sie den Schmerz Kellias selber spüren konnte.

„Von wegen wir haben sie besiegt! Sie haben eine Niederlage eingesteckt, obwohl sie den klaren Vorteil hatten!“ Schrie die Hochelfe und Ayren kniete sich vor Yara hin.

„Das ist nicht wahr. Sie waren von unserer Strategie sehr beeindruckt und deswegen haben sie uns in Ruhe gelassen.“ Erwiderte Ayren immer noch ruhig, doch allmählich stieg auch in ihm das Ärgernis auf. Verdammt, Kellia hatte ja Recht, aber er wollte Yara unter seinen Augen behalten und sie beobachten. Beim kleinen Anzeichen würde er nicht  zögern sie zu töten, wenn sie zu viel gesehen hatte.

„Ich sehe in ihren das gleiche Empfinden, wie bei einem Schattenelfen, Ayren. Genau so sagen die Augen des Mörders meiner Schwester aus! Ich werde dir niemals verzeihen, wenn du sie mit nach Telenna nimmst.

„Es tut mir leid, wenn ihr euch meinetwegen streitet. Ich will sowieso nicht mit euch gehen.“ Erklärte Yara ruhig, ihren Blick fest auf Kellias Augen gerichtet. „Ich heiße nur Yara. Ich glaube es zumindest. Als ich erwachte wusste ich zwar, dass ich in Tahln war, jedoch weiß ich weder woher ich komme noch wohin ich gehöre. Am besten wäre es, ihr ließet mich hier zurück. In meinem Inneren verspüre ich eine seltsame- vielleicht auch natürliche- Gebundenheit zu diesem Ort.“

„Das kommt überhaupt nicht in Frage. Deine Schürfwunden müssen gereinigt werden und wir Hochelfen lassen keinen unserer Rasse einfach so zurück.“

„Bin ich denn eine der Euren?“ Fragte Yara unsicher und Kellia schürzte abfällig die Lippen und noch bevor Ayren antworten konnte, sprach sie.

„Woher sollen wir wissen, ob du eine Hochelfe bist?! Außerdem- wenn du eine Hochelfe sein solltest, würde es noch lange nicht heißen, dass du eine der Unseren bist. Ich jedenfalls werde dich niemals akzeptieren. Niemals.“

Mit diesen Worten wendete sich Kellia ab und verschwand ohne ein weiteres im Kristallwald. Yara schaute ihr noch lange nach, ihr Herz erfüllt von Schmerz und dennoch konnte sie Kellias Misstrauen verstehen. Sie kannte sie nicht und deswegen beschloss sie es sich nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Seufzend blickte sie Ayren an, der ihr hilfreich eine Hand entgegenstreckte und dankbar lächelnd ergriff Yara diese.

„Ich danke dir, Ayren.“

„Nichts zu danken. Ich führe dich nun in unsere Heimat, nach Halaris, in unseres bescheidenes Dörfchen Telenna.“

Gerührt blickte Yara den Hochelf vor sich an und ihr Herz verzerrte sich danach eine der Seinen anzugehören. Zusammen machten sich die vier Elfen auf den Weg. Stetig kamen sie der in der Sonne strahlenden Bäumen näher und ein letztes Mal zögerte Yara, bevor sie die Grenze von Tahln zu Halaris überschritt. Schmerz zog sich durch ihren Körper, ihre Augen weiteten sich und kraftlos fiel sie auf die Knie, als sie das Reich der Hochelfen betrat. Ihr Körper bäumte sich auf und ein Schrei voller Furcht und Schmerzen entkam ihrer Kehle. Besorgt beugte sich Ayren zu ihr hinunter, bettete sie auf den Boden und hielt ihren Körper am Boden gefesselt, indem er sich über sie beugte. Die beiden anderen Hochelfen standen verwirrt drum herum.

„Was-“ Murmelte Ayren, während er in das verzerrte Gesicht der Elfe blickte. So schnell wie er gekommen war verschwand der pulsierende Schmerz auch wieder und schwer keuchend lag Yara auf dem Boden, blickte in die lichterfüllten Kronen der grünen Bäume, in denen sich Lebewesen tummelten.

„Was war das?“ Murmelte Ayren erneut und Yara blickte zu ihm auf. Schweißtropfen tröpfelten von ihrer Stirn auf das glänzende Gras und die wunderbarste frische Luft, duftend nach Blumen und Natur, erfüllte ihre Lungen.

„Ich weiß es nicht... Es kam so plötzlich. Vielleicht war diese Aufregung ein wenig zu viel für mich.“ Sie selber wusste, dass diese Ausrede nicht der Wahrheit entsprach, doch sie war froh als Ayren munter nickte und nicht weiter auf ihre Antwort einging. Sie spürte das Misstrauen tief in Ayren ihr gegenüber, dass er versuchte zu verbergen. Kellia hatte ihn stutzig gemacht und Yara war ihr nicht einmal böse- sollte sie jemand sein, die den Hochelfen wirklich Schaden zufügen würde, wie Vorn behauptet hatte, so würde sie dies nicht ausführen können, da sie sich unter den wachsamen Augen von Kellia befand. Ein Lächeln huschte bei diesen Gedanken über ihr Gesicht. Ein Vögelchen landete zwitschernd vor ihren Füßen und fröhlich lächelnd beugte sie sich zu ihm hinunter. Und plötzlich verstummt das Vögelchen und flog schreiend davon. Verwirrt blickte Yara hinterher.

„Führst du mich nun nach Telenna, Ayren?“ Fragte sie und Ayren nickte. Er ergriff sie beim Arm und geleitete sie durch Wiesen voller duftender Blumen und weichen Gräsern in einen Wald, in dem der Geruch der Tannenzapfen sich verbreitet hatte und ein Jedem in die Nase stieg.

„Hier ist es so wunderschön.“ Flüsterte Yara, um die Stille des Waldes und das leise Zwitschern der Vögel nicht zu unterbrechen. „Wenn man die Natur hier anblickt, dann öffnet sich einem das Herz und man möchte nur noch lachen.“ Unbeherrscht drehte sich Yara im Kreis und ihr weißes Gewand wirbelte um ihren grazilen Körper.

„Ja, damit hast du Recht.“ Antwortete Ayren und mit einem liebevollem Blick neigte er seinen Kopf zur Seite, während er Yara beobachtete. Ihre silbernen Haare wurden vom Wind ergriffen und sanft in ihr Gesicht weicher Konturen geweht. Sie war das wunderschönste Wesen, welches ihm jemals über den Weg gelaufen war... Sein Herz begann leise zu klopfen, schien ihm etwas sagen zu wollen, doch er hörte nicht auf das versteckte Warnzeichen in ihm, sondern blickte die sich freuende Elfe weiterhin an. Außer Atem ließ sie sich auf den Boden nieder und roch sanft an der Blüte einer violetten Blume. Genießend schloss sie ihre Augen und genoss das Gefühl des Windes auf ihrer Haut, der stoßweise über ihre sanfte Haut strich.

„Das ist eine Monchette.“ Erklärte Ayren, der sich neben Yara niedergelassen hatte, seine Augen auf die Ihren gerichtet, als sie aufblickte und ihn lächelnd ansah.

„Sie ist wunderschön... Und ihr Geruch ist wunderbar.“ Antwortete Yara fröhlich und legte sich auf den Bauch. Spielend strampelte mit ihren Füßen in der Luft. Plötzlich hörte sie einen Dumpfer vor sich und als sie aufblickte, sah sie das Gesicht von Kellia.

„Wie wunderschön sie auch sein mag- sie ist giftig und ich an deiner Stelle würde nicht mehr allzu lange an ihr riechen.“ Erwähnte Kellia grob und verschränkte erwartend die Arme vor der Brust. Erstarrt blickte Yara Kellia an und zog sich langsam von der Monchette zurück. „Es tut mir leid, so...“ Kellia suchte sichtlich nach Worten. „... unfreundlich zu dir gewesen zu sein. Doch ich werde dich genau beobachten und wenn du auch nur einen falschen Schritt machen wirst, werde ich es sein, die dich aus Halaris verbannt.“

„Gut...“ Meinte Yara mit einem Lächeln. „Vielleicht ist es so am besten, denn selbst ich weiß nicht, wer ich bin. Und... Und das schlimmste ist, dass ich gehofft habe, dass mir irgendetwas hier bekannt vorkommen könnte, etwas was mich vielleicht an mein früheres Leben erinnern könnte, doch bis jetzt habe ich nichts gesehen. Alles hier ist so fremd...“

„Und dennoch wohlbekannt?“ Fragte Kellia und ließ sich mit einem Lächeln nieder.

„Ja.“

„Das ist ganz normal. Wir Elfen haben eine besondere Verbindung zur Natur. Dieses Gefühl solltest du niemals vergessen, sonst kannst auch du eine Schattenelfe werden.“

„Eine Schattenelfe werden?“ Fragte Yara neugierig und Kellia nickte.

„Ja, die Hochelfen, die keinerlei Bezug zur Natur haben und die, die mordlustig sind werden aus Halaris verbannt und werden zu gefallenen Hochelfen. Sie schließen sich den Schattenelfen an. Einige kommen zurück, andere verbleiben in den Schwärzen von Vahlas.“ Erklärte Ayren und blickte zu Kellia, die ihn schmerzlich anlächelte. „Aber nun kommt, ihr beiden Schönen. Wir wollen endlich unser Ziel erreichen.“

Sie drangen weiter in den Wald hinein und mit jedem ihrer Schritte schien es Yara als ob ihr Herz schwerer werden würde. Wehmütig blickte sie zurück, doch schon lange konnten ihre lieblichen Augen Tahln nicht mehr erkennen. Je weiter so fortging, desto stärker wurde ihr Inneres Gefühl einfach umzudrehen und zurückzulaufen, doch vielleicht war es auch ihre Angst etwas über ihre Vergangenheit herauszufinden.

„Ayren...“ Begann sie leise, blickte dabei jedoch zu Boden. Sie wusste nicht genau, ob sie nun ihre Frage aussprechen sollte oder nicht.

„Was ist denn, Yara?“ Fragte Ayren fürsorglich und legte der einen Kopf kleineren die Hand auf den Kopf.

„Ist es normal sich vor der eigenen Vergangenheit zu fürchten und sich dennoch nach ihr zu verzehren?“

„Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Hast du denn etwas vor deiner Vergangenheit zu befürchten?“ Antwortete Kellia statt Ayren und blickte zu Yara, die sie überrascht anblickte. Doch dann wandelte sich ihre Mimik ins Melancholische.

„Wenn ich das wüsste wäre mir wohler. Ich sehe in den strahlenden Himmel von Halaris, sehe die weißen Wolken vorbeiziehen, doch ich weiß nicht, ob ich nicht doch irgendwann dieses schöne Paradies zerstören werde, verstehst du?“

„Was meinst du damit?“ Herrschte Kellia auf, packte Yara an den Schulter und schüttelte sie durch. „Sprich endlich! Was hast du damit gemeint?“ Yara zuckte unter ihren groben Berührungen zusammen.

„Elora, die Schattenelfe, sagte es zu mir. Und sie sagte zu mir, dass ich niemals herausfinden werde, wer ich wirklich bin, wenn ich nicht nach Vahlas gehen würde.“

„Kellia, beruhige dich. Sie will uns nichts antun, verstehst du nicht? Sie zögert mit uns zu gehen, da sie Angst davor hat, dass sie doch unser Feind sein könnte.“ An Yara gewandt sprach er weiter. „Egal was du in deiner Vergangenheit gelassen hast, du bestimmst über deine Zukunft. Auch wenn du unserer Feindin gewesen sein sollst, was ich mir nicht vorstellen kann, so kannst du entscheiden, ob du nicht weiterhin unsere Freundin bleibst. Deine Vergangenheit bestimmt nicht über deine Gegenwart und auch nicht über deine Zukunft, verstehst du?“

Yara blickte Ayren überrascht an, während dieser Kellia anblickte.

„Ich habe verstanden Ayren. Ich werde ihr eine Chance geben sich zu beweisen.“ Versicherte Kellia lächelnd und Yara blickte verwirrt zwischen den beiden hin und her. Ayrens Worte schienen ihr so klar zu sein, wie der Kristall, den sie bei ihrem Erwachen erblickt hatte. Unsicher fasste sie in die Tasche ihres Kleides und holte ihn hervor. Die Sonnenstrahlen spiegelten sich facettenreich und Kellia und Ayren blickten lächelnd zu ihr, als sie anfing zu lachen.

„Du hast Recht, Ayren. Doch...“ Sie verstummte, blickte auf den Kristall und ließ ihn wieder in ihrer Tasche verschwinden. „Doch mich lässt die Frage über meine Vergangenheit nicht in Ruhe und nichts anderes verzehrt mich so sehr, als diese eine Wahrheit zu finden.“

„Das kann ich sehr wohl verstehen, doch nun schau, Yara.“ Ayren schob mit seinem rechten kräftigen Arm das Buschwerk zur Seite, ob den beiden Elfinnen einen Weg durch das Gebüsch zu bahnen und staunend blickte Yara auf das kleine Dörfchen hinab, welches tief in einem einsamen Tal gebettet lag. Drumherum der beschützende Wald, im Tale wunderschön gebaute Hütten, verziert mit den wunderbarsten Verzierungen und eine graue Ziertreppe aus Stein wand sich zu einer Erhöhung, auf der eine Hütte stand, die ihr den Atem verschlug. Gebaut, vollkommen aus Holz, schien sie doch so majestätisch zu sein, dass ihr der Anblick der Atem raubte. Kleine Facetten von Gestalten tummelten sich auf dem Platz in der Mitte, in der ein großer Springbrunnen sprudelte und kleine Regenbogen durch die wenigen Wasserspritzer entstanden.

„Ist das... Halaris?“ Stammelte Yara, ihre Augen vor Verwunderung vergrößert und ihre Hände vor ihrer Brust gefaltet.

„Nein.“ Lachte Kellia auf und Yara wandte überrascht ihren Blick zu Kellia- sie lachte. Erleichtert lächelte auch sie und als die Elfe bemerkte, dass sie lachte, hörte sie abrupt auf und ein leicht rötlicher Schein erschien auf ihren Wangen. „Das ist Telenna. Ein kleines Dorf, im Reiche Halaris.“ 

Staunend gingen sie den kleinen Bergpfad weiter hinab. Yara ihren Blick nicht von der Blumenpracht lassen, die ihr in die Augen stieg. Der Zwischenfall mit den Schattenelfen hatte sie schon fast vergessen und aus ihrem Gedächtnis gebannt, doch nur fast und sie war sich sicher, dass für immer ein kleines Stück dieses Erlebnis in ihren Erinnerungen verbleiben würde. In Telenna angekommen wurden sie erst einmal von einem hochgewachsenen, schlanken Elf empfangen, dessen lange, goldenen Haare in der Sonne glänzten. Seine silbernen Augen blickten die drei fröhlich an und seine zugespitzten Ohren schienen jedes Laut vernehmen zu können.

„Es freut mich euch endlich wiederzusehen.“ Begrüßte er sie, mit einem Seitenblick auf Yara. „Der Älteste erwartet euch schon.“

„Der Älteste?“ Flüsterte Yara in Kellias Richtung, doch bevor sie antworten konnte, wurde Yara von dem großen Elf gepackt und an seinen Körper gezogen.

„Ja, Kleine. Der Älteste will auch dich sehen. Besonders dich...“

„Mich?! Aber ich... Ich bin doch erst hier angekommen und ich weiß doch nicht...“

„Keine Angst, er ist sehr nett und wird dich nichts fragen, was du nicht beantworten möchtest. Übrigens, ich bin Sharn Thaeyalla, nenn mich einfach Sharn.“ Yara blickte in sein Grinsen und ihre linke Gesichtshälfte fing verdächtig an zu zucken, als sie die Hand von Sharn um ihre Hüfte spürte. Ihr wütender Blick gab ihm zu verstehen, seine Hand dort wegzunehmen und lachend winkte er den anderen Elfen zu. Die zwei Begleiter verließen die Gruppe wieder und Yara blickte fragend die verbliebenen Elfen an, in welche Richtung sie gehen mussten. Ayren nahm die beiden Elfinnen an den Armen und führte sie zusammen zu der steinernen Treppe, die steil in die Höhe führte und langsam begannen sie hinauf zu steigen. Unter ihren nackten Füßen spürten sie die rauen Steine, die erhitzt waren von der Wärme, die auf sie strahlte. Noch von weitem konnte man den Unterschied in ihrer Hautfarbe sehen,...

Oben endlich angekommen waren Ayren und Kellia etwas aus der Puste, entgegen von Yara, die die beiden anblickte und sofort weitergegangen wäre. Sie fühlte sich noch nicht einmal ein bisschen matt und schulterzuckend setzte auch sie sich auf die letzte Treppenstufe um den beiden eine Rast zu gönnen. Ihre Augen streiften noch einmal die Umgebung, in die sie sich wieder verlor und erst das leichte Schütteln an ihrer Schulter riss sie in die Wirklichkeit zurück. Zusammen gingen die drei durch den Eingang des Hauses, bedeckt durch einen bestickten Wandteppich. Als sie in den erhellten und mit einem wunderschönen Teppich ausgelegten Raum traten, erblickten sie den Ältesten auf einem Kissen sitzend und ohne Zögern ließen sich Ayren und Kellia vor ihm nieder, während Yara noch stutzte.

„Setz dich doch, mein Kind. Setz dich.“ Forderte der Älteste, sein Gesicht in Falten gelegt, sie freundlich auf. Unter buschigen Augenbrauen sah er die Zögernde an und schließlich nickte sie und setzte sich neben Kellia auf den Boden. Betreten blickte sie zu Boden, doch als Kellia ihren Ellenboden leicht in ihre Seite schlug, blickte sie wieder auf und sah dem Dorfältesten in seine bronzenen Augen, dessen einst goldene Farbe mit dem Alter verblasst war. Seine kurzen weißen Haare fielen auf seine Stirn.

„Wie heißt du?“

„Yara ist mein Name. Weiteres kann ich euch nicht sagen, denn ich habe leider keinerlei Erinnerungen an meine Vergangenheit.“

„Ich verstehe... Ich habe deine Anwesenheit gespürt. Du verbreitest eine Aura, die mir angenehm ist und mich im nächsten Augenblick zum Schaudern bringt. Mein Name ist Gelroos Valas Coborel, aber nenn mich einfach Valas. Ich wollte dich willkommen heißen, mein Kind.“ Valas sah sie eindringlich an, seine Augen freundlich und Yara lächelte glücklich zurück.

„Darf ich das so verstehen, dass ich hier bleiben darf? In Telenna?“ Erfragte die Elfe und auf Valas Nicken schloss sie kurz die Augen. „Ich danke euch.“ Sie wusste selber nicht, ob sie dankbar sein sollte. Vielleicht wäre es besser gewesen, sie wäre fortgeschickt worden... Der Dorfälteste schickte Yara und Kellia hinaus, als sich jedoch auch Ayren erheben wollte, hielt er ihn mit einer Handbewegung davon ab.

„Ayren, ich muss mit dir sprechen.“

„Sehr wohl, Gelroos.“

„Es war ein Wunder, dass ihr die Schattenelfen noch aufgehalten habt die Elfe mitzunehmen. Ich wollte sie empfangen, um mir ein eigenes Bild von ihr zu machen- unsere Spione waren wieder um der rechten Zeit am richtigen Ort.“ Gelroos Blick wandte sich dem Teppich unter seinen Füßen zu. In Gedanken versunken beobachtete Ayren den Berater seines Dorfes, wohlgeschätzt war seine Meinung durch seine weise Lebenserfahrung.

„Worauf wollt ihr hinaus, Gelroos?“ Fragte Ayren zweifelnd, denn in Gelroos Stimme hatte etwas verborgenes gelegen.

„Du musst vorsichtig sein. Ich spüre zwar keinerlei Gefahr aus den Wäldern und der umliegenden Umgebung, doch... Die Gefahr des Untergangs von Halaris liegt in der Luft, der Wind erzählt es mir Tag für Tag. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Reich der Hochelfen zerstört wird.“ Bitterkeit legte sich in Valas Stimme. Er spürte die Gefahr genauso gut wie Valas, hatte die Natur ihn doch auch mit dieser Eigenschaft beglückt.

„Ich werde euch nicht enttäuschen.“ Erwiderte er und wollte den Ältesten verlassen, doch dieser hielt ihn abermals zurück.

„Was die Elfe angeht- habe immer ein wachsames Auge auf ihr. Ich weiß nicht warum, aber ich fange an ihr zu misstrauen. Wie ich gesagt habe, ihre Aura ist gut... aber auch böse.“

„Sehr wohl.“

Mit den letzten Worten verließ auch er den Ältesten und schloss sich draußen Kellia und Yara an, die ihn mit neugierigen Blicken durchlöcherten. Doch er schwieg und antwortete auf keine Frage der Beiden... Das sie in diesen Zeiten selbst dem eigenen Volk misstrauen mussten, ließ Ayren seufzen. Zusammen machten sie sich auf den Weg ins Dorf, Yara ging schleppend hinterher. Sie spürte, dass etwas mit ihr nicht in Ordnung war, doch sie konnte das Netz vor ihren Erinnerungen einfach nicht zerfetzen. Für eine kurze Zeit leuchteten ihre Augen auf, doch die Farbe verblasste wieder so schnell wie sie gekommen war, ohne bemerkt zu werden.

„Yara. Du kannst bei Kellia schlafen. Ich habe mit ihr geredet. Morgen sehen wir uns wieder.“ Verabschiedete sich der Hochelf und Yara schielte unbemerkt zu Kellia, die mit verschränkten Armen dastand und Ayren beleidigt hinterher blickte.

„Komm schon mit, Elfe.“ Lachte die Hochelfe auf, als sie Yaras zweifelnden Blick auffing. „Mir ist deine Anwesenheit nicht unangenehm.“

Lachend packte sie sie am Arm und zog sie mit sich, zu einem kleinen Häuschen und beim Öffnen der Tür schlug ihnen warme Luft entgegen. Draußen dunkelte es langsam, das Zirpen der Grillen und das Heulen der Eulen kündigten die bevorstehende Nacht an. Yara trat zögernd in das bescheidene Haus ein und sah sich um- die Wände geschmückt mit wunderschönen Gemälden, an einer Wand war ein Kamin eingebaut und ein wuchtiger Holztisch mit verschnörkelten Standbeinen stand zusammen mit einigen Stühlen mitten im Zimmer.

„Setz dich, ich hole schnell etwas zu Essen.“ Bot Kellia an und müde setzte Yara sich auf einen Stuhl, stützte ihre Ellenbogen auf den Tisch und blickte die Vase, gefüllt mit Blumen, vor sich an. Ihr Duft verbreitete sich durch das ganze Zimmer und genüsslich schloss Yara abermals die Augen. Sie konnte sich nicht helfen, doch wen sie die Blumen betrachtete und ihren süßlichen Duft schnupperte, waren ihre Bedenken wie vergessen. Als sie ein Geräusch hörte blickte sie auf und sah auf den Teller mit frischem Salat, einigen Früchten, ein kleines Stück Fleisch und einen kleinen Brotlaib auf ihren Teller liegen. Obwohl alles ansehnlich hergerichtet war, verspürte sie keinen Hunger, obwohl sie den ganzen Tag nichts zwischen den Zähnen hatte.

„Danke.“ Meinte sie, um Kellia, die sich vor sie gesetzt hatte, nicht zu beleidigen und fing an zu essen.

„Die Blumen riechen schön, nicht wahr?“ Fragte Kellia und Yara blickte von ihrem Teller auf. Die Hochelfe blickte die wunderschönen Blumen an und lächelte dabei. „Sie helfen einem die Schmerzen zu vergessen.“

„Ja.“ Auf Yaras Gesicht erschien ein Lächeln und Kellias Blick wurde schmerzvoll, doch Yara wollte nicht nachfragen, sie hatte kein Recht dazu... Nach dem Essen legten sich die beiden Elfinnen schlafen, doch noch lange konnte Yara keinen Schlaf finden, bis sich endlich ihre Augen von alleine zu schließen schienen....

 

© by Julia Schmidt