Neon Genesis Evangelion: Meine Liebe gilt...
Kapitel 1 - Valentinstag
Geschrieben von Alain Gravel
<rakna@globetrotter.qc.ca>
Übersetzt von Markus Steiner
<schweinehirt@t-online.de>
http://www.geocities.com/Tokyo/Teahouse/2236/
Based on
characters created by and copyright GAINAX.
Anmerkung:
Die Geschichte beginnt nach Episode 14 und geht bis zum Ende
der Serie (außer ich ändere meine Pläne). Also wen ihr noch nicht die komplette
Serie oder den End of Evangelion Movie gesehen habt, sollte ihr einige Spoiler
erwarten. Ich werde euch nicht noch einmal warnen.
Noch eine andere Anmerkung. Es gibt einen Prolog zu diesem
Kapitel und die Kenntnis dieses Prologs wird auch helfen zu verstehen was vor
sich geht. Er würde ursprünglich als die Kurzgeschichte „Valentinstag: Ayanami
Rei“ veröffentlicht. Die überarbeitete Fassung ist jetzt Teil der „The One I
Love is...“ Serie.
Ich war überrrascht zu sehen das meine Mitbewohner ihr
Frühstück schon fast beendet hatten. Das war ungewohnt. Besonders da ich heute
mit Kochen an der Reihe war. Aber Asuka hatte sich anscheinend für Toast mit
Himbeermarmelade entschieden. Und was Misato betrifft... solange Bier im
Kühlschrank war, war die Welt in Ordnung. Und es kam äußerst selten vor das
dort kein Bier war. Mittlerweile glaubete ich sie trinkt soviel von diesem Zeug
das sie ausschließlich davon leben könnte.
„Das ist nicht fair!“
Schwierigkeiten. Asuka war wieder mal in schlechter
Stimmung. Das kam für mich nicht völlig unerwartet. Ich wurde bereits Zeuge
einer ähnlichen Szene vor zwei Wochen. Und mir war klar das ich dieselbe Szene
in zwei Wochen wieder erleben würde.
Tja, Asuka war in schlechter Stimmung, was hieß das sie, um
ihren Frust abzureagieren, wahrscheinlich wieder mal auf mir herumhacken würde.
Dabei hatte ich noch Glück; es hätte noch wesentlich schlimmer sein können.
Zumindest waren es nicht diese *Tage*
im Monat! Nun, das war jedenfalls das was ich annahm. Wirklich sicher konnte
ich mir aber nicht sein.
Schweigend beschloß ich mich in mein Schicksal zu fügen und
bereitete mir mein eigenes Frühstück zu. Einfach nur Eier und Toast. Ich war
mir nicht sicher ob ich momentan die Kraft für etwas komplizierteres
aufgebracht hätte. Für einen Moment überlegte ich ob ich meine beiden
Mitbewohner grüßen sollte, aber als ich Asukas Blick sah entschied ich mich das
es besser wäre zu schweigen. Am besten ich versuchte solange wie mögliche
unbemerkt zu bleiben.
„Das Leben ist selten fair, Asuka.“
Was für eine Überraschung. Misato schien heute in
ernsthafter Stimmung zu sein. Untypisch für Sie. Wahrscheinlich würde sie aber
bald wieder in ihre verantwortungslos-fröhlich-stichelnde Art zurückfallen.
„Aber es ist Sonntag! Nich nur Sonntag, sondern dazu auch
noch Valentinstag!“
Asuka war offensichtlich unglücklich. Ich konnte nicht
anders als bei diesem Gedanken zu erschaudern. Während mir irgendein dummer
Feiertag absolut egal war, fühlte sich Asuka sich verpflichtet einen großen
Aufstand deswegen zu machen.
Schweigend dachte ich mir: „Irgendwie habe ich geahnt das
ich heute noch die Hölle durchleben würde. Vielleicht rettet mich ja eine
Engelattacke...“
Aber dann wären wieder die Engel verantwortlich für diese
Misere.
„Asuka, du weißt ganz genau wie der Tokyo-3 Schulplan
aussieht. Wegen der Engelattacken sind eine Menge Schultage ausgefallen.
Deswegen ist alle zwei Wochen der Sonntag ein Schultag.“
Ich konnte spüren das Misato langsam die Geduld verlor.
Asuka hatte in dieser Argumentation bereits den kürzeren gezogen. Sie wußte es
nur noch nicht.
„Das stinkt!“
„Vielleicht. Aber du wirst trotzdem gehen, und wen ich es
dir befehlen muß.“
„Aber das ist nicht fair! Baka Shinji, sag irgendwas!“
Nun, soviel dazu unbemerkt zu bleiben.
„Haben wir den heute keine Synchrontests, Misato-san?“
Die klassiche Ikari Shinji Ausweichtaktik. Wen du verzweifelt
versuchst die Realität zu ignorieren, glaubst man sogar selber daran. Wie auch
immer, ich wußte das es wahrscheinlich nicht fuktionieren würde. Asuka war
wütend und murmelte ein paar deutsche Beleidigungen, falls ich es richtig
verstanden hatte. Eine Explosion stand unmittelbar bevor. Aber das Glück, mit
Namen Misato Katsuragi, war auf meiner Seite.
„Nein, Shinji-kun.“ Ich konnte sehen wie sich ein Grinsen
auf quer über ihr Gesicht zog. Fur eine Sekunde fragte ich mich ob das ein
gutes oder ein schlechtes Zeichen war. „Heute schmeissen wir eine PARTY!!!“
Das weckte Asukas Aufmerksamkeit. Eine Party... Ich war
nicht sonderlich begeistert von der Idee schon wieder eine Party zu feiern,
aber zumindest trug es beträchtlich dazu bei das Asuka sich wieder beruhigte.
„Eine Party?“
Asuka war auf einmal Feuer und Flamme. Das machte Misato nur
noch fröhlicher.
„Ja! Es kommen Ritsuko, Maya, Shigeru, Makoto... Ihr könnt
auch eure Schulfreunde fragen ob sie kommen wollen. Vergeß nicht auch Rei zu
fragen.“
„Wen kümmert schon Rei! Was ist mit Kaji? Wird er kommen?“
Sämtliches Blut schien plötzlich aus dem Gesicht des Majors
zu weichen. Ich wäre beinahe in Gelächter ausgebrochen.
„Nun, ich weiß nicht ob...“
„Juhu! Ich werde ihn gleich anrufen!“ sagte Asuka und ignorierte
dabei vollständig die Antwort des Majors.
„... er kommen sollte. Verdammt! Sie hat nicht ein einziges
Wort von dem gehört was ich gesagt habe...“
Schweigend beendete ich meine Mahlzeit. Nachdem Misato
offensichtlich nicht mehr in der Stimmung war weiterzuessen und Asuka ihre
Mahlzeit komplett vergessen zu haben schien, beschloß ich den Tisch abzuräumen.
Anderenfalls würde das Geschirr einfach stehenbleiben.
Eine Party. Während es immer schön war die Leute zu sehen
die ich als meine Freunde ansah, war ich von der Party nicht sonderlich
begeistert. Partys waren zu laut und überfüllt für meinen Geschmack. Nun gut,
das war immer noch besser als eine wütende Asuka ertragen zu müssen.
* * *
Schule. Ein weiterer langweiliger Schultag.
Die Klasse war heute morgen ziemliche belebt. Die Mädchen
machten ein ziemliches Theater um diesen Valentinskram. Ich war wirklich
überrascht als ich sah das Touji von Hikari Schokolade geschenkt bekam. Ich
dachte mir schon das sie Gefühle für ihn hegte, hätte aber nie angenommen das
sie es ihm gesteht, schon gar nicht in aller Öffentlichkeit. Touji war
offensichtlich sehr verlegen deswegen. Sein Gesicht erinnerte mich
unwillkürlich an eine knallrote Tomate. Kensuke´s Kommentare halfen dem armen
„Paar“ auch nicht geradeweiter. Ich hoffte nur das Touji nicht irgendetwas
dummes sagen würde. Hikari ist ein nettes Mädchen. Es wäre wirklich
unverzeihlich wen er ihre Gefühle verletzen würde. Asuka schien aus irgendeinem
Grund wütend zu sein. Jednefalls warf sie mir die ganze Zeit düstere Blicke zu.
Da ich nicht wußte was mit ihr los war, entschied ich das es das beste wäre sie
einfach zu ignorieren, zumindest solange bis sie sich wieder beruhigt hatte.
Also legte ich meinen Kopf auf den Tisch und wartete darauf das der stupide
Vortrag über den Second Impact beginnen würde. Mit ein bißchen Glück würde ich
bald einschlafen. Auf einmal verstummten alle. Neugierig hob ich meinen Kopf
und war schockiert von dem was ich sah.
Ayanami Rei, die etwas in der Hand hielt das offensichtlich
eine Schokoladenschachtel war, kam langsam auf mich zu.
Nein! Sie wird doch nicht... Sie kann doch nicht...
Ich erstarrte buchstäblich
Ihr üblicher neutraler Gesichtsausdruck war verschwunden.
Ihre Hände und Lippen zitterten. In ihren roten Augen konnte ich... Furcht
sehen. Da war aber nocht etwas anderes. Ich war mir nicht ganz sicher: ein
Funke von Vitalität den ich noch niemals zuvor an ihr gesehen habe.
Ich war wie hypnotisiert.
Sie überreichte mir die Schachtel. Ich war überrascht meine
eigenen Hände zittern zu sehen. Für einen kurzen Moment berührten sich unsere
Finger. Es war eine der größten Sensationen die ich jemals gefühlt hatte.
„Das ist für dich, Ikari-kun.“
Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube ich habe es
irgendwie geschafft mich zu bedanken.
Sie lächelte. Dieses seltene, so kostbare und wunderschöne
Lächeln.
Um uns herum fielen einige Schüler von ihren Stühlen. Andere
wurden ohnmächtig. Ich schenkte dem keine weitere Beachtung. Ich schwebte
momentan im siebten Himmel. Als ich wieder halbwegs bei Sinnen war ging Rei
bereits wieder zu ihrem Tisch. Ihr Gesicht zeigte wieder die übliche neutrale
und emotionslose Maske. Nur die Schachtel Schokolade in meiner Hand bewies mir
das das ganze nicht nur ein Traum war.
„So ist es richtig, Shinji! Du Glückspilz!“
Froh den Druck von seinen Schultern zu haben war nun Touji
an der Reihe mich aufzuziehen. Die Gerüchteküche war bereits mächtig am kochen
um das „was“, „warum“, „wann“ und „wie“ meiner Beziehung mit Ayanami
herauszufinden. Da Rei wieder zu ihrem normalen emotionslosen Selbst
zurückgekehrt war, war ich es der nun von den Mädchen der Klasse mit Fragen
regelrecht gelöchert wurde. Es war schlimmer als vor ein paar Monaten, als alle
herausgefunden haben das ich der Pilot von EVA-01 bin. Ich lief knallrot an.
Offen gesagt wäre ich am liebsten unter den Tisch gekrochen um mich dort zu
verstecken. Überraschenderweise hörte ich im Hintergrund ein paar Mädchen sagen
wie sehr sie Rei beneideten. Das erstaunte mich nun wirklich!. Es war eine
größere Überraschung als die tödlichen Blicke die mir von einigen Jungs in der
Klasse zugeworfen wurden. Während ich wußte das Rei´s Persönlichkeit, oder
besser gesagt ihr Mangel an Persönlichkeit, die Leute abschreckte, war mir auch
klar das einige Jungen in der Klasse buchstäblich nach ihr lechzten. Sie war
trotz allem, auf eine geheimnisvolle Art, sehr attraktiv. Und ich war jetzt
plötzlich für diese Jungen ihr größte Rivale. Großartig...
Zum zweiten Mal bevor der Unterricht startete wurde es
totenstill im Klassenzimmer. Ich spürte das etwas ÜBERHAUPT nicht in Ordnung
war.
„IKARI SHINJI!“
Oh, mein Gott! Asuka!
Sie sah nicht wütend aus. Nein. Es war viel schlimmer. Sie
war regelrecht furchteinflößend. Mehr als einer dieser gottverdammten Engel.
Ich erstarrte. Schon wieder.
Furcht ist eine wirklich interessante Sache. Ich konnte den
Tentakeln eines hochhausgroßen Monsters ausweichen während ich einen ebenso
großen Mecha steuerte und schaffe es trotzdem noch mich von einem Mädchen
ohrfeigen zu lassen. Verdammt das hat wehgetan! Ich war wirklich froh das mich
nicht ihre Faust getroffen hatte.
Am Rand meines Blickfelds konnte ich erhaschen wie Rei
aufstand. Ihr Gesicht zeigte eine Wut die wahrscheinlich ebenso groß war wie
jene die auf Asuka´s Gesicht zu sehen war.
„Ayanami!“
Der Tonfall meiner Stimme überraschte mich. Kein Zögern.
Kein Zeichen meiner üblichen Schüchternheit. Es war mehr ein... Kommandoton.
Ein wenig wie mein Vater. Der Gedanke störte mich. Rei bewegte sich nicht. Mein
unausgesprochenes Kommando akzeptierend, nickte sie, lächelte mich an und
schickte einen wütenden Blick in Asukas Richtung.
Da das Problem mit Rei erledigt war, verlagerte ich meine
Aufmerksamkeit auf den Rotschopf. Sie sah immer noch wütend aus, aber... sie
hatte mit einem mal Tränen in den Augen. Es war mir in diesem Moment unmöglich
wütend auf sie zu sein. Asukas Reaktionen sind immer ziemlich extrem. Das ist
nun wirklich nichts ungewöhnliches. Eigentlich macht das sogar einen Teil ihres
Charmes aus. Aber Tränen. Ich habe sie bisher nur ein einziges mal weinen
sehen. Das war in der Nacht bevor wir gegen den siebten Engel gekämpft haben.
Und es war nur eine einzige Träne während sie schlief. Sie so zu sehen... fast
schon zerbrechlich. Ohne ihre übliche Arroganz. Ich konnte es einfach nicht
glauben.
„Warum?“ fragte ich sie sanft.
Sie sah mich mit einem hasserfüllten Blick an. Ich bereitete
mich auf eine weiter Ohrfeige vor.
„Baka Shinji!“
Dann... lief sie aus dem Klassenzimmer wobei sie fast den
Lehrer über den Haufen rannte.
„Was stimmt bloß mit diesem Mädchen nicht?“ fragte Touji.
Er wurde von einer wütenden Hikari zum Schweigen gebracht.
„Suzuhara“
Touji wurde plötzlich ruhig. Sehr, sehr ruhig. Aber er hat
eine interessante Frage gestellt. Was war ihr Problem?
Könnte sie möglicherweise...
Nein...
Sie wird doch nicht eifersüchtig sein. Würde sie?
Nein. Niemals.
Aber warum dann die Tränen?
Vielleicht hatte sie irgendetwas in ihren Augen. Ja, das
mußte es sein. Irgendetwas, vielleicht ein Staubkorn? Ich war mit Sicherheit
nicht dumm genung das zu glauben...
Bald hatte sich wieder alles normalisiert. Hikari erledigte
die übliche „aufstehen“, „verbeugen“, „hinsetzen“ Routine. Ein neuer Schultag
hatte begonnen.
Als der Lehrer mit seinem Vortrag über den Second Impact
begann, brach ich endgültig über meinem Tisch zusammen. Ich fühlte mich völlig
erledigt.
Asukas übliche Stimmungsschwankungen zu ertragen war schon
schlimm genung. Aber heute war es schlimmer als je zuvor. Diese Tränen... Und
der Höhepunkt von allem war das ich auch noch mit einer überemotionalen Rei fertig
werden mußte. Das war einfach zu viel für mich. Meine Gedanken waren ein Chaos.
Ich war müde von meinen Versuchen nicht vor der Realität wegzulaufen und
schlief ein. Niemand würde es bemerken, und selbst wen, es wäre mir egal.
* * *
„IKARI-KUN! Wie kannst du Asuka das nur antun?!“
Ich wachte auf, wachgerüttelt von einer wütenden
Klassensprecherin. Ich öffnete desorientiert und verwirrt meine Augen. Touji
kam mir augenblicklich zu Hilfe.
„Schüttel ihn nicht so durch! Der Junge muß schlielich noch
die Welt retten.“
Ja... So war es schon besser. Nachdem mein Kopf nicht mehr
hin- und hergeworfen wurde, konnte ich leichter verstehen was hier eigentlich
vor sich ging. Offensichtlich war ich in der Schule. Was eigentlich naheliegend
ist, schließlich bin ich hier ja auch eingeschlafen. Und weil die einzigen
Schüler im Klassenraum Hikari und Touji (der wohl hier war um mich vor Hikari
zu beschützen) waren, nahm ich an das es Zeit zum Essen war. Ich war am
verhungern. Ein Blick auf die Uhr bestätigte meine Vermutung. Es war kurz nach
Mittag.
„Wie konntest du das nur tun!“
„Was?“
Du hast sie nicht beachtet. Und du hast sie zum weinen
gebracht.“
Wie meinte sie das? Es war schwer sie nicht zu beachten. Es
war sogar verdammt schwer ein Mädchen nicht zu beachten wen sie versucht dich
aufzumischen. Und ich habe ganz bestimmt nichts getan was sie zum weinen hätte
bringen können. Sie hat nicht geweint. Nein. Da waren Tränen. Aber sie hat ganz
sicher nicht geweint.
Was dann?
„Ich habe überhaupt nichts getan!“
„Genau. Du hast überhaupt nichts getan. Du bist nur
dagestanden und hast Ayanamis Schokolade angenommen!“
„Und?“
„Nimmst du den überhaupt keine Rücksicht auf Asukas
Gefühle?“
„Was meinst du mit Asukas
Gefühle?“
Hikari war offensichtlich überrascht. Sie schien etwas sagen
zu wollen, schien es sich dann aber anders zu überlegen.
„Suzuhara-kun, würdest du bitte draussen auf mich warten.“
Mir gefiel der Tonfall dieser Worte nicht.
„Du weißt es wirklich nicht Ikari-kun? Asuka liebt dich!
Seid ihr beide den nicht ein Paar?“
Was sollte das? Hat Hikari wirklich gerade das gesagt was
ich glaube gehört zu haben? Und glaubt sie auch wirklich was sie gesagt hat?
„Wie bitte? Wir sind kein Paar!“
Wie ist sie bloß darauf gekommen? Asuka. Meine Freundin? Das
war wohl der schlechteste Witz den ich je gehört habe.
„Sie hackt andauernd auf mir herum! Sie versucht ständig
mich fertigzumachen! Ich bin vermutlich das was sie als ihren größten Rivalen
ansieht. Wir schaffen es kaum miteinander zu leben. Es würde mich nicht
überraschen wen sie mich hasst. Und jetzt sagst du auf einmal das sie in mich
verliebt ist?“
„Ja!“
„Hast du mir nicht zugehört...?!
„Ihr Jungs könnt so blind sein! Sie würde sich nicht die
Mühe machen dich zu ärgern wen sie dich hassen würde! Du bist vermutlich die
einzige Person die sie wirklich respektiert! Ja, du bist wahrscheinliche ihre
größte Bedrohung. Aber du bist auch die einzige Person mit der sie sich
identifizieren kann. Wen du doch nur nicht so ein Idiot und Schlappschwanz
wärst...“
Ich konnte es nicht glauben. Ich wollte es einfach nicht
glauben. Das konnte sie doch nicht ernst meinen, oder doch?
Nein. Das war nicht wahr. Andererseits, wen ich darüber
nachdachte was heute morgen passiert war...
Nein, nein, nein...
„Es kann nicht sein...“
Es war einfach zuviel. Zuviel. Ich versuchte so gut ich
konnte meine Umwelt und diese Gedanken zu ignorieren.
Ich wollte nicht über Rei nachdenken. Ihr Lächeln.
Ich wollte nicht über Asuka nachdenken. Ihren wütenden
Gesichtsausdruck. Ihre Tränen.
Ich wollte nicht über Freundschaft nachdenken.
Ich wollte nicht über Liebe nachdenken.
Ich wollte überhaupt nicht denken.
Aber ich konnte es nicht. Es gab... keinen Platz zu dem ich
hätte wegrennen können.
Als ich langsam wieder in die Realität zurückfand starrten
mich Hikari und Touji mit einem besorgten Gesichtsausdruck an.
Hikari hatte Touji anscheinend wieder zurückgeholt.
„Bist du... bist du in Ordnung, Shinji?“ fragte Touji.
Es war mir momentan unmöglich zu antworten. Ich nickte
einfach.
„Es tut mir so leid Shinji! Ich habe nicht... ich habe nicht
über deine Gefühle nachgedacht...“
Hikari stand kurz davor in Tränen auszubrechen. Mädchen. Wie
sensibel sie doch waren.
„Ist schon in Ordnung.“
Sie machte einen erleichterten Gesichtsausdruck.
Ich konzentrierte mich auf Hikari.
„Was meinst du soll ich nun tun?“
Sie machte diesen „Was meinst du?“ Blick.
„Ich weiß nicht was ich tun soll. Ich. Rei. Asuka. Es ist
alles so furchtbar kompliziert. Ich weiß nicht was ich denken soll. Sag mir
einfach nur was ich tun soll.“
„Nun du könntest damit anfangen dich bei Asuka zu
entschuldigen... Du könnest ihr auch ein Geschenk geben.!“
„Ein Geschenk...“
Für eine Weile schaute ich auf die Schokoladenschachtel die
Rei mir gegeben hatte. Ein Geschenk. Ein Zeichen. Welcher Art? Der
Freundschaft? Der Liebe?
Ich dachte darüber nach ob ich diese Schachtel Asuka geben
sollte. Aber dann wurde mir klar wie unfair es beiden gegenüber wäre. Rei und
Asuka.
„Ja.“
Ich stand auf, namm die Schachtel und ging auf die Tür zu.
Als ich bereits gehen wollte blickte ich noch einmal zu meinen Freunden.
„Danke.“
Plötzlich fiel mir noch etwas ein.
„Misato gibt heute abend eine Party. Bitte kommt. Asuka wird
dich wahrscheinlich brauchen, Hikari. Und ich denke nicht das ich es alleine
überstehen werde. Gebt Kensuke Bescheid. Und... Rei.“
Touji nickte.
„Verlaß dich auf mich.“
Das werde ich. Gott weiß das werde ich.
Ich machte mich dann auf den Weg um die notwendigen
Vorbereitungen zu erledigen. Ich hatte einiges zu tun. Ich konnte mich voll und
ganz darauf konzentrieren und alles andere für eine Weile vergessen. Später war
noch genug Zeit um sich Sorgen zu machen.
* * *
Ein paar Minuten später wunderte ich mich warum ich zuvor in
Panik geraten war. Eigentlich sollte ich mich geehrt fühlen. Eine Zeitlang war
ich sehr an Rei interessiert. Jetzt bin ich an Asuka interessiert. Warum sollte
ich nicht mit dem Gedanken glücklich sein das zwei der attraktivsten Mädchen
meiner Klasse an mir interessiert sind? War das nicht etwas was ich immer
wollte? Jemanden der sich um mich kümmert.
Trotzdem machte mich dieser Gedanken nicht glücklich.
Wahrscheinlich weil ich es einfach nicht glauben wollte. Und wen ich es täte
und falsch liegen würde... Wie lange würden es dauern bis sie mich einfach
zurückzuließen, allein, so wie Vater es getan hat? War es dann letztendlich
nicht besser den Schwierigkeiten und dem Schmerz einfach aus dem Weg zu gehen?
Warum ließ ich sie nicht in erster Linie meine Freunde sein?
Aber waren sie meine Freunde? Asuka ärgerte mich immer und
ging mir auf die Nerven. Rei... war eben Rei. Eigentlich kannte ich keine von
beiden richtig.
Ich seufzte und massierte meine Stirn. Langsam bekam ich
Kopfschmerzen.
Ich kam schließlich bei einem kleinen Supermarkt an. Ich
kannte diesen Laden ganz gut. Nach dem Misato ganz in der nähe eingzogen war, konnte
der Besitzer seinen Alkoholverkauf verdreifachen. Zumindest hat er das
behauptet. Ich sah mir an was an Valentinsgeschenken noch da war. Die Auswahl
war nicht besonders groß. Aber ich hatte auch nicht irgendetwas phantasievolles
geplant. Ich wollte das Ganze einfach nur so schnell wie möglich hinter mich
bringen und dann wieder vergessen. Zudem hatte ich nicht sonderlich viel Geld.
Nur ein paar Yen die von Misato´s letzter Bierbestellung übrig waren. Ich hatte
vergessen ihr das Geld zurückzugeben und sie war zu betrunken um danach zu
fragen. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie brachte das einen Stein bei mir
ins Rollen.
Wir wurden nicht bezahlt. Wir steuerten die EVA´s, retteten
die Welt vor den Engeln und arbeiteten für umsonst. Nun, die Rettung der Menschheit
mag zwar ein schöner Lohn sein, aber was war mit uns? Ich machte eine
gedankliche Notiz um dieses Thema nicht zu vergessen.
Eigentlich hatte ich nicht viel Verwendung für Geld. NERV
bezahlte das Essen, Wohnung und Schuluniformen. Aber wer weiß, vielleicht
könnte ich Verwendung dafür finden. Ich sollte woll mal mit Misato darüber
reden.
Aber jetzt war es erstmal an der Zeit mich um ein echtes
Problem zu kümmern, das darin bestand eine dieser Schachteln zu kaufen. Ich
entschloß mich schließlich für eine rote herzförmige Schachtel mit blauen
Schleife. Sie war nicht ausergewöhnlich hübsch, aber sie mußt reichen. Ich
machte mir auch nicht die Mühe nachzusehen welcher Art die Schokolade war. Ich
zahlte einfach und gab eine noch Bestellung für Bier und Snacks auf, die für
heute abend in unsere Wohnung geliefert werden sollte. Ich konnte mir schon
denken das Misato es wahrscheinlich wieder vergessen würde. Oder erwartete sie
etwa das ich mich darum kümmerte?
Ich verließ das Geschäft und machte mich auf den Weg zur
unserer Wohnung. Die schwierigste Aufgabe von allen stand mir noch bevor.
Ein Gespräch mit Asuka.
* * *
Die Wohnung sah verlassen aus. Aber ich wußte es besser.
Asuka neigte genau wie ich dazu in ihrem Zimmer Zuflucht vor ihren Problemen zu
suchen. Sie lebte erst seit kurzem in Tokyo-3. Da Hikari in der Schule war
konnte sie nicht zu ihr nach Hause gehen. Genausowenig konnte sie in das NERV
Hauptquartier ohne das Misato es bemerkte. Also blieb ihr nichts anderes übrig
als sich in ihrem Zimmer zu verkriechen. Außerdem bewiesen ein Paar Schuhe die
auf dem Flur lagen das sie anwesend war.
Ich ging in mein eigenes Zimmer, blieb dort allerdings nicht
lange. Gerade lange genung um Rei´s Geschenk in eine Schublade zu legen. Ich
hatte es bereits zu lange mit mir herumgetragen.
Anschließend ging ich in die Küche. Ich sah auf die
Küchenuhr. 13:13. Mittag war schon seit geraumer Zeit vorbei und ich war am
verhungern. Außerdem würde mich das Essen einige Zeit kosten. Mit ein bischen
Glück würde Asuka den ersten Schritt machen und von sich aus ein Gespräch
beginnen. Sie mußte sich meiner Anwesenheit bewußt sein. Wen sie käme... würde
das alles wesentlich einfacher machen.
Ich nahm ein paar Zutaten aus dem Kühlschrank und bereitete
daraus zwei Sandwiches zu. Eines davon war für Asuka. Ich bezweifelte das sie
seit dem Frühstück etwas gegessen hatte. Ich kann wohl guten Gewissens
behaupten das ich die meiste Zeit für Kochen und Haushalt verantwortlich war.
Ich versuchte mir die Zeit zum Essen zu nehmen, aber ich war
hin- und hergerissen. Sollte ich das bevorstehende Gespräch einfach so schnell
wie möglich hinter mich bringen oder sollte ich versuchen ihm auszuweichen?
Unnötig zu sagen das ich mein Essen in keinster Weise
genossen habe.
Viel früher als mir lieb war fand ich mich vor ihrer Tür
stehend vor. Ich klopfte.
„Hau ab Shinji.“
Ihre Stimme klang wütend, aber da war noch etwas anderes.
Vielleicht Traurigkeit.
Szenen von heute morgen fielen mir wieder ein. Asuka wie sie
davonläuft. Tränen in ihren Augen.
„Es tut mir leid Asuka.“
Ich wußte nicht was über mich kam. Aber plötzlich verspürte
ich das Bedürfnis mich ihr gegenüber zu öffnen, ihr zu sagen was ich wirklich
dachte.
„Ich weiß nicht was ich tun soll. Oder was ich sagen soll.
Ich kann deine Gedanken nicht nachvollziehen. Du ärgerst und belästigst mich
immer nur. Was bin ich für dich? Ein Ärgernis? Eine Bedrohung? Ein Freund? Haßt
du mich eigentlich? Oder bin ich dir einfach egal? Ich weiß es einfach nicht.
Und du willst es mir nicht sagen, oder doch? Du nennst mich doch immer nur
einen Idiot.“
Ich konnte nicht glauben das ich all das sagte.
„Aber ich sorge mich um dich. Ich mag dich Asuka. Du bist
einer meiner besten Freunde. Auch wen du die meiste Zeite ein Pest bist. Es tut
mir leid wen ich deine Gefühle verletzt habe. Es tut mir sogar noch mehr leid
das ich ein zu großer Idiot bin um erkennen zu können was du fühlst...“
Wir schwiegen beide für eine Weile. Da das alles scheinbar
zu nichts führte, beschloß ich sie fürs erste eine Weile in Ruhe zu lassen.
Aber was wen ich nicht bedeutend genug war, und sie deshalb erst gar nicht mit
mir sprach? Ich sollte versuchen dem Abhilfe zu schaffen. Es ist nun mal nicht
so das ich einen Beliebtheitswettbewerb gewinnen könnte.
Ich legte die herzförmige Schachtel zusammen mit dem
Sandwich vor ihre Tür. Da ich es so gut wie möglich hinter mich gebracht hatte
machte ich mich auf den Weg zurück zur Schule. Ich war sowieso schon ziemlich
spät dran, aber es ist nicht so das es irgendjemanden gekümmert hätte.
„Ich habe etwas zu essen vor deiner Tür stehenlassen. Ich
weiß das du bis jetzt noch nichts gegessen hast.“
Ohne ein weiteres Wort verließ ich die Wohnung.
Den Rest des Tages verbrachte ich mit dem Versuch dem Vortrag des Lehrers zuzuhören und dabei
gleichzeitig das Denken zu vermeiden.
Als ich schließlich nach Hause zurück kam um für die Party
sauberzumachen und das Essen zuzubereiten, bemerkte ich das das Sandwich und
die Schokoladenschachtel verschwunden waren.
Ich betrat mein Zimmer, stellte meine Schultasche und
bemerkte das etwas auf meinem Bett lag. Eine Schachte mit Schokolade, identisch
mit der die ich Asuka gegeben habe, nur etwas kleiner. Und auf ihr lag eine
kleine Karte. Drei Worte waren darauf gekritzelt:
Baka
Vielen
Dank
(Fortsetzung folgt...)
Nächstesmal:
Kapitel 2 – Shinji gehört zu mir!
Anmerkungen des Autors:
Ich glaube es ist vielleicht nützlich euch über den
Zeitpunkt der Geschichte zu informieren. Offen gesagt habe ich die EVA
Chronologie vollkommen missachtet (zumindest denke ich das). Das bedeutet, die
Geschichte startet am 14. Februar 2016, zwischen der elften und zwölften
Engelattacke und vor dem Kussversuch von Shinji und Asuka (sagen wir einfach
die Engel waren für eine Weile ein bischen faul, OK?). Es ist eben einfach nur
ein anderes alternatives EVA Universum. Es könnte schlimmer sein. Ich habe
keine Engel, EVA´s oder Piloten hinzugefügt/verändert.
Offen gesagt, ich bin mir nicht ganz sicher ob Shinji noch
seinem Charakter entspricht oder nicht (oder irgendjemand anderer). Während er
wesentlich einfacher zu handhaben ist als Rei, ist es trotzdem schwer die Serie
durch die Augen des Third Children zu entwicklen. Ich gebe mein bestes um ihn
so nah wie möglich am Original zu halten, obwohl ich ihm etwas Rückgrat gegeben
habe und somit mehr dem Shinji aus dem Manga entsprichtd. Aber ich kann
garantieren das Shinji sich bis zum Ende der Geschichte auf diese Weise
entwickeln wird. Viele Dinge könne passieren. Aber um euch einen Hinweis zu
geben, sagen wir einfach ich habe den Shinji gehaßt den ich in End of
Evangelion gesehen habe.
Ich glaube ich muß ein paar Leuten meinen Dank aussprechen.
Zuerst, Axel
Terizaki, Autor von „The Child of Love“. Diese Geschichte wurde inspiriert von
ein paar Ideen die wir über seine Geschichte austauschten. Auch möchte ich danken Andrew Huang („I Mustn´t Run
Away & „In Other Words“), Steve Pardue (Misato´s Christmas Party“) und
Drakken Fyre („The Object of One´s Desire“) für ihre Geschichten. Sie
waren inspirierend für dieses Projekt. Ich muß auch Eel danken (Autor der
„Herz“ Serie) für seine unbezahlbare Hilfe beim Korrekturlesen für diese
Kapitel.
Alain Gravel
21. Februar 1999
Was wäre wenn...
Ohne ein weiteres Wort verließ ich die Wohnung.
Den Rest des Tages verbrachte ich mit dem Versuch dem Vortrag des Lehrers zuzuhören und dabei
gleichzeitig das Denken zu vermeiden.
Als ich schließlich nach Hause zurück kam um für die Party
sauberzumachen und das Essen zuzubereiten, bemerkte ich das Asuka auf dem Flur
lag, ihr Genick in einem seltsamen Winkel verkrümmt und ihre Augen leblos. Den
Informationen folgend die wir nach der Autopsie bekamen, schien sie auf dem
Sandwich ausgerutscht zu sein was zu einem ziemlich hässlichen Sturz geführt
hat.
Nun... ich denke das ist auch ein Weg um seine Probleme zu
lösen.