Neon Genesis
Evangelion: Meine Liebe gilt...
Kapitel 2 -
Shinji gehört zu mir!
Geschrieben
von Alan Gravel <rakna@globetrotter.qc.ca>
Übersetzt von
Franz Xaver Benedikt <Genesis_00@gmx.de>
http://www.geocities.com/Tokyo/Teahouse/2236/
Based on characters
created by and copyright GAINAX.
Es war nach
18 Uhr, als Misato aus dem NERV Hauptquartier zurückkam. Zu dem Zeitpunkt, als
sie das Apartment betrat, hatte ich ihr Essen fertig und alle notwendigen
Vorbereitungen für die improvisierte Party waren gemacht. Während Misato es
eine "echte Fete" genannt hätte, verdiente ich so ein Lob nicht
wirklich.
Ihre „Partys“
waren recht unkompliziert und einfach vorzubereiten.
Alles, was sie brauchte war Bier,
Saké, Chips und anderes Knabberzeug; Sodas für die jüngeren Teilnehmer, wie
mich selber, und noch mehr Bier. Die wohl schwerste Aufgabe war es, die Wohnung
sauberzubekommen. Glücklicherweise hatte ich an Sams- und Sonntagen
Aufräumdienst, daher gab es nicht viel zu tun bis zum Donnerstag, da Misato erst
Mittwochs „aufräumen“ würde. Wie eine Frau so unordentlich sein konnte, war mir
schleierhaft.
Um offen zu sein, war ich froh
als Misato auftauchte. Asuka hatte sich entschieden, das Versteckspiel
aufzugeben, als sie das Essen roch und seitdem herrschte unangenehmes
Schweigen. Manchmal sah es so aus, als ob sie etwas sagen wollte, aber die
Worte verloren sich fortwährend zwischen dem Gehirn und ihrem Mund.
Ich konnte es
ihr nicht verübeln, ich fühlte mich ähnlich.
Daher fingen wir einfach schweigend zu
essen an und versuchten uns dabei nicht gegenseitig anzustarren.
Denn wenn wir
es taten, lief es darauf hinaus, daß wir uns abwandten und hofften der jeweils
andere würde nicht bemerken das man rot anlief. Mit der Rückkehr von Misato,
ging alles wieder seinen normalen Gang.
Wir sprachen nur über Belanglosigkeiten. Asuka schaffte es sogar ein paar recht
überzeugende Lügen darüber aufzutischen wie langweilig die Schule doch gewesen
sei und wie Misato ihr damit den Tag
versaut hatte. Ich fühlte die unausgesprochene Anschuldigung in diesen Worten
und das tat weh.
Ich glaube,
Asuka musste es bemerkt haben, weil sie mir einen entschuldigenden Blick
zuwarf. Ich weiß, daß Misato sich des stillen Austauschs zwischen uns wohl
bewusst war, aber sie entschied sich so zu tun als wen sie nichts bemerkt
hätte. Ich war ihr dafür wirklich dankbar. Als wir uns plötzlich nichts mehr zu
sagen hatten, aßen wir ganz einfach still weiter. Asuka entschied sich
schließlich, aufzustehen und Pen-Pen vor dem Fernseher Gesellschaft zu leisten.
„Gibt es irgendetwas, das Du mir sagen
willst, Shinji-kun?“
Manchmal
überraschte ich mich selbst bei dem Gedanken, daß Misato wahrscheinlich die
einzige Person war, die einer Mutter am nächsten kam. Dies war einer dieser
seltenen Momente. Sie gab mir einen aufrichtig betroffenen, sich sorgenden
Blick. Ich hätte ihr fast erzählt, was mich beschäftigte. Fast.
„Später vielleicht, Misato-san“.
Ich stand auf und schloß mich Asuka
an. Ich fühlte mich zwar nicht wohl in ihrer Gesellschaft, aber im Augenblick
war das wohl sicherer als mich Misato zu stellen.
* * *
Touji und
Kensuke kamen früh. Wahrscheinlich um mehr Zeit zu haben, Misato nachzustellen , obwohl Touji sich
ernsthafter benahm als gewöhnlich. Ich glaube, er machte sich ein bisschen
Sorgen um mich. Ich dachte bei mir, dass ich mich glücklich schätzen konnte.
Touji war ein netter Kerl und ein noch besserer Freund. Wahrscheinlich der erste
richtige Freund den ich jemals hatte, Kensuke eingeschlossen. Ich schuldete
ihnen eine Menge, daher versuchte ich besonders angestrengt fröhlich
auszusehen.
Sie sollten
sich nicht auch noch um meine Probleme Sorgen machen müssen.
Hikari kam nur knapp später. Sie sagte
„Hi“ zu allen, dann schleppte sie Asuka sprichwörtlich in ihr Zimmer. Soweit
ich es mir zusammenreimen konnte,
schien Hikari mit Asuka die gleiche Unterhaltung führen zu wollen, wie die, die sie mit mir
in der Schule gehabt hatte. Während ich Hikaris Absichten begrüßte, tat mir
Asuka gleichzeitig leid; Hikari konnte einen manchmal so schrecklich
herumkommandieren.
„Nur keine Angst, Touji, eines schönen
Tages wirst du derjenige sein, den sie in ein Schlafzimmer schleift.“ neckte
ihn Kensuke.
Touji errötete und versuchte uns zu
überzeugen, dass es ihn nicht kümmere, ob er mit der Klassensprecherin Zeit alleine verbringen würde, oder nicht.
Misato und Kensuke brachen in Gelächter aus und ich folgte bald ihrem Beispiel.
Wohl unnötig zu sagen, dass wir ihm kein einziges Wort davon glaubten.
Da die Erwachsenen noch nicht aufgetaucht
waren und Hikari ausser Sicht war,
entschied sich Misato, Touji weiter zu hänseln, ihn mit peinlichen Fragen über
ihn und seine „Freundin“ zu belästigen, während sie ihm einen guten Ausblick
auf ihre beträchtlichen und nur leicht bedeckten Brüste darbot.
Kensuke und
ich lachten weiterhin über den armen Touji, solange bis sich Misato entschied,
dass wir ihre nächste Opfer sein sollten. Jedoch rettete uns die plötzliche
Ankunft von Maya und Ritsuko, wobei sie Misato in einer eindeutigen Stellung
ertappten, welche die meisten Männer erregt hätte.
„ Jetzt hackst du schon auf Kindern
herum. Wie schamlos von dir...“
Nun war es an Misato von der guten Dr.
Akagi geneckt zu werden. Aber eine Sache, die man Misato zugute halten muss,
ist ihre Fähigkeit, eine Nachteil in einen Vorteil zu verwandeln.
„Ein Mädchen kann ja nicht alle ihre Nächte allein verbringen. Und du
solltest diese Jungen nicht unterschätzen. Sie mögen vielleicht jung aussehen,
aber sie haben alles, was ein echter Mann braucht ... ...und eine Frau.“
„Misato!“
rief eine
aufgebrachte Ritsuko, während Mayas Gesicht rot wurde. Die NERV
Computerexpertin war anscheinend sehr leicht in Verlegenheit zu bringen.
„Aber warum diese armen Kinder benutzen um
deine Bedürfnisse zu befriedigen, wenn ein Mann wie ich zur Verfügung steht.“
Misato wurde blaß. Es schien als hätte keiner Kaji auf der Türschwelle
bemerkt.
Ich weiß nicht, ob die Mädchen unseren
Gesprächen zugehört hatten, aber Asuka suchte sich gerade diesen Moment aus, um
aus ihrem Zimmer zu stürmen und sich in Kajis offene Arme zu werfen, die
eigentlich für Misato gedacht waren.
Es war nicht das erste Mal, dass ich an
Asuka dieses Verhalten beobachtete. Ich wußte um ihre Vernarrtheit in Kaji.
Aber zum allerersten Mal übermannte mich dabei ein starkes Gefühl, welches ich
nie wirklich vorher gefühlt hatte. Eifersucht. Ich bekam nur am Rande mit, dass
Misato den gleichen Gesichtsausdruck zur Schau stellte, der sich wahrscheinlich
auch auf meinem Gesicht breitmachte. Hikari und Touji hatten das anscheinend bemerkt. Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich glaube, dass sie mich das
gefragt haben. Ich hatte nicht aufgepaßt. Jedenfalls vermutete ich das der Ort
war an dem sie mich brachten. Als ich mich beruhigt hatte und wieder klar
denken konnte, versuchte ich über das nachzudenken, was grade eben passiert
war. Ich war eifersüchtig. Und hatte es nicht fertig gebracht, diese Tatsache
zu verbergen. Bedeutete das, dass mir Asuka wirklich etwas bedeutete? Mehr
bedeutete als ein gewöhnlicher Freund? Was war Asuka für mich?
„Bist du in Ordnung, Shinji?“
„Bin mir nicht sicher. Ich denke
schon. Danke, Touji.“
„Jederzeit, Kumpel.“
Bald trafen Hyuga und Aoba ein, und so
versammelten wir uns im Wohnzimmer. Misato entschied das es jetzt an der Zeit
wäre um nach einem weiteren Bier zu fragen. Da ihr offensichtlich jedes
gesellschaftliches Feingefühl fehlte, fragte ich die Anderen, ob sie was zu
trinken haben wollten. Alle sagten begeistert „Ja“. Ich war gerade dabei, ihnen
die Getränke zu holen als ich ein Klopfen an der Tür hörte. Ich öffnete sie,
was Rei zum Vorschein brachte. Genau pünktlich, 20:00 Uhr. Überraschte mich
nicht.
„Hi, Rei.“
„ Hallo... Ikari-kun.“
Das war
seltsam. Sie schien unsicher zu sein. Bereits zum zweiten mal am selben Tag
hatte sie sich ungewöhnlich benommen.
„Komm doch rein!“
Für einen kurzen Moment war sie drauf und
dran etwas zu sagen, aber schließlich nickte sie nur und trat ein.
Ich brachte sie ins Wohnzimmer wo ich ihr
anbot neben Touji zu sitzen, dem ich dabei fest in die Augen sah. Er nickte, er
verstand, dass ich wollte, dass er sich um Rei kümmert und versucht, die
unvermeindlichen Feindseligkeiten zwischen ihr und Asuka abzuschwächen. Hikari
schien ebenso verstanden zu haben, da sie ihre Bemühungen Asuka abzulenken
verdoppelte
Ich wandte mich wieder meinen Pflichten
in der Küche zu und kam kurz darauf mit vier Dosen Bier und 2 Gläsern Weißwein
für Maya und ihrem Sempai zurück.
Ich warf einen Blick auf meine Freunde. Gut.
Kein schwerwiegender Schaden bisher.
Zurück in der
Küche stand ich vor einem schönen Dilemma. Ich hatte vergessen Rei zu fragen ob
sie gern irgend etwas zu trinken hätte und ich wollte nun wirklich nicht gerade
unter Asukas Nase fragen. Sie könnte leicht überreagieren. Wieder mal.
Letztendlich entschied ich mich Rei einfach
etwas zu bringen, aber ich musste raten, was sie was sie gerne trinken würde.
Irgendwie zweifelte ich daran, dass sie sich für ein Soda begeistern ließe. Ich
glaubte nicht, dass sie überhaupt irgendetwas mit Zucker haben wollte. Wasser?
Zu simpel. Kaffee? Nein, definitiv eine schlechte Idee. Ich glaubte nicht, dass
sie gern einen Kaffee hätte; und eine koffeingeputschte Rei war nun wirklich
das letzte was ich gebrauchen konnte, obwohl ich mich fragte, ob es überhaupt
einen Effekt auf sie haben würde. Ich wollte es lieber nicht wissen.
Letzten Endes
entschied ich mich dann doch für eine einfache Tasse Tee. Es würde ein Weilchen
dauern, sie zu brühen, was mir ganz gut passte. So könnte ich ein bisschen
länger der Party fernbleiben.
Als ich schließlich zurückkam, war ich
schockiert über das, was ich sah. Rei war augenscheinlich am diskutieren mit
Kensuke. Mehr als das, sie sprach und Kensuke, sowie die Anderen hörten ihr zu.
Ich gab jedermann sein Getränk und
erkannte, dass Rei von unserer ersten gemeinsamen Mission erzählte, dem
Kampf gegen den fünften Engel. Während Rei immer noch mit gedämpfter Stimme
sprach, konnte ich eindeutig eine wage Spur von Erregung in ihrer Stimme
erkennen..
„Wow, cool, Rei!“ rief Kensuke als Rei ihre
Geschichte beendet hatte.
Ich war von
Kensukes Kommentar nicht überrascht. Er war ganz verrückt nach allem was mit
den EVAs und den Kämpfen gegen die Engel zu tun hatte. Nach jeder
Auseinandersetzung stellte er mir Fragen und jedesmal musste ich ihm sagen,
dass ich nicht darüber reden wolle. Ich hasste es gegen die Engel zu kämpfen.
Das letzte was ich wollte, war an die Kämpfe erinnert zu werden.
Aber mir
wurde klar... es machte mir nichts aus wenn Rei diese Geschichten zum Besten
gab.
„Hmpf! Ich verstehe nicht, warum sowas
cool sein sollte? Shinji hat das Ding erledigt, nicht sie!“
Warum wunderte es mich nicht, solche Worte von Asuka zu hören?
„Nicht cool?!
Sie war phantastisch! Ihre eigene EVA zum Schutz von Shinjis zu verwenden,
unter Einsatz ihres Lebens! Nur Helden tun so etwas! Falls du mich fragst, war
das viel besser, als als ein überdimensionaler Fischköder verwendet zu werden!“
Ich schüttelte nur den Kopf. Idiot! Sie wird
dich töten!
„STIRB!“
Als er seinen Fehler erkannte, suchte
Kensuke das Weite, verfolgt von einer vor Wut rasenden Asuka.
Ich nutzte
die Gelegenheit um Rei ihre Tasse Tee anzubieten.
Sie sah
überrascht auf und errötete ein klein wenig, nahm den Tee jedoch an. Dann zog
die Verfolgungsjagd zwischen Asuka und Kensuke ihre Aufmerksamkeit auf sich.
Da die Wohnung nicht viel Platz zum
laufen liess und noch weit weniger, um sich zu verstecken, hatte Asuka ihn bald
geschnappt und versuchte ihre Faust durch seinen Schädel zu rammen.
Kensuke hätte
vielleicht das Bewusstsein verloren ohne das Eingreifen von Kaji, welches darin
bestand, dass er Asuka nach der Mission mit dem achten Engel fragte, ihr
erster, und einziger, Soloerfolg. Asuka verlor schnell das Interesse an
Kensuke, und ergriff die Chance Kaji beeindrucken zu können. Natürlich würde
sie es vermeiden die Tatsache zu
erwähnen, dass ich gezwungen war, im letzten Moment in den Vulkan zu springen
um sie zu retten. Aber das machte mir nichts aus. Im Unterschied zu ihr war ich
nicht daran interessiert ein ruhmreicher EVA Pilot zu sein.
Nachdem Touji Kensuke in unsere kleine
Gruppe zurückgeschleppt hatte, nahm Shigeru seine Gitarre und begann, seine
besten Kompositionen zu spielen. Ich war beeindruckt, er war wirklich gut! Ich
konnte die Gefühle spüren, die er durch seine Musik auszudrücken versuchte. Sie
waren beinahe melancholisch.
Dann spielte er ein Stück, dass ich
sofort erkannte. Ich glaube er
hiess „Fly me to the moon“ .
Es war
ziemlich beliebt. Ich konnte schon fast die Worte dazu hören... . Nein. Ich hörte die Worte
wirklich. Ganz sanft, fast geflüstert. Ich starrte Rei an mit einem ungläubigen
Blick an. Unsere Blicke trafen sich. Ihre Stimme nahm an Intensität zu , als
wenn die Worte ganz allein für mich bestimmt wären.
„Fill my heart with song
(„Füll mein
Herz mit Musik..)
And let me sing forevermore
(Und lass
mich ewig weitersingen)
You
are all I long for
(Du bist
alles, was ich will)
All I worship and adore
(Alles, was
ich schätze und verehre)
In other words, please
be true!
(Mit anderen
Worten, sei bitte ehrlich)
In other words, I love
you!...“
(Mit anderen
Worten, ich liebe dich...“)
„Wow, du bist
gut, Rei.“ sagte Hikari, sichtbar beeindruckt.
„Gut? Das ist
doch gar nichts! Ich werde dir zeigen was „GUT“ ist! Ich werde dir zeigen, was
eine wahrhaft großartige Stimme ist!“
Getreu ihren Worten, fing nun Asuka an zu
singen, wobei sie offensichtlich versuchte, Reis Stimme mit ihrer eigenen zu
übertönen. Während Reis Stimme eine entspannende Wirkung hatte, war Asukas
Stimme rein und kräftig, voll Energie. Aber beide waren wunderschön.
„...Fly me to the moon
(Flieg mich
zum Mond)
And let me play among
the stars
(Und lass
mich unter den Sternen spielen)
Let me see what spring
is like
(Lass mich
sehen, wie der Frühling )
On Jupiter and Mars
(auf Jupiter
und Mars aussieht)
In other words, hold my
hand!
(Mit anderen
Worten, halt meine Hand!)
In other words,
darling, kiss me...“
(Mit anderen
Worten, Liebling, küss mich...“)
Daraufhin
kehrte Leben in die schon leicht angetrunke Misato zurück..
„So ist es
richtig, Asuka! Lasst uns Karaoke machen! Shinji-Schätzchen, komm, hol die
Karaokemaschine!“
„Wir haben
keine Karaokemaschine, Misato...“
Sie gab mir
einen verwirrten Blick.
„Haben wir
nicht?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Dann hol mir
noch ein Bier!“
Als ich vom Kühlschrank zurückkam, hielt sie
bereits ein improvisiertes Karaoke ab und war am singen.
Mir wurde plötzlich klar, dass ich mich wohl
fühlte. Bis jetzt waren die Dinge ganz gut gelaufen. Na ja, fast. Aber
sorgenfrei.
Ich begann
tatsächlich, die Party zu geniessen.....
* * *
Nach einigen
Stunden wurde Shigeru des Gitarrespielens müde, also entschloß sich Kaji für
ein wenig Hintergrundmusik zu sorgen. Bald war das kleine Apartment von dem
Klang eines alten Amerikanischen Liedes erfüllt. Ich kannte die Bedeutung der meisten Wörter zwar nicht, aber ich mußte zugstimmen, dass die Melodie
schön war.
Mit Ausnahme von Kensuke war noch jeder
anwesend.
Ich beobachtete interessiert, was vor
meinen Augen vor sich ging.
Touji und Hikari warfen sich kurze
Blicke zu, wenn ihr entsprechendes Gegenüber nicht hersah. Aber keiner von
beiden schien den Mut aufzubringen der ersten Schritt zu machen. Während
Hikaris Gefühle für meinen Freund für uns alle offensichtlich waren, ausser
Touji, schien er auf der anderen Seite gemischte Gefühle für sie zu haben.
Manchmal konnte ich nicht sicher sagen, was er wirklich dachte.
Asuka bemühte sich angestrengt um einen
Tanz mit Kaji. Aber Kajis Aufmerksamkeit konzentrierte sich allein auf den
leicht angetrunkenen Major, die ebenso das Objekt der Aufmerksamkeit eines
ergebenen Makotos war.
Maya
beobachtete intensiv Dr. Akagi, während sie selbst von Shigeru unter die Lupe
genommen wurde. All das geschah unbemerkt, ohne von einer vollkommen in
Gedanken verlorenen Ritsuko wahrgenommen zu werden.
Rei
beobachtete jeden, vielleicht mit demselben Interesse wie auch ich, auch wenn
es sich auf ihrem Gesicht nicht erkennen ließ. Erst kürzlich hatte ich gelernt,
ihrem emotionslosen Blick nicht mehr zu vertrauen.
Ich gähnte. Es war spät geworden und
der Tag war ziemlich hektisch gewesen.
Ich lehnte an
der Wand, schloß meine Augen und entspannte mich zu Musik. Ich wäre
wahrscheinlich eingeschlafen, wenn ich nicht plötzlich gespürt hätte, wie sich
etwas gegen mich lehnt. Ich öffnete meine Augen, wagte es aber nicht mich zu
rühren. Noch während ich überrascht war, war ich gleichzeitig erleichtert zu
sehen, dass es Rei war. Sie lächelte mich an, schloß dann ihre Augen und lehnte
ihren Kopf an meine Schulter.
Ich war
schockiert! Ich war mir nicht sicher, wie ich reagieren sollte.
Ein Teil von mir wollte aufstehen und
davon rennen.
Aber der andere Teil von mir schien die
Kontrolle übernommen zu haben; ein anderer Shinji, der mich überzeugte, einfach
zu entspannen und die Situation zu geniessen.
Ich sah nochmal zu ihr und war
überwältigt von dem, was ich sah.
Sie lächelte
zwar nicht, aber auch ihr üblicher Gesichtsausdruck war nicht zu sehen. Sie sah
friedlich aus,
einem Engel
gleich. Sie so zu sehen liessen mich meine letzten Ängste vergessen.
Ich schloß meine Augen wieder, und verlor
mich ganz in dem Moment.
Ich fühlte mich ... unglaublich gut.
Friedfertig, eine besondere Art des Friedens den ich nie zuvor gespürt hatte.
Ich fühlte, dass mir nichts schlimmes
passieren konnte. Ich fühlte mich sicher. Der Moment
war schon fast magisch. Aber solche
Momente sind nun mal nicht dazu bestimmt lange anzuhalten.
Es begann mit
einem leichten Kichern. Daraufhin sagte eine betrunkene Misato ein paar Worte,
welche jedoch eine ungeheure Wirkung hatten.
„Ooooh...
was... was für ein süßes Paar!“
„Oh mein
Gott!“
Ich glaube es
war Ritsuko. Ich war mir nicht sicher, ich hatte noch nicht ganz in die
Realität zurückgefunden..
„Nur weiter so, Shinji!“
„Suzuhara!“
Das genügte,
um mich in die reale Welt zurückzuholen. Ich erkannte sehr bald, dass neun
Augenpaare direkt auf mich und Rei gerichtet waren.
Misato in ihrem betrunkenen Zustand immer
noch kichernd.
Kaji hatte ein Lächeln auf den Lippen.
Touji hatte Schmerzen, da er von einer
wütenden Hikari am Ohr gezogen wurde.
Ritsukos Gesicht war blaß, und trug einen
ungläubigen Blick zur Schau.
Maya, Makoto und Shigeru waren sprachlos.
Asuka war wütend. Schon wieder.
Ich stand plötzlich auf wobei ich Rei
vergaß, dich ich damit fast zur Seite geschmissen hätte.
„Es ist nicht das, was ihr denkt!“
Ich versuchte mir schnell etwas einfallen zu
lassen, was ich ihnen sagen könnte. Etwas, das Sinn machen würde. Ich dachte
über ein einfaches „Entschuldigung“ nach, merkte aber gleich, wie dämlich das
klingen würde.
Dann, nahm Rei, die auch wieder auf ihren
Füßen stand, meinen Arm und gab sah alle
mit einem zuckersüssen Lächeln an.
Ritsuko fiel in Ohnmacht.
Kajis Lächeln wurde noch breiter.
Misato erstickte fast an ihrem Bier.
Asuka wurde noch wütender, falls das
überhaupt möglich war. Sie schmiss Kaji im wahrsten Sinne des Wortes beiseite,
an den sie sich kurz vorher noch immer geklammer hatte, was in einem sehr
peinlichen Zusammenstoß mit Misato endete, und versuchte Rei mit ihrer Faust zu
treffen.
Zu jedermanns
Überraschung wehrte Rei Asukas Faust mit ihrer freien Hand ab.
Ich war ziemlich beeindruckt. Ich hatte nicht
gewußt, dass Rei derart katzengleiche Reflexe besaß.
Aber dann
wurde mir klar, dass ich eigentlich fast nichts über sie wusste. Sie hätte
gleichwohl eine Kampfsportmeisterin sein können, obwohl ich das bezweifelte. Da
sie jedoch schon seit langer Zeit bei NERV war, schien es gut möglich, dass
Vater ihr ein gewisses Nahkampftraining aufgezwungen hatte. Nur um sie zu einer
effektiveren Pilotin zu machen. Vielleicht hatte sie aber auch nur gute
natürliche Reflexe.
Da körperlicher Schaden nicht fruchtete,
verlegte sich Asuka auf verbale
Attacken.
„Du ... du Hure! Laß meinen Shinji in Ruhe!“
Ich war zwar
nicht sicher, was „Hure“ genau
bedeutete, aber ich konnte mir so einiges zusammenreimen.
Rei reagierte
nicht darauf. Etwas anderes hatte ich auch gar nicht erwartet.
„Ikari-kun gehört nicht dir.“
Es war keine Spur von Zorn in ihrer sanften
Stimme zu hören. Das brachte Asuka zur Weißglut.
„Doch, das tut er! Shinji gehört zu
mir!“
Die Diskussion
war irgendwie irreal. Ich musste träumen. Das versuchte ich mir jedenfalls
immer wieder einzureden.
Nur ein
Traum. Nur ein verdammter, dummer, Traum.
„Ikari-kun gehört zu niemandem. Und falls
er es täte, würde er zu mir gehören. Er verdankt mir sein Leben.“
Ob Traum, oder nicht, ich verstand sofort,
was sie damit meinte.
Unsere erste
gemeinsame Mission. Der fünfte Engel. Rei hätte fast ihr Leben verloren als sie
Unit-01 vor dem Strahlenangriff des Engels beschützte. Ich hatte immer
geglaubt, sie hätte es für meinen Vater getan. Für die Mission. Aber jetzt...
Das alles von ihr heute abend zu hören. Unter diesen Umständen... Ich fragte
mich, ob....
„Verzieh dich!“
Dieses Mal schubste Asuka Rei mit ihren
vollen Körpergewicht. Es schien zu funktionieren,
als Rei meinen Arm losließ.
„Ich weiß nicht, was für ein kleines
Spielchen du spielst, Streberin, aber vergiß die Sache mit ihm!
Er gehört mir, nur mir!“
„Das hier ist kein Spiel. Und er wird
niemals dein sein. Ich werde es nicht zulassen.“
„Wie?
Versuchst du mir zu sagen, dass er dir gehört?“
„Ich war die Erste. Ich war diejenige, die
seine Aufmerksamkeit hatte, bevor du kamst. Aber dein Einfluss wird schwinden.
Du bist nur ein Aussenseiter mit keiner echten Daseinsberechtigung hier. Dein
Ziel ist, die Beste zu sein. Um dein zerrütetes Ego zu befriedigen. Aber bald
wird Ikari-kun besser sein als du. Was wirst du ihm dann noch zu bieten haben?
Was wirst du dann noch wert sein?“
Bei solchen
Worten von Rei konnte ich mir ein Keuchen nicht verkneifen. Das alles war
wahrscheinlich wahr.
Aber es war
auch sehr grausam. Asukas Reaktion und Gesichtsausdruck nach zu schließen war
sie verletzt. Schwer verletzt.
„Du glaubst, also das du besser bist?! Von
uns allen bist du doch der schlechteste Pilot! Was hat eine leblose Puppe wie
du schon anzubieten das ich nicht habe?“
„Mein Leben. Meinen Körper. Meine Seele.“
Asukas
Gesichtausdruck gefror. Offensichtlich hatte sie eine derartige Antwort nicht
erwartet.
Und ich muss
zugeben, ich auch nicht. Um ehrlich zu sein, ich war immer noch am grübbeln, ob
ich das alles nur träumte oder nicht. Es musste ein Traum sein. Oder ein
Alptraum. Ich war mir nicht so sicher, vielleicht etwas von Beidem.
„Dein Leben?
Willst du mir erzählen, dass du für ihn sterben würdest?“
„Ja.“
„Bist du
dämlich?“
„Nein. Mein
Leben hatte bisher immer nur einen einzigen Zweck. Aber jetzt habe ich eine
höhere Bestimmung gefunden. Ikari-kun vor Schaden zu bewahren. Ihn zum Lachen
zu bringen. Ihn glücklich zu machen.“
Alle wurden auf einmal still und versuchten
zu verstehen, was Rei gerade gesagt hatte.
Ich am
allermeisten. Das waren letztendlich eine MENGE gesprochener Worte von jemandem
wie Rei.
Sie
verdeutlichte sie für uns.
„Ich bin mir immer noch unsicher, was Liebe
ist. Aber ich glaube, ich liebe Ikari-kun.“
Asuka fiel
auf die Knie, als wenn sie von einer Faust getroffen worden wäre.
Sie hob ihren
Kopf. Ihre Augen waren voller Tränen. Sie sah micht mit einem flehenden Blick
an.
„Sag mir, Shinji... du hast gesagt, du
magst mich.. sag mir dass du nicht sie liebst... sag mir, dass du mich liebst!“
Ich blieb stumm. Ich wusste nicht was
ich sagen sollte. Ich stand immer noch unter Schock von dem, was die Beiden gesagt hatten.
„Sag mir nicht, dass ich gegen SIE
verliere!“
Ich wollte wollte etwas sagen, brachte aber
keinen Ton heraus.
„Sag irgendwas! Sag dass du mich hasst!
Sag dass du mich liebst! Sag, das ich dir egal bin!“
Ich.. starrte sie nur an.
„Sag irgendetwas!“
Es kam als ein erstickter Schrei. Sie sah
so zerbrechlich aus. So verwundbar. Wie ein verletztes Tier. Ich wollte sie in
den Arm nehmen, sie trösten, ihr sagen was sie hören wollte...
Aber ich tat nichts von alledem.
Ich war so ein Feigling. Ich hasste mich
selbst.
Da das was
sie sah von ihr wahrscheinlich als Ablehnung aufgefasst wurde, stand Asuka auf
und stürmte in ihr Zimmer.
„Schön! Amüsier dich mit deiner Puppe!“
Sie schlug
die Tür hart zu, dann konnte ich hören, wie sie die Verriegelung vorschob,
welche anzubringen sie erst kürzlich Misato überzeugt hatte, unter dem Vorwand,
dass Perverse, so wie ich, sie zu bespannen versuchten.
Ich warf einen entschuldigenden Blick zu
den Leuten um mich herum.
Die Party war
vorbei.
„Es tut mir leid.“
Jeder schien zu verstehen.
Rei zeigte mir ein engelgleiches Lächeln.
* *
*
Nachdem ich
mich darum gekümmert hatte, Misato ihn ihr Zimmer zu bringen, entschloß ich
mich, Rei zu ihrem Apartment zu begleiten. Es war schon spät, und trotz den
Sicherheitsleuten, die uns bewachten, war mir nicht wohl bei dem Gedanken das
sie alleine nach Hause ging.
Aber die Wahrheit war.. Ich suchte nur
nach einem Grund um die Wohnung verlassen zu können.
Um vor den Schluchzern wegzurennen, die ich
durch Asukas Tür hörte.
* *
*
Es war dunkel
in den Strassen von Tokyo-3. Wegen den kurz zurückliegenden Attacken der Engel
neigte die Stromversorgung zu plötzlichen Zusammenbrüchen. Es schien, als ob
die Lichter in diesem Teil der Stadt unter einem dieser Probleme zu leiden
hätten. Außerdem war der Himmel mit schwarzen Wolken verhangen und bedeckten so
den Mond. Es würde wahrscheinlich bald regnen. Ich hätte gern Rei dazu
gedrängt, schneller zu gehen, aber es widerstrebte mir, das zu tun. Das
Schrittempo zu beschleunigen bedeutete, früher zur Wohnung zurückzukehren...
und zu Asukas Schluchzen. Nebenbei fühlte es sich gut an, einen nächtlichen
Spaziergang zu machen. Ein Spaziergang allein mit Rei.
Wenn ich sie ansah, konnte ich nicht
umhin sie anzustarren. Ihre blasse Haut
stach aus dem dämmrigen Licht hervor, wodurch sie beinahe elfengleich aussah.
Wie eine chinesische Puppe, wunderschön und dennoch zerbrechlich.
Nein, fasziniert von ihren
zierlichen Gesichtszügen wurde mir klar, dass das noch eine schlechte
Beschreibung für sie war.
Ihre Schönheit spottete jeder Beschreibung.
Sie drehte ihren Kopf und wir sahen uns
in die Augen. Ihre roten Augen schienen beinahe zu strahlen, gleich kleinen,
feurigen Punkten in der Dunkelheit.
Ein Mann
konnte sich in solchen Augen verlieren.
„Was hast du, Ikari-kun?“
Wie üblich
war ihre Stimme ruhig und undurchdringlich, aber ich konnte einen leichten
Anflug von Besorgnis in ihren Zügen sehen.
„Du.. Du bist
wunderschön...“flüsterte ich.
Ihre Augen
weiteten sich. Hatte ich gerade gesagt, was ich gesagt hatte?
Ja, hatte
ich. Und ich hatte es so gemeint. Und sie hatte mich gehört.
Ich weiß nicht was über mich gekommen war,
aber ich fühlte das Bedürfnis diese Worte zu wiederholen.
"Du bist unglaublich schön,
heute nacht, Ayanami."
Als die anfängliche Überraschung
vorüber war, wurden ihre Wangen rot. Sie wandte ihren Kopf ab und sah zu Boden,
wahrscheinlich zu verlegen um mich
anzusehen.
Für eine
Sekunde fragte ich mich, ob ich nicht lieber den Mund hätte halten sollen.
Aber dann sah sie mich an, wieder mit dem
ihr eigenen engelsgleichen Lächeln.
"Ich danke dir."
Wir blicken uns eine Zeitlang an. Dann, wie
auf eine stille Aufforderung hin, setzten wir unseren Weg fort.
* * *
Mein Herz raste. Ich konnte nicht glauben,
was heute abend passiert war. Rei hatte mir gesagt, dass sie mich liebt. Nun
brachte ich sie nach Hause, und auf dem Weg dorthin hatte ich ihr gesagt, dass
sie wunderschön sei. Mein Verstand stand kurz vor einem Kurzschluß.
Mit einem mal wurde mir das Herz schwer.
Wenn ich über das nachdachte, was Rei gesagt hatte, konnte ich nicht vermeiden über die Auseinandersetzung
nachzudenken, die sie gerade mit Asuka gehabt hatte. Und das das deutsche
Mädchen wegen uns beiden, Rei und mir, am Boden zerstört war.
"Du hättest das nicht sagen sollen."
Rei blieb stehen und sah mich an.
"Was denn?"
"Du warst gegenüber Asuka heute
abend richtig gemein.
"Ich habe nur die Wahrheit
gesagt."
Das stimmte, ich wusste es. Trotzdem... es
fühlte sich nicht richtig an.
"Manche Wahrheiten können weh tun,
wenn die Person nicht bereit ist sie zu hören. Ich...nun..sei nur bitte etwas
vorsichtiger mit dem, was du sagst. Das mit Asuka kann geregelt werden ohne die
Notwendigkeit sie zu zerschmettern."
"In Ordnung."
Rei sah so aus, als ob sie den Nachhauseweg
wieder aufnehmen wollte, als sie mich noch einmal ansah.
"Machst du dir etwas aus ihr?"
"Ich bin mir nicht sicher",
stellte ich fest. "Ich denke schon. Ich habe nicht viele Freunde. Sie,
Touji, Kensuke, Hikari, bis zu einem gewissen Grad. Misato. Und dich. Ich
möchte nicht, dass meine Freunde verletzt werden. Besonders nicht wegen
mir."
Rei schien diese Antwort
zufriedenzustellen.
"Du bist nicht dumm, Ikari-kun."
Dann drehte
sie sich um und ging weiter. Ich folgte ihr schnell.
* * *
Es hatte zwanzig Minuten gedauert,
um letzten Endes ihr Apartment zu erreichen. Für mich jedoch schien es viel
länger gewesen zu sein. Jedesmal als ich wen ich anfing es zu geniessen, Rei
nach Hause zu begleiten, kehrte Asukas Gesicht in mein Gedächtnis zurück. Diser
tränenreiche Blick.
Dieses
einzelne Bild in meinem Kopf ruinierte fortwährend was eigentlich ein
erfreulicher Moment für mich hätte sein sollen.
Wir kamen gerade an , als es zu
regnen anfing.
Ich hatte schon fast die entsetzlichen
Umstände vergessen, unter denen Rei lebte.
Ein
schmutziges Gebäude, das unbewohnt aussah. Ein großer Abfallhaufen, der sich
knapp neben ihrer Tür auftürmte. Es hätte mich nicht gewundert, eine Ratte
vorbeihuschen zu sehen. Und dann auch noch der fortwährende Lärm. Wie Rei ein
solches Quartier akzeptieren konnte, war mir unverständlich.
Das Innere war wie das äußere
Erscheinungsbild: ein Chaos. Es war so
ziemlich gleich mit dem, was ich in Erinnerung hatte. Ein Fußboden, der
dringend gewischt werden mußte. Eine dicke Staubschicht überall. Zerrwühlte
Bettwäsche. Blutige Bandagen die überall herumlagen, ausser im Abfalleimer.
Hier und da sogar schmutzige Unterwäsche.
"Stimmt etwas nicht?"
Rei hatte sicher meinen missbilligenden
Gesichtsausdruck gesehen, der sich wohl ziemlich deutlich abzeichnete.
"Wie kannst du nur in so einer
Unordnung leben? Macht dir das überhaupt nichts aus?"
"Nein. Macht es nicht. Sollte es
das?"
Ich runzelte die Stirn.
"Natürlich sollte es das. Es ist
unhygienisch! Nebenbei sind deine Wohnräume ein Spiegelbild von dir
selbst. Wenn du sie nicht respektierst und dich nicht um sie kümmerst,
dann kann ich nicht verstehen, wie du so etwas wie Selbstrespekt haben kannst.
Und du kannst so nur schwer von
jemandem erwarten, das er dich respektiert.
"Aber du respektierst mich doch,
oder?"
Verdammt! Gutes Argument.
"Ja, tue ich."
"Dann ist deine Logik
haltlos."
Ich dachte einen Moment nach.
"Ich habe dich besser
kennengelernt. Aber zu Beginn hielt ich dich doch für etwas seltsam."
Das war die Wahrheit. Ich glaube nicht,
dass es das Beste war, was ich hätte sagen könne, aber es war das einzige, was
mir einfiel.
"Ich würde in so einem Chaos
nicht leben wollen." fügte ich hinzu, um meinen Standpunkt klarzumachen.
Schließlich machte ich Misatos
Aufräumarbeiten nicht nur zum Vergnügen.
Auf diesen Kommentar hin, ließ Rei ihren
Blick umherschweifen, auf dem sich langsam ein beschämter Ausdruck breitmachte.
"Ich verstehe. Zeig mir bitte, was
ich tun soll."
Ich war überrascht.
"Es wird mir ein Vergnügen sein."
* * *
Rei hatte nur eine geringe Anzahl von
Reinigungsprodukten und entsprechendem Zubehör, welche, wie nicht anders zu
erwarten, noch unbenutzt waren; dennoch schafften wir es, ihre Wohnung auf
Hochglanz zu bringen. Nun ja, fast. Es gab nicht viel, was wir zu diesem
Zeitpunkt für die Zimmerdecke hätten tun können. Trotzdem, es sah jetzt viel
besser aus, und wir wurden durch einen angenehmen, leichten Zitronenduft
belohnt.
Um ehrlich zu sein, war ich
überrascht von der Unfähigkeit Reis in Haushaltsdingen. Sie wusste, wie man den
Boden schrubbte, da sie wie alle anderen Schüler regelmäßig Putzdienst in der
Schule hatte, aber das war es auch schon. Tatsächlich wusste sie nicht wie man
staubwischt, die Toilette oder Dusche saubermacht oder auch nur die Spüle
reinigt. Sie schien nicht einmal zu wissen wie man ein Bett macht. Ich war mir
nicht sicher, aber ich glaubte es war die Schuld meines Vaters.
Irgenwann würde ich Rei über ihre
Vergangenheit befragen müssen.
"Sieht doch besser aus als
voher, was meinst du?"
"Ja. Es ist ... nett."
Rei schien immmer noch ein wenig
Scheu vor den Änderungen in ihrem Apartment zu empfinden. Ich glaube nicht,
dass sie es sich jemals hatte vorstellen können, dass es hier einmal.... sauber aussehen könnte.
"Ich glaube, jetzt ist nur
noch die Bettwäsche übrig. Gibt es hier irgendwo in der Nähe einen Waschsalon?
Wen du willst können wir morgen dort hingehen.“
"Ja! Bitte komm!"
Ich war sprachlos durch den plötzlichen
Ausbruch von Emotionen. Sie sah .. glücklich aus. Sie hatte ein niedliches
Lächeln auf ihrem Gesicht und ihre Augen sprühten vor Leben.
"Ich danke dir, Ikari-kun."
"Ich bin froh, dass ich helfen
konnte, Ayanami."
Wie erst kürzlich hefteten sich unsere
Blicke aneinander. Ich versuchte irgendetwas zu sagen oder zu tun, aber mein
Gehirn wollte einfach nicht richtig arbeiten.
"Ikari..."
Ich nahm den
Klang meines Namens nurmehr schwach wahr.
"Was bin ich für dich?"
Sie kam näher, ihr Körper fast an meinem.
Ich wich einen Schritt zurück.
"Machst du dir etwas aus mir?"
Ich wusste dass sie auf eine Antwort
wartete. Ich konnte es in ihren Augen sehen. Ich wusste, ich konnte nicht
entkommen. Ich musste darauf antworten.
"Ich .. ich mache mir etwas aus dir.
Ich.. ich mag dich, Ayanami. Du gehörst zu meinen wenigen Freunden."
Warum klangen diese Worte für mich nur so
verdammt bekannt?
"Bin ich für dich nur ein Freund?"
Sie machte nocheinmal einen Schritt nach
vorne. Ich konnte nicht anders als auf diese Lippen zu starren, die beinahe auf
meinen lagen.
"Bin ich das?" Es war nur ein
Hauch in meinem Ohr, aber ich schwöre, er hatte ein größere Wirkung, als jeder
Schrei oder Ruf den ich je gehört haben.
Ich tat wieder eine Schritt
rückwärts. Ein Teil meines Verstandes registrierte die Tatsache, dass ich jetzt
ziemlich nahe bei der Tür des Apartments befand.
"Ich... tja... Ich bin nicht
sicher.... ich denke nicht ..."
"Vielleicht sollte ich dir beim
Nachdenken helfen."
Ich erstarrte, als ich bemerkte, wie sie die
Schleife ihrer Schuluniform löste.
"Was... was machst du....?"
"Ikari. Willst du mit mir eins werden?"
Das musste ein Traum sein. Eine dieser
wilden Fantasien ... Genau, ich träumte!
Aber wenn ich träumte, warum sah Rei dann
so nervös aus? Und warum war ich knapp vor einer Panikattacke, als sie begann,
ihre Bluse aufzuknöpfen?
"Körper und Seele vereinen?"
Mein Gott! Das war kein Traum! Ich war tatsächlich hier, in einer kleinen
Wohnung, allein mit einer Freundin und Pilotenkollegin, einem wunderschönen
Mädchen, die sich die Kleider auszog und mich fragte, ob ich mit ihr Sex haben
wolle!
Oh mein Gott!
Ich konnte schon ganz deutlich
ihren Büstenhalter erkennen. Mein Verstand schaltete einfach ab und meine
Instinke übernahmen die Kontrolle.
Ich lief.
Ich rutschte auf dem nassen
Gehsteig aus und fiel auf einen Abfallhaufen, nahe dem Eingang zu
dem Wohnkomplex. Doch das machte nichts.
Mein Verstand hatte Auszeit..
Ich ließ den Regen ganz einfach auf
mein Gesicht tropfen und versuchte meinen Herzschlag zu beruhigen. Dann erst
kam mir der Gedanke, dass ich etwas wirlich Dummes getan hatte. Rei war jetzt
vielleicht wütend. Ich hätte wohl noch Glück, wenn sie mich nicht dafür hasste.
Sie kam heraus. Sie war wieder ihr
ruhiges, kontrolliertes Selbst. Sie starrt mich an.
"Es.. es tut mir leid..."
Anstatt mir alle Rippen zu brechen,
wie ich es befürchtet hatte, entspannte sich ihr Gesicht und wurde weich. Ich
schätze, ich hatte wohl vergessen, dass ich es hier nicht mit Asuka zu tun
hatte.
"Das muss es nicht."
Sie beugte sich über mich und gab mir
einen leichten Kuss auf die Stirn. Dann gab sie mir ein liebevolles Lächeln. Es
war unglaublich. Der Regen schien sie nur noch schöner zu machen.
"Wenn du irgendwann soweit bist,
kannst du es mir sagen..."
Damit verschwand sie.
Für einen Augenblick berührte ich die
Stelle, wo ihre Lippen meine Haut berührt hatten.
Sie hasste mich nicht. Ich fühlte wie mich
ein Gefühl der Erleichterung überkam. Dann lächelte ich. Alles in allem war der
Tag doch nicht so schlecht gewesen.
Wenn ich doch nur das Bild eines
gewissen weinenden Rotschopfs aus meinem Gedächtnis hätte verbannen können....
* * *
Als ich
schließlich nach Hause kam, saß Misato in der Küche eine Tasse Kaffee in der
Hand und telefonierte. Allem Anschein nach hatte sie die Folgen ihres
Bierkonsums überwunden. Sie hatte einen sehr ersten Ausdruck auf ihrem Gesicht,
denselben den sie bei NERV Operationen zeigte. Ich wusste, dass ich jetzt
beunruhigt sein sollte. Das war ich auch.
"Er ist jetzt seit fast 2
Stunden weg. Ich mache mir langsam Sorgen."
War ich wirklich so lange weg
gewesen?
"Ich weiß, Ritsuko. Aber was
wir schon tun? Ihnen vorschreiben was sie zu fühlen haben?“
Sie besprachen offensichtlich den Vorfall von heute
abend, was mich nicht sonderlich überraschte.
"Nun, Rei scheint es ernst
damit zu sein. Und Asuka weinte sich eine Stunde lang in den Schlaf, also
schätze ich, dass sie es auch ernst meint. Es hängt jetzt wirklich alles von
Shinji ab."
Eine ganze Stunde.... Asuka hatte
geweint... für eine Stunde....
"Ich werde nicht diejenige sein
die ihm sagt keine Beziehung anzustreben, falls er das will. Sie sind
schließlich noch menschliche Wesen und dann erst Piloten, verdammt noch
mal!"
Misato schwieg für ein paar Sekunden.
"Was kann der Kommandant schon
tun? Sie einsperren? Ihnen eine Gehirnwäsche verpassen? Er braucht sie um die
EVAs zu steuern. Auf Rei wird er wütend sein, keine Frage, aber er ist nicht
dumm. Er wird ihr vielleicht befehlen, sich von Shinji fernzuhalten, wenn sie
sich außerhalb von NERV befindet. Ob sie gehorcht oder nicht, hängt vollständig
von Rei ab."
Konnte mein Vater soetwas tun? Rei
einfach zu befehlen mich zu meiden? Was würde Rei dann machen? Sie hatte
gesagt, dass sie mich liebt. Würde sie tatsächlich einen ausdrücklichen Befehl
meines Vaters verweigern?
Warum zitterte ich bei dem
Gedanken? Hatte ich wirlich SO viel Angst, Rei zu verlieren?
"Meinst du, dass er soetwas
wirklich macht?"
Misato sah mich erschrocken an.
"Er ist hier. Wir unterhalten
uns später weiter."
Sie legte auf, nahm einen Schluck
Kaffee und widmete mir dann ihre volle Aufmerksamkeit.
"Shinji! Du bist wieder da! Mein
Gott! Du bist ja nass bis auf die Knochen!"
"Du hast meine Frage nicht
beantwortet!"
Ich war von dem Tonfall meiner Stimme überrascht. Es klang
schon beinahe wütend. Das war ich auch. Aber ich war wütend auf meinen Vater.
Misato verdiente es nicht, mir als Zielscheibe für meinen Ärger zu dienen.
"Es tut mir leid."
"Ist in Ordnung. Ich verstehe dich.
Und um deine Frage zu beantworten... Ich weiß es nicht. Ehrlich gesagt, weiß
ich nicht, wie der Verstand deines Vaters arbeitet. Er scheint jedoch einige
Pläne mit Rei zu haben. Und ich bezweifle, dass es ihn freuen wird, wenn er
erfährt, dass sein wertvollster Pilot entschieden hat, sich dir voll und ganz
hinzugeben.“
Ich nickte.
Das klang genau wie Vater.
"Geh dich abtrocknen und zieh dir
frische Sachen an. Dann können wir reden."
Ich nickte wieder. Ich ging schnell ins Badezimmer
um meine nassen Sachen loszuwerden und trocknete mich mit einem frischen
Handtuch ab. Nur mit dem Handtuch um meine Hüften ging ich in mein Zimmer um
mich anzuziehen. Dann war ich wieder in der Küche.
"So, Shinji. Was wirst du tun?"
Diese Unterhaltung könnte länger werden,
daher entschied ich, mich zu setzen. Ich nahm mir Zeit bevor ich ihr eine
Antwort gab. Ich musste zuerst meine Gedanken sammeln. Misato wartete geduldig
auf meine Antwort.
"Ich weiß es nicht, Misato-san. Es ist
so verwirrend. Bis heute habe ich immer geglaubt, dass Ayanami sich ein wenig aus mir machen würde, aber niemals in
diesem Ausmaß. Und ich dachte mir, dass sie sich nur um mich kümmert, weil ich
Vaters ... Der Sohn des Kommandaten bin. Nun, ich schätze ich lag weit
daneben."
Misato nickte.
"Und als ob die Dinge nicht schon
kompliziert genug wären, wird Asuka zur Furie. Sie scheint auf Ayanami
eifersüchtig zu sein. Aber das ist ja nichts Neues.
Asuka konnte
Ayanami noch nie ausstehen. Und wenn sie sich von etwas bedroht fühlt, reagiert
sie aggressiv. Aber heute nacht... und an diesem Morgen... weinte sie. Sie hat
geweint, Misato-san! Ich habe sie nie zuvor weinen sehen. Nun, zumindest nicht
wenn sie wach war. Warum hat sie geweint? Empfindet sie etwas für mich?"
"Das weiß ich nicht,
Shinji-kun. Asuka ist ... schwierig. Es ist schwer zu sagen wie ihre Gefühle
aussehen. Und du Shinji? Was für Gefühle hast du?"
Es widerstrebte mir zu antworten.
Sicher, ich wohnte bei Misato. Sie war ein guter Umgang für mich und
mittlerweile sah ich in ihr eher einen Freund als einen Beschützer.
Aber ebenso arbeitete sie für NERV ... und
für Vater.
"Ich werde es keinem sagen, wenn es
das ist, was dir Sorgen macht."
Es sah so aus, als ob sie meine Gedanken
gelesen hätte.
"Ich will auch nicht, dass du das in
irgendeinen Bericht schreibst."
Misato runzelte die Stirn.
"Du
wirst clever, Shinji-kun. Nun denn, ich verspreche, dass diese Unterhaltung in keiner Form
weitergegeben wird, weder in Worten noch auf Papier.
Dann lächelte sie.
"So, du Kasanova. Welche von Beiden
ist das Objekt deiner Begierde?"
"Alle Beide."
Der Major keuchte.
"Was hast du gesagt? Beide? Was für
eine Antwort soll denn das sein?"
"Die einzige die ich dir geben
kann."
Die Überraschung auf ihren Zügen wechselte
zu Neugier.
"Führ das bitte weiter aus."
"Nun. Ich mag sie Beide. Und ich kann
nicht sagen, welche ich bevorzuge. Rein äußerlich sind Beide ziemlich
attraktiv. Asuka durch ihr auffallendes Wesen und Ayanami ... auf eine
mysteriöse Art und Weise. Und wegen
ihrem Charakter..
Wenn Ayanami bei mir ist... fühle ich mich
wohl und geborgen, als ob mir nichts Böses zustoßen könnte. Sie ist ruhig. Ihre
Anwesenheit stört mich nicht. Ich fühle dass ich nichts vor ihr geheimhalten
muss.
Und Asuka...
ja, ich schätze ihre Energie, ihre Willenskraft, ihre Entschlossenheit die
Beste zu sein und der Hauch von
Arroganz der von ihr ausgeht... Doch manchmal, nur sehr selten, kann sie so
zerbrechlich erscheinen.... so dass ich sie nur festhalten und beschützen
möchte. Und als die heute Nacht Kaji-san ansah... wollte ich sie schon fast zu
mir ziehen und an mich drücken... Das muss sich dumm anhören."
Misato schüttelte den Kopf.
"Nein, Shinji-kun. Ich glaube, dass
dir aus allen Beiden etwas machst. Aber es gibt doch auch sicher ein paar Dinge
an ihnen, die dir nicht gefallen. Etwas, dass dir helfen könnte, dich zu
entscheiden... wer die Bessere ist..."
Ich dachte ein Zeitlang nach.
"Nun ... Ayanami ist kalt. Man kann
nur schwer sagen, was sie denkt. Aber heute, da war sie jemand ganz anderes.
Sie hat gelächelt. Sie hat gesagt, was sie dachte. Sie hat sogar an den
Gesprächen während der Party teilgenommen.
Und Asuka...
Sie beleidigt und ärgert mich immerzu. Aber Hikari hat mir erzählt, dass sie es
nur tut, weil ich ihr etwas bedeute. Falls das war sein sollte... Dann sind
diese Probleme nicht von Dauer.
Misato nahm einen weiteren Schluck aus
ihrer Tasse. Aus der Grimasse die sie zog konnte ich schliessen, dass er jetzt
kalt war.
"Aber da ist noch etwas...."
Ich wusste wirklich nicht, ob ich darüber
reden sollte. Aber andererseits, wen ich wollte das Misato mir half...
"Heute Nacht... Ayanami... wollte...
wollte... das .. das ich mit ihr schlafe.“
Der letzte Teil platzte förmlich aus mir
heraus.
"Habe ich dich eben richtig
verstanden?"
Nicken.
"Und.. habt ihr zwei...?"
"NEIN! Ich... ich bin
weggelaufen..."
Verdammt! Das war peinlich. Misato gab mir
einen komischen Blick. Ich konnte erraten dass der Profi in ihr mit der
unbekümmerten Misato in Konflikt war. Sie konnte sich wahrscheinlich nicht
entscheiden, ob sie mich einen Idioten nennen sollte oder ob sie mir dazu
gratulieren sollte das ich mich wie ein perfekter Gentlemen verhalten hatte.
"Nun,
ich würde nicht sagen, dass das der richtige Weg zu reagieren war, aber
wenigstens hast du es geschafft uns einen großen Haufen Schwierigkeiten zu
ersparen. Das wirklich Letzte, was wir jetzt gebrauchen können, ist eine
schwangere Pilotin."
Ich errötete heftig bei dem Gedanken.
"Soooo...... Also. ... Rei.... hat... Interesse ... an dir gezeigt.
Ein sehr starkes Interesse. Asuka scheint auch zu einem gewissen Grad an dir
interessiert zu sein. Und jetzt erzählst du mir, dass du augenscheinlich an
beiden Interesse hast und nicht weisst, welche du wählen sollst, richtig?"
"Ähhh..... Tja.... Ja, ich schätze so
könnte man es sagen."
"Shinji..."
Misatos Gesicht war merkwürdig ernst.
"Ich kann dir nur einen Rat
geben..."
Ich konnte mein Glück nicht fassen! Misato
würde *wirklich* eine Hilfe sein!
"Geh mit Beiden aus!"
"WAS?! Was für ein blöder Ratschlag
ist das denn?"
Misatos Faust schlug hart auf den Tisch.
"Pass auf deine Manieren auf, junger
Mann!"
Als sie die offensichtlich Scham auf meinem
Gesicht sah, wechselte Misatos wütender Gesichtsausdruck schnell zu einem
breiten Lächeln.
"Shin- Schatz, wenn du jetzt keine
Entscheidung fällen kannst, wie willst du dann überhaupt eine treffen, wenn
du Beide nicht etwas besser als jetzt
kennst? Ich kann mir nur einen Weg vorstellen sie besser kennenzulernen und der
bedeutet sie auszuführen ... aber nicht beide zur selben Zeit, wen
möglich."
"Ist sowas nicht...
unaufrichtig?"
"Nun, keine von Beiden ist bisher
mit dir liiert..."
"Du... du hast recht...."
"Natürlich hab ich recht! Und falls du nicht sicher bist, frag doch
einfach Kaji, was er tun würde. Ich bin ziemlich sicher dass ich seine Antwort
schon kenne...
* * *
"Führ sie alle Beide aus, ist
doch klar!"
Verdammt!
Misato hatte tatsächlich recht gehabt. Nun, wen es das ist was Kaji tun
würde....
"Danke, Kaji-san. Dein Rat wird hoch
geschätzt."
"Ich bin immer froh, dir helfen zu
können, Shinji-kun. Und ich muss gestehen, ich bin wirklich fasziniert von
dieser Geschichte. Ich hätte nicht
gedacht, dass du so ein Casanova bist. Zwei Mädchen auf einmal. Du bist
wirklich ein beeindruckender junger Mann. Und die volle Wahrheit ist, wenn du
Asuka beschäftigt hältst, wird es viel einfacher sein, bei Misato zu
landen."
Der ewig unrasierte Mann hatte ein
riesiges Grinsen auf seinem Gesicht.
"Ich
weiß nicht. Während ich an Ayanami und Asuka interessiert bin, ist die Frau,
die ich wirklich liebe immer noch Misato. Falls du Mi-chan [chan=intime
Koseform] bekommen solltest, werden manche Nächte ziemlich einsam
werden..."
Kaji gefror, den Mund weit offen,
unfähig etwas zu sagen.
"Nur Spaß, Kaji-san."
Ein Ausdruck der Erleichterung flutete
förmlich in sein Gesicht, gefolgt von einem Grinsen.
"Junge, du lebst schon viel zu
lange mit Misato und Asuka..."
Ich zuckte nur mit den Achseln.
"Ich kann doch nicht immer
derjenige sein, der geneckt wird, oder?"
"Ich muss zugeben, es gibt
Zeiten in denen du mich beeindruckst, Shinji-kun."
Solche Worte von Kaji bedeuteten eine
Menge für mich. Aber jetzt war keine Zeit um vor Freude um ein kleines Lob über
die Stränge zu schlagen. Ich hatte Probleme um die ich mich kümmern musste.
"Wenn... wenn ich sie
ausführe... was soll ich tun?"
"Das erste Mal?"
Ich nickte.
"Nun, so wie ich Rei kenne, würde
alles genügen. Sie ist nicht der `Ausgeh´-Typ. Ein nettes romantisches Essen,
vielleicht gefolgt von einem Film. Recht simpel, aber in Reis Fall wäre es
wahrscheinlich neu und aufregend.
Und du hast Glück. Das Tokyo-3 Kinocenter
zeigt einen netten romantischen Film dieses Wochenende. Das sollte dir genug
Gelegenheit bieten um... ähemm... sie
besser kennenzulernen."
Ich blickte finster drein.
"Hey! Ich will nicht, dass sie mich
für einen Perversen hält!"
"Hab nur Spaß gemacht. Ist doch nur fair, nach dem Schreck,
den du mir verpasst hast."
Ich murmelte eine Entschuldigung.
"Und für Asuka würde ich sagen, je
einfacher, desto besser. Sie wird
vielleicht ein bisschen jammern, dich kindisch nennen, aber in Wahrheit
verachtet Asuka Jungen, die sie beeindrucken wollen.
Schau
einfach, dass sie eine schöne Zeit hat und versuch ein bisschen gesprächiger zu
sein, als gewöhnlich."
"Ich verstehe. Danke,
Kaji-san."
Ich war Kaji wirklich dankbar. In
Zeiten wie diesen wünschte ich mir er wäre mein Vater. Warum konnte Vater nicht
wie er sein ? Warum kümmerte es Vater nicht einmal genug um sich Zeit zu
nehmen, sich einfach mit mir zu unterhalten?
"So, mit wem willst du
anfangen?"
Über diese Frage hatte ich mir schon ein
paar Gedanken gemacht.
"Ayanami. Das Eis zu brechen sollte
bei ihr einfacher sein. Auf diese Weise werde ich besser wissen, was ich bei
Asuka zu tun haben werde."
Kaji schien zuzustimmen.
"Ein weiser Entschluß. Trotzdem, da
ist noch ein kleines Problem."
Ich sah ihn mit einem fragenden Blick
an.
"Denk daran, du wirst sie zu einer
Verabredung ausführen. Nenn sie nicht Ayanami."
Ich nickte, ich hatte verstanden.
"Rei...."
(Fortsetzung
folgt...)
Nächstes Mal:
Meine Liebe
gilt....
Kapitel 3 –
Das Eis bricht
Was wäre
wenn...
„Sag
irgendetwas!“
Es kam als ein erstickter Schrei. Sie sah
so zerbrechlich aus. So verwundbar. Wie ein verletztes Tier. Ich wollte sie in
den Arm nehmen, sie trösten, ihr sagen was sie hören wollte...
Aber ich tat nichts von alledem.
Ich war so ein Feigling. Ich hasste mich
selbst.
Da das was
sie sah von ihr wahrscheinlich als Ablehnung aufgefasst wurde, gab sie mir
einen hasserfüllten Blick.
„SHINJI NO BAKA!“
Ich bin mir
nicht ganz sicher was als nächstes passierte, den plötzlich hatte Asuka einen
Holzhammer in der Hand der mich mit genug Wucht traf um mich nicht nur zu
verletzen wie noch nie in meinem ganzen Leben zuvor, sondern der mich auch
durch das Dach hindurch in einen niedriegen Erorbit beförderte.
Daran war nur
Misato schuld! Habe ich ihr nicht gesagt das sie diese verdammten alten Ranma ½
Videokassetten nicht ausleihen soll? Ich hoffe nur das mein Glück ausreicht um
in der Nähe eines Krankenhauses zu landen. Und wen möglich auf etwas weichem...