Neon Genesis Evangelion: Meine Liebe
gilt...
Kapitel 4 - Spiel nicht mit dem Feuer
Geschrieben von Alain Gravel
<rakna@globetrotter.qc.ca>
Übersetzt von Markus Steiner
<schweinehirt@t-online.de>
http://www.geocities.com/Tokyo/Teahouse/2236/
Based
on characters created by and copyright to GAINAX
Es war bereits nach 2 Uhr morgens als
ich von Reis Wohnung zurückkam. Ich zweifelte zwar, dass noch irgendjemand wach
wäre, jedenfalls nahm ich das an, weil kein Licht mehr brannte, trotzdem zog
ich meine Krawatte und mein Jacket aus, bevor ich eintrat. So würde es weniger
Fragen aufwerfen, falls ich mit einer schlafwandelnden Asuka zusammstossen
sollte. Ich versuchte, so leise wie nur möglich, in mein Zimmer zu gehen
„Shin... Shinji?“
Ich erstarrte. Asuka.
Ich drehte mich um und sah sie auf
einem Stapel Sitzkissen liegen. Ihre schlaftrunkenen Augen verrieten mir, dass
ich sie aufgeweckt hatte. Verdammt nochmal! Ich huschte schnell in mein Zimmer,
warf die Krawatte und das Jacket hinein, und versuchte dann herauszufinden was
sie da wollte.
„Warum schläfst du hier im Wohnzimmer?
fragte ich, als ich sah, dass sie nicht wieder eingeschlafen war.
„Auf dich warten natürlich! Sag mir
doch, was das soll, so spät nach Hause zu kommen? Wieviel Uhr ist es
überhaupt?“
„Ungefähr zwei Uhr morgens...“
„Mein
Gott! Zwei Uhr Morgens! Wo warst du die ganze Nacht?“
Ich wollte jetzt wirklich nicht darüber
sprechen. Eigentlich wollte ich überhaupt nicht mit ihr sprechen.
„Bei Touji Zuhause natürlich! Was soll
die Frage! Du bist doch nicht mein Leibwächter!“
Asuka schien von meinem plötzlichen
Ausbruch überrascht zu sein. Dann jedoch, flackerte ihr eigenes Temperament
wieder auf.
„Anta baka? (*) Wir haben morgen eine
Verabredung, falls du das nicht vergessen hast, du Trottel! Ich habe also alles
Recht der Welt, besorgt zu sein, auch wenn es dich nicht zu kümmern scheint!“
Jetzt war ich überrascht. Sie hatte
versucht die ganze Nacht wach zu bleiben, nur weil wegen unserer Verabredung
besorgt war. Sie hatte auf mich gewartet... Das war nicht die selbstsüchtige
Asuka die ich kannte. Vielleicht hatten Ausserirdische sie entführt und durch
eine Kopie ersetzt. Ziemlich unwahrscheinlich. Meine Stimmung wurde schon
wieder versöhnlicher. Selbst wenn ich mir nichts mehr wünschte, als auf sie wütend
zu sein.
„Es tut mir leid, dass du dir wegen mir
Sorgen gemacht hast. Ich werde es morgen wieder gutmachen.“
Baka! Was tat ich da nur? Würde es
nicht für alle Beteiligten besser seinn wenn sie weiterhin wütend auf mich
wäre? Sie hätte vielleicht sogar diese dämliche Verabredung abgesagt.
Asuka schien sich wieder beruhigt zu
haben. Vielmehr zeigte sie sogar ein schwaches Lächeln. Dann ging das Lächeln
in ein Grinsen über.
„Ich werde sicherstellen das du das
tust, Ikari.“
Sie sah mich an wie ein Raubtier kurz
vor dem Sprung. Dieser Blick liess es mir eiskalt den Rücken hinunterlaufen.
„Also, was sind deine Pläne für morgen,
Third Children?“
Jetzt grinste ich.
„Das ist ein Geheimnis. Ich sehe dich
dann morgen früh...“
Hastig schlich ich mich davon während
Asuka´s Temperament wieder ausser Kontrolle geriet.
„Ein Geheimnis? Ein Geheimnis! Du... Du... Baka!!!“
* * *
Ich gähnte als der Wecker klingelte.
Ich wäre wahrscheinlich in Versuchung geraten ihn gegen die Wand zu werfen,
wenn ich ihn gefunden hätte. Schliesslich stieg ich aus dem Bett und ging in
die Küche. Noch nicht ganz wach stiess ich mit irgendetwas zusammen. Die
Tatsache das mein Gesicht nun in etwas rundem und weichen eingebettet war
reichte aus, um tausend Alarmglocken in meinem Kopf läuten zu lassen. Ich war
plötzlich hellwach und merkte das meine Nase genau zwischen Misato´s Brüsten
steckte.
Ich muss wohl in Ohnmacht gefallen
sein, denn das Nächste was ich sah, war das verschwommene Gesicht von Misato
und das ich auf dem Fussboden lag.
„Du hast doch nicht etwa schon wieder
etwas aus der falschen Seite des Kühlschranks getrunken, oder Shinji?“
Ich schaffte es auf die Beine zu
kommen.
„Nein. Ich hab nur nicht besonders gut
geschlafen. Entschuldige...“
Misato lächelte.
„Ist schon in Ordnung. Also, wie ist es
gelaufen?“
Wahrscheinlich hatte sie die Antwort
schon auf meinem Gesicht gelesen bevor ich überhaupt den Mund aufmachen konnte.
„Einfach perfekt, es kam mir fast vor
wie ein Traum.“
„Gut, gut, das muss ja ziemlich schön
gewesen sein. Also, bereit für Runde zwei?“
„Ich glaube schon...“
Ich klang nicht gerade sonderlich
begeistert. Ohne Zweifel bemerkte das auch Misato.
„Schon entschieden?“
Ich lächelte.
„Bin ziemlich sicher.“
Sie nickte.
„Ich verstehe. Aber trotzdem viel
Spass!“
„Ich gebe mein Bestes“ antwortete ich
nicht sonderlich überzeugend.
Aber mir drängte sich immer wieder das
Gefühl auf, dass diese Verabredung nur eine lästige Pflicht war, die ich hinter
mich bringen musste.
* * *
Ich hatte bereits alles vorbereitet als
Asuka sich schliesslich doch noch dazu entschloss aufzustehen.
„Guten Morgen!“
„Morgen Asuka.“
„Also sag schon, was sollte ich für
unsere Verabredung anziehen?“
Während ich über diesen Tag nicht
sonderlich erpicht war, schien Asuka sich wahrhaftig darauf zu freuen.
„Halte es einfach. Etwas bequemes.
Vielleicht eine von deinen Schuluniformen. Oder dein gelbes Sommerkleid. Stell
einfach nur sicher das du dir feste Schuhe anziehst.“
„Meine Schuluniform? Feste Schuhe? Was
für eine Art von Verabredung soll das denn sein?“
Ich bückte mich und hielt ihr einen
Picknickkorb genau unter ihre Nase.
„Ein Picknick am schönsten Platz, den
man hier in der Umgebung finden kann. Es ist ein paar Stunden Fussmarsch von
hier entfernt, dennoch...“
„Ein Picknick? Das ist erbärmlich!“
Hättest du es vorgezogen hier zu
bleiben, eingeschlossen zwischen Metallwänden? Du warst noch nie ausserhalb von
Tokyo-3, ausgenommen während des Vulkaneinsatzes. Glaubst du nicht, dass es an
der Zeit ist mal ein wenig frische Luft zu schnappen? Oder hast du einfach nur
Angst das eine kleine Wanderung zu anstrengend für dich wäre...“
Das hatte den gewünschten Effekt. Man
musste sie nur an ihrem Stolz packen und man bekam, was man wollte.
„Angst? Ich? Ich zeige dir, dass ich
nicht in der gleichen schlechten Form wie alle anderen Mädchen bin. Du wirst
halbtot vor Erschöpfung sein während ich immer noch weiter gehen kann und
weiter, und weiter...“
„Also wirst du beweisen das ich falsch
liege?“ sagte ich und drückte ihr den Korb in die Hand.
„Darauf kannst du wetten!“
Ich musste einfach lächeln.
„Grossartig! Mach dich bereit, wir
machen uns in zwanzig Minuten auf den Weg!“
„Zwanzig Minuten! Zwanzig Minuten
reichen dafür nicht aus! Ich muss mich anziehen, essen, ein Bad nehmen...“
„Dann eben eine halbe Stunde!“
„Möchtest du, dass deine Verabredung
schlecht riecht?“
Ich seufzte.
„OK, OK... wir gehen in einer Stunde.
Aber beschwere dich dann nicht, wenn wir erst spät zu Mittag essen...“
„Ich werde schneller fertig sein als du
denkst.“
Irgendwie bezweifelte ich es. Warum
konnte sie nicht ein bisschen wie Rei sein.
„Und trau dich ja nicht mich zu
bespannen, während ich ihm Bad bin!“
* * *
„Sind wir jetzt endlich bald da?“
„Bald.“
Wir waren jetzt bereits seit ein paar
Stunden unterwegs. Die Sonne stand hoch am Himmel und schien hell. So weit war
es bisher ein fabelhafter Tag. Geradezu perfekt für ein Picknick. Und
vielleicht auch für ein paar andere Dinge. Langsam fing ich an unsere
Verabredung zu geniessen. Möglicherweise würde es doch noch ganz angenehm
werden.
Ich sollte vielleicht mit Rei einmal
etwas ähnliches unternehmen.
„He! Shinji! Eines hast du mir nicht
gesagt. Das ganze Essen ist im Korb, richtig? Also was ist in der Tasche?“
Asuka zeigte auf den Rucksack den ich
trug.
„Nur irgendwelches Zeug...“
„Irgendwelches Zeug! Gib mir nicht
solch eine Antwort, Baka! Ich kann mir denken, dass da irgendein Zeugs drinnen
ist! Was ich wissen will, ist was das für Zeug ist!“
Ich lächelte.
„Du wirst es herausfinden...“
„Du...!“
„Wir sind da. Schau!“
Mit einem Finger zeigte ich auf einen
kleinen, nicht weit entfernten, See, der am Rand eines Waldes lag.
„Shinji! Es ist wunderschön! Woher
kennst du diesen Platz?“
„Ich hatte früher mal einige
Probleme... nach dem Kampf mit dem vierten Engel...“
Asuka nickte. Ich wusste, dass sie die
Berichte über meinen Geisteszustand, meinen Lebenslauf und mein Kampfverhalten
gelesen hatte, bevor wir uns das erste Mal trafen.
„Ich bin fortgelaufen und wanderte
einige Zeit in der näheren Umgebung von Tokyo-3 und der Geofront herum. Dabei
habe ich diesen Platz gefunden. Ich war damals von diesem Ort fasziniert. Es
hat mich einige Zeit gekostet ihn wiederzufinden, aber ein paar Wochen später
hatte ich es geschafft. Bevor du aufgetaucht bist, gab es an den Wochenenden
nicht sonderlich viel zu tun.“
Ein breites Grinsen erschien auf ihrem
Gesicht.
„So, meine Ankunft hat also dein Leben
verändert?“
„Ja... Jetzt muss ich zweimal so viel
Wäsche waschen und Müll aufzusammeln...“
„Baka!“
Asuka schlug mir auf den Kopf, aber
nicht so fest wie sie es sonst immer tat. Sie lächelte, worauf ich einfach nur
zurücklächeln konnte.
Es dauerte nur noch ein paar Minuten
bis wir den See erreicht hatten. Für eine Weile sah ich ihn einfach nur an. Das
war wirklich der schönste Platz, den ich kannte.
„Was für ein herrliches Wetter! Und so
ein schöner See! Du hättest es mir sagen müssen, dann hätte ich meinen
Badeanzug mitgebracht.“
Ich kramte für ein paar Sekunden in
meinem Rucksack und holte besagten Badeanzug heraus.
„Das ist mein...! Moment mal... Was
machst du damit?“
„Nun... Ich wollte dir die Überraschung
nicht verderben... Tut mir leid...“
Sie hielt mir ihre Faust unter die
Nase.
„Das habe ich nicht gemeint! Du
Perversling! Du hast in meinen Sachen herumgeschnüffelt!“
Ich ging ein paar Schritte zurück.
„Das habe ich nicht, ich schwöre es!“
Ich habe Misato gefragt“ Sie ist ein Mädchen, du bist ein Mädchen... das ist
doch in Ordnung... oder nicht?“
Das schien sie zufrieden zu stellen...
ein wenig. Für einen Moment fragte ich mich ob ich erwähnen sollte, das ich
derjenige war, der sich um unsere gesamte Wäsche kümmerte. Und das ich
seinerzeit bereits alle ihre Kleidungsstücke gesehen hatte. Sogar die, dich ich
lieber nicht erwähnen möchte. Aber da sie sich wieder beruhigt hatte, war es
wohl das Beste einfach still zu sein. Ausserdem wäre es wahrscheinlich nicht
besonders schlau gewesen, das gerade jetzt zu sagen. Das ganze hätte sonst mit
ein paar blauen Flecken enden können. Andererseits hätte mir das auf Dauer
gesehen einiges an Wäsche erspart.
„Ich glaube schon...“
Dann schien ihr irgendetwas
aufzufallen.
„Und wo soll ich mich umziehen?“
Sie warf mir einen tödlichen Blick zu.
„Also das hast du die ganze Zeit geplant! Du bringst mich zu diesem
abgelegenen Ort, nur um zuzusehen wie ich mich genau vor deiner Nase umziehe,
du Perversling! Was kommt als nächstes? Willst du meinem jungen und
wunderschönen Körper etwa ausnutzen?“
Darüber hatte ich noch nicht
nachgedacht, aber jetzt wo sie es erwähnte... Nein! Ich versuchte den Gedanken
zu ignorieren. Aber Asuka merkte, dass ich rot anlief.
„Du... du... willst mir doch nicht etwa
sagen das ich recht habe? Du bist wirklich pervers!“
Ich schüttelte den Kopf. Sie war
diejenige die mir diesen Floh ins Ohr gesetzt hatte!
„Nein! Ich schwöre es!“ Ich zeigte auf
den Waldrand. „Du kannst dich dort umziehen! Ich habe nie daran gedacht mit dir
irgendetwas zu tun!“
Auf einmal wirkte Asuka enttäuscht.
„Ich hätte es wissen sollen...“
Verdammt! Hat sie wirklich erwartet das
ich so über sie denke? Wollte sie vielleicht sogar, dass ich so über sie
dachte?
Das war eine reichlich seltsame
Situation. Trotzdem schaffte ich es zu lächeln. Es würde vielleicht weh tun,
aber wenn es sie glücklich machte...
„Natürlich würde es mir nichts
ausmachen wenn du dich hier umziehst...“
„Baka!“
Asuka schlug mir wieder auf den Kopf,
dieses Mal mit voller Kraft aber mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Dann rannte
sie auf den Wald zu.
Sie bald wieder zurück und trug nur
noch ihre Schuhe und ihren Badeanzug. Es fiel mir schwer sie nicht anzustarren.
Sie war vielleicht erst 14 aber für ihr Alter war sie bereits sehr gut gebaut.
„Gefällt dir, was du siehst?“
Ich nickte. Sie lächelte und warf mir
ihre Kleider ins Gesicht.
„Starr nicht so, du Perversling! Und
jetzt zieh du dich aus!“
„Was?!“
Ich hatte das erwartet und trug deshalb
die Badehose bereits unter meiner Kleidung, aber das bedeutete nicht das ich
nicht ein wenig Spass mit ihr treiben konnte...
„Du hast mich verstanden! Zieh deine
Sachen aus! Du hast doch nicht wirklich geglaubt das ich allein schwimmen gehe,
oder doch? Tut mir leid, wenn ich deine Pläne durchkreuze, aber du wirst nicht
den ganzen Nachmittag dort sitzen nur um meine Schönheit zu bewundern!“
Ich nahm mir die Zeit ihre Sachen
zusammenzulegen und begann mein Hemd aufzuknöpfen.
„Es macht mir nicht aus. Aber ich trage
keine Unterwäsche, ich hoffe also, dass es dich nicht stört, mich nackt zu
sehen.“
Asuka´s Augen weiteten sich.
„Mein
Gott! Hör auf damit! Ich habe meine Meinung geändert! Bleib... bleib
einfach da stehen du... du... Perversling!“
Ich musste mich beherrschen nicht
loszulachen.
Ich zog weiter langsam meine Sachen
aus. Asuka hatte ihre Augen geschlossen und murmelte ihrgendetwas darüber, das
alle Jungen pervers wären.
„Nun, das war doch das, was du von
Anfang an wolltest, als komm schon, riskier einen Blick!“
„Warum sollte ich dich nackt sehen
wollen? Du bist nur ein dünner kleiner Junge! Touji vielleicht, er ist besser
gebaut als du... Kaji mit Sicherheit... No baka! Schau was ich wegen dir sage!“
Zu diesem Zeitpunkt hatte sie ihre
Augen bereits ganz geöffnet.
„Wer ist jetzt ein Perversling?“
Asuka´s Wangen brannten vor Scham. Dann
vor Zorn.
„Du kleiner...“
„Geschieht dir Recht. Was musst du mich
auch andauernd „Baka“ rufen.“
Asuka machte den Mund auf aber es kam
kein Wort heraus. Stattdessen entspannte sich ihr Gesicht.
„Ich weiss nicht warum, aber du hast
dich verändert Shinji. Eigentlich bist du gar nicht mal so ein Schwächling. Ich
mag das.“
Dann winkte sie mir zu und gab mir mit
einem Zeichen zu verstehen, dass ich ihr zum See folgen sollte.
* * *
Fur fast eine Stunde benahmen wir uns
wie kleine Kinder, ohne uns Sorgen über die EVA´s oder Engel zu machen,
spielten im Wasser und spritzten uns gegenseitig nass. Asuka versuchte sogar,
mir das Schwimmen beizubringen... mit mehr oder weniger grossem Erfolg. Ich muss
zugeben, dass das eine ziemlich angenehme Situation war. Und ich war
überrascht, als mir klar wurde das ich bis jetzt noch keinen Gedanken an Rei
verschwendet hatte. Als wir zurück ans Ufer kamen, nahm ich zwei Handtücher aus
dem Rucksack und wir trockneten uns damit ab. Ich zog mich dann an, während
Asuka sich entschloss, die Gelegenheit für ein Sonnenbad zu nutzen.
„Hungrig?“ fragte ich und holte eine
Bentobox aus dem Picknickkorb.
„Darauf kannst du wetten!“ erwiderte
sie und riss mir die Box mit einem gierigen Blick aus der Hand.
Sie fing an, den Inhalt der Box in sich
hineinzuschlingen. Dann streckte sie ihre Hand aus.
„Was zu trinken.“
Ich reichte ihr eine Flasche Saft. Sie
trank die Hälfte davon in einem Zug aus und widmente sich dann wieder ihrem Bento.
Ich hatte kaum zu essen begonnen als sie bereits fertig war. Schliesslich legte
sie sich auf ihren Rücken.
„Nicht schlecht. Du bist zwar kein
Spitzenkoch, aber es ist auf jeden Fall geniessbarer als Misato´s Küche... Kann
man das, was sie macht überhaupt kochen nennen?“
„Danke... Es ist das erste Mal das du
dich zu meinen Kochkünsten geäussert hast.“
„Nun, wie gesagt es ist nicht
Spitzenklasse aber ich mag es.“
Ich konnte nicht verhindern das ich rot
anlief.
„Mann. Es braucht wirklich nicht viel
um dir eine Freude zu machen!“
„Tut mir leid.“
„Für was entschuldigst du dich
eigentlich?Du bist so ein Idiot...“
„Tut mir leid.“
Sie sah mich mit einem tödlichen Blick
an, gab dann aber auf und legte sich einfach hin, schloss die Augen und widmete
sich weiter ihrem Sonnenbad. Nachdem ich zu Ende gegessen hatte, packte ich
alles wieder in meinen Rucksack und den Picknickkorb. Da ich sonst nichts
anderes zu tun hatte konnte ich nichts anderes machen, als Asuka anzustarren.
Es sah fast so aus, als wenn sie schlafen würde. Ihr Gesicht war entspannt und
ihr Brustkorb hob und senkte sich gleichmässig wenn sie atmete. Es war nicht
unbedingt Neu für mich, aber ich musste zugeben dass sie wirklich wunderschön
war. Eigentlich mehr als schön,im Vergleich zu Rei.
„Es ist nicht höflich andere
anzustarren.“
„Tut mir leid.“
Ich drehte hastig meinen Kopf zur Seite
„Nun, ich kann dir keinen Vorwurf
machen. Du bist ein Junge, also kannst du nicht anders, als von meinem Körper
fasziniert zu sein,“ sagte Asuka als sie aufstand und sich so zu mir
hinunterbeugte das ich genau auf ihre Brüste sehen konnte. „Also? Was gefällt
dir besser? Meine Brüste? Meine perfekten Beine? Mein Hintern?“
An diesem Punkt war ich rot wie eine
Tomate.
„Man kann dich so leicht aufziehen,
dass es gar keinen Spass macht!“ sagte sie als sie sich schliesslich hinsetzte.
Dann fing sie an zu grinsen.
„He! Shinji! Willst du mich küssen?“
„Was?!“
Ich musste mich beherrschen um nicht
wegzulaufen. Das war nicht gut. Das war wirklich nicht gut...
„Du hast mich verstanden... Ich sehe es
daran, wie rot du anläufst.“
Verdammt!
„Aber... aber... aber... warum?“
„Mir ist langweilig.“
Ihr war langweilig? Vor ein paar
Minuten schien sie sich noch zu prächtig zu amüsieren.
„Man küsst doch niemanden, nur weil man
Langeweile hat!“
Sie lächelte mich boshaft an.
„Vielleicht ist es auch einfach nur
eine Entschuldigung. Vielleicht habe ich einfach Lust darauf. Aber du hast
recht. Wer möchte schon einen Schwächling wie dich küssen?“
Beinahe geriet ich in Versuchung ihr zu
sagen, dass Rei es bereits getan hatte.
„Ich bin kein Schwächling!“
„Dann beweis es mir!“
„In Ordnung, ich beweise es dir!“
Vor einer Woche wäre das vielleicht
noch ein ziemlich peinlicher und heikler Moment gewesen. Aber meine Erfahrung
mit Rei hatte das geändert. Ich wusste, was ich zu tun hatte.
Eigentlich dachte ich nicht wirklich
nach, über das was da tat. Ich war es einfach nur leid, ständig von ihr
beleidigt zu werden und wollte sie ein für alle Mal zum Schweigen bringen. Also
bevor es mir überhaupt richtig klar wurde, lag sie bereits in meinen Armen und
meine Lippen auf ihren.
Ich muss zugeben, dass es anders war
als mit Rei. Immerhin war es diesmal ich, der den Kuss begonnen hatte. Ich
musste sie wohl damit überrascht haben, denn in dem Augenblick als sich unsere
Lippen berührten, versteifte sich ihr ganzer Körper. Für ein paar Sekunden
reagierte sie überhaupt nicht. Wäre da nicht ihr plötzlich erhöhter Herzschlag
gewesen, hätte ich sie wahrscheinlich für tot gehalten. Schliesslich
erschlaffte sie und ihre bebenden Lippen gaben sich ganz dem Kuss hin.
Spätestens an dieser Stelle hätte ich
aufhören sollen. Ein Teil von mir fühlte sich miserabel. Immerhin verriet ich
hier im Grunde genommen meine Gefühle für Rei. Wie auch immer, meine
Schuldgefühle verstummten angesichts der wachsenden Leidenschaft unseres Kusses
und des erregenden Gefühles ihres kaum verhüllten Körpers unter meinen Händen.
Dann, ohne Vorwarnung, unterbrach Asuka
den Kuss, befreite sich aus meiner Umarmung und sprang auf. In ihrem Gesicht
spiegelten sich Schock und Überraschung wieder, dann aber, verwandelte sich
dieser Ausdruck langsam zu Zorn.
„Wie... wie... wie kannst du es wagen!“
Ich stand ebenfalls auf und fühlte
plötzlich einen zunehmenden Zorn der ihrem ähnelte.
„Du hast MICH danach gefragt DICH zu
küssen!“
„Du wärst doch gar nicht dazu fähig! Du
bist doch nur der erbärmilche, kleine Shinji! Du küsst keine Mädchen!“
„Vielleicht kennst du mich nicht halb
so gut, wie du glaubst!“
Asuka schüttelte wütend den Kopf.
„Nein, nein, nein... es ist etwas anderes...
es muss etwas anderes sein...“
Asuka erstarrte auf der Stelle als sie
die Erkenntnis traf.
„Du... du... du wusstest es! Du hast ganz genau gewusst, was du da tust... als wenn...
als wenn du es bereits einmal getan hättest. Aber das ist nicht möglich...
nicht möglich... ausser... oh, diese Hure! Du hast diese Puppe geküsst!“
Mein Zorn wuchs genau wie der Ihre.
Dieses Mal war sie eindeutig zu weit gegangen!
„Rei ist keine Puppe und noch weniger
ist sie eine Hure! Wage es niemals wieder, so von ihr zu reden! Und was ich mit
ihr mache... geht dich nichts an!“
Ihr Gesicht wurde ausdruckslos.
Vollkommen ausdruckslos. Für eine Augenblick schienen ihre Augen völlig leblos
zu sein. Dann kamen die Tränen und mit ihnen ein verletzter Blick der mir fast
das Herz zerissen hätte. Was ich in diesem Moment fühlte, tat mehr weh als die
Ohrfeige, die ich wenige Augenblicke später kassierte.
„Du Bastard!“
Dann rannte sie los. Ich stand da, ohne
zu wissen was ich tun sollte und rieb mir die Wange die sie gerade geschlagen
hatte.
Sie war schon fast ausser Sichtweite,
als ich schliesslich beschloss ihr hinterher zu laufen. Ich konnte sie nicht
allein lassen, nicht in dieser Verfassung. Ich musste meinen Fehler wieder
gutmachen. Ich musste. Nicht nur um ihretwillen, sondern auch mir zuliebe.
Weil, so wurde mir klar, es für mich unerträglich war, sie leiden zu sehen. Ich
rannte so schnell wie ich konnte.
* * *
Wir rannte eine ganze Weile. Mehrmals
verlor ich sie fast aus den Augen. Asuka war in einer wesentlich besseren Verfassung
als ich, weshalb ich Schwierigkeiten hatte mit ihr mitzuhalten. Tatsache war,
dass ich sie mehrmals nur durch reines Glück nicht verloren habe. Dennoch
schaffte ich es, ihr zu folgen bis sie endlich stehenblieb. Wir waren jetzt
irgendwo tief im Wald und mir wurde klar, dass wir uns zweifellos verirrt
hatten. Ich bezweifelte, dass ich wieder zum See zurückfinden würde und ich war
mir sicher, das Asuka nicht wirklich versucht hatte sich den Weg zu merken. Ich
war vollkommen erledigt als ich sie endlich erreichte. Sie sass, ebenfalls
erschöpft, unter einem Baum. Ihre Haare waren ein einziges Durcheinander und
mir fiel auf das sie mehrere Schnitte und Prellungen an ihren Füssen hatte. Sie
bewegte sich nicht, bis ich versuchte mich ihr zu nähern.
„Verschwinde...“
Ihre Stimme war kaum lauter als ein
Flüstern. Sie wurde lauter als ich weiterging und so tat als wenn ich sie nicht
gehört hätte.
„Verschwinde!“
Ich ignorierte sie weiter.
„Du bist verletzt, Asuka...“
„LASS MICH IN RUHE!“
Was mich anhalten liess waren weniger
ihre Worte sondern mehr der Blick mit dem sie mich ansah. Ich hatte sie früher
schon wütend gesehen. Ich hatte sie zornig gesehen. Ich hatte sie traurig
gesehen. Aber das... Es war ein Blick puren Hasses.
„Ich brauche dich nicht! Ich brauche
niemanden! Verschwinde!“
Als sie das sagte zog sie ihre Beine
bis an die Brust, legte ihr Kinn auf die Knie und schloss die Augen.
„Lass mich in Ruhe... lass... mich
einfach in Ruhe...“
Dieses mal wurden ihre Worte von
einzelnen Schluchzern unterbrochen.
Ich wusste nicht was ich tun sollte.
Ich wollte ihr helfen, aber ich wusste nicht wie. Ich wollte mich
entschuldigen, aber ich wagte es nicht sie anzusprechen. Also tat ich das
einzige was mir einfiel. Ich setzte mich unter einem Baum.
Ich würde warten.
Wenigstens war ich nicht davongelaufen.
* * *
„Ist da irgendjemand? Wir brauchen
Hilfe!“
Keine Antwort. Ich war nicht sonderlich
überrascht. Es waren bereits mehrere Stunden vergangen, seit ich das erste Mal
um Hilfe gerufen hatte. Anscheinend hatten wir uns nicht nur verirrt, sondern
hatten auch noch den NERV Geheimdienst abgehängt. Ich fand es immer lästig zu
wissen das sie uns überall hin folgten. Jetzt aber wünschte ich mir einfach
nur, dass sie hier wären. Die Sonne war schon fast untergegangen und damit
sanken auch meine Chancen, einen Weg nach Hause zu finden. Aber ich konnte mich
einfach nicht überwinden, Asuka alleine zu lassen. Und ich bezweifelte, dass
ich sie überzeugen konnte mit mir zu kommen.
Also tat ich das einzige was ich tun
konnte.
Ich setzte mich und wartete.
* * *
„Kalt.“
Sie sagte es nicht besonders laut, aber
dieses einzelne Wort liess mich aufschrecken. Es war das erste Mal seit
Stunden, dass Asuka gesprochen hatte.
„Mir ist kalt, ich bin durstig und
hungrig...“
Wäre die Situation in der wir uns
befanden nicht so schlecht gewesen wäre, hätte ich mich gefreut wieder ihre
Stimme zu hören. Aber gerade jetzt konnte ich verstehen, was sie meinte. Ich war selber hungrig, meine letzte Mahlzeit lag schon
mehrere Stunden zurück, und ziemlich durstig. Und zugegeben, ohne Jacke
war es hier draussen ziemlich kalt. Und wenn man bedachte, dassAsuka nur einen
Bikini trug...
Es gab nicht viel, was ich gegen den
Hunger machen konnte. Aber zumindest konnte ich etwas gegen die Kälte tun.
Ich stand auf und knöpfte mein Hemd
auf. Das brachte mir einen verwunderten Blick von Asuka ein. Ich war mir nicht
sicher ob sie mich nahe genug an sich heranlassen würde, also knüllte ich das
Hemd zusammen und warf es ihr zu, wo es genau vor ihren Füssen landete. Nur mit
einem T-Shirt bekleidet war es jetzt etwas kälter, aber das war nichts mit dem
ich nicht fertig werden würde. Obwohl ich nicht garantieren konnte, mir dabei
keine Erkältung zu holen.
„Du erwartest doch nicht, dass ich das
anziehe, oder etwa doch?“
Ich nickte.
„Nimm es wieder zurück. Ich will deine
Hilfe nicht.“
„Entweder du ziehst das Hemd an oder
ich werde es dir anziehen.“
Der Rotschopf sah mich mit einem
empörten Blick an.
„Dazu hättest du doch gar nicht den
Mut.“
Jetzt riss mir endgültig der Geduldsfaden.
Nicht sonderlich überraschend. Die Spannung hatte sich jetzt schon seit
mehreren Stunden immer weiter aufgebaut.
Bevor es uns beiden richtig klar wurde,
hielt ich einen ihrer Arme und zwang ihn mit Gewalt in einen der Hemdsärmel.
Asuka wehrte sich dagegen ,aber irgendwie schaffte ich es die Kontrolle zu
behalten, höchstwahrscheilich weil sie immer noch sass, während ich meine ganze
Kraft einsetzen konnte. Es dauerte einige Zeit, aber letztlich schaffte ich es,
sie in das Hemd zu bekommen. Sie versuchte es wieder auszuziehen. Aber ich
beendete ihre Bemühungen, indem ich sie so fest in meine Arme nahm, wie ich nur
konnte.
„Lass mich loss!“
„Nicht bevor du dich beruhigt hast!“
Asuka fing an sich hin- und
herzuwinden. Ich schaffte es kaum sie festzuhalten.
„Nimm deine dreckigen Hände von mir!“
„Das werde ich nicht. Nicht bevor du
aufhörst dich wie ein Kind zu benehmen...“
Das schien sie nur noch wütender zu
machen.
„Ich benehme mich nicht wie ein Kind!“
„Doch das tust du! Wenn es nicht so
wäre, hätte ich dich nicht mit Gewalt zwingen müssen das Hemd anzuziehen. Du
hättest eingesehen das dir kalt ist und es von selbst angezogen.“
„Es ist dein Hemd!“
Ich schüttelte den Kopf.
„Es ist nur ein Hemd, Asuka. Nichts
weiter.“
„Ich will deine Hilfe nicht!“
Jetzt schrie sie.
„Das ist mir egal.“
„Aber mir ist es nicht egal“ Ich will
deine Hilfe nicht! Ich will von niemanden Hilfe! Ich kann für mich selbst
sorgen! Ich habe es immer getan und ich werde es immer tun! Warum bist du immer
noch hier? Warum lässt du mich nicht einfach allein?“
Ich wusste nicht was genau ich darauf
erwidern sollte. Nein, das war nicht war. Ich wusste warum. Ich wollte mir es
nur nicht eingestehen. Denn wenn ich es tat, würde es mein Leben nur noch
komplizierter machen.
„Weil ich mich um dich sorge. Ich kann
dich nicht in dieser Verfassung hier zurücklassen, vor allem nicht, wenn es
meine Schuld ist.“
Ich war wirklich überrascht, dass ich
das gesagt hatte. Und als ich auf einmal an Rei dachte fühlte mich schuldig.
Aber es war die Wahrheit. Ich sorgte mich um Beide.
„Du sorgst dich nicht! Wenn es so wäre,
hättest du sie nicht geküsst!“
„Ich habe Rei nur geküsst, weil sie mir
genausoviel bedeutet wie du mir bedeutest, Asuka.“
Ich sorgte mich nicht nur um beide, mir
wurde auch klar, dass ich beide brauchte.
„Hör auf mit diesem Mist... du kümmerst
dich nicht um mich... niemand tut das...“
„Das ist nicht war. Ich kümmere mich um
dich. Und Misato auch.“
„Du lügst...“
Ich liess sie los. Es war der einzige
Weg um ihr Vertrauen zu gewinnen.
„Es ist wahr. Wen du in die Augen
siehst, wirst du sehen, dass es wahr ist...“
Als sie merkte dass sie wieder frei
war, sprang sie auf die Füsse. Im ersten Moment befürchtete ich, dass sie
wieder weglaufen würde, gerade als sie sich umdrehte und mir,wie ich es ihr
gesagt hatte, in die Augen sah.
„Ich kümmere mich um dich Asuka.“
Für ein paar Sekunden stand sie einfach
nur still. Dann rollten langsam Tränen ihre Wangen herab.
Ich musste lächeln.
„Komm. Lass uns sehen ob wir es nicht
schaffen dich aufzuwärmen...“
Ich lud sie ein sich zwischen meine
Beine zu setzen. In jeder anderen Situation wäre das
wohl ein wenig zu intim gewesen, nur um eine Annehmlichkeit zu sein.
Aber das war nicht der Fall. Asuka schien eine Weile darüber nachzudenken, aber
dann liess sie ein Windstoss frösteln. Bald lag sie wieder in meinen Armen,
teilte ihre Körperwärme mit mir und legte ihren Kopf auf meine Schulter.
„Es tut mir leid Asuka. Ich wollte
nicht, das all dies passiert. Ich wollte dir nicht weh tun. Ich wollte, dass
dieser Tag perfekt wird. Ich wollte,das wir als Freunde Spass haben.“
„Nur als Freunde?“
Ich antwortete nicht sofort. Aber ich
wollte sie auch nicht anlügen. Diese Lügen hatten sie schon zu sehr verletzt.
„Nur als Freunde. Ich wollte, dass du
dich amüsierst, damit du verstehst, dass wir Freunde bleiben können, auch wenn
ich Rei´s Freund werde... Ich ertrage es nicht, dich verletzt zu sehen. Und ich
will auch Rei nicht verletzen. Ich glaube jetzt kann ich es mir abschminken,
auch nur irgendjemandes Freund zu sein. Na los, sag es... Ich weiss das ich ein
Idiot bin...“
„Das bist du wirklich...“
Für eine Weile schwiegen wir. Wir
blieben einfach so sitzen, eng aneinander geschmiegt.
„Liebst du sie?“
Asuka war offensichtlich ziemlich müde.
Ihre Stimme klang nicht wie sonst. Sie hörte sich fast ein wenig wie Rei´s an.
„Ich glaube schon.“
„Weiss sie von unserer Verabredung?“
„Sie weiss es, aber es macht ihr nichts
aus. Sie scheint sich erstaunlich sicher zu sein, dass ich mich für sich sie
entscheiden werde.“
„Hattet ihr Sex?“
Ich lief rot an.
„Nein! Ähm... wir hätten... aber wir
haben nicht... Ich konnte nicht... nicht bevor ich mir sicher war, dass ich sie
mehr liebe als dich."
„Möchtest du mit ihr Sex haben?“
„Nein. Wenigstens nicht bis sich die
Dinge geändert haben.“
„Würdest du gerne mit mir Sex haben?“
Wenn es noch irgendwie möglich war,
wurde ich noch roter. Was sollten diese Fragen?
„Ich denke... ich würde gerne. Aber ich
kann nicht.“
„Ich verstehe. Du wirst also mit uns beiden herumspielen, bis
du dich entschieden hast, ist es so?“
„Es tut mir leid. Ich wünschte es gäbe
einen anderen Weg.“
Das war die Wahrheit. Ich wollte nicht,
das irgendjemand von uns in dieses Schlamassel mit hineingezogen wurde. Aber es
half alles nichts.
„Du solltest nicht mit dem Feuer
spielen, sonst wirst du dich daran verbrennen.“
„Ich weiss. Die ganze Zeit wusste ich,
dass es eine dämliche Idee gewesen war, mich mit euch beiden zu verabreden.
Trotzdem habe ich es getan.“
„Weisst du, dass du meinen ersten Kuss
ruiniert hast?“
Ich keuchte geschockt auf.
„Was meinst du mit ´deinem ersten
Kuss`?“
„Genau das was ich gesagt habe.“
„Aber... aber... das ist nicht möglich!
Ich meine... ein so schönes Mädchen wie du... Sicher haben dich bereits eine
Menge Jungs gefragt!“
„Nur ein Haufen von erbärmlichen
kleinen Jungs...“
Plötzlich fühlte ich mich ziemlich
schlecht.
„Tut mir leid...“
Dann wurde mir etwas klar.
„Aber du warst diejenige, die danach
gefragt hat! Und du warst diejenige die den Kuss abgebrochen hat! Von meinem
Standpunkt aus war es sehr schön, bevor du das gemacht hast...“
„Besser als mit ihr?“
„Bei dem Gedanken der mir jetzt durch
den Kopf ging, musste ich einfach grinsen.
„Schwer zu sagen. Du hast uns nicht die
Chance gegeben, ernsthafter zu werden.“
„Ja, das hättest du dir gewünscht!“
„Natürlich tue ich das.“
Asuka bewegte sich plötzlich in meinen
Armen, so dass sie mir in die Augen sehen konnte. Sie sah mich seltsam ruhig
an.
„Glaubst du wirklich ich lasse mich von
dir küssen, wenn ich weiss, dass du ein anderes Mädchen neben mir liebst?“
„Ich verstehe, wenn du das nicht
willst. Aber ich hoffte du würdest.“
Sie zog eine Augenbraue hoch.
„Was ist nur mit meinem Shinji
passiert?“
„Ich glaube er ist heute nacht nicht
zuhause.“
„Also wenn du nicht Shinji bist...“
Ich Gesicht näherte sich meinem. Eine
Sekunde später gaben wir uns einen leidenschaftlichen Kuss.
* * *
„Was für ein nettes Paar. Sag mir
Shinji, komme ich zu früh oder zu spät?“
Ich öffnete langsam meine Augen. Zuerst
dachte ich ich würde träumen. Kaji?
„Kaji, bist das wirklich du?“
„In Fleisch und Blut.“
Ich versuchte meine Aufregung zu
bändigen. Ich wollte Asuka nicht aufwecken. Obwohl, sie schien so fest in
meinen Armen zu schlafen, das ich mich fragte, ob es überhaupt möglich war sie
aufzuwecken.
„Was macht du hier?“
„Nach euch suchen natürlich. Misato hat
sich ernsthafte Sorgen um euch gemacht. Und da wir ja über eure
Verabredungspläne gesprochen hatten, hat sie mich natürlich um Hilfe gebeten.“
Ich bereute schon fast, das Asuka
schlief. Ansonsten hätte sie jetzt gewusst, dass es Menschen gab, die sich
Sorgen um sie machten.
„Wie hast du uns gefunden?“
„Ziemlich einfach. Ich habe einen von
meinen Kontaktmännern beim NERV Geheimdienst gefragt. Ich musste zwar ein wenig
Überredungskunst anwenden, aber schliesslich hat er mir euren Aufenthaltsort
dann mitgeteilt.“
„Was?! Die haben gewusst das wir hier
sind?!“
Mir wurde klar das ich geschrien hatte.
Asuka murmelte etwas über Jungs die zu viel Krach machen, schien aber nicht
aufzuwachen.
„Ja. Und ich bin mir ziemlich sicher,
dass sie uns genau jetzt beobachten.“
„Diese Bastarde! Warum sind sie nicht
aufgetaucht als ich um Hilfe gerufen hatte?“
„Es wäre gegen ihre Befehle gewesen.“
Ich zog meine Brauen hoch. Trotz meiner
Wut, sah ich Kaji mit einem forschenden Blick an.
„Befehle?“
„Ja. Sie sollten in keinster Weise
eingreifen, ausser euer Lebe wäre in Gefahr. Sie sind nur zur Überwachung
hier.“
„Wer hat diesen Befehl gegeben?“
Aber ich wusste bereits die Antwort auf
diese Frage. Ich kannte nur einen Mann, der in der Lage war, Menschen auf diese
Weise zu manipulieren. Was ich nicht wusste, war das warum.
„Kommandant Ikari.“
„Warum?“
„Kann ich nur vermuten. Der
einleuchtendste Grund wäre, sicherzustellen, dass die Beziehung zwischen dir
und Asuka eine Chance bekommt, sich zu entwickeln; und der Art und Weise wie du
sie festhälst zu urteilen, würde ich sagen, dass sein Plan funktioniert hat.
Denn wenn du dich in Asuka verliebst, würdest du gleichzeitig das Interesse an
Rei verlieren. Auf diese Weise hätte dein Vater wieder die volle Kontrolle über
sie, so wie es früher der Fall war.“
„Dieser gottverdammte Bastard!“
Mein ganzes Leben hatte ich den Mann,
der mein Vater war dafür gehasst, dass er mich verlassen hatte. Dennoch, ich
war niemals fest entschlossen gewesen ihn abgrundtief zu hassen. Ein Teil von
mir hatte immer gehofft, dass wir zueinander finden würden, von einander lernen
und wieder eine Familie werden konnten. Dieser Teil von mir starb in dieser
Nacht. Dieses Mal war Ikari Gendo zu weit gegangen. Ich konnte mich damit
abfinden, von ihm manipuliert zu werden. Das war mir egal. Auf diese Weise
musste ich keine eigenen Entscheidungen für mein Leben treffen. Ich musste es
einfach nur leben. Das war einfacher. Aber was er jetzt getan hatte, der
Versuch Rei und Asuka zu manipulieren, der Versuch die zwei Menschen die mir am
meisten bedeuteten, zu kontrollieren... das konnte ich ihm nicht verzeihen. Das
wollte ich ihm nicht verzeihen.
Ich überzeugte mich, dass Asuka sicher
in meinen Armen lag und stand auf.
„Wir sind müde Kaji. Kannst du uns nach
Hause bringen?“
Kaji sah mich besorgt an.
„Bist du dir sicher, dass du sie so
tragen kannst? Mein Jeep steht zwar in der Nähe, aber es sind immerhin noch 15
Minuten zu Fuss...“
„Sie ist schwer, aber keine Last für
mich. Ich weiss nicht... Ich fühle mich nicht so schwach wie sonst. Es geht
schon in Ordnung. Ich muss das einfach tun. Ich muss ihr zeigen das mir etwas
an ihr liegt.“
Kaji lächelte.
„Du wirst erwachsen, Ikari Shinji.“
„Nein, ich bin immer noch ein Kind. Ich
habe nur beschlossen nicht mehr davonzulaufen.“
„Genau das habe ich gesagt. Du bist
jetzt definitiv ein Mann.“
War ich das? Ich dachte anders darüber.
Ich konnte mich immer noch nicht zwischen Rei und Asuka entscheiden. Und ich
musste immer noch dem Kommandanten gegenübertreten.
(Fortsetzung folgt...)
Nächstes Mal:
Kapitel 5 - Je mehr sich die Dinge
ändern, desto mehr bleiben sie gleich
Omake:
„Oh Mann! Keine neuen Filme diese
Woche! Das stinkt!“ sagte Kensuke.
„Nun, diesen Film haben wir bisher noch
nicht gesehen...“ erwiderte Touji mit einem Grinsen auf dem Gesicht und deutete
auf einen Filmtitel.
„Das ist ein Porno!“
„Ich weiss!“
Toujis Grinsen vergrösserte sich
zusehends. Kensuke wickelte ein Bonbon aus.
„Das ist ein ausländischer Film! Er ist
nicht mal auf japanisch!“
„Was soll´s! Am Plot bin ich nicht
interessiert...“
Kensuke mußte ein Nasenbluten
unterdrücken.
„Die werden uns da nicht reinlassen,
immerhin sind wir zu jung dafür...“
„Verdammt! Du hast recht...“
Kensuke grinste triumphierend.
„Touji, weißt du, du bist wirklich
pervers...“
„Halts Maul!“
Plötzlich hatte er eine Eingebung.
„Das ist es. Los, wir besuchen Ikari!
Mit ein bisschen Glück ist Misato auch da...“
Touji schien bei diesem Gedanken in
Verzückung zu geraten.
„Komm schon Touji, ist dass das einzige
woran du denken kannst?“
„Willst du etwas behaupten dass du
nachts nicht von ihr träumst?“
„Eigentlich dachte ich, du würdest von
Hikari träumen!“
Kensuke grinste als Touji blaß wurde.
„Wenn meine Quellen zuverlässig sind,
dann bist du noch lange nach Ende ihrer Geburtstagsfeier bei ihr Zuhause
geblieben...“
„He! Wir haben uns nur einen Film
angesehen!“
„Sicher einen romantischen. Also, was
habt ihr zwei gemacht? Hat sie den ersten Schritt getan? Hast du sie geküsst?
Oder habt ihr euch auf der Couch vor dem Fernseher leidenschaftlich geliebt?“
„Kensuke!“
Kensuke hätte wahrscheinlich gelacht,
wenn im nicht eine Faust beinahe alle Zähne gebrochen hätte.
„Halt den Mund und beweg dich! Ikari -
und Misato - warten auf uns!“
„Shinji-kun ist nicht zuhause. Ihr
werdet ihn dort nicht finden.“
Touji und Kensuke drehten sich
erschrocken um und sahen dort Rei die gerade eben das Kino verlassen hatte.
„Ayanami!“ sagten beide gleichzeitig.
„Er hat gerade eine Verabredung mit
Sohryu.“
Touji schlug sich die Hand gegen die
Stirn.
„Verdammt! Das hatte ich vergessen!“
„Was?“ sagte Kensuke, sichtlich
geschockt. „Shinji hat eine Verabredung mit dem Dämon und du hast es mir nicht
gesagt? Du hast es gewußt und ihn nicht aufgehalten?“
Touji zuckte nur mit den Achseln und
sah dann zu Ayanami.
„Also... weisst du es. Wie fühlst du
dich dabei?“
„Ich fühle überhaupt nichts. Ich bin
nicht besorgt. Er wird mich ihr vorziehen.“
„Was? Bedeutet das etwa das er sich mit ihr auch verabredet hat?
Touji nickte.
„Oh Mann! Meine Quellen sind nächlassig
geworden! Wie konnte es nur kommen, dass ich nichts davon wusste?“
„Shinji wollte nicht, dass der Dämon
etwas heraufindet...“ erklärte Touji.
„Oh...“
Beide nickten. Sie konnten verstehen
das Shinji seine Doppelverabredung geheimhalten wollte. Wenn Sohryu das heraus
fände...
„Also, Ayanami, welchen Film hast du
dir gerade angesehen?“ fragte Kensuke.
„Diesen hier.“
Mit einem Finger zeigte Ayanami auf
einen Filmtitel. Touji und Kensuke keuchten als sie sahen ,welcher es war.
„Du hast dir DEN FILM angesehen?“
„Wie... wie bist da reingekommen?“
Aus einer Tasche holte Ayanami ihren
NERV Ausweis hervor.
„Oh Mann! Ich möchte auch zu NERV
gehören. Die haben die Knarren, die EVA´s, die coolen Ausweise und die
Mädchen!“
„Du kannst es ja versuchen und dich für
eine Stelle bewerben. Wie auch immer, man wird dich ablehnen, da du die Schule
noch nicht beendet hast.“
Kensuke stand anscheinend kurz davor in
Tränen auszubrechen.
„Warum hast du dir diesen Film
angesehen?“ fragte Touji, offensichtlich neugierig warum sich ein Mädchen einen
Film für Erwachsene ansah.
„Um zu lernen wie man eine gute
Partnerin für Shinji-kun wird.“
Kensuke und Touji keuchten noch einmal.
Sie wollten ihr hundert Fragen über die Beziehung, die sie mit ihrem Freund
hatte, stellen, als sie merkten, dass sie bereits ein paar Meter weiter die
Strasse hinuntergegangen war.
„Dieses Mädchen ist seltsam.“ sagte
schliesslich Kensuke ,als Ayanami nicht mehr zu sehen war.
„Ja... ich beneide Ikari. Denk doch mal
an die Dinge die sie zusammen tun werden...“
Touji fing bei diesem Gedanken zu sabbern
an.
„Komm schon, laß uns zu Ikari gehen!“
sagte Touji als er Kensuke hinter sich her schleifte.
„Aber er ist doch nicht da!“
„Wie können wir sicher sein solange wir
nicht Misato gefragt haben?“
Jetzt verstand Kensuke woran Touji
dachte.
Anmerkungen des Autors:
(1) In Episode 16
wurde erwähnt das Shinji nicht schwimmen kann, als er während seiner
Gefangenschaft im Dirac´schen Meer mit sich selbst sprach.
Shinji 2: „Zum Beispiel kannst du nicht
schwimmen.“
Shinji 1: „Menschen sind nicht dafür
geschaffen um zu treiben.“
Natürlich ist Shinji dazu in der Lage
ein kleines Bad zu nehmen, solange er sich dabei nicht zu weit vom Ufer
entfernt. Wie auch immer, es wäre sehr charakteristisch für Asuka wenn sie
versuchen würde dieses kleine Problem das Shinji mit Wasser hat „zu
beseitigen“.
Was den Sicherheisdienst betrifft...
Viele Fics vermitteln das Bild das die Kinder ständig vom Sicherheitsdienst,
oder wenn ihr es vorzieht, NERV Geheimdienst, überwacht werden. Das ist
sinnvoll wenn man in Betracht zieht das die Kinder schließlich lebenswichtig
für das Überleben der Menschheit sind. Ein Kommentar von Ritsuko in Episode 23
unterstützt diese Hypothese. Wie Shinji es geschafft hatte sie in Episode 4
abzuschütteln, wenn er es überhaupt geschafft hat, ist mir ein Rätsel.
Zu Asuka´s erstem Kuss...nun, mal
ehrlich, glaubt ihr wirklich Asuka hätte jemanden außer Kaji gefunden, der
würdig genug dafür wäre? Ich bezweifle es. Vielleicht hat sie sich ein paar Mal
verabredet als sie noch auf der Universität war, aber ich bezweifle, dass das
von längerer Dauer war und ich bezweifle, dass sie sich von irgendjemandes
Lippen hatte berühren lassen. Der Umstand, dass sie Shinji´s Luftzufuhr in
Episode 15 abgeklemmt hatte, würde auch darauf hindeuten.
Anmerkungen zur Übersetzung:
Anta baka?: Ich glaube am besten
ausdrücken könnte man es als „Bist du dämlich?“
oder „Bist du ein Idiot?“. Eines von Asukas
Markenzeichen.
Alain Gravel
Rakna@globetrotter.qc.ca
13. Mai 1999