Neon Genesis Evangelion: Meine Liebe gilt...
Kapitel 5 – Je mehr sich die Dinge ändern, desto mehr
bleiben sie gleich
Geschrieben von Alain Gravel
<rakna@globetrotter.qc.ca>
Übersetzt von Markus Steiner
<schweinehirt@t-online.de>
http://www.geocities.com/Tokyo/Teahouse/2236/
Teil 2: In der Dunkelheit
Projekt E
Überwachungsbericht des Third Children
29. Februar 2016
Es ist interessant zu sehen wie die jüngsten Ereignisse
Shinji verändert haben. Offensichtlich hat er jetzt größeres Vertrauen in sich
selbst, höchstwahrscheinlich das Ergebnis seiner Konfrontation mit dem
Kommandanten und seiner Beziehung zu Rei und Asuka. Er ist zwar immer noch mehr
der introvertierte Typ, aber man kann einen Hauch von Selbstvertrauen spüren
der von ihm ausgeht. Und das hatte beeindruckende Ergebnisse beim heutigen
Kompatibilitätstest zur Folge. Sie sind buchstäblich in die Höhe geschossen,
wodurch sie ganze 10 Punkte höher als bei Asuka lagen. Zuerst hatte ich meine
Zweifel. Aber mittlerweile glaubte ich das diese Situation eigentlich nur
förderlich sein kann. Wenn nur Asuka und Rei lernen könnten mit einander
auszukommen...
Unglücklicherweise scheint Asuka jetzt mit Shinji die Rollen
getauscht zu haben. Sie war offensichtlich ziemlich erschüttert von der
Tatsache das Shinji ihren Rekord gebrochen hat. Und ihr Kleinkrieg mit Rei war
dabei auch keine Hilfe.
Ich wünschte mir wirklich das Shinji sich endlich für eine
von ihnen entscheiden würde. Und es mag zwar egoistisch klingen, aber ich
hoffte fast das es Askua sein würde...
* * *
„Komm schon, Asuka... du kannst doch nicht immer noch
deswegend sauer sein? Ich habe deinen Rekord nicht absichtlich gebrochen...“
„Das ist es ja was mich stört! Du hast es nicht einmal
versucht! Du hast es einfach getan als wenn es die natürlichste Sache auf der
Welt wäre!“
Ich hatte gehofft das eine Mütze voll Schlaf Asuka wieder
beruhigen würde. Offensichtlich war das nicht der Fall.
„Das war nur Glück. Möglicherweise habe ich beim nächsten
Test wieder eine niedrigere Punktzahl.“
„Ich will nicht das du versuchst mich aufzumuntern!“
„Dann führ dich nicht so auf,“ sagte plötzlich Rei. „Stimmt,
du bist geschlagen worden. Es ist jetzt an dir zurückzugewinnen was du verloren
hast.“
Wegen unserem Streits hatten wir beide Rei ganz vergessen.
Sie hatte bis jetzt geschwiegen. Für eine Weile hätte ich beinahe geglaubt das
sie gar nicht zuhörte, das sie einfach nur da sass und frühstückte als wenn sie
allein in der Küche wäre.
„Weißt du, Rei-chan hat recht,“ sagte ich.
„Du warst bis jetzt unser Spitzenpilot. Sicher, alles was du
brauchst ist ein wenig mehr Training und du wirst mich im Handumdrehen wieder
schlagen. Du bist schließlich der beste EVA-Pilot den wir haben.“
Ich sah das Rei kurz die Stirn runzelte, aber es verschwand
so schnell wie es gekommen war. Sie aß einfach weiter ihren Reis und ihren
Toast ohne ein Wort zu sagen. Ich wußte das sie nicht in allen Punkten gleicher
Meinung mit mir war, aber Dr. Akagi hatte mir einmal gesagt das unsere
Synchro-Rate nur von unserem Willen und Geist abhängig war, das es alles mental
und psychologisch war. Also, wenn Asuka wirklich glaubte das sie die beste war
und hart daran arbeitete ihre Spitzenposition zurückzubekommen, dann konnte sie
erfolgreich sein.
„Vielleicht hast du recht... Ich bin immerhin die beste.“
Sie sah nicht sehr überzeugt aus. Diesen Worten fehlte die
übliche Überzeugungskraft die wir von ihr ihr gewöhnt waren.
„Du solltest essen bevor es kalt wird,“ sagte ich zu ihr,
und deutete dabei auf den unberührten Stapel Pfannkuchen der genau vor ihr stand,
um sie auf andere Gedanken zu bringen.
Lustlos schnitt Asuka ein kleines Stück Pfannkuchen ab und
steckte es sich in den Mund.
Dann hellten sich ihre Augen auf und sie nahm eine weitern
Bissen.
„Das ist gut! Du hast dich heute wirklich selbst übertroffen,
Shinji! Das ist wesentlich besser als deine üblichen Kochkünste!“
Gierig begann der Rotschopf sein Frühstück
hinunterzuschlingen.
„Eigentlich habe nicht ich sie gemacht, sondern Rei. Ich
habe ihr heute morgen beigebracht wie es geht. Aber du hast recht. Sie sind
köstlich!“
„Danke,“ sagte eine nun leicht errötete Rei.
Asuka dagegen wäre an ihrem letzten Bissen beinahe erstickt.
„Was? Die Streberin hat sie gemacht? Und du sagst du hast
ihr heute morgen beigebracht wie man Pfannkuchen macht?“
Ich nickte. Plötzlich fragte ich mich ob ich nicht besser
meinen Mund hätte halten sollen.
„Warum ihr zeigen wie man kocht? Sie ißt ja nicht mal ihre
eigenen verdammten Pfannkuchen!“
„Nun, ich dachte es wäre schön wenn sie wüßte wie man etwas
anderes kocht außer Fertiggerichten... und... nun... sie hat mich danach
gefragt.“
„Dich gefragt?“
„Ja. Als seine Verlobte, ist es nur natürlich das ich wissen
sollte wie man Shinji´s Lieblingsgerichte kocht.“
„Verlobte?“ riefen Asuka und ich gleichzeitig.
„Ja. Es wird nur eine Frage der Zeit sein bis wir verlobt
sind.“
Das hatte ich nun wirklich nicht erwartet. Ich hatte mich
noch nicht mal für eine von ihnen entschieden und Rei nahm bereits an das ich
sie fragen würde ob sie mich heiraten will... und die Art in der Asuka mich anfunkelte...
Ich muß so blaß wie ein Gespenst ausgesehen haben.
Dann klingelte das Telefon. Perfektes Timing! Schleunigst
flüchtete ich vor dieser unangenehmen Situation um den Hörer abzuheben. Fast
bereute ich das ich es tat. Rei wußte sofort was los war als sie den besorgten
Blick auf meinem Gesicht sah.
„Ein Engel...“
* * *
Innerhalb des Entry Plugs, konnte ich Misato durch das
Kommsystem hören.
„Asuka, Shinji, Rei, könnt ihr mich hören?“
Wir antworteten im Chor.
„Ich übermittle euch alle Daten über das Ziel. Zur Zeit ist
das alles war wir haben. Nähert euch vorsichtig, beobachtet seine Reaktionen,
und, wenn möglich, versucht ihn aus dem Stadtgebiet zu locken.“
„In Ordnung, Major,“ sagte Asuka fröhlich. „Aber glaubst du
nicht das Shinji die Spitze übernehmen sollte?“
„Hä?“
Das war komisch. Asuka lehnte die Möglichkeit uns anzuführen
ab?
„Nun, es ist nur recht und billig wenn wir von der Nummer 1
des Synchrotests angeführt werden, denkst du nicht? Oder hast du kein
Selbstvertrauen, Shinji?“
Dieses mal konnte ich die Stichelei in ihren deutlich Worten
spüren. Ich erwog etwas darauf zu erwidern, entschied mich aber in letzter
Sekunde dagegen. Es war nicht nötig ihre schleichenden Depressionen noch zu
verschlimmern.
„In Ordnung. Asuka, Rei, gebt mir Rückendeckung.“
„Was zum...?“ rief Asuka.
„Es war deine Idee Asuka. Jetzt ist es zu spät.“
„Verdammt! Einheit-02 gibt Rückendeckung.“
„Einheit-00 gibt ebenfalls Rückendeckung.“
* * *
Sicher, in der Tat war es ein Engel. Ein ziemlich seltsamer
sogar. Nur eine fliegende schwarz-weiße Kugel die über Tokyo-3 schwebte. Von
meiner Position aus hatte ich freie Schußbahn. Ich konnte ihn auf keinen Fall
verfehlen.
„Rei, Asuka. Seid ihr auf Position?“
„Noch nicht“ war Rei´s sanfte Antwort über das Kommsystem.
„Baka! Du weißt doch das ein EVA sich nicht so schnell
bewegen kann!“
Verdammt! Das gefiel mir nicht. Fast unbewußt musste ich an
den Fünften Engel denkan. Auch dieser hatte ein
einfaches Äußeres das über Tokyo-3 schwebte. Er hätte beinahe mich und Rei getötet. Wer konnte schon
sagen wann dieser hier zuschlagen würde.
„Seid ihr immer noch nicht da?“ Ich fragte mehr
mich selbst als die anderen.
Meine Finger spielten nervös mit dem Abzug der
Waffe von Einheit-01, etwas das als gigantische Pistole durchgehen könnte. Mir
gefiel das wirklich nicht. Wirklich nicht...
„Vielleicht sollte ich einfach versuchen ihn
selber zu vernichten...“
Den EVA langsam aus seiner Deckung steuernd,
zielte ich mit seiner Waffe auf ihn. Wie auch immer, ich konnte mich nicht
entschliessen ohne Misato´s Befehl zu feuern.
„Verdammt...“
Wäre Asuka an meiner Stelle gewesen, wäre dieses
Ding wahrscheinlich bereits tot... Wie schaffte sie es nur solch drastische
Entscheidungen von sich aus zu treffen?
Ich war bereit zu feuern als das Ziel
plötzlich... verschwand. Dann hörte ich Hyuga über das Kommsystem.
„Muster Blau. Engel direkt unter Einhei-01
geortet.“
„Was?“
Ich blickte nach unten und sah wie ein schwarzer
Kreis auf der Strasse unter Einheit-01 auftauchte.
„Ein... ein Schatten?“
Ich war starr vor Angst als ich fühlte wie der
EVA langsam in diesem Ding versank.
„Ah! Was ist das? Was zur Hölle passiert hier?
Mein Gott! Ich... ich versinke!“
In Panik entleerte ich das Magazin meiner Waffe
in das Ziel. Ohne Egebnis. Der EVA sank weiter. Ich versuchte aus dieser Falle
herauszukommen, aber die Beine des EVA´s bewegten sich keinen Zentimeter. In
was auch immer ich da versank, es war so zäh das man sich darin nicht bewegen
konnte...
Ich konnte Misato und die Mädchen verzweifelt
über Funk schreien hören.
„Shinji-kun, lauf! Shinji-kun!“
„Shinji!“
„Baka! Was machst du da?“
Ich konnte nicht antworten. Ich konnte nicht
einmal klar denken. Ich war einfach in Panik, schrie nach Hilfe. Jetzt konnte
ich auch EVA´s Arme nicht mehr bewegen. Bald würde es auch den Kopf verschlingen.
Dann.... was würde dann mit mir passieren?
„Entry Plug ausstossen! Sendet das Signal!“
„Nutzlos. Keine Reaktion.“
„Misato-san! Misato-san!“
War es das? Würde ich... sterben?
Ängstlich schloß ich meine Augen. Ich öffnete
sie erst wieder als ich merkte das der EVA nicht mehr sank und ich nicht ausser
Statik aus dem Funkgerät hörte. Außerhalb war das einzige was ich sehen konnte
ein blended weißes Licht das mich dazu zwang die Außenkameras abzuschalten.
Keiner der Monitore konnte etwas entdecken. Es war als wenn ich im Nichts
schweben würde.
„Bin ich tot?“
Die einzige Antwort die ich bekam war von der
Notbatterieanzeige. Der EVA hatte gerade die externe Energieversorgung
verloren. Wieder geriet ich in Panik. Aber dieses mal, schaffte ich es mich an
mein Training zu erinnern. Nachdem ich 15 wertvolle Sekunden an Energie
verloren hatte, schaltete ich auf den Lebenserhaltungsmodus um. Alles wurde
plötzlich dunkel und leise.
Da war nichts mehr, außer mir.
Ich war mir nicht sicher ob ich das richtige
getan hatte. Ich mußte gegen das Verlangen ankämpfen die Kraftzufuhr wieder
einzuschalten. Lebenserhaltunsmodus hieß verwundbar zu sein, da EVA-01 nicht
mehr von seinem AT-Field beschützt wurde, ganz zu schweigen davon das ich keine
ankommenden Gegner orten konnte. Wen dort draussen etwas war, war ich ihm
ausgeliefert.
Jedoch, wenn dort draussen irgendetwas wäre,
hätte es mich ohne Zweifel schon längst angegriffen.
„Diesmal bin ich wirklich in Schwierigkeiten...“
* * *
Im Innern des EVA wartete ich. Das war das einzige
was ich tun konnte. Warten. Aber auf was wartete ich eigenlich? Gerettet zu
werden, oder wartete ich auf meinen unvermeidlichen Tod?
„Ich hätte nich geglaubt das nichts Tun so
erschöpfend sein kann.“
Natürlich wußte ich das mich niemand hören
konnte, aber ich mußte einfach eine menschliche Stimme hören, selbst wenn es
nur meine war.
Kurz aktivierte ich die Bildschirme. Nichts.
Nicht einmal ein Geräusch. Keinze Reaktion von Radar und Sonar. Ich war
versucht die Außenkameras einzuschalten, aber ich wußte das ich nur weißes
Licht sehen würde.
Es sind jetzt bereits zwölf Stunden vergangen
seitdem ich in den Lebenserhaltunsmodus geschaltet habe. Was bedeudete das nur
noch für fünf Stunden Energie übrig war. Danach... würde mein Leben enden.
Mein Magen knurrte. Wie ironisch. Ich stand kurz
vor dem Tod und alles woran dieser dämliche Körper denken konnte war Essen. Als
wenn es nicht schon schlimm genug wäre.
„Das ist wirklich zum kotzen...“
* * *
Ich schreckte aus dem Schlaf hoch. Vielleicht
hatte ich einfach nur einen Albtraum. Jedenfalls geriet ich sofort wieder in
Panik. Die Qualität des LCL hatte sich verschlechtert, wahrscheinlich weil sich
die Reinigungsfähigkeit abgenohmen hatte. Das Atmen fiel mir schwerer. Aber das
schlimmste war der Geruch. Blut. Der Geruch von Blut. Ich mußte mich bei dem
Gedanken das diese Flüssigkeit meine Lungen füllte fast übergeben.
„Es riecht hier drinnen! Blut, es riecht wie
Blut! Ich... ich hasse diesen Ort!“
Verängstigt versuchte ich die Luke des Entry
Plugs zu öffnen. Natürlich ohne Erfolg, da der Entry Plug immer noch in EVA
war.
„Warum kann ich diese Sperre nicht lösen!
Aufmachen! Laßt mich raus! Misato-san! Misato-san! Asuka! Rei!“
Ich weinte jetzt. Ich konnte nicht anders. Ich
war hilflos.
„Ritsuko-san... Vater... Bitte, helft mir...“
Ich flehte nach der Hilfe von meinem Vater. Nach
allem was er getan hat, alles was er versucht hatte zu tun. Ich wollte es
nicht, aber ich konnte nicht anders. Ich war so verängstigt, so allein...
Manchmal ekelte es mich vor mir selbst.
Letzten Endes beruhigte ich mich und akzeptierte
mein Schicksal. Ich hatte keine Kraft mehr mich dagegen zu wehren.
„Ich werde sterben...“
* * *
Ich mußte wieder eingeschlafen sein. Sicher, es
mußte so sein, den selbst jetzt, Jahre später, wenn ich an diesen Moment
zurückdenke, ist das die einzige Schlussfolgerung zu der ich kommen kann.
Ich bin mir ziemlich sicher das das alles nur
ein Traum war. Es mußte ein Traum sein. Entweder das oder ich stand kurz davor
den Verstand zu verlieren.
Ich war nicht mehr im EVA Entry Plug. Ich sass
in einer Strassenbahn auf dem Weg zu einem unbekannten Ziel. Mir gegenüber, sah
ich einen kleinen Jungen, vielleicht fünf Jahre alt. Schatten verbargen sein
Gesicht vor mir.
„Wer? Wer bist du?“
Der kleine Junge lehnte sich zu mir herüber. Ich
bemerkte die dunklen blauen Augen. Das waren meine. Aber seltsamerweise, war
ich nicht erschreckt. Ein weiterer Grund anzunehmen das dies wahrscheinlich nur
ein Traum war.
„Ich bin du.“
„Ich?“
„Ja, du. Ich bin deine Hoffnungen und Träume.“
„Hoffnungen? Träume? Ich habe bereits vor langer
Zeit vergessen was diese Wörter bedeuten.“
„Weil Vater uns verlassen hat? Ist das Grund
genug alle Hoffnung zu verlieren?“
„Ich bin schlecht. Er hat mich niemals geliebt.
Für ihn bin ich nur ein Werkzeug das man benutzt. Sicher hat er sich niemals
gewünscht das ich existiere. Niemand hat das je getan!“
„Mutter hat uns geliebt.“
„Mutter ist fort!“
„Trotzdem liegst du falsch. Es gibt Menschen
denen du etwas bedeutest.“
Kurz tauchten die Gesichter von Rei, Asuka,
Misato und Kaji in meinem Geist auf. Dann die von Touji, Kensuke, Hikari.
„Unsere Familie und Freunde.“
„Sie tun es nur weil sonst kein anderer da ist.
Sie brauchen nur einen Piloten! Früher oder später finden sie jemand besseren
und lassen mich zurück wie Vater es getan hat!“
„Du gibst dich einer Selbsttäuschung hin.“
Kurz hörte ich Worte in meinem Geist.
„Du hast heute etwas bewundernswertes getan. Du
kannst auf dich stolz sein.“
Misato hat das nach meinem ersten Kampf in EVA
gesagt.
„Gut gemacht, Shinji.“
Vater hatte mich nach der Zerstörung des zehnten
Engel gelobt.
„Du wirst erwachsen, Ikari Shinji.“
Worte die Kaji nach meiner verunglückten
Verabredung mit Asuka gesagt hatte.
„Warum sollten diese Leuten denken das wir von
Wert sind, wen wir nutzlos wären so wie du zu glauben scheinst?“
Ich wußte nicht was ich sagen sollte.
„Hätte ein Feigling voller stolz vor Vater
gestanden?“
"Es ist besser, unser eigenes Leben zu haben, als zu
leben und Schachfiguren von dir oder jemandem Anderem zu sein."
„...“
„Was ist mit Rei-chan und Asuka-chan? Sie
kümmern sich um uns. Sie begehren uns.“
„Ikari. Möchtest du eins mit mir werden?“
„Würdest du gerne mit mir Sex haben?“
Ich wußte nicht was ich denken sollte.
„Ich habe ihnen nur weh getan...“
„LASS MICH ALLEIN!“
Vor meinem geistigen Auge konnte ich immer noch
Asuka´s Tränen sehen. Wie länge würde es dauern bis ich Rei zum weinen brachte?
„Ich benutze sie nur, so wie Vater jeden bei
NERV benutzt! Ich bin nicht besser als er!“
„Ich verstehe. Also spielst du mit uns beiden
bis du dich entschieden hast, ist das so?“
Asuka hatte recht. Ich bin nur ein Dummkopf.
„Aber sie sorgen sich um uns. Sie lieben uns.“
„Shinji gehört zu mir!“
„Ich bin immer noch unsicher was Liebe ist, aber
ich glaube ich liebe Ikari-kun.“
„Und wir lieben sie.“
Ja. Es war war. Ich liebte sie.
„Sie haben die volle Kenntniss über deine
Gefühle. Und bisher scheint es sie noch nicht zu kümmern ob sie durch unsere
Entscheidungen verletzt werden oder nicht. Glück kann nicht ohne Schmerze
existieren so wie Licht nicht ohne Schatten existieren kann.“
„Wenn du EVA nicht steuerst, verurteilst du Rei
und Sohryu zum Tode.“
Bilder von Rei und Asuka die leblos in einem See
aus Blut lagen blitzten in meinem Kopf auf.
„Wen du gehst wirst du sie mehr verletzen als
wenn du an ihrer Seite bleibst.“
Bilder von Asuka und Rei, die weinten.
„Wünschst du dir das sie den selben Schmerz
durchmachen wie wir?“
Bilder von Vater wie er mich verliess als ich
ein kleiner Junge war.
„Nein!“
„Was wünschst du dir dann?“
„Ich möchte nicht sterben...“
Ich flüsterte diese Worte. Aber als sie über
meine Lippen kamen, begriff ich die volle Bedeutung dieser und verstand das es
das war was ich wirklich wollte.
„Ich will nicht sterben.“
Als ich das erste Mal bei NERV eintraff, befand
ich mich auf einem selbstzerstörerischen Pfad. Mein Leben war mir egal. Ich
habe oft über den Tod nachgedacht, ihn aber nie wirklich gesucht weil mir dazu
der Mut fehlte. Oder zumindest war es das was ich dachte zu dieser Zeit. Mir
wurde bewußt das keinen Mut braucht um zu sterben, sondern das man Mut braucht
um zu leben, wirklich zu leben.
„Ich will nicht sterben!“
Ich wollte nicht allein an diesem verlassenen
Ort sterben.
„Ich will nicht sterben!“
Wenn ich wenigstens ein letztes mal Asuka und
Rei in meinen Armen halten könnte...
„ICH WILL NICHT STERBEN!“
„ICH WILL LEBEN!“
„Dann soll es so sein.“
Für einen kurzen Moment, fühlte ich mich von
einer angenehmen Wärme und einem seltsamen Gefühl umgeben. Eine Sensation...
wie... Liebe?
Dann fühlte ich eine kurze Präsenz. Sie kam mir
irgendwie bekannt vor.
Ab diesem Punkt kann ich mich an nichts mehr
erinnern.
* * *
Ich glaube ich wachte auf von dem Geräusch das
der öffnende Entry Plug machte. Ich bin mir nicht sicher. Meine Erinnerung an
diese Ereignisse sind immer noch undeutlich. Als ich meine Augen öffnete, sah
ich eine bekannte Gestalt.
Mutter?
„Shinji-kun, Shinji-kun, Shinji-kun!“
Als ich endlich wieder deutlich sehen konnte,
bemerkte ich das es Misato war. Sie war in Tränen ausgebrochen.
„Shinji-kun, bist du in Ordnung? Shinji-kun!“
„Ich wollte sie nur noch... ein letztes mal...
sehen...“
Misato umarmte mich fest. Ich glaube an diesem
Punkt bin ich in Ohnmacht gefallen.
* * *
Als ich zum zweiten mal aufwachte, befand ich
mich an einem komplett anderen Ort. Einem mit dem ich bereits vertraut war. Die
NERV Krankenstation.
„Ich hasse diese Decke wirklich...“
Als ich diese Worte flüsterte, merkte das sich
mein Brustkorb schwer anfühlte. Dann sah ich das Rei´s Kopf darauf lag. Sie
schlief.
„Wie lange bist du schon hier?“ fragte ich, ohne
wirklich eine Antwort darauf zu erwarten, als meine Hände durch ihr weiches
blaues Haar strichen.
Davon wachte sie auf. Zuerst sah sie mich
verwirrt an, dann als ihr klar wurde wo sie war, umarmte sie mich und küsste
mich leidenschaftlich. Das kam für mich so unerwartet das ich zuerst kaum
darauf reagierte. Dann brach sie in Tränen aus. Ich war schockiert; es war das
erstemal das ich Rei weinen sah. Ich wußte nicht was ich tun sollte. Fast
instinktiv hielt ich sie fest.
„Es ist in Ordnung, Rei-chan. Es ist in
Ordnung...“
„Shinji! Ich habe mir solche Sorgen gemacht! Ich
dachte ich hätte dich verloren!“
Ich rief mir den Traum, Vision oder was auch
immer ich innerhalb von EVA hatte in Erinnerung. Also war es wahr. Reid liebte
mich wirklich.
„Es ist in Ordnung Rei-chan. Ich bin da. Du bist
in meinen Armen. Ich werde nicht fortgehen. Ich verspreche es.“
Das schien sie zu beruhigen, woraufhin ihr
Schluchzen nachließ.
„Tust du das?“
Ich nickte.
Als sie meine Arme verließ fiel mir auf das sie
mit einem tränenreichen Ausdruck auf ihrem lieblichen Gesicht noch schöner
aussah. Dann bemerkte ich etwas seltsames. Auf ihrer linken Wange war ein böser
Bluterguß. Hatte sie sich im Kampf gegen den Engel verletzt?
„Wer... wer hat den Engel getötet?“
Sie sah mich verdutzt an.
„Du warst es.“
„Ich war es?“
„Ja. Dein EVA ist wieder Amok gelaufen.“
Das erklärte wohl warum ich mich an nichts
erinnerte.
„Ich werde jetzt gehen damit du dich erholen
kannst...“
Sie war schon fast an der Tür als ich noch etwas
zu ihr sagte:
„Danke, Rei-chan, das du nach mir gesehen hast.“
Sie lächelte, dann öffnete sie die Tür, hinter
der Asuka zum Vorschein kam. Offensichtlich hatte sie gelauscht. Beide Mädchen
sahen sich eine Zeitlang mit einem düsteren Blick an, bis Rei den Raum
verlassen hatte. Dann schaute mich Asuka an und errötete.
„Tut mir leid...“
Das erste was ich bemerkte war ihr blaues Auge
und ein großer Spalt in ihrer Unterlippe. Dieses mal verstand ich.
„Ihr zwei habt euch geschlagen, oder nicht?“
Asuka wurde blaß.
„Ich sehe das als ein Ja an.“
„Wir haben uns beide Sorgen gemacht, und ich
habe Dinge gesagt die ich nicht hätte sagen sollen, und...“
„Es ist in Ordnung“
Asuka sah überrascht aus als sie das hörte.
„Ist es das?“
„Solange es das letzte mal ist das ihr zwei
gekämpft habt, denke ich, kann ich euch beiden vergeben. Jetzt, komm her und
drück mich,“ fügte ich mit einem breiten Lächeln hinzu.
„In deinen Träumen!“
„In Ordnung. Dann geh, damit ich gleich
einschlafen kann. Um nichts auf dieser Welt möchte ich diesen Traum verpassen.“
Asuka sah mich merkwürdig an.
„Bist du dir sicher das dieser Engel nichts mit
deinem Hirn angestellt hat?“
„Ich denke nicht.“
„Nun... Ich kann nicht zulassen das das First
Children mir gegenüber eine Vorteil hat...“
Ungeschickt kam Asuka näher an mein Bett. Wir
starten uns beide für eine ganze Minute an. Dann nahm sie mich in die Arme.
„Ich bin so froh das du lebst!“
„Glaub mir, ich teile dieses Gefühl...“
* * *
Es brauchte die üblichen 24 Stunden bevor man
zustimmte das ich die NERV Krankenstation verlassen könne. Ich hatte diese
ganzen Tests so ziemlich satt.
Als ich nach Hause zurückkam, wollte Misato eine
weitere Party schmeissen um meine Rückkehr und den Sieg über den zwölften Engel
zu feiern. Ich lehnte höflich ab. Alles was ich wollte war ein wenig Frieden.
Asuka schien zu verstehen, da sie mich kaum anschrie. Es war überraschend wie
schnell ihre geringfügigeren Verletzungen innerhalb eines Tages geheilt waren.
Ich ging früh zu Bett. Wie ich bereits gesagt
hatte, es ist überraschend wie erschöpfend das Nichtstun sein kann.
Zum zweiten mal innerhalb einer Woche, wurde ich
mitten in der Nacht von jemandem aufgeweckt der in mein Bett kroch.
„Rei-chan?“ Ich gähnte, noch nicht ganz wach.
„Falsches Mädchen, Baka.“
Das reichte aus um mich vollständig aufzuwecken.
Nachdem sich meine Augen an das Dämmerlicht des Zimmers gewöhnt hatten, sah ich
genau vor meiner Nase zwei blaue Augen umgeben von langem, roten Haar.
„A... Asuka!“
Für eine Sekunde, hätte ich in meiner Panik
beinahe versucht davonzulaufen, aber Asuka schien mit dieser Reaktion zu
rechnen und hielt mich fest an Ort und Stelle.
„Hab keine Angst. Ich beiße nicht. Ausser wen du
es willst...“
Ich war mir nicht sicher ob ich das gierige
Grinsen auf ihrem Gesicht mochte.
„Was machst du hier? Sag... sag mir nicht das du
nicht schlafen kannst...“
„Ich habe keine derart bequeme Entschuldigung.
Ich wollte einfach nur wissen wie es sich anfühlt...“
Sie umarmte mich fest, brachte unsere Körper
ganz nah aneinander. Ich konnte deutlich ihre Brüste auf mir spüren und die
weiche Haut ihrer Beine auf meiner. Ich konnte nicht verhindern das meine
unteren Regionen begannen auf sie zu reagieren. Asuka bemerkte es entweder
nicht oder ihr war es egal.
„Fühlt sich warm an...“ flüsterte sie in mein
Ohr.
Ihre Lippen berührten meine. An diesem Punkt
schmolz ich in ihrer Umarmung dahin. Wir gaben uns einen sehr langen Kuss. Dann
flüsterte sie mir etwas anderes zu.
„Weißt du, Ayanami hat Unrecht. Ich... ich...
ich mag dich, Shinji.“
Ich wußte nicht was ich sagen sollte. Ich wußte
nicht einmal was ich denken sollte. Also mochte mich Asuka schließlich doch...
aber was bedeutete das wirklich? Mochte sie mich als Freund? Oder liebte sie
mich wirklich? Aber wenn sie mich nich lieben würde, was sollte sie dann hier
wollen? Meine Überlegungen wurden von einem leisen Schnarchen unterbrochen.
Schau einer an, sie ist eingeschlafen.
* * *
Vorsichtig versuchte ich mich aus ihrer Umarmung
zu befreien. Ich wollte nun wirklich nicht die ganze Nacht so dicht beieinander
verbringen. Dann schaute ich sie an. Sie war so schön. Wenn sie so tief und
friedlich schlief, konnte man sich wirklich nicht vorstellen das sie manchmal
eine echte Landplage sein konnte. Ich erinnerte mich als ich das erste Mal in
einer ähnlichen Lage war. Ich hätte sie fast geküsst. Dieses Mal tat ich es.
Nur einen ganz leichten Kuss, nicht genug um sie aufzuwecken. Zu meiner
Überraschung stöhnte sie Sekunden später meinen Namen. Ich kann nicht in Worte
fassen wie gut sich das angefühlt hat.
Ich schloss meine Augen und versuchte
einzuschlafen, aber ohne Erfolg. Ich konnte nicht mit dem Gedanken einschlafen
das dieses Mädchen in meinem Bett genau neben mir lag. Ich war vielleicht ein
Weichei, aber ich war immer noch ein Junge. Mir gingen einige Ideen durch den
Kopf als ich auf ihre nahezu entblößten Brüste sah, nicht zu vergessen wie sich
ihr Körper an meinem anfühlte. Allein ihr Duft war schon berauschend.
Seltsam das ich vor ein paar Nächten nicht
ähnliche Gedanken bei Rei hatte.
Ich seufzte und sah auf die Zimmerdecke. Das
würde eine sehr lange Nacht werden...
(Fortsetzung folgt...)
Nächstes Mal:
Kapitel 6 – Freunde
Omake
- Szene 1 –
Dann klingelte das Telefon. Perfektes Timing! Schleunigst
flüchtete vor dieser unangenehmen Situation um den Hörer abzuheben. Fast bereute
ich das ich es tat. Rei wußte was los war als sie den besorgten Blick auf
meinem Gesicht sah.
„Ein Engel...“
Ich schüttelte meinen Kopf.
„Nein. Godzilla. Er ist zurück!“
Godzilla VS Evangelion
Bald in einem Kino in ihre Nähe
- Szene 2 –
Ich ging früh zu Bett. Wie ich bereits gesagt
hatte, es ist überraschend wie erschöpfend das Nichtstun sein kann.
Zum zweiten mal innerhalb einer Woche, wurde ich
mitten in der Nacht von jemandem aufgeweckt der in mein Bett kroch.
„Rei-chan?“ Ich gähnte, noch nicht ganz wach.
„Nicht einmal annähernd.“
Das reichte aus um mich vollständig aufzuwecken.
Nachdem sich meine Augen an das Dämmerlicht des Zimmers gewöhnt hatten, sah ich
genau vor meiner Nase zwei braune Augen umgeben von schulterlangem blondem
Haar.
„R... Ritsuko-san!“
(den Rest überlasse ich eurer Phantasie)
Anmerkungen des Autors:
(1)
Mir wurde gesagt das in Japan die Schüler
Samstags einen halben Tag Unterricht haben. Da in der Serie die Children
während dieses Tages nie etwas zu tun schienen, dachte ich es würde so stimmen.
Mehr Gründe für Asuka den Extratag Schule am Sonntag zu hassen.
Der Titel für dieses Kapitel wurde inspiriert
von dem Titel der Ranma-Fanfic „Je mehr
sich die Dinge ändern...(„The more things change...“). Ihr solltet sie lesen,
es ist eine wirklich großartige Geschichte!
"The more
things change..." - http://www.uh.edu/~rpm/tmtc/
Als nächstes muß ich Axel Terizaki, Darren
Demaine und R. Alexander Spoerer für ihre Hilfe bei diesem Kapitel bedanken,
vor allem bei der Konfrontation Gendo/Shinji und dem kleinen Omake (Mir fiel
gerade nichts ein). Eigentlich wurden ein paar Teile des Kapitels und das
anschließende Omake von Darren und R. Alexander geschrieben. Es mag zwar nicht
nach viel aussehen, aber all diese Hilfe war unbezahlbar beim Erstellen von
Teil 2.
Schließlich zur Geschichte selber. Ihr habt
wahrscheinlich bemerkt das Teil 2 von der Attacke des 12. Engel handelt.
Während die grundsätzliche Idee die selbe geblieben ist, unterscheidet es sich
trotzdem um einiges von Episode 16. „Warum?“ würdet ihr jetzt wohl fragen. Es
ist wirklich ziemlich einfach. Ihr habt sicher bemerkt das sich Shinji´s Leben
in letzter Zeit stark verändert hat und so hat auch er sich verändert. Unter
diesen Umständen, glaubte ich nicht das die Originalgeschehnisse, vor allem
Shinji´s Selbstprüfung während er im Diracschen Meer gefangen war, noch
vereinbar waren mit dem neuen Shinji. Deswegen mußte ich die Dinge ein wenig
ändern. Ebenso habe ich vermieden nur das zu kopieren was in dieser Episode
passiert ist.
Shinji´s Selbstprüfungsszene wurde hauptsächlich
beeinflußt von den Episoden 25 – 26 und natürlich der TOILI Storyline.
Einige von euch werden wohl denken das die Szene
mit Gendo vielleicht ein wenig OCC (= out of charakter) ist. Ich kann auch
keinen Vorwurf machen, ich habe ebenfalls so gedacht. Aber irgendwie hatte ich
meine Planung erweitert. Es ist ein wenig wie die Szene nach dem Vorfall mit
Einheit-03, aber diese mal ist Shinji seinem Vater aus freiem Willen
gegenübergetreten und er hatte Zeit sich auf diese schwere Aufgabe
vorzubereiten. Gendo schien nicht besonders darauf reagiert zu haben.
Vielleicht weil er nicht glaubt das Shinji´s Forderung seine Pläne bedrohen.
Solange er Rei manipulieren kann, gibt es kein Problem. Wenn das bedeutete sie
etwas Spaß mit seinem Sohn haben zu lassen, dann soll es so sein. Es gibt ihm
vielleicht sogar noch zusätzliche Möglichkeiten um sie zu kontrollieren. Nicht
zu vergessen das Gendo sicherlich bereits die Möglichkeit von emotionalen
Regungen bei Rei erwartet hatte.
Alain Gravel
28. April 1999