Neon Genesis Evangelion: Meine Liebe gilt...
Kapitel 6 – Freunde
Geschrieben von Alain Gravel
<rakna@globetrotter.qc.ca>
Assistiert von Darren Demaine <ddemaine@ualberta.ca>
Übersetzt von Markus Steiner markus.steiner@viaginterkom.de
http://www.geocities.com/Tokyo/Teahouse/2236/
Based on
characters created by and copyright GAINAX
WARNUNG: Dieses Kapitel enthält Lime-Elemente.
Teil 1 – Der Ausflug
Ein Monat war seit dem Angriff des 12. Engels vergangen. Die
Dinge hatten sich mittlerweile wieder so ziemlich normalisiert. Nun, so weit
man mein Leben als normal bezeichnen kann. Nach ein paar schwierigen Momenten,
hatten es Asuka und Rei geschafft ihre Differenzen auf eine zivilisierte Art
und Weise zu „lösen“. Asuka konnte mit nur nun Dienstags, Donnerstags und
Samstags tun was sie wollte, während ich Rei Montags, Mittwochs und Freitags
gehörte. Ich versuchte dagegen zu protestieren das mein Leben von einem
Terminkalender bestimmt wird an dessen Ausarbeitung ich nicht beteiligt war,
vor allem da ich dadurch nur einen einzigen freien Tag in der Woche hätte,
nämlich Sonntag. Es gab aber keine Möglichkeit mich gegen „beide“
durchzusetzen, also fügte ich mich einfach in mein Schicksal. Andererseits, so
schlimm war es nun auch wieder nicht. Tatsache war, dass viele Jungs in meiner
Klasse mich um diese Situation beneideten.
Und es gab auch ein paar Veränderungen. Asuka war nun
wesentlich netter zu mir. Sie nannte mich zwar immer noch ungefähr hundertmal
am Tag „baka“, aber sie schrie mich kaum noch an. Zumindest die meiste Zeit
nicht. Rei hatte sich für ihren Teil unglaublich verändert. Sie war jetzt
wesentlich offener anderen gegenüber und, obwohl nicht grade der extrovertierte
Typ, zeigte sie den Menschen um sich herum ein wenig mehr was sie fühlte. Ihr
größter Fortschritt aber wahr die Tatsache das sie jetzt einen Freund außerhalb
von NERV hatte, eine unserer Mitschülerinen, ein Mädchen namens Hotaru. Sogar
nach den jüngsten Veränderungen, schien dieses Mädchen die einzige Schülerin
unserer Klasse zu sein die sich nicht unwohl in Rei´s Nähe fühlte. Nun, Asuka
und ich natürlich ausgenommen. Sogar Touji und Kensuke schienen sich bislang
noch nicht in ihrer Nähe wohl zu fühlen. Das Rei und Hotaru so gute Freundinnen
wurden lag wahrscheinlich daran sich sich sehr ähnelten. Hotaru war ein
schüchternes Mädchen das, wie Rei ein paar Monate zuvor, keine Freunde hatte.
Ihre Haut hatte den gleichen blassen Teint wie Rei´s. Wäre ihr Haar blau statt
schwarz gewesen, hätte man die beiden glatt für Schwestern halten können.
Als ich sah wie beide zusammen aßen und fröhlich miteinander
redeten, konnte ich einfach nur stolz auf Rei sein. Sie hatte in den letzten
paar Wochen große Fortschritte gemacht.
„Shin-chan! Wir müssen etwas tun!“
Dieser plötzliche Ausbruch von meinem rotbehaarten Begleiter
riss mich aus meinen Gedanken.
„Hä? Was meinst du den?“
„Schau sie dir doch an!“ schrie sie fast als sie zuerst auf
Touji der in einer Ecke der Schulkantine saß und dann auf Hikari ein paar Sitze
weiter deutete. „Die Art wie die beiden versuchen sich zu ignorieren, obwohl
sie sich zu einander hingezogen fühlen, treibt mich in den Wahnsinn! Wir müssen
ihnen helfen! Die beiden verdienen es das selbe Glück und die selbe Liebe
kennenzulernen, die auch wir miteinander teilen!“
Diese zwei letzten Worte genügten um die Aufmerksamkeit der
gesamten Schülerschaft auf uns zu ziehen. Nicht das in diesen Tagen besonders
viele Schüler hier waren. Trotzdem liefen wir unter all diesen Blicken knallrot
an. Ich wäre am liebsten unter den Tisch gekrochen als ich Rei´s flammenden
Blick sah. Sie konnte wirklich furchteinflössend sein, wenn sie einen so
anblickte.
„Was schaut ihr alle so blöd?“ schrie eine plötzlich
ziemlich wütende Asuka.
Verängstigt von der rothaarigen Furie, beschlossen alle sich
wieder dem zuzuwenden was sie vor ein paar Momenten noch getan hatten.
„Bist du dir wirklich sich das sie ihn mag?“ fragte ich in
dem Versuch sie zu beruhigen.
„Natürlich! Ich habe sie gefragt. Ich weiß nicht warum, aber
sie ist bis über beide Ohren in diesen baka verknallt. Persönlich denke ich das
sie etwas besseres verdient hat, aber wenn sie ihn unbedingt haben will...“
„He! Touji ist ein netter Junge!“ widersprach ich um meinen
Freund zu verteidigen.
„Er ist nur ein Perverser, genau wie du!“
„Ich habe gar nicht gewußt das du Perverse magst...“
„Das tue ich nicht!“
„Dann gehen wir heute abend nicht aus wie du geplant
hattest? Schließlich hast du mich vor ein paar Sekunden noch einen Perversen
genannt...“
Für ein paar Sekunden wußte Asuka nicht was sie sagen
sollte.
„In Ordnung, du bist kein Perverser. Aber er ist immer noch
einer.“
Tja, es hatte wohl keinen Sinn nochmal mit
dieser Diskussion anzufangen, also hielt ich einfach den Mund.
Außerdem wußte ich das Asuka tief in sich drinnen nicht
wirklich glaubte das Touji pervers war. Sie brauchte einfach nur etwas über das
sie sich beklagen konnte.
„Okay, sie mag ihn und ich weiß das auch Touji ein wenig in
sie verknallt ist. Also?“
„Also? Wir helfen ihnen natürlich zusammenzukommen!“
„Wir? Warum wir?“
„Weil ich eine Plan habe. Und dazu brauche ich deine Hilfe.“
„Mich? Ich kann nicht mal meine eigenen Probleme lösen!“
„Weil du zu dämlich bist um zu kapieren das die Streberin
keinen Vergleich mit mir stand hält!“
Ich versuchte diese letzte Äußerung zu ignorieren. Jetzt war
nun wirklich nicht Zeit und Ort für „dieses“ Thema. Nicht schon wieder.
„Also, was hast du vor?“ fragte ich sie um das Thema zu
wechseln.
Asuka nahm sich ein wenig Zeit um sich umzusehen. Nach was
auch immer sie Ausschau hielt, sie schien nicht sonderlich erfreut zu sein über
das was sie sah. Innerhalb von ein paar Sekunden beendete sie ihre Mahlzeit,
schnappte mich und zerrte mich hinaus in ein leeres Klassenzimmer.
„Weniger Zuhörer hier,“ erklärte sie, als sie meinen
verwirrten Blick sah. Was sollte diese plötzliche Paranoia?
„Ein Campingausflug,“ sagte sie geradeheraus.
„Hä?“
„Ein Campingausflug. Wir werden einen Campingausflug
machen.“
„Ein Campingausflug?“
Was hatte das damit zu tun Hikari und Touji
zusammenzubringen?
„Ja. Du gehst mit Touji. Ich gehe mit Hikari. Und dann, aus
purem Zufall werden wir uns alle an dem See treffen wo wir unsere erste
Verabredung hatten. Wenn es Nacht wird gehen wir in das Zelt das du eigentlich
mit Touji teilen solltest, so das er und Hikari keine andere Wahl haben als
zusammen in dem anderen Zelt zu schlafen. Wenn er wie alle anderen Männer ist
wird er die Gelegenheit ergreifen den ersten Schritt zu machen. Ein perfekter
Plan.“
Ich war mir nicht sicher ob es mir gefiel wie dieser Plan
sich anhörte. Er schien so... abwegig.
„Was wenn sie nicht will das er den ersten Schritt macht?“
„Machst du Witze? Sie wartet nur darauf!“
„Das hat sie dir gesagt?“
Ganz plötzlich wurde Asuka ziemlich verlegen.
„Nun... nein...“
„Du weißt es also nicht!“
„Natürlich weiß ich es! Erinnerst du dich als ich ein paar
Tage bei ihr gewohnt habe? Du hättest sie im Schlaf reden hören sollen, wie sie
den Namen von diesem baka gestöhnt hat und...“
Sie war mittlerweile knallrot angelaufen.
„Und was?“
„Ich kann es dir wirklich nicht sagen. Du würdest
Nasenbluten bekommen...“
Ich als Junge stelle mir unwillkürlich ein paar mögliche
Szenarien vor. Alle davon mit der Gefahr verbunden von Asuka geschlagen und als
Perverser bezeichnet zu werden wenn ich meine Gedanken laut aussprach. Aber da
meine Wangen plötzlich rot anliefen schien Asuka zu ahnen was mir im Kopf
herumspukte.
„Perverser!“
„Aua!“ rief ich, als sie mir auf den Kopf schlug.
„Genauso wie ich mir sicher bin das du nichts getan hast als
du sie gesehen hast!“
„Was!?“
Diesesmal bekam ich eine Ohrfeige.
„Du bist ja noch viel schlimmer als Touji!“
Bevor ich etwas erwidern konnte, rannte sie aus dem Zimmer.
Dann tauchte ihr Kopf wieder in der Tür auf.
„Nach der Schule gehst du mit mir zum Einkaufszentrum, wir
müssen Campingausrüstung kaufen. Versuch in der Zwischenzeit deine Hormone
wieder unter Kontrolle zu bringen.“
Sprach´s und war schon wieder verschwunden.
„Dieses Mädchen ist eine Strafe. Kann kaum den morgigen Tag
erwarten. Es ist sicherer mit Rei.“
* * *
„Ein Campingausflug?“ fragte ein verblüffter Touji. „Du
fragst mich ob ich mit dir zum campen gehe?“
„Nun... ja.“
Oh, mann... das geht nicht gut. Ich wußte es, das ganze war
eine schlechte Idee. Warum etwas so kompliziertes? Warum hatte sie nicht etwas
einfachers einfallen lassen, z. B. in einen Film gehen und beide nebeneinander
zu setzen?
„Ich weiß nicht. Das ist eigentlich mehr Kensuke´s Ding...“
Ich wußte es. Er versuchte sich herauszureden.
„Ich habe ihn gefragt, aber er hat gesagt das er nicht kann.
Wegen irgendeinem neuen streng geheimes Militärprojekt. Komm schon, es wird
sicher Spaß machen. Bist du etwa nicht von Tokyo-3 angeödet? Ich auf
jedenfall.“
„Nun...“
Es war wohl an der Zeit sich aufs Betteln zu verlegen.
„Es ist bereits alles vorbereitet! Ich will nicht alleine
gehen...“
„Misato läßt dich gehen? Einfach so?“
„Sie hat mir ein paar Ortungsgeräte gegeben die ich bei mir
tragen kann. Bei NERV wird man immer wissen wo genau ich mich befinde und kann
mich innerhalb von 10 Minuten ins Hauptquartier schaffen. Außerdem werden wir
nur von Samgstag Nachmittag bis Sonntag Nachmittag fort sein. Ich bezweifle das
ein Engel sich ausgerechnet diesen Zeitpunkte aussuchen würde um anzugreifen...“
Nun, zumindest hoffte ich das.
„Und was ist mit deinen Freundinnen? Hat nicht Asuka
samstags auf dich Anspruch? Sicherlich wird sie dich nicht so einfach gehen
lassen...“
„He! Ich bin nicht ihr Eigentum! Und die zwei sind nicht
meine Freundinnen!“
„Ja, genau...“ sagte Touji und versuchte dabei ein Kichern
zu unterdrücken.
Verflucht, ich haßte es wirklich an meine Probleme mit den
Mädchen erinnert zu werden...
„Asuka macht das wirklich nichts aus.“
Wenn er wüßte das das ganze eigentlich ihre Idee war... Vielleicht
hatte Touji recht. Ich sollte mich wirklich ein bischen mehr gegen Asuka zur
Wehr setzen...
„Ach, was solls... Ich komme mit!“
„Großartig! Vertrau mir... du wirst es nicht bereuen!“
Insgeheim hoffte ich das sich das bewahrheiten würde...
* * *
Als wir ersteinmal aus Tokyo-3 herauswaren, schien sich
Touji ein wenig zu entspannen. Als wir den See erreichten schien er sogar
wirklich froh darüber zu sein das er mitgekommen war.
„Weißt du Shinji... alles in allem war die Idee gar nicht
mal so schlecht,“ sagte Touji als er gedankenverloren den See betrachtete.
Ich hörte ihm nur mit halben Ohr zu. Ohne es zu bemerken,
lief ich auf den See zu und stoppte erst ein paar Meter vom Ufer entfernt. Ich
bückte mich und berührte das grüne Gras. Da war nichts besonderes an diesem
Flecken Gras den ich berührte, aber die Erinnerungen die er beinhaltete wühlten
zahlreiche Emotionen ihn mir auf. Hier hatte ich Asuka zum ersten Mal
geküsst...
„So, das ist also die Stelle?“
Erschrocken hob ich meinen Kopf und sah Touji an meiner
Seite stehen, mit einem breiten Grinsen auf seinem Gesicht.
„Was meinst du?“
„Komm schon Shinji. Ich habe die Geschichte gehört. Hier
hast du Asuka zum ersten Mal geküsst, ist es nicht so?“
„Was?! Woher weißt du davon?“
„Hikari.“
„Ich verstehe... Ich denke Mädchen reden wohl über solche
Dinge...“
„Also, ist das die Stelle?“
Ich nickte. Touji´s Grinsen verbreitete sich noch. Ich
wollte ihm schon sagen das er aufhören soll mich so anzusehen als jemand unsere
Namen rief.
„Suzuhara-kun? Ikari-kun?“
Obwohl ich dieses Ereignis erwartet hatte war ich trotzdem
ein wenig überrascht. Natürlich längst nicht so stark wie Touji.
„In... Inchou?“ (*)
Beide Mädchen waren hinter uns aufgetaucht und trugen
ähnliche Rucksäcke wie die, die Touji und ich mitgebracht hatten. Während Asuka
sich anscheinend des Gewichts auf ihren Schultern gar nicht bewußt war, sah
Hikari ziemlich erschöpft zu aus. Es überraschte mich nicht sonderlich das
Touji zu ihr lief und ihr die Last von den Schultern nahm. Hikari bedankte sich
bei ihm und beide liefen rot an.
Als ich meine Augen von dieser Szene nahm bemerkte ich das
Asuka mich anstarrte. Ich verstand warum, als mir klar wurde das ich immer noch
vor dem Flecken Gras kniete den ich vorhin berührt hatte. Schweigend kam Asuka
zu mir herüber. Ich stand auf. Wir starrten uns beide für ein paar Sekunden an,
dann überraschte mich Asuka damit das sie mir einen Kuss gab. Ich wußte das
Hikari und Touji zusahen, weswegen ich zuerst versteifte. Es war eigentlich das
erste mal das wir uns in der Öffentlichkeit küssten. Aber nach einem kurzen
Moment hatte ich unsere Freunde vollkommen vergessen.
„Dieses mal haben wir es richtig gemacht,“ flüsterte Asuka
als sie den Kuss beendete.
Als ich meine Aufmerksamkeit wieder unseren Freunden
zuwendete sah ich das Hikari uns erstaunt ansah während Touji wieder dieses
dämliche Grinsen aufgesetzt hatte.
„Was macht ihr Jungs den hier?!“ rief plötzlich Asuka und
erschreckte mich damit. Ich wußte das es Teil ihres Plans war Hikari und Touji
zu überzeugen das das hier alles nicht von vornherein geplant war, aber ich
hätte trotzdem nicht erwartet das sie gleich nach dem sie mich geküsst hat
anfängt herumzuschreien.
„Campen natürlich!“ erwiderte Touji und deutete auf unsere
Sachen die ein paar Meter weiter weg lagen.
„Was für ein Zufall!“ rief Hikari aus. „Wir sind
hierhergkommen um das selbe zu machen...“
Das war einfach perfekt. Das sie selbst mit der
Zufallshypothese kam war das beste was uns passieren konnte. Wie auch immer,
auch wenn er es mit keinem Wort erwähnte, konnte ich spüren das Touji daran
zweifelte.
„Also, was machen wir jetzt?“ fragte ich.
Asuka erwartete das Hikari die Gelegenheit nützen würde. Sie
tat ihr den Gefallen.
„Nun, wir hatten zwar einen reinen Mädchentrip geplant, aber
jetzt wo wir schon mal alle hier sind, warum bleiben wir dann nicht gleich
zusammen? Das wird bestimmt Spaß machen! Je mehr es sind desto besser!“
Ich sah Asuka an das sie Schwierigkeiten hatte ein Grinsen
zu verbergen. Als ihr das klar wurde, spielte sie wieder ihre übliche Rolle,
die darin bestand herumzuschreien und viel Lärm um nichts zu machen.
„Was?! Du willst das wir hier campen? Zusammen mit diesen
Perversen?!“
„Wir sind keine Perversen!“ widersprach ich.
Von diesem Punkt an eskalierte diese Angelegenheit wieder zu
der Art Diskussion die wir in so einer Situation immer hatten.
„Doch das seid ihr! Ich bin mir sicher ihr wußtet das wir
hierher kommen wollten, und seid uns
deshalb hinterher um die Situation auszunützen! Keine Misato in der Nähe... Gib
es zu, du und der andere baka habt das alles geplant so das ihr alle möglichen
perversen Sachen mit uns wehrlosen Mädchen machen könnt.“
„Was?!“ schrie Touji.
„Oh, mein...“ sagte eine entgeisterte Hikari.
Die Diskussion dauerte noch eine Weile, bis wir es
schliesslich leid waren und uns alle entschieden zu bleiben, genauso wie Asuka
es von anfang an geplant hatte. Und da es bald Zeit fürs Essen war, hatte
keiner mehr Zeit einen anderen Platz zu suchen wo man campen konnte. Touji und
ich bekamen bald die Aufgabe übertragen die Zelte aufzubauen, während Asuka und
Hikari in den Wald gingen um ihr Badesachen anzuziehen.
„Warum bleibt die ganze Arbeit eigentlich an uns hängen?“
beschwerte sich Touji, während er versuchte herauszufinden wie man Asuka´s Zelt
aufstellen mußte.
„Weil wir Jungs sind? Andererseits, ich bin mir sicher du
bist froh Hikari zur Hand gehen zu können...“
„Ja, aber das hier ist schließlich das Zelt vom Dämon...“
„He! So schlimm ist Asuka-chan auch wieder nicht!“
„Oh, jetzt heißt es also schon Asuka-chan? Dieser Kuss muß
ja ziemlich gut gewesen sein...“
Verdammt! Mir ist das „chan“ herausgerutscht... Was solls,
nachdem was er vorhin gesehen hatte...
„Bah... Das war gar nichts. Du solltest uns mal sehen wenn
wir zusammen schlafen...“
„Was?!“
Touji war so überrascht das er das Zelt los ließ und alles
in sich zusammen stürzte. Ich lächelte. Ich hatte mich bei ihm revanchiert.
„Oh, nein! Jetzt muß ich wieder von vorne anfangen!“
Ich brach in Gelächter aus. Touji machte es mir bald gleich.
So weit schien alles darauf hinzudeuten das es ein schöner Tag wird.
* * *
Der Tag verlief eigentlich ganz nett. Da die Mädchen
entschlossen waren ein Sonnenbad zu nehmen während wir uns um die Zelte
kümmerten, schien uns wohl auch die Aufgabe des Feuerholzsammelns und
essenmachens zuzufallen. Da Touji´s Kochkünste auf das Zubereiten von
Mikrowellengerichte beschränkt waren, beschloss er sich um das Feuerholz zu
kümmern. Als er einen ausreichenden Stapel von Ästen und Zweigen gesammelt
hatte entfachte ich damit ein kleines Feuer. Zu der Zeit als die Mädchen es
müde wurden nur herumzuliegen, waren wir bereits am essen und die Sonne ging
langsam unter. Wir aßen, dann unterhielten wir uns für eine Weile bis Asuka zu
unserem Zelt ging und mit einer Flasche Sake und einem Sechserpack Bier in jeder
Hand zurückkam.
„Laßt uns jetzt die richtige Party beginnen!“
Ich war, gelinde gesagt, mehr als nur überrascht.
„Wo zum Teufel hast du das her, Asuka?!“
„Woher glaubst du wohl? Vom selben Ort wo Misato ihren
wöchentlichen Alkoholvorrat einkauft. Der Besitzer hatte nicht einmal den
leisesten Verdacht als ich es auf ihre Rechnung gesetzt habe.“
„Du hast was?!“
„Entspann dich Shin-chan... Es ist ja nicht so das sie Buch
darüber führt wieviel Bier sie kauft...“
Ich schüttelte ungläubig meinen Kopf. Manchmal ging Asuka
einfach zu weit...
„Wir sollten nicht trinken... wir sind zu jung dazu...“
„Oh... Hat der kleine Shinji etwa Angst?“
„Ich habe keine Angst!“
„Beweis es.“
Mit einem selbstgefälligen Grinsen gab sie mir ein Bier.
„Es wird nicht funktionieren Asuka. Ich werde das nicht
trinken.“
„Genau wie ich mir gedacht hatte. Du bist ein Schwächling.
Sag Touji, bist du im Gegensatz zu Shin-chan Manns genug dazu?“
„Ich muß dir nichts beweisen.“
Ich hätte erwartet das Asuka jetzt aufgibt, aber stattdessen
machte sich ein Grinsen auf ihrem Gesicht breit als sie Hikari ansah.
„Nun dann bist du wohl die einzige die übrigbleibt, Hikari.
Sollen wir den Jungs zeigen das wir mehr Mut als sie haben?“
„Ich weiß nicht Asuka...“
„Du willst doch nicht das die Jungs denken du wärst ein
schüchternes Mädchen, oder doch, Hikari-chan?“
Ich wußte das wenn sie „Jungs“ sagt, Asuka „Touji“ damit
meinte. Und die Art und Weise wie Hikari meinen Freund ansah, zeigte mir das
Asuka ins Schwarze getroffen hatte.
„Nein... natürlich nicht...“
Widerwillig nahm Hikari die Dose Yebisu Bier die Asuka ihr
reichte, bevor sie sich selbst eine nahm. Beide Mädchen öffneten die Dosen.
Hikari nahm einen leichten Schluck.
„Komm schon, Hikari, du wirst das doch nicht auf die Weise
trinken wollen!“
Ich war fassungslos als ich sah wie Asuka die Dose hob und
eine sehr gute Imitation von Misato vorführte. Ich war wirklich beeindruckt.
Sie trank den Inhalt der Dose in einem Schluck. Ich fragte mich ernsthaft ob es
wirklich das erste mal war das Asuka Bier getrunken hat.
„Misato hat recht, das ist die einzige Art und Weise zu
trinken!“
„Du willst das ich das mache?! rief eine immer noch
fassungslose Hikari.
Asuka nickte.
Für eine Weile starrte Hikari die Dose nur an... dann
versuchte sie es Asuka gleichzutun. Sie schaffte es nicht ganz, aber sie trank
trotzdem das meiste von dem Bier bevor sie sich verschluckte und den Rest über
sich verspritzte. Anschließend brach sie in Gekichere aus, gefolgt von Asuka.
Touji und ich sahen uns gegenseitig an. Wir nickten beide und nahmen uns selbst
jeder ein Bier...
* * *
Ich schäme mich nicht es zuzugeben. Ich vertrage keinen
Alkohol. Es war damals schon der Fall und ist heute immer noch so.
Nach der ersten Dose Bier fühlte ich bereits die
Auswirkungen. Ich war ein wenig beschwipst und mir fiel auf das ich wesentlich
mehr lachte als ich es normalerweise tat. Nach der zweiten Dose hatte ich
bereits Probleme gerade zu gehen, was wirklich lästig ist wenn man eine längere
Distanz zurücklegen mußte um etwas Privatspäre zu haben um... naja, sagen wir
mal einen anderen Nebeneffekt von Bier Gebühr zu zollen. Nach der dritten Dose
und ein paar Drinks aus Asuka´s Sakeflasche, merkte ich das alle Versuche meine
Glieder koordiniert zu bewegen so gut wie zwecklos waren. Während mein Verstand
mehr oder weniger klar war, hatte ich meinen Körper nicht mehr völlig unter
Kontrolle. Und als die Zeit verging, döste ich langsam aber sicher ein.
Wenigstens war ich nicht der erste der betrunken war. Hikari
hatte sich schon nicht mehr unter Kontrolle als ich gerade die zweite Dose
intus hatte. Ich muß sagen es war... ein interessanter Anblick. Ich bin mir
nicht sicher ob sie den Vorwand betrunken zu sein als Entschuldigung benutzte,
oder ob sie wirklich betrunken war, aber schon bald begann sie sich an Touji zu
kuscheln. Zuerst erschreckte er sich zu Tode, aber nach kurzer Zeit schien er
sich zu entspannen und die Situation sogar zu geniessen. Wahrscheinlich half
ihm das Bier dabei.
Asuka folgte Hikari´s Beispiel und schmiegte
sich schon bald an mich.
Wie bei Hikari, wirkte sich der Alkohol rasch auf ihr
Verhalten aus, als sie von einem überdrehten Auftreten zu einem scheuen und
leisen Verhalten wechselte.
Touji schien nicht sonderlich beeinträchtigt durch den
Alkohol zu sein, wenn man nicht die Tatsache in Betracht zog das er ziemlich
schnell Gefallen an der Aufmerksamkeit fand die Hikari ihm entgegenbrachte.
Sicher, wir hatten viel Spaß, etwas das ich nicht oft
erlebte. Wir haben Lieder gesungen, uns Witze erzählt über die wir
normalerweise nicht gelacht hätten wären wir nüchtern gewesen, und gingen sogar
soweit ein mitternächtliches Bad im See zu nehmen. Glücklicherweise war niemand
von uns dumm genug zu weit nach draussen zu schwimmen, wodurch niemand von uns
etwas passierte.
Ich denke die Party endete als Asuka merkte das ich knapp
davor stand einzuschlafen.
„Wenn ihr mich entschuldigen würdet, Ich bringe meinen
Shin-chan ins Bett bevor er einschläft und von selbst ins Feuer fällt, oder
irgendetwas dämliches in der Art.“
Touji fand das natürlich unheimlich witzig.
Ich spürte wie mich jemand packte und mich mit sich zerrte.
Es muß ziemlich schwer gewesen sein für die arme Asuka, weil ich wirklich
Schwierigkeiten hatte aufrecht zu gehen. Nicht das ich wirklich versucht habe
ihr zu helfen...
Schließlich hörte ich wie ein Reisverschluß geöffnet wurde,
und wurde in mein Zelt hineingeworfen.
„Ach ja...“ sagte Asuka zu Touji bevor sie mir folgte,
„Heute nachmittag habe ich meine Sachen hierhergebracht und dein Zeug in mein
Zelt gebracht. Sicher wirst du verstehen das ich die Nacht mit meinem Shin-chan
verbringen will...“
„Was?!“ rief ein offensichtlich ziemlich geschockter Touji.
Sie diskutierten für eine Weile, aber ich schenkte dem keine
Aufmerksamkeit mehr. Langsam zog ich meine Schuhe aus, wobei ich nur meine Füße
benutzte, und kroch in meinen Schlafsack. Nun, jedenfalls dachte ich das es
meiner ist da es der einzige war der im Zelt lag und er noch da war wo ich ihn
das letzte mal hingelegt hatte. Langsam öffnete ich den Reisverschluß und
krabbelte hinein, ließ ihn aber geöffnet. Ich fühlte mich zu müde um mich
auszuziehen, also lag ich einfach nur da, bereit für eine Mütze voll Schlaf.
Natürlich wurde ich nur Minuten später von Asuka wachgerüttelt. Das bedeutete
wohl das bedeutete das Asuka die Diskussion für sich entschieden hatte.
„Komm schon, schlaf jetzt bloß nicht ein, baka! Mann, du
verträgst aber auch wirklich gar nichts. Du bist so erbärmlich...“
Ihre Worte trafen mich unvorbereitet. Das war nicht das betrunkene Mädchen das sich noch vor
einer Weile an mich gekuschelt hatte.
Dieser Gedanke reichte aus um mich wach zu halten. Als ich
meine Augen öffnete, fiel mir auf das Asuka wieder ganz ihr übliches selbst
war.
„Nun, so ist es besser. Wenn wir schon zusammen in einem
Zelt schlafen, könntest du mir wenigstens Gesellschaft leisten.“
„Du hörst dich an als wenn das eine Strafe wäre. Du bist
doch diejenige die immer in mein Bett gekrochen kommt!“
„Natürlich... dein Bett ist bequemer als meins.“
Für ein paar Sekunden fragte ich mich wirklich ob sie das
jetzt ernst meinte oder nur Spaß machte
„Da wir gerade vom Bett sprechen, wo ist dein Schlafsack?“
fragte ich um das Thema zu wechseln.
„Den hab ich in der Wohnung gelassen, ich mußte Platz für
Bier und Sake in meinem Rucksack machen.“
„Was wirst du jetzt machen?“
„Was glaubst du denn? Ich benutze natürlich deinen!“
„Was? Aber das ist meiner!“
Um meinen Besitzanspruch zu bekräftigen packte ich ihn mit
aller Kraft die ich aufbringen konnte. Asuka zuckte einfach nur mit den
Schultern.
„So? Da ist genug Platz für zwei...“
Es war wohl nutzlos das hier und jetzt auszudiskutieren, als
hielt ich einfach meinen Mund. Es würde ein wenig eng werden, aber ich denke
wir würden es schaffen uns beide in einen Schlafsack zu zwängen. Ich mußte mich
schon wundern... Als wir einkaufen waren, hatte sie darauf bestanden das ich
einen größeren Schlafsack kaufe, mit dem Argument das es bequemer wäre. Hatte
sie etwa von anfang an geplant ihren Schlafsack zu Hause zu lassen? Aber wenn
es so war, warum hatte sie dann zuerst einen gekauft? Nur damit ich keinen
Verdacht schöpfte? Das schien mir ein wenig zu aufwendig, selbst für jemanden
wie Asuka.
Ach, was solls... es war nicht so als wenn es das erste mal
wäre das wir den gleichen Schlafplatz teilten...
„Shinji? Denkst du das ich hübsch bin?“
Ich wurde von dieser Antwort wieder auf den Boden der
Tatsachen zurückgeholt, antwortete aber ohne voher groß nachzudenken. Nicht das
ich lange über diese Antwort hätte nachdenken können.
„Natürlich denke ich das du hübsch bist, Asuka-chan! Wer
würde dich nicht schön finden...?
Ich erwartet das sie nach so einer Antwort lächeln würde,
aber ihr Gesicht zeigte einen ernsten Ausdruck. Ich hatte sie noch nie zuvor so
ernsthaft gesehen. Es war... beinahe so, als wenn ich die Rei wie ich sie noch
vor zwei Monaten kannte vor mir hatte.
„Denkst du das ich hübscher als Rei bin?“
Ich wand mich bei dieser Frage. Ich wußte wirklich nicht was
ich darauf antworten sollte. Wenn ich nein sagte, würde ich sie wahrscheinlich
damit verletzen. Wenn ich ja sagte, würde es Asuka mit Sicherheit Rei sagen.
Warum mußte sie auch diese Frage stellen...?
„Ihr seid beide die hübschesten Mädchen die ich kenne!“
Ich wußte das sie das nicht zufriedenstellen würde, aber
zumindest würde es mir ein wenig Zeit verschaffen. Nicht das es wirklich geholfen
hätte.
„Oh... also bin ich genauso hübsch wie Sie, bin ich das?“
Ich nickte nervös. Ein Teil von mir jedoch machte sich
ernsthaft Sorgen wegen ihr. Die Art wie sie die Frage gestellt hatte, mit einer
monotonen Stimme, ähnlich der von Rei...
„Ich verstehe...“
Sie stand auf, und dann, bevor ich überhaupt richtig
registrieren konnte was sie da tat, ließ sie ihr Bikinioberteil auf den Boden
fallen. Ich war zutiefst geschockt. Ganz zu schweigen davon das ich es auch mit
der Angst zu tun bekam.
Immer noch konnte ich nichts anderes tun als ihre nackten
Brüste anzustarren. Es war immerhin ein sehr reizvoller Anblick... Wie auch
immer, mich störte ein wenig der gefühlslose Ausdruck auf ihrem Gesicht. Es war
fast so als wenn das was sie gerade getan hatten ihr überhaupt nichts bedeuten
würde.
„Also, ist Rei immer noch hübscher als ich?“
Ich versuchte eine Antwort darauf zu geben, aber ich
schaffte es nicht auch nur ein einziges Wort über meine Lippen zu bringen.
„Ich sehe das du immer noch etwas Überzeugungsarbeit
brauchst.“
Ich konnte nicht glauben das ich weder ohnmächtig wurde noch
das mir eine wahre Blutfontäne aus der Nase schoß, als mir klar wurde das die
„Überzeugungsarbeit“ darin bestand ihr Bikiniunterteil auszuziehen. Ein Teil
meines Verstands sagte mir das ich die Augen schliessen und davonrennen sollte,
aber ein anderer Teil war zu fasziniert um irgendetwas anderes zu tun als sie
anzustarren.
„Also, bin ich hübscher als sie?“
Ich nickte einfach nur wie ein Idiot. Wenn es das war was
sie hören wollte, dann war es das was ich ihr sagen würde. Offen gesagt, habe
ich über die Frage nicht großartig nachgedacht. Und in diesem Moment war mir
das auch so ziemlich egal.
Ich konnte mich kaum rühren als Asuka langsam über mir
Position bezog, ihre Beine an beiden Seiten meines Körpers. Wahrscheinlich war
das zuviel für meinen Verstand...
„Willst du sie?“
„Asuka, du solltest damit aufhören...“
Sie hörte mir nicht zu. Stattdessen packte sie meine beiden
Handgelenke und legte meine Hände auf ihre Brüste. Ich keuchte auf als ich sie
berührte. Sie waren weich, dennoch fest, warm und reizvoll. Mir fiel auf das
sie sich ein wenig wie Rei´s Brüste anfühlten, die ich vor ein paar Monaten
einmal versehentlich berührt hatte. Obwohl, anders als damals, konnte ich mir
diesmal die Zeit nehmen das Gefühl zu genießen. Erneut fühlte ich einen
leichten Anflug von Sorge da Asuka´s Gesicht immer noch einen gleichgültigen
Ausdruck zeigte. Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht...
„Asuka... wir... wir sollten das nicht tun...“
Ich sagte die Worte, aber ein Teil von mir meinte sie nicht
ernst. Ich war wahnsinnig nervös, aber ich wußte das das nicht der Grund war
weshalb ich versuchte dieser rothaarigen Göttin zu widerstehen. Der einzige
Grund warum ich mich ihr nicht ergab, war Angst. Angst Rei zu verletzen. Und
Angst auch sie zu verletzen...
Ich gab einen Seufzer der Erleichterung von mir als Asuka
meine Hände von ihrer Brust nahm, erstarrte aber sofort wieder als sie begann
den Gürtel meiner Hose zu öffnen. Dieses Mädchen hatte mir überhaupt nicht
zugehört. Ich konnte ihr wirklich keine Schuld deswegen geben, da ich mich ja
auch nicht gerade dagegen wehrte. Nicht zu erwähnen das ein bestimmter Teil
meiner Anatomie deutlich zeugte das ich nicht an meine eigenen Worte glaubte.
Es half auch nicht sonderlich das ich leise aufstöhnte als ihre Hand ihn
„zufällig“ berührte. Letztlich erschien doch noch ein Ausdruck auf ihrem
Gesicht. Ein kleines, aber deutliches Grinsen.
„Heute nacht gehörst du mir.“
„Asuka, bitte...“
Mehr konnte ich nicht sagen als sie mir die
Unterhose auszog.
„Ich werde die erste sein. Dieses Mal, werde ich Rei
schlagen...“
Diese Worte trafen mich so hart wie eine N2 Explosion. Meine
Gedanken wurden kristallklar als ich plötzlich verstand. Mit diesen Worten
paßten alle Puzzleteile auf einmal zusammen. Der Campingausflug. Uns betrunken
machen. Das wir dasselbe Zelt teilten. Sogar Asukas Ausdruck. Es war niemals
Asuka´s Absicht gewesen Touji und Hikari dabei zu helfen sich ihre Gefühle zu
gestehen. Von anfang an hatte Asuka´s einziges Ziel darin bestanden das zu
schaffen worin Rei versagt hatte: mit mir zu schlafen. Es war wahrscheinlich
nicht mal etwas das sie unbedingt tun wollte, ihr kaltes Verhalten bewies das
deutlich. Ohne das ich nachdachte rutsche mir meine Hand aus. Asuka fiel von
mir herunter, ihre Augen weiteten sich überrascht. Sie hob ihre zitternden
Finger an die Wange die ich eben geschlagen hatte.
„Die ganze Zeit hast du mich manipuliert... Hast du je etwas
für mich empfunden? Oder war es einfach nur ein Wettbewerb mit Rei, mit mir als
Trophäe?“
„Shinji... Ich...“
„Sei still.“
Meine Stimme war kaum lauter als ein Flüstern. Aber es hatte
mehr Effekt als wenn ich geschrien hätte, da diese Worte all den Schmerz den
ich fühlte zum Ausdruck brachten. Ich zog mir meine Unterhose an, schnappte mir
meine Sachen, ausgenommen den Schlafsack, und verließ das Zelt. Seltsamerweise
fühlte ich mich nicht mehr durch den Alkohol beeinträchtigt.
„Shinji!“
Sie schrie mehrmals meinen Namen. Ich ignorierte einfach
ihre Rufe.
Letztlich gaben meinen Beine nach und ich brach zusammen.
Ich machte nicht den Versuch aufzustehen. Ich hatte nicht die Kraft dazu, oder
den Willen. Wenn jetzt der Tod gekommen wäre, ich hätte ihn bereitwillig
akuzeptiert.
„Warum?“ rief ich und schlug mit der Faust ins Grass.
Warum? Wie konnte sie das nur tun? Hat sich mich überhaupt
jemals geliebt?
'Du solltest dir wegen ihr keine Sorgen machen. Wenn sie
nicht einmal sagen kann das sie dich liebt, dann kann sie nie mehr als ein
Freund für dich sein.'
Vielleicht hatte Rei recht. Asuka hat eigentlich nie gesagt
das sie mich liebt. Nur das sie mich mag. Das konnte alles bedeuten...
Natürlich, ich hatte genauso viel Schuld. Ich konnte niemals
den Mut aufbringen beiden zu sagen das ich sie liebte. Dennoch, ich wußte das
ich es tat. Aber ich habe es ihnen nie gesagt, aus Angst es würde eine von
ihnen verletzen wenn ich mich für die andere entschied.
War das alles vielleicht nur ein Missverständnis...
'Dieses mal, werde ich Rei schlagen...'
Nein, es gab keine andere Möglichkeit wie man diese Worte
auslegen konnte. Asuka hat... mit mir nur gespielt. So wie sie es immer tat.
Mir war zum Heulen zumute, aber ich riss mich zusammen. Ich
hatte schon genug gelitten wegen meinem Vater. Ich würde nicht noch wegen einem
anderen Puppenspieler Tränen vergiessen.
„Verflucht nochmal, Asuka!!! Verflucht! Verflucht!
Verflucht...“
* * *
„Mensch, du siehst ja furchtbar aus...“
Ich hob den Kopf, gerade weit genug um zu sehen das Touji
sich ebenfalls an das Feuer gesetzt hatte.
„Du solltest jetzt gerade in Hikari´s Armen liegen, statt zu
versuchen mich aufzuheitern..." sagte ich in dem Versuch ihn
wegzuscheuchen. Ich konnte jetzt das Mitleid von jemand anderen nicht ertragen.
„Yep... Aber es sieht so aus als wenn Hikari keinen Alkohol
vertragen würde. Sie schlief in dem Moment ein als sie sich auf ihren
Schlafsack legte.“
„Es ist eine Schande.“
„So schlimm ist es auch wieder nicht. Ich weiß jetzt wie sie
fühlt. Danke Shinji.“
Ich sah ihn verwirrt an.
„He! Ich bin kein Idiot!“ sagte Touji. „Ich weiß das es kein
Zufall war das wir uns hier getroffen haben."
„Das war alles von Asuka geplant. Sie wollte mich nur von
Misato und Rei wegholen, so das sie mich wie den Idiot der ich bin benutzen
konnte.“
„Vielleicht... aber du... du hast das für uns getan, das
hast du doch? Also noch einmal danke, Shinji.“
Ich nahm mir die Zeit um über das nachzudenken was Touji
gerade gesagt hatte. Dann lächelte ich.
„He, wenn dieses Durcheinander zumindest meinen besten
Freund glücklich macht, dann denke ich ist es die Sache wert.“
Touji erwiderte mein Lächeln. Dann sah er mich mit einem
ernsten Blick an, die Art Blick den er nur zeigte wenn er besorgt war.
„Also, was ist passiert?“
Ich erklärte ihm alles. Sogar die meisten intimen Details.
Es war nicht so als wenn es im Endeffekt irgendetwas bedeutet hätte.
„Wenn ich an deiner Stelle nicht auch wütend sein würde,
würde ich dich einen Idioten nennen. Eine menge Jungs würde töten für so eine
Chance mit diesem Mädchen.“
„Sie kann mit jedem Kerl ficken den sie will, das kümmert mich
nicht...“
Ohne jede Warnung schlug Touji mir hart auf den Kopf.
„He!“
„Baka! Das meinst du nicht ernst und das weißt du! Ansonsten
würdest du dich nicht so elend deswegen fühlen.“
So sehr ich es auch haßte es zugeben zu müssen, er hatte
recht.
„Ich glaube du hast recht. Wahrscheinlich tut es deshalb
auch so weh. Weißt du Touji, ich beneide dich. Hikari ist ein nettes Mädchen.
Sie ist süß, aufrichtig und sie kümmert sich wirklich um dich. Dein Liebesleben
wird sicher nicht so kompliziert werden wie das meinige.“
„Vielleicht solltest du Asuka alles erklären lassen...“
„Damit sie wieder versuchen kann mich zu manipulieren?
Nein.“
Für eine Weile schwiegen wir beide, ohne zu wissen was wir
sagen sollten.
„Zumindest hast du immer noch Rei. Es gibt keinen Zweifel
das sie dich liebt.“
„Rei.“
Als er ihren Namen erwähnte, fühlte ich wie es mir ums Herz
herum leichter wurde.
„Vielleicht solltest du froh darüber sein. Damit erledigt
sich dein Problem von selbst. Da es mit Asuka jetzt vorbei ist kannst du dich
voll und ganz Rei widmen. Du hast gesagt das du beide liebst. Die eine oder die
andere... wo ist da der Unterschied?“
Das was er sagte beunruhigte mich. War... war es wirklich
vorbei? Auf diese Weise? Aber Touji hatte recht. Es lößte meine Probleme. Tat
es das? Plötzlich war ich mir nicht mehr so sicher. Ich dachte immer das ich
beide gleich viel liebte. Aber war das wirklich der Fall? Was wenn... was wenn
ich Asuka mehr liebte als Rei?
„Sag mal, du willst doch nicht im Freien schlafen, oder etwa
doch? Du kannst in unserem Zelt schlafen wenn du willst.“
„Nein, ich möchte mich nicht aufdrängen.“
„Wirklich, Shinji...“
„Ich bleibe hier, Touji.“
Als im klar wurde das ich meine Meinung nicht ändern würde,
stand Touji auf und ging. Er kam aber bald von seinem Zelt wieder zurück mit
einem Schlafsack in der Hand.
„Hier. Zumindest wirst du dir keine Erkältung holen.“
„Und du? Was wirst du tun?“ fragte ich besorgt.
„Ich schaffe das schon, mach dir keine Sorgen. Zumindest muß
ich mir keine Gedanken über Regen oder den Wind machen.“
„Danke Touji.“
Touji lächelte mich stolz an.
„He! Für was hat man schließlich Freunde?“
Dann sah er mich wieder mit einem ernsten Blick an.
„Shinji... Wir leben in einer verrückten Welt. Du solltest
das besser wissen als jeder andere. Welche Entscheidung du auch immer treffen
magst, warte nicht zu lang damit. Weil wenn du es tust, wird vielleicht etwas
passieren das du später einmal bereuen wirst. Denk darüber nach. Ich habe das
in den vergangenen Stunden selbst mehrmals getan...“
Als Touji fort war, hatte ich tatsächlich über vieles
nachzudenken. Ich wünschte ich hätte meinen SDAT Player mitgebracht. Er hat mir
immer geholfen sämtliche Gedanken aus meinen Kopf zu vertreiben.
Verdammt...
* * *
Gleich als ich aufwachte bereute ich es schon wieder. Ich
wußte nicht ob das die Folgen des Alkohols waren, oder die Tatsache das ich
unter freien Himmel geschlafen hatte, jedenfalls fühlte ich mich miserabel. Mir
war schwindlig und es fühlte sich an als wenn jeder Muskel in meinen Körper
schmerzen würde. Mein Mund fühlte sich trocken und sandig an, so als wenn ich
Sand gegessen hätte. Während der Alkohol letzte Nacht nur meine Glieder
betroffen ich aber immer noch klar denken konnte, war es heute genau andersrum.
Ich hatte die perfekte Kontrolle über meine Körper. Zu perfekt. Es schien so
als wenn ich auf alles überempfindlich reagieren würde. Jede Bewegung
verursachte einen Sturm von Signalen die in meinem Kopf hämmerten. Zu diesem
Strudel an Gefühlen kam ein allgemeines Gefühl der Fäulnis hinzu. Ich wurde verraten.
Wieder einmal. Verraten von jemandem von dem ich dachte ich würde ihn lieben.
Nein. Nicht dachte das ich ihn liebte. Ich liebte ihn. Das machte es gerade so
schmerzhaft. Mir war nichts mehr geblieben. Die Euphorie die ich gestern
gespürt hatte ist zu Staub zerfallen. Ich hätte mich an das erinnern sollen was
ich gelernt hatte bevor ich nach Tokyo-3 gekommen bin: öffne niemals dein Herz.
Sie können dich nicht verletzen wenn du sie nicht hineinläßt. Ich hatte Asuka
hineingelassen; ich dachte ich könnte ihr vertrauen. Statt dessen hatte sie mir
das Herz rausgerissen. Ich konnte schon fast ihr spöttisches Lachen hören.
Schlimmer noch, ich konnte beinahe das Grinsen sehen das sich über ihr ganzes
Gesicht ziehen mußte. Ich habe dieses Grinsen in meinen Albträumen gesehen. Es
war das selbe wie bei meinem Vater. Das schmerzte am meisten.
Mühsam stand ich auf und starrte in den Himmel. Der Morgen
dämmerte langsam. Noch immer ziemlich verschlafen, schleppte ich mich zum See
und trank mit meinen Händen einen Schluck Wasser und spritzt mir dann das
Gesicht ab. Fürs erste versuchte ich meinen Schmerz tief in mir zu vergraben,
so wie ich es immer tat. Nur das es mir diesmal schwerer als sonst fiel.
Als ich versuchte mich auf das zu konzentrieren was
außerhalb meines Kopfes vor sich ging, bemerkte ich ein sehr wichtiges Detail
das ich noch vor ein paar Sekunden nicht beachtet hatte. Auf dem Boden lag ein
Handtuch und ein paar Kleider. Das bedeutete... das irgendjemand im See badete!
Und da ich bezweifelte das Touji Höschen trug, mußte derjenige wohl weiblich
sein.
Okay, das war kein Problem... Ich mußte nur umdrehen, in
Touji´s Schlafsack zurückkriechen und vortäuschen das ich noch schlief.
Aber einem Teil meines Verstands ging ein Gedanke nicht aus
dem Kopf... es könnte Asuka sein.
Wie erbärmlich. Nach all dem was sie getan hat, stand ich
hier, und fing bei dem Gedanken sie sehen zu können beinahe zu sabbern an...
Zum Teil angewidert von mir selbst, hob ich meinen Kopf. Wie
ich erwartet hatte war jemand im See. Ein braunhaariges Mädchen. Hikari nahm
ich an, da sie ja schliesslich das einzige braunhaarige Mädchen in der Gegend
war.
Ich wußte nicht ob ich mich erleichtert oder enttäuscht
fühlen sollte. Da sie nicht in meine Richtung sah, hatte sie bis jetzt noch
nicht bemerkt das ich ihren nackten Rücken anstarrte. Natürlich, mit dem Glück
das ich die letzten Wochen hatte, würde sie sich umdrehen bevor ich mich
entschied das gleiche zu tun und zu verschwinden. Als sie es schließlich tat,
bestätigte das nicht nur das dieses Mädchen wirklich Hikari war, es erlaubte
mir auch einen perfekten Ausblick auf ihre Brüste. Während der Anblick ganz
nett war, bekam ich plötzlich mit der Angst zu tun. Ich war so gut wie tot.
Wenn Hikari mich nicht umbrachte, Touji würde es ganz sicher tun. Und ich war
mir sicher das das dämliche Grinsen auf meinem Gesicht nicht gerade hilfreich
war...
Wie dämlich!
„Es tut mir leid!“ schaffte ich zu murmeln als ich mich
umdrehte, dann ging ich zur mittlerweilen kalten Feuerstelle und erwartete mein
Todesurteil.
Es dauerte nur eine Minute bis ich fühlte das jemand hinter
mir stand.
„Ikari-kun.“
„Horaki-inchou... Ich... ich...“
Als ich mich umdrehte, vergaß ich alle Entschuldigungen die
mir auf der Zunge lagen. Hikari stand genau vor mir und trug nur ihr Höschen
und Touji´s Sportjacke. Diese Tatsache nahm meine ganze Aufmerksamkeit in
Anspruch. Haben sie etwa...? Als ich den überglücklichen Ausdruck auf ihrem
Gesicht bemerkte, folgerte ich das die zwei tatsächlich... eine schöne Zeit
miteinander verbracht hatten. Schließlich hatte Asuka doch noch recht gehabt.
Zumindest war dieser Ausflug kein kompletter Reinfall.
Asuka...
Konnte sie mich nicht einfach in Frieden lassen? Warum bekam
ich sie nicht aus meinen Kopf?
Mit meinen Gedanken schon wieder ganz woanders, reagierte
ich nicht als Hikari sich über mich beugte und ihre Lippen auf meinen Mund
legte. Aber als mir schließlich klar wurde was da eben geschehen war... es war
nur ein sehrt sanfter Kuss, trotzdem war ich geschockt.
„Ich danke dir, Playboy-kun...“ (2)
Ich sah ihr nach als sie wieder zu ihrem Zelt ging und dabei
eine fröhliche Melodie summte. Ich starrte noch eine ganze Minute nachdem sie
ins Zelt gegangen war da mein Gehirn sich weigerte korrekt zu funktionieren.
Ich versuchte die letzten Ereignisse zu verstehen. Touji und Hikari hatten
scheinbar miteinander geschlafen. Dann habe ich Hikari nackt gesehen, war aber
immer noch am Leben. Nicht nur das, sie hat mich sogar geküsst anstatt mir
jeden Knochen in meinem Körper zu brechen. Das war mit Sicherheit nicht die
normalerweise schüchterne, manchmal herrische Hikari die ich kannte. Vielleicht
wahr sie immer noch betrunken. Ja, das mußte es sein. Zufrieden mit dieser
Festellung, beschloß ich die letzten paar Minuten einfach zu vergessen und ein
wenig Holz zu sammeln um ein neues Feuer zu machen. Es würde bald
Frühstückszeit sein.
Zumindest hatte das was eben passiert war auch seine guten
Seiten. Für eine Augenblick hatte ich aufgehört über Asuka nachzudenken. Und
jetzt, als ich an das dachte was ich vor ein paar Minuten gesehen hatte, mußte
ich einfach lächeln. Ein sehr zaghaftes Lächeln, aber nichtsdestoweniger eines.
„Ich beneide dich Touji. Sie ist ein nettes, hübsches und
normales Mädchen...“
* * *
Das Frühstück war beinahe fertig als Touji und Hikari auftauchten.
Ich bemerkte das sie beide Händchen hielten. Zum ersten mal überhaupt versuchte
keiner von beiden seine Gefühle für den anderen zu verbergen. Vielmehr, wenn
man sich so das breite Grinsen auf ihren Gesichtern ansah, schienen sich die
beiden in einer Art privaten Paradies zu befinden. Eine andere Sache die mich
überraschte war das Hikari ihr Haar nicht wie üblich trug. Stattdessen fiel ihr
braunes Haar lose über ihre Schultern. Mir kam ein Gedanke den ich
normalerweise versucht hätte zu verdrängen, aber dieses mal schaffte ich es
nicht. Hikari war wirklich ein sehr hübsches Mädchen.
Ich fing an zu zittern als Hikari mich schließlich bemerkte.
Wie auch immer, sie verschwieg den vorangegangenen Vorfall. Vielmehr war sie
übermäßig freundlich zu mehr. Vielleicht war sie auch einfach so glücklich, das
sie unmöglich böse auf mich sein konnte. Ich entspannte mich als mir klar wurde
das wir einfach nur ein nettes Essen miteinander geniessen würden. Und ich muß
zugeben, obwohl ich mich ein wenig depressiv fühlte, hatte ich viel Spaß daran
zuzusehen wie ein verlegener Touji von Hikari gefüttert wurde. Nach kurzer Zeit
lachten wir alle. Aber das Lachen erstarb als Asuka aus ihrem Zelt herauskam.
Hikari entschuldigte sich und murmelte irgendwas von Tellern
die noch gewaschen werden müßten. Touji meldete sich freiwillig zum sammeln von
Feuerholz, obwohl noch mehr als genug vorhanden war. Ich war jetzt allein mit
Asuka. Meine Freunde hatten mich verlassen, wie Ratten das sinkende Schiff.
Asuka stand direkt vor mir. Sie hatte einen neutralen,
gefühlslosen Ausdruck auf ihrem Gesicht. Ich glaube ich hatte denselben
Gesichtsausdruck.
„Shinji, Ich...“
„Halt.“ sagte ich in einem Befehlston. „Kein einziges Wort.
Ich möchte kein einziges Wort hören. Keine Entschuldigungen, keine Erklärungen,
keine Beleidigungen, gar nichts.“
Ich konnte deutlich die Überraschung auf ihrem Gesicht
sehen. Und bis zu einem gewissen Grad den Schmerz.
„Gerade jetzt, kann ich mir nicht sicher sein ob ich deinen
Worten noch trauen kann.“
Ich ließ ihr nicht die Chance etwas darauf zu erwidern. Ich
stand auf und ging. Sie sagte nichts um mich aufzuhalten. Gut.
Wenn sie Frühstück wollte mußte sie es sich schon selber
machen. Ich würde es nicht tun.
* * *
Eine Stunde später schlug Hikari vor das wir wieder nach
Tokyo-3 zurückkehren sollten. Wir stimmten alle stillschweigend zu. Der Spaß
war vorbei. Wir packten unsere Sachen und machten uns auf den Weg. Asuka,
Hikari und Touji gingen auf geradem Weg nach Hause. Jedenfalls, Gerüchte
besagten das später an diesem Tag, Touji und der Klassensprecher im Park in
einer sehr vertraulichen Position gesehen wurden. Sie dementierten die Gerüchte
nicht, sondern bestätigten sie später mit einem Kuss inmitten einer Klasse voll
erstaunter Schülern.
Ich spazierte eine Weile herum bevor ich zur Wohnung
zurückkehrte. Mit meinen ganzen Campingsachen zog ich eine Menge neugieriger
Blicke auf mich, aber das nahm ich nur am Rand war. Ich mußte über einiges
nachdenken. Ich ließ meine Gedanken treiben. Mutter. Sie hatte mich verlassen.
Manchmal war alles woran ich mich erinnern konnte nur wie weh es getan hatte
als ich wußte das sie nicht mehr zurückkommen würde.
Vater. Er hatte mich auch verlassen, aber ich hatte
insgeheim immer gehofft das wir noch einmal eine Chance bekommen würden. Nun,
diese Hoffnung ist vor kurzen gestorben, und wenn nicht die beiden Mädchen
gewesen wären, dann weiß ich nicht was ich getan hätte.
Und jetzt hat auch Asuka mich verlassen. Nicht im
körperlichen Sinne, aber im emotionalen. Sie ließ mich mit dem Gefühl zurück
das sie mich nur benutzt hat, mit mir gespielt hat, mich kontrolliert hat. So
wie immer.
Ich bin so erbärmlich...
Menschen die ich liebte sind gestorben.
Menschen die ich liebte haben mich verlassen.
Menschen die ich liebte haben mich benutzt.
Würde den jeder den ich liebte mich im Stich lassen?
Nein. Rei würde es nicht. Rei würde nicht wie sterben, so
wie Mutter. Ich hatte die Fähigkeiten um sie zu beschützen. Ihr würde nichts
zustossen, ich würde es nicht zulassen. Sie würde mich nicht wie Vater
verlassen. Sie würde bei mir bleiben. Und sie würde mich nicht benutzen, so
wie... so wie...
Verflucht soll sie sein!
Rei war alles was ich noch hatte, alles auf das ich zählen
konnte. Selbst wenn kein anderer mehr da sein würde, aus sie würde ich mich immer
verlassen können.
'Hat Rei dir ihr Geheimnis gesagt?'
Ärgerlich verscheuchte ich Vaters Worte aus meinen Gedanken.
Ich konnte Rei vertrauen. Ich konnte es! Sie hatte niemals etwas vor mir
verborgen. Sie war meine letzte Hoffnung, und sie würde mich nicht entäuschen.
Sie würde es nicht.
Sie würde es nicht...
Wenn sie es tat...
Als ich schließlich wieder in der Wohnung war, war ich
erleichtert als mir Misato sagte das Asuka in ihrem Zimmer war. Ich ging auf
mein Zimmer, leerte meinen Rucksack aus und packte dann einen Großteil meiner
Kleidung ein. Ich nahm meine Schultasche, meinen SDAT Player und verließ mein
Zimmer.
„Shin... Shinji? Wo... wo gehst du hin, einfach so?“ fragte
Misato, die offensichtlich ziemlich überrascht und zugleich auch besorgt war.
„Zu Rei, Misato-san. Ich
bin mir nicht sicher ob ich zu diesem Zeitpunkt noch hier wohnen möchte.“
Obwohl sie immer noch besorgt aussah, kam es mir so vor als
ob Misato erleichtert aussah. Möglicherweise hatte sie gedacht das ich wieder
fortlaufen wollte.
Ich sah mich ein letztes Mal um. Wenn ich daran dachte das
ich diese Wohnung schon als Zuhause angesehen hatte. Jetzt wo ich mich hier
wohl fühlte, mußte ich gehen. War das irgendeine Art von verdrehtem Schicksal?
Zuerst hatte mich Vater aus dem langweiligen, aber friedlichen Leben bei meinen
Onkel herausgerissen. Jetzt mußte ich wegen Asuka diesen Ort verlassen...
Ich haßte mein Leben.
„Wann wirst du zurückkommen?“
„Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich komme ich gar nicht
zurück.“
(Fortsetzung folgt...)
Nächstes Mal:
Kapitel 6, Teil 2 – Ich liebe Dich