Neon Genesis Evangelion:
Meine Liebe gilt...
Kapitel 6 - Freunde
Geschrieben von Alain Gravel
<rakna@globetrotter.qc.ca>
Assistiert von Darren
Demaine <ddemaine@ualberta.ca>
Übersetzt von Franz Xaver
Benedikt <Genesis_00@gmx.de>
http://www.geocities.com/Tokyo/Teahouse/2236/
Teil 3 - Das Fourth Children
Es war noch früh am Morgen,
als ich Misato´s Wohnung verließ um zu Rei zu gehen. Ich wollte die Wohnung
verlassen haben noch bevor Asuka aufstand und früh zur Schule gehen. Auf diese
Weise hätte ich Asuka wenigstens bis dahin aus dem Weg gehen können. Jetzt, da
alles geklärt war, wusste ich, dass es keinen Grund gab sie zu meiden oder es
zu versuchen. Trotzdem war mir das, was sie mir gesagt hatte, unangenehm.
Sie liebte mich.
Sie hatte mir gesagt, ich solle mit Rei
glücklich werden.
Es war alles so verwirrend. Liebte... sie
mich wirklich dermaßen? So dass ihr mein Glück wichtiger war, als ihr eigenes?
Dennoch... liebte sie mich wirklich? Es konnte wieder ein Trick sein... Ich
verbannte diesen Gedanken aus meinem Kopf. Die Tränen die ich gesehen hatte
waren echt. Sie hätte nicht geweint wenn sie mich hätte täuschen wollen. Sie
hätte nicht so verletzt ausgesehen. Nein... Ihre Gefühle waren echt. Aber...
waren meine das auch? Was empfand ich jetzt für sie? Und wie konnte man das mit
meinen Gefühlen für Rei vergleichen?
Ein frustrierter Seufzer entfuhr mir. Wie
war alles nur dermaßen kompliziert geworden?
Oh, ...genau... weil ich mich dummerweise
dafür entschieden hatte mit beiden auszugehen...
Als ich Rei´s Wohnung betrat wartete
bereits eine Überraschung auf mich. Rei war schon auf, hatte schon ihre
Schuluniform an und deckte gerade den Tisch für das Frühstück.
„Dein Bad ist fertig, Shinji. Wenn du
fertig bist, wird dein Essen bereits auf dich warten.“
Für ein paar Sekunden starrte ich sie aus
weit geöffneten Augen an.
„Ich bin zu dem Schluß gekommen, dass du
vielleicht Sohryu an diesem Morgen aus dem Weg gehen wolltest, daher habe ich
alles für dich vorbereitet.“
War
ich so leicht zu durchschauen? Auf jeden Fall war es ein netter Einfall. Ich
warf ihr ein Lächeln zu.
„Danke, Rei-chan.“
Erfreut darüber, entspannte sich ihr Gesicht und sie lächelte zurück.
"Geh und nimm dein Bad. Du kannst mir
beim Essen erklären, was gestern Nacht passiert ist."
Ich nickte und ging ins Badezimmer. Wenige
Minuten später kam ich sauber und mit
frischen Sachen wieder heraus. Ich fuhr dann damit fort, ihr alles zwischen ein
paar Bissen zu erklären. Während sie darauf nicht sonderlich reagierte, war ich
mir sicher, dass Rei über den neuesten Verlauf der Ereignisse nicht im
geringsten erfreut war. Ich war in den letzten paar Tagen besser darin geworden
ihre Gesichtsausdrücke zu deuten. Trotzdem hatte ich ihre nächste Reaktion
nicht erwartet.
"Bitte... bleib."
"Huh?" war alles was ich in
meiner Verwirrung herausbrachte.
"Ich weiss, dass du hierhergekommen
bist um ihr aus dem Weg gehen zu
können. Jetzt hast du keinen Grund ihr weiter aus dem Weg zu gehen. Trotzdem...
bitte ich dich darum, hier zu bleiben... bei mir. Dies i... ist die e.... erste
Bitte von mir ... in meinem ganzen Leben. Bitte... bleib bei mir...."
Hier, genau vor mir stand Rei.... und bat
mich, bei ihr zu bleiben.... Rei... ein Mädchen, von dem ich glaubte das sie
einen noch stärkeren Willen als Asuka besass...
"In diesen letzten Tagen... warst du
glücklich, oder? Warum gehen? Also... bitte..."
Sie sah so zerbrechlich aus... so
wunderschön... ich... ich konnte es ihr einfach nicht abschlagen. Ausserdem war ich es ihr schuldig. Sie war
für mich dagewesen, als ich sie am meisten gebraucht hatte. Ich konnte nicht
einfach so verschwinden. Sonst wäre es so, als ob ich sie nur benutzt hätte.
Wie Vater und all die anderen.
"I... Ich bleibe bei dir,
Rei-chan..."
Ich war mir nicht sicher, ob das wirklich
eine so gute Idee war. Aber dann machte ich mir klar.. hier.. oder bei Misato..
beide Plätze würden mir jedwede
Entscheidung nicht leicht machen.
"Wenn ich dich nicht für mich allein
haben kann, dann will ich dich lieber überhaupt nicht haben..."
Rei wollte mich wenigstens hier haben. Es
war wahrscheinlich am besten so...
Aber warum fühlte es sich dann so an, als
ob ich Asuka verraten würde? Warum spürte ich dann diesen schleichenden
Schmerz? Konnte ich jemals glücklich sein?
"Shin-chan!"
Sie nahm meine Hand in die ihre und
drückte sie fest. Wahrscheinlich hätte sie mich umarmt, wenn der Tisch nicht
zwischen uns gewesen wäre. Sie sah so glücklich aus... ich fühlte mich deswegen
so unglaublich wohl. Ja, es war das Beste.
Ich würde hierbleiben....
Bei Rei. Mit einem Lächeln stand ich auf und nahm sie in die Arme. Sie hielt
mich fest. Ich war überrascht, als ich einen schwachen Schluchzer hörte. War
sie so glücklich, dass sie weinte? Als ich in ihr Gesicht sah, trocknete ich
zwei einsame Tränen auf ihren Wangen. Danach küssten wir uns. Nicht tief,
sondern eher sanft und zärtlich.
Das verbliebene Gefühl von Schuld
verschwand fast augenblicklich.
* * *
Das Leben ist voller Ironie. An diesem
Morgen wollten Rei und ich die Wohnung früh verlassen, um Asuka aus dem Weg zu
gehen. Doch was musste ich sehen, als ich ihre Wohnung verließ? Asuka, die
gerade aus Misato´s Wohnung kam. Wir erstarrten beide, als wir uns sahen, Asuka
genauso überrascht wie ich. Es sah so aus, als ob sie mir ebenfalls aus dem Weg
hatte gehen wollen. Eine Sekunde lang fragte ich mich, ob das nicht eine
Spätfolge unseres Synchronisationstrainings war.
"Shinji..." sagte Asuka, als ich
selbst ihren Namen ausssprach. Ja, unbestreitbar eine Nebenwirkung unseres
Synchronisationstrainings.
Eine unerträgliche Stille folgte.
"Wir sollten jetzt gehen, wenn wir
pünktlich sein wollen," sagte Rei, die sich anscheinend entschieden hatte,
die Sache in die Hand zu nehmen.
Ohne ein Wort zu sprechen fuhren wir mit
dem Aufzug abwärts, und machten uns dann auf den Weg zur Schule. Das ging wohl
5 Minuten lang so, bis Asuka schließlich das Schweigen brach..
"Streberin..."
Wir hielten an.
Als sich Asuka´s Gestalt straffte, folgerte ich das sie etwas zu sagen hatte. Wahrscheinlich etwas, dass mit
den Ereignissen der letzten Nacht zu tun hatte. Rei sah sie sie mit einem
sonderbar verärgerten Blick an.
"Shinji hat sich entschlossen, bei
dir zu sein. Schön, damit kann ich leben..." Während sie sprach, gewann
Asuka ihr Selbstvertrauen zurück. "Aber du solltest besser aufpassen,
Streberin! Wenn ich merke, dass Shinji unglücklich ist, werde ich ihn mir
zurückholen!"
Einen Augenblick lang, starrte Rei Asuka
einfach an ohne eine Reaktion zu zeigen. Dann antwortete sie. Ich muß sagen das
das vollkommen unerwartet kam. Aber ich könnte schwören, dass bevor sie
antwortete ich ein teuflisches Grinsen in ihrem Gesicht sah.
"Mach dir keine Sorgen, Dämon. Shinji
wird mit mir glücklich sein. Ich werde ihn weder drangsalieren, noch ihn
ausnutzen und sicherlich werde ich ihm nicht weh tun... so wie es jemand anders
getan hat."
Bei Rei´s Worten entfuhr
mir ein Keuchen. Sie benahm sich so... so wie Asuka. Nein, sogar noch
schlimmer... das.. das war nicht meine Rei....
Ich hatte erwartet, dass Asuka wegen
dieser Worte beleidigt wäre, aber stattdessen drehte sie den Kopf beiseite, als
wenn sie Rei´s Blick nicht ertragen könnte.
"Ich verstehe. Verzeih mir.. Ayanami. Kümmere dich um
ihn."
Ich konnte meinen Ohren nicht trauen.
Asuka... entschuldigte sich? ... bei Rei? Hatte ich irgendetwas wichtiges
verpasst?
"Nun, ich will nicht zu spät zur
Schule kommen..."
Damit lief Asuka davon. Ich starrte ihr
vollkommen verwirrt hinterher.
"Ich habe nur sichergestellt, dass
sie verstanden hat das sie uns in Zukunft nicht mehr belästigen soll. Darüber
hinaus habe ich ihr gezeigt, wie unerfreulich es sein kann, beschimpft zu werden,"
versuchte Rei zu erklären, als sie meine Verwirrung bemerkte.
"Trotzdem verstehe ich nicht, wie sie
so einfach aufgeben konnte..."
"Wegen dir."
Wegen mir?
"Komm, wir sollten gehen."
Ohne wirklich darüber nachzudenken, folgte
ich ihr.
* * *
Ich wusste nicht, wie ich mit dieser neuen
Situation halten sollte. Erneut hatte Asuka, ohne nennenswerten Protest meine Beziehung mit Rei einfach akzeptiert.
Aber was genau war meine Beziehung zu Rei eigentlich? Glücklicherweise kamen
wir schnell genug zur Schule, daher schaffte ich es, diese Gedanken vorerst
erst mal beiseite zu schieben. Als wir beide, Rei und ich, Platz nahmen,
bemerkte ich mit Erstaunen, dass wir die Ersten waren. Seltsam, wo war Asuka?
Bald kamen die anderen Schüler. Die
meisten von ihnen waren mir unbekannt. Sie waren nur Gesichter, an die ich
schon gewöhnt war, nicht mehr. Ich lächelte, als Hotaru zur Tür hereinkam.
Mein Gesicht verdüsterte sich, als ich eine Mädchen mit kurzen, braunen Haaren entdeckte; Kuno Minami. Ein paar Sekunden lang, lag ich in einem mentalen Disput, ob ich ihr von meinem Missfallen über ihre Wetten erzählen sollte. Ich stand kurz davor meinen Mut zu sammeln um sie zu konfrontieren, als ich plötzlich bemerkte, wie jemand auf ihren Tisch zuging. Asuka.
"Hey! Kuno!"
Das braunhaarige Mädchen hob den Kopf über ihren
Laptop und sah den Rotschopf an. Ein leichtes Grinsen ging über ihr Gesicht,
fast als wenn sie eine schutzlose Beute erspäht hätte. Was sehr seltsam war, da
ich wusste, dass Asuka alles andere als schutzlos war.
"Was kann ich für dich tun,
Asuka-chan?"
"Hier."
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, zog
Asuka ein Bündel Yen aus ihrer Tasche und gab es dem Mädchen. Sie schien für
eine Sekunde lang ein wenig überrascht zu sein, dann verengten sich ihre Augen
und ihr Grinsen wurde noch breiter, als sie die Geldscheine nahm
"Wofür?"
"Weil ich die Wette verloren
habe," sagte Asuka schlicht, als sie auf ihren Tisch zuging.
So simpel die Worte auch waren, die Wirkung
war nur umso größer. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis sich alle Augen auf
mich und Rei richteten. Unsere knallrot angelaufenen Gesichter beantwortete die
von allen unausgesprochen Frage
"Mein Gott! Es ist
wahr!"
"Was?"
"Aaaaah... Ich bin ruiniert...:"
"Shinji, du Glückspilz!"
"Ich wusste es! Ich wusste es!"
"Bedeutet das, dass wir jetzt mit
Sohryu ausgehen können?"
"Also, habt ihr zwei es
getrieben?"
"Ich bin soooo neidisch!"
"Verdammt seist du, Ayanami!"
"Ikari! Du Bastard!"
Die halbe Klasse hatte sich um meinen Schreibtisch versammelt, die andere
Hälfte um Rei´s. Nichtsdestotrotz setzte Rei ihr übliches, ausdrucksloses
Mienenspiel auf und ignorierte alle und starrte einfach aus dem Fenster, daher
wandten sich alle mir zu. Ich versuchte genauso wie Rei all die Stimmen einfach
zu ignorieren. Als ich meine Aufmerksamkeit nicht mehr auf meine Mitschüler
richtete, bemerkte ich, dass Hikari gerade das Klassenzimmer betrat. Das kam
mir augenblicklich seltsam vor. Hikari war sonst immer eine der ersten die zur
Schule kamen und nicht die Letzte. Und
der Ausdruck auf ihrem Gesicht... sie schien.. beunruhigt zu sein. Da stimmte
etwas nicht, denn normalerweise war Hikari sehr vergnügt, ausser wenn sie als
Klassensprecherin auftrat. An Asukas Blick merkte ich, dass auch sie Hikari´s
Benehmen ungewöhnlich fand. Sie sah sich kurz im ganzen Klassenzimmer um. Dann
blickte sie in meine Richtung. Es sah fast so aus, als ob sich ihre Augen an
mir festsaugten. Als sie auf meinen Schreibtisch zuging, erwartete ich , dass
sie allen sagen würde, sie sollen sich benehmen und hinsetzen. Sie ignorierte
jedoch die anderen Schüler komplett. Um genau zu sein, schob sie sogar ein paar
zur Seite, um zu mir zu gelangen. Sie sah beinahe.. verzweifelt aus.
"Ihr alle. Geht wieder auf eure
Plätze. Sofort."
Jeder im Raum schien vor Überraschung
erstarrt zu sein. Rei hatte sich gerade an die gesamte Klasse gewandt, etwas
das, soweit sich alle zurückerinnern konnten, noch nie zuvor passiert war.
Obwohl sie ihre Worte in einem normalem
Tonfall sprach, hatten sie genausoviel Wirkung als wenn Hikari Anweisungen
schrie. Sprachlos zogen sich alle zurück und ließen mich mit Hikari allein. Rei
hatte ohne Zweifel ebenfalls bemerkt, dass Hikari ein Problem hatte.
"Horaki-inchou(*), kann ich...?"
"Ikari-kun! Hast du Touji
gesehen?!"
Touji? Warum sollte sich Hikari dermaßen
Sorgen um Touji machen? War.. war etwas
passiert? Jetzt war ich an der Reihe, mir Sorgen zu machen. Mir fiel auf, dass Rei
aufkeuchte, als sie seinen Namen hörte und für einen Moment sah sie beunruhigt
aus, bevor sie wieder ihre gefühlslose Maske aufsetzte..
Was war hier los?
"Jeder von euch! Raus! SOFORT!"
schrie Asuka.
Allem Anschein nach waren unsere
Mitschüler sehr daran interessiert was
Hikari mich fragen wollte. Wie auch immer, die Furcht vor dem legendären
Zorn von Asuka Langley reichte aus, um die meisten ihre Neugier vergessen zu
lassen. Die anderen wurden buchstäblich von besagter Langley hinausgeworfen.
"Das scheint ernst zu sein, also
können wir das auch ohne den ganzen Klatsch erledigen," sagte Asuka ernst.
"Wir haben noch ein paar Minuten, bis der Lehrer auftaucht. Also Hikari,
was für ein Problem hast du?"
"Touji.. Touji ist
verschwunden..."
"Verschwunden?"
"Ja.. I.. Ich kann ihn nirgendwo
finden.. er ist nicht Zuhause.. nicht im Krankenhaus... Kensuke hat ihn seit
gestern nach der Schule nicht mehr gesehen. Ikari-kun.. hast du ihn heute
morgen gesehen?"
"Nein.. aber.. du weisst doch.. Touji
kommt doch immer zu spät. Er taucht vielleicht noch auf..."
"Aber.."
"Gibt es da etwas, was du uns nicht
erzählt hast, Hikari-chan?" fragte Askua und kniff ihre Augen argwöhnisch
zusammen.
"Nun..."
Nicht lange und Hikari war komplett rot
angelaufen.
"Wann hast du Touji das letzte Mal
gesehen?" fragte der Rotschopf, immer noch mit demselben fragenden Blick
auf dem Gesicht.
"Äh.. tja.. vielleicht...
möglicherweise um... ein Uhr.. ein Uhr früh..."
"Ein Uhr morgens?!" keuchte ich.
"Was habt ihr so spät den noch gemacht?"
Asuka stöhnte auf.
"Dummkopf!
Also wirklich Shinji.. jetzt sie dir an wie rot sie wird. Ich bin mir sicher,
dass sogar *du* erraten kannst, was sie gemacht haben..."
Augenblick fingen die
Zahnräder in meinem Gehirn an sich zu drehen. Die Antwort war so einfach, dass ich mich über mich selbst
wundern musste. Ich spürte das meine Wangen wie Feuer brannten, als ich die
Andeutungen verstand und mir ein paar
entsprechende Szenarios dazu vorstellte.
"Oh!"
Eine peinliche Stille folgte. Wenn
überhaupt noch möglich, errötete Hikari noch mehr.
"Er.. er kam letzte Nacht vorbei...
Ich hatte ihn nicht erwartet. Es.. es schien im nicht gut zu gehen.. er sah..
beunruhigt aus. Als ich danach fragte, sagte er, dass alles in Ordnung wäre,
aber ich habe ihm nicht geglaubt.. Ich .. Ich umarmte ihn.. Ich wollte dass er
spürte, dass ich da war... für ihn. Und dann... führte eines zum anderen...
Ich war mir wirklich nicht sicher, ob ich
das hören wollte. Aber Hikari schien
darüber reden zu wollen. Also hörte
ich ihr einfach weiter zu.
"Wir.. wir hatten uns entschieden zu
warten... für eine Weile. Ich hatte Angst und war mir nicht sicher, ob ich es
wollte. Aber.. es fühlte sich so gut an... ihn so nahe bei mir zu spüren. Und
ich wollte, dass er sich besser fühlt..."
Ich versuchte meine Überraschung nicht zu
zeigen. Ich war mir sicher gewesen, dass die Beiden schon am See...
"Also habt ihr...?" fragte
Asuka.
Hikari nickte. Das Interesse von Rei und
Asuka an Hikari`s Geschichte schien sich noch zu steigern.
"Als.. als ich aufwachte... war er
weg... ohne ein Wort. Das... soetwas ist sonst nicht seine Art. Also... Daher
versuchte ich ihn zu finden... ohne Erfolg.. I-Ich mache mir solche Sorgen!
Wa.. Was... wenn er mich nie wirklich gemocht hat? Was, wenn er nur mit mir..?
Und jetzt, da wir..."
"Auf keinen Fall!" sagte ich
fest zu ihr. "Du weißt das Touji nicht so ist."
"Stimmt. Du hast mir selbst gesagt,
dass du seine sanfte Seite so liebst," stimmte mir Asuka zu.
Hikari nickte und wischte ein paar
einzelne Tränen fort. Rei legte eine Hand auf ihre Schulter und schenkte ihr
ein kleines Lächeln.
"Mach dir keine Sorgen. Ich bin
sicher, alles ist in Ordnung. Vielleicht hatte er etwas Wichtiges zu erledigen
und nur vergessen, es dir zu sagen."
"Meinst du wirklich?"
"Er hat viel Willenskraft. Es wird
alles gut gehen."
Asuka und ich sahen Rei neugierig an.
Irgendetwas stimmte hier nicht. Rei hatte so mit ihr gesprochen, als wenn...
sie etwas wüsste. Aber falls es so war, warum erzählte sie es dann nicht? Ich
sah sie fragend an. Sie lächelte bloß und kehrte an ihren Schreibtisch zurück.
Bald darauf starrte sie wieder weiter aus dem Fenster.
"Rei..." hauchte ich.
Ein beunruhigender Gedanke
verdrängtenselbstsüchtig Hikari´s Probleme aus meinem Gedanken. Würde Rei mir
tatsächlich... etwas verschweigen?
Bald kamen unsere Klassenkameraden zurück.
Ich bemerkte Kensuke unter ihnen. Er sah ziemlich depremiert aus. Das bereitete
mir Unbehagen, aber bevor ich fragen konnte was los war, traf unser Lehrer ein
und der Unterricht begann. Wie Hotaru erzählt hatte, konzentrierte sich der
Unterricht dieses Lehrer´s nicht auf den "Second Impact", daher war
ich bald so beschäftigt ihm zu folgen, dass ich keine Zeit hatte, Kensuke über
unser schulinternes E-Mail-System zu
fragen. Ich denke mal, dass ich mit ihm beim Mittagessen darüber sprechen
würde. Ich blickte zu Touji´s Schreibtisch. Leer. War die Besorgnis von Hikari
berechtigt? Ich versuchte, nicht darüber nachzudenken und hörte dem Lehrer zu.
Hatte ich nicht selber genug Probleme? Warum sollte ich mir auch noch wegen den
Problemen meiner Freunde graue Haare wachsen lassen? Ich stöhnte auf. Warum war
das Leben nur so kompliziert?
* * *
Als ich sah, das Rei und Asuka sich
während des Essens um Hikari kümmerten, entschloss ich mich, Kensuke
Gesellschaft zu leisten. Er saß allein, noch genauso deprimiert, wie zuvor als
er das Klassenzimmer betreten hatte. Da ich nicht wirklich wußte wie ich es
angehen sollte, entschied ich mich dafür ihn direkt zu fragen.
"Stimmt was nicht, Kensuke?"
Er hob kaum den Kopf um meine Anwesenheit
zu quittieren.
"Es ist nicht fair! Warum, Shinji?
Warum haben sie nicht mich als Piloten für den Evangelion-03 ausgesucht?"
"Hä?"
Ich starrte ihn verwirrt an.
"Den Evangelion... 03? Es gibt keine
Evangelion-Einheit-03..."
Das brachte wieder Leben in Kensuke
zurück.
"Was meinst du mit "keine Einheit-03"?
Er kam gestern aus den Vereinigten Staaten hier an! Heute werden die ersten
Aktivierungstestläufe in der zweiten Versuchseinrichtung in Matsushiro
durchgeführt! Erzähl mir nicht, dass du davon nichts gewußt hast!"
Eine vierte EVA-Einheit... Nun, das würde
erklären, warum Kensuke so schlechter Laune war.
"Nein... Ich wusste nichts davon...
Ich habe in letzter Zeit mit niemandem viel geredet. Hey? Matsushiro hast du
gesagt? Also darum musste Misato dahin!"
Ein Aktivierungstest. Vielleicht hat
Misato deswegen versucht, mir am Tag zuvor aus dem Weg zu gehen. Schließlich
endete der erste Testlauf mit EVA-00 darin, dass Rei verletzt wurde.
Trotzdem...
"Ich bin verdammt neidisch,"
sagte Kensuke. "Ich frage mich, wer ihn steuern wird? Touji vielleicht? Er
ist ja heute nicht da..."
Sein Kommtentar ließ mich ihn ungläubig
anstarren.
"Touji? Auf keinen Fall! Niemand
würde ihm einen EVA anvertrauen!"
Touji? Einen EVA steuern? Niemals! Auch
wenn er mir mittlerweile vergeben hatte, wußte ich das er die EVA´s immer noch
hasste weil sie seine Schwester verletzt hatten. Er würde niemals selbst einen
steuern. Und im Gegensatz zu Kensuke schien er verstanden zu haben, dass es nur
Leid mit sich brachte, einen EVA zu steuern...
"Wahrscheinlich hatte dieser EVA
schon einen Piloten, so wie EVA-02," fügte ich hinzu, ohne mir dessen
wirklich sicher zu sein. "Vielleicht irgendein Kerl aus Amerika..."
Kensuke glitt wieder in seinen depressiven
Zustand zurück. Verdammt!
"Das macht Sinn..."
Ich hatte versucht, ihn ein wenig
aufzumuntern...
"Ich bin mir sicher, dieser Kerl ist
nicht so gut, wie du es gewesen wärst."
"Glaubst du?"
"Ganz sicher." log ich.
EVA-Einheit-03. Warum hatte mir keiner
davon erzählt?
* * *
Als wir von Essen zurückkamen fiel mir
auf, dass Rei eindeutig nervös war. Anstatt aus dem Fenster zu sehen, warf sie
einfach alle fünf Minuten einen Blick auf die Klassenuhr. Asuka schien ebenso
ihr seltsames Verhalten bemerkt zu haben als sie Rei mit einem komischen Blick
ansah. Rei selber bemerkte es entweder nicht, oder ignorierte sie einfach.
Plötzlich wurde unser Unterricht durch das
Klingeln von drei Handys unterbrochen. Alle erstarrten und sahen uns
EVA-Piloten an. Asuka schien aufgeregt zu sein, als sie ans Telefon ging.
Überraschenderweise schien Rei unsicher zu sein. Sie blickte noch ein paar
Sekunden länger die Uhr an, bevor sie schließlich mit zitternden Fingern das
Gespräch annahm. Ich tat das Gleiche, was eigentlich unnötig war, denn ich
wusste auch so was los war. Eine laute Sirene bestätigte es bald. Ein Engel...
* * *
Kurz darauf wurden wir von der Schule
abgeholt und eilten auf dem schnellsten Weg ins NERV Hauptquartier, danach in
die Umklauderäume. Als wir im Aufzug fuhren, der uns zu den EVAs bringen würde,
konnte ich Asuka "Dieses Mal werde
ich ihn töten..." wie ein Mantra murmeln hören, als sie auf EVA-02 zulief.
Im Gegensatz zu Asuka trat Rei ruhig aus dem Aufzug, mit einem leicht
friedlichen Ausdruck auf ihren Zügen. Ich erstarrte, als ich versuchte einen
Schritt vorwärts zu tun. Aus irgendeinem Grund konnte ich das Gefühl von Furcht
nicht abschütteln. Etwas Schlimmes würde passieren. Ich konnte es spüren.
Vielleicht war ich auch nur durch die Erinnerung an die Erlebnisse des letzten
Gefechts verängstigt, aber dennoch... das Gefühl war vorhanden.
Rei kam zu mir und legte ihre bereits
behandschuhte Hand auf meine Schulter. Ich blickte sie an und sah einen
besorgten Blick in ihrem Gesicht.
"Ich kann nicht aufhören daran zu
denken das..."
"Mach dir keine Sorgen," sagte
sie und schnitt mir das Wort ab. "Sohryu und ich werden uns darum
kümmern."
Nun konnte ich die Entschlossenheit in
ihrem Gesicht sehen.
"Aber falls..."
"Dann zögere nicht. Was auch immer
passiert, bekämpfe unseren Feind. Du musst. Bitte.. pass auf dich
auf..."
Ihre Lippen strichen über die meinen. Dann
war sie fort.
'Was auch immer passiert... bekämpfe
unseren Feind.'
Diese Worte... Das klang so, als ob sie
bereits wusste, gegen was wir antreten würden. Rei... warum all diese
Geheimnisse?
* * *
"Ein Zwischenfall in Matsushiro?"
keuchte ich. "Aber.. Misato ist dort! Was...?"
"Der Kontakt wurde noch nicht
wiederhergestellt,"sagte Rei schlicht.
Mein Gott! Dann wussten wir nicht, ob...
Nein, darüber wollte ich nicht nachdenken. Misato ging es sicher gut.
"Also.. was..was sollen wir
tun?"
Asuka´s Bild erschien. Wie
selbstverständlich schien sie schon wieder verärgert zu sein.
"Warum winselst du hier herum? Wir
haben keine Zeit uns Sorgen zu machen!"
"Aber wir müssen uns dem Engel allein
stellen..."
Wir hatten uns immer auf Misato´s Befehle
verlassen. Ohne ihre Führung fühlte ich mich.. verloren. Als ob ich mit einer
Augenbinde gegen den Engel kämpfen müsste.
"Kommandant Ikari übernimmt jetzt
direkt das Kommando."
"Der Kommandant ist...?
Vater würde uns befehligen. Das
Angstgefühl von vorher kam stärker als jemals zuvor wieder zurück.
* * *
Im Innern der Zugangskapsel wartete ich
auf meine Befehle, nachdem wir alle Position bezogen hatten. Merkwürdigerweise
dass ich als letzter EVA eingeteilt wurde, den Engel abzufangen, es also
bedeutete, dass er erst an Einheit-02 als auch an Einheit-00 vorbei musste um
mich zu erreichen. Das war seltsam. Es war das erste Mal, dass ich als Nachhut
eingeteilt worden war.
Über die Kommunikationsanlage hörte ich
die Stimmen von Shigeru und Makoto.
"Das Ziel nähert sich."
"Alle Einheiten für einen Bodenkampf
bereithalten."
Ich musste nach Luft schnappen als ich das
Ziel auf dem Bildschrim sah. Es war unmöglich, den Umriss falsch einzuordnen.
Es war ein EVA...
"Was? Auf keinen Fall.. ein Engel? Du
meinst, dass ist ein Engel?"
"Korrekt. Das ist das Ziel." Ich
zuckte zusammen, als ich die Stimme meines Vaters hörte.
"Das Ziel? Aber.. es ist ein EVA,
oder?"
Konnte das der... der vierte Evangelion sein, von dem Kensuke gesprochen
hatte? Das würde den Zwischenfall in Matsushiro erklären...
"Gott
im Himmel! Ich kann es nicht
glauben! Wurde er von einem Engel übernommen?"
Asuka klang leicht ausser Fassung. Ich
konnte es ihr nicht zum Vorwurf machen, ich empfand genauso. Dann kam mir
plötzlich ein beunruhigender Gedanke.
"Wird er auch von einem Kind
gesteuert, wie die anderen Einheiten? Von jemandem in meinem Alter?"
"WAS?! brach es aus Asuka heraus
" Ihr denkt, er wird von jemandem gesteuert? Was zur.."
Ich hörte noch einen Schrei, kurz bevor
jede Verbindung zu ihrem EVA abbrach.
"Asuka? Asuka!"
Ich machte mir wirklich Sorgen.
"Die Evangelion Einheit-02 ist
vollständig verstummt," gab Makoto bekannt.
"Der Pilot ist ausgestiegen. Der
Bergungstrupp ist unterwegs."
Gott sei Dank! Es ging ihr gut!
"Das Ziel bewegt sich auf EVA-00
zu."
EVA-00...Rei...
Dieses Mal hörte ich die Stimme meines
Vaters über Funk.
"Rei, vermeide einen Nahkampf und
halte das Ziel auf."
"Hai." (*)
Ein paar Sekunden herrschte Schweigen.
Nichts. Dann hörte ich wieder meinen Vater.
"Rei. Schieß auf das Ziel."
"Ich...Ich kann nicht."
Was zum....? Rei verweigerte tatsächlich
einen von Vaters Befehlen?
"Rei!"
Über Funk hörte ich Rei schreien. Ich
empfand Furcht. Nicht auch noch Rei! Sillschweigend hoffte ich, dass sie in
Ordnung wäre.
'Mach dir keine Sorgen. Sohryu und ich
werden uns darum kümmern.'
Sie schien sich selbst sehr sicher zu
sein. Wahrscheinlich würde mit ihr alles in Ordnung sein.
Aber Asuka war so leicht besiegt worden...
Nach einiger Zeit hörte ich Maya´s Stimme.
"Mittlerer Schaden an EVA-00 und der
Pilot wurde verletzt."
"Rei!"
Mein Herz schlug wie verrückt. Rei war
verletzt. Ich biss die Zähne zusammen. Dieser gottverdammte Engel! Er würde
dafür bezahlen!
Aber...der Feind war genauso ein
Evangelion. Mein Zorn verging so schnell, wie er gekommen war.
"Das Ziel nähert sich," teilte
der Kommandant mit. "Kontakt in 20 Sekunden. Kümmere dich um ihn."
"Du bezeichnest es als Ziel, aber
ist da etwa kein Mensch drin?"
fragte ich, obwohl ich mir nicht sicher war, ob dies Frage an den Kommandanten
oder mich selbst gerichtet war. "Ein Kind in meinem Alter?"
Ich starrte den schwarzen Evangelion an,
als er näher und näher kam. Meine Finger waren bereit, den Abzug zu ziehen,
aber meine Hände hörten nicht auf zu zittern. Ich konnte es nicht. Ich konnte
nicht angreifen, ohne zu wissen, ob jemand darin war, oder nicht...
Plötzlich sprang er mich an. Die
Schnelligkeit seines Angriffs überraschte mich. Bevor ich wußte wie mir
geschah, lag mein EVA am Boden. Als mein EVA wieder aufstand, hatte ich einen
guten Ausblick auf den Rücken des anderen EVA´s. Dann sah ich es: eine weiße
Zugangskapsel, die dem Anschein nach in einer seltsamen bläulichen Substanz
festhing.
"Eine Zugangskapsel! Da ist jemand
drin!"
Der schwarze Evangelion war immer noch auf
allen Vieren am Boden, als sich plötzlich seine Arme unglaublich lang streckten
und den Hals von Einheit-01 umklammerten. Einheit-01 wurde in die Luft gehoben
und auf einen Hang geworfen. Dann drückte Einheit-03 zu.
Es war ein komisches Gefühl. Ich empfand
beinahe unerträgliche Schmerzen. Ich hatte Schwierigkeiten zu atmen. Und
trotzdem blieb ich irgendwie ruhig und starrte einfach den schwarzen EVA an.
"Shinji, warum kämpfst du
nicht?" fragte der Kommandant.
"Weil ich glaube das da ein Mensch
drin ist."
"Das ist ohne Bedeutung. Er ist ein
Engel. Unser Feind."
"Aber ich kann das nicht. Ich muss
den Piloten retten. Ich kann doch keinen Menschen töten!"
Wie konnte er nur erwarten, das ich jemand
anderen umbrachte? War für ein Monster war er nur?
"Dann wirst du sterben."
"Das kümmert mich nicht! Immer noch
besser, als jemanden zu töten!"
Plötzlich wurde alles dunkel. Der Schmerz
und der Druck auf meine Kehle hörte auf. Das konnte nur eines bedeuten: Man
hatte meine Verbindung mit dem EVA unterbrochen.
Ich fragte mich.. was würde wohl als
nächstes passieren?
Ich erschrack mich, als auf einmal rotes
Licht das Innere der Zugangskapsel durchflutete. Ein ungewohnter, summender Ton
schwang in der Luft, als wenn eine Motorturbine hochgefahren würde. Mein Kopf
fuhr herum zu dem Geräusch, als sich ein Computerterminal aktivierte. Ich
konnte jedoch nichts genaues erkennen.
"Was zum Teufel machst du,
Vater?!"
Ich wusste, dass ich mir geschworen hatte,
ihn nie wieder so zu nennen, aber in derartigen Situationen vergisst man solche
Details
Dann, zu meiner Überraschung, spürte ich
wie sich der Evangelion bewegte. Ich sah, wie er langsam die Arme hob und mit
seinen Händen den Nacken von EVA-03 packte, auf die selbe Weise wie er den von
EVA-01. Dann begann er zuzudrücken. Es war rasch offensichtlich das Einheit-03
den Kampf gegen Einheit-01 verlor. Dann brach plötzlich mit einem
ekelerregendem Geräusch das Genick von Einheit-03. Ich starrte entsetzt als ich
den Kopf von EVA-03 schlaff nach vorne
sinken sah und die Arme von EVA-01´s Hals abrutschten und lose an der Seite
baumelten, wie bei einer leblosen, kaputten Puppe.
Ich hatte nur einen Gedanken. Der Pilot!
Ich hatte den Schmerz gespürt, als Einheit-03 mit beiden Händen den Hals von
Einheit-01 zugedrückte hatte, was war dann mit dem Piloten passiert.. ist er...
mein Gott! Nein!
Doch der Horror fing gerade erst an. Ein
paar Sekunden lang drückte Einheit-01 noch fester gegen den Hals von
Einheit-04, dann warf er sich selbst herum und schmetterte Einheit-03 hart zu
Boden. Wütend schlug der schwarze Evangelion mit der Faust auf den Kopf von
EVA-03 ein. Er explodierte sprichwörtlich in einem wahren Regen aus rotem Blut,
Metall und Knochen.
Zähne flogen in die eine
Richtung ein Auge in die andere. Ich war wie gelähmt und konnte... nur zusehen.
Ich weiss nicht wie ich es geschafft hatte das mir bei diesem Anblick nicht
überl wurde. Ein einziger Gedanke wiederholte sich endlos, immer wieder und
wieder in meinem Kopf : "Der Pilot! Wir töten den Piloten!"
Ich reagierte erst als Einheit-01 begann,
ihn völlig zu zerfetzen. Der Blutschauer schien endlos zu sein. Arme wurden
durch rohe Gewalt ausgerissen und davongeschleudert. Die Faust von EVA-01
schlug ohne Unterlaß auf die Brust des anderen EVA´s nachdem der Brustpanzer
gewaltsam herausgerissen wurde,
zerschmetterte jedes Organ, bedeckte alles mit Blut. Ich zog mit all
meiner Kraft an den Kontrollen um den EVA aufzuhalten, aber ohne Erfolg.
"Hör auf! Vater, nein! Bitte hör
damit auf!"
Keine Antwort. Der Evangelion schlug zu
und schlug zu und schlug zu... wie eine Bestie, hungrig nach Blut und
Zerstörung.
"Verdammt! Halt an! Halt an! Halt an!
HALT AN!..."
Zu diesem Zeitpunkt weinte ich bereits.
Ich war hilflos und weinte.
Plötzlich hörte ich keine Schläge mehr,
von EVA-01. Mit einem Funken Hoffnung hob ich den Kopf. Doch schon bald wurde
die Hoffnung zu blanker Verzweiflung. EVA-01 hielt die Zugangskapsel des
anderen EVA´s in der geballten Faust. Der weisse zylinderförmige Körper zitterte
unter dem Druck der Finger von EVA.
"Ahhh! Hör auf damit! Mach, dass es
aufhört! NEEEEEIIN!"
Die riesige Hand schloß sich. LCL tropfte
aus der nun zerquetschten Kapsel.
Ich schrie vor Entsetzen. Falls jemals
irgendeine Art von Hoffnung bestanden hatte, war sie nun verschwunden. Der
Pilot war tot. Ich... Ich.. Ich hatte ein menschliches Wesen umgebracht... Ich
war ein Mörder. Diese Hände. Die Hände meines EVA´s. Meine Unfähigkeit die
Bestie zum Stillstand zu bringen...
Ich brach wieder in Tränen aus.
* * *
"Shinji..."
Misato´s Stimme. Sie holte
mich aus meinem betäubten Zustand. Ich weinte immer noch, und mein Verstand
verweigerte den Dienst. Ich konnte nicht daran... denn wenn ich... mein Gott!
Was hatte ich getan?!
"Misato-san... es geht dir
gut..."
Ein Teil von mir war erleichtert. Nur ein
winziger Teil. Der andere wurde immer noch von dem heimgesucht, was gerade
geschehen war.
"Es.. es tut mir leid. Ich.. ich hätte
dir etwas Wichtiges sagen müssen, aber..."
Sie hörte sich schwach an. Und aufrichtig
traurig. Aber ich nahm es kaum wahr.
"Misato-san, Ich habe.. jemanden..
Ich habe... getötet.. mein Vater... Ich flehte ihn an, es nicht zu..."
"Shinji, es tut mir leid. Es tut mir
so leid..."
Über den Funk hörte ich Maya´s Stimme.
"Berichterstattung des Bergungstrupps
der Zugangskapsel. Überleben des Piloten bestätigt!"
Die Worte trafen mich wie ein
Hammerschlag. Am Leben! Hoffnungsvoll hob ich meinen Kopf. Er lebte! Also hatte
ich den Piloten nicht umgebracht!
"Er lebt?!"
Über den Funkkanal fuhr Misato mit der
Sache fort die ihr scheinbar nur schwer über die Lippen kam.
"Der Pilot von EVA-03 ist.. das 4th
Children ist...
Ich blickte auf das verzerrte Bild der
Zugangskapsel herab. Tatsächlich. Irgendetwas schien daraus geborgen zu werden.
Ich vergrößerte das Bild in einem Fenster. Mein Herz setzte aus...
Ein Junge... ein Junge in einem schwarzen
Plugsuit... ein Junge, den ich gut kannte...
"Touji?"
Ich glaube das Misato anfing meinen Namen zu rufen, wieder und wieder. Ich bin
mir nicht sicher.
Ich starrte auf den Jungen. Er sah
verletzt aus. Und der Inhalt der Zugangskapsel. Er war rot. Nicht gelb, so wie
das LCL. Rot wie Blut.
Touji...Touji!
Ich schrie. Dann wurde mir schwarz vor
Augen.
* * *
Warum? Warum Touji? Warum musste er das
erleiden. Das war die Frage, die ich mir immer wieder stellte. Ich versuchte
sogar Vater danach zu fragen, doch er verweigerte mir die Antwort. Sogar als
ich damit drohte, das Hauptquartier zu zerstören, setzte er mich einfach ausser
Gefecht, indem er den Kabinendruck erhöhte. Das war seine einzige Antwort. Ich
wachte in der Krankenstation auf und wurde danach zu einer Zelle geführt. Dort
blieb ich eine Weile dann eskortierte man mich zum Büro meines Vaters. Nein.
Ich berichtigte mich selbst im Geiste: Zum Büro des Kommandanten. Mein Vater war
schon vor langer Zeit gestorben...
Ich bedauerte die Tatsache, dass meine
Hände hinter meinem Rücken mit Handschellen gefesselt waren. Als ich ihn ansah,
hätte ich gern diese Hände um seine Kehle gelegt, sowie er die Hände meines
EVA´s dazu gezwungen hatte die von Touji zu zerquetschen. Es würde
bedeutungslos sein. Ich war nahe dran gewesen, Touji zu töten. Wer weiss,
vielleicht ist er im Krankenhaus schon gestorben. Also, was sollte ein weiterer
Mord schon ausmachen? Aber es wäre nicht einmal ein echter Mord. Schließlich
war er letztendlich mehr ein Monster als ein wirklich menschliches Wesen.
Der Kommandant begann zu sprechen.
"Befehlsverweigerung. Mißbrauch eines
EVA´s für persönliche Zwecke, plumpe Einschüchterungsversuche. All das sind kriminelle
Handlungen. Gibt es irgendetwas was du dazu sagen willst?"
Oh, es gab eine Menge was ich sagen
wollte. Ein Menge. Endlose Beleidigungen kamen mir in den Sinn, ein paar sogar
in Deutsch, dank Asuka´s Einfluß. Aber ich schwieg. Es wäre nur vergebliche
Liebesmüh gewesen. Der Mann scherte sich nicht darum. Es kümmerte ihn gar
nichts.
"Ich werde EVA nie wieder
steuern."
"In Ordnung. Geh."
Ich nickte. Dann, entgegen besserem Wissen
stellte ich die Frage, die mich quälte, seit ich die zerquetschte Zugangskapsel
gesehen hatte.
"Warum er?"
Die Antwort des Kommandanten überraschte
mich.
"Weil es zweckdienlich war."
Dieser Hurensohn! Falls Blicke töten
könnten, hätte ich ihn schon tausen Tode sterben lassen. Ohne auf ein Zeichen
des Sicherheitspersonals zu warten drehte ich mich um und ging.
"Du läufst wieder davon. Du
enttäuschst mich. Ich gehe davon aus, dass das unsere letzte Begegnung
war."
"Zu deinem eigenen Besten hoffe ich
das, "sagte ich , und war überrascht darüber wie ernst es mir war.
Ikari Gendo... wie sehr ich mir wünschte
dich tot zu sehen.
* * *
Ich lag auf meinem Bett in Misato´s
Wohnung und starrte an die Decke. Was nun? Was konnte ich tun? Was würde
passieren? Wenn ich EVA nicht mehr steuerte, dann war ich hier nicht mehr von
Nutzen. Ich arbeitete nicht mehr für NERV. Ich war mir nicht sicher, ob man mir
erlauben würde, noch länger hier oder bei Rei zu wohnen. Ich war mir auch nicht
sicher, ob ich dort bleiben wollte. Der Ort erinnerte mich zu sehr an NERV..
die EVAs... Touji...
Touji... Misato hatte mir erzählt, dass er
gerettet worden sei und sogar das Bewusstsein wiedererlangt habe. Doch er ist
schwer verletzt worden. Sein linker Arm und das Bein...(3) sie waren zu schwer
verletzt.. sie mussten.. nein! Verflucht! Verflucht nochmal! NEIN! Ich fühlte
wie die Tränen wieder an meinen Wangen hinunterliefen. Es war nicht fair! Nicht
fair! Touji hatte soetwas nicht verdient. Ich wünschte mir das ich zu denken
aufhören könnte. Aber ich konnte nicht. Stattdessen wirbelten Bilder und
Erinnerungen vor meinem geistigen Auge umher.
Ich sah Touji wie er mich wild anblickte,
weil ich seine Schwester verletzt hatte.
Die Faust von EVA-01, die den schwarzen
Schädel einschlägt.
Dann war da Touji, der mich aufforderte
ihn zu schlagen.
Die Blutfontäne aus dem abgerissenen Bein
welche einen grauenerregenden roten Bogen an ein Gebäude malt.
Touji, der mich aufzieht, weil ich Rei in
ihrem Badeanzug betrachte.
EVA-03, das letzte Zittern, als sein
Genick brach.
Wie ihm das Blut ihn den Kopf schießt, als
Hikari ihm schüchtern ihre Valentinstagschokolade überreicht.
Das Blut, das haltlos aus dem Halsansatz
von Einheit-03 spritzt als es versucht, den abgetrennten Kopf mit Blut zu
versorgen.
Mein bester Freund der Misato nachlechzt,
wenn sie eine Akte vom Boden aufhebt.
Innenteile, wie Eingeweide, achtlos über
eine Verkehrsampel geworfen. Eine Flüssigkeit tropft von ihnen hinunter auf die
Straße, färbt den Boden rot.
Touji, der mich freundlich anlächelte.
Zerbrochene Knochen, Metallteile,
zerfetztes, blutrotes Fleisch; die Überreste von
EVA-03.
Ein Klopfen an der Tür unterbrach meinen
Gedankengang. Ich ignorierte es. Ich wollte niemanden sehen. Fast lautlos glitt
die Tür auf.
Aus dem Augenwinkel heraus sah ich das sie
es war. Rei...
"Shinji."
Ihre Stimme klang wie immer, aber ich
wusste, dass sich unsicher war. Gut. Sie hatte allen Grund dazu.
"Warum?" fragte ich. "Du
wusstest es, oder nicht? Warum hast du es mir nicht gesagt?"
"Es hätte nichts daran geändert. Du
hast alles in deiner Macht stehende getan um ihn zu beschützen. Auch wenn du
gewußt hättest wer der Pilot war, hätte das nichts an dem Ausgang
geändert."
Ich setzte mich auf und
funkelte sie wütend an.
"Das habe ich nicht
gemeint! Du hast es schon vorher gewußt, nicht wahr? Du wußtest es als Hikari
an diesem Morgen zu mir kam, nicht wahr?"
"Ja."
"Seit wann?"
"Seit Montag. Seit
er als das Fourth Children ausgewählt wurde."
Ich fühlte wie mein Zorn
wuchs. Ich ballte meine Hände zu Fäusten.
"Warum?! Warum hast
du es mir nicht gesagt, verdammtnochmal?!"
"Du hättest dir nur
Sorgen gemacht. Ich... ich wollte nicht das du dir das auch noch
auflädst."
Ich sprang auf und ohne nachzudenken, packte
ihre Schultern so fest ich konnte und schmetterte sie hart gegen die Wand.
Obwohl sie nicht darauf reagiert hatte, zeigten die Tränen die aus ihren Augen
liefen, das es schmerzhaft gewesen sein mußte. Aber es war mir egal. Ich war
mir gar nicht im klaren darüber was ich gerade eben getan hatte.
"Verdammt nochmal, Rei! Du hättest es
mir sagen sollen! Ich.. ich hätte ihn vielleicht überzeugen können EVA nicht zu
steuern! Touji.. Touji wusste es... er wusste, wieviele Schmerzen EVA bereiten
kann... er hätte es verstanden... du... du Heuchlerin! Du bist nicht besser,
als Asuka! Obwohl du gesagt hast das du mir nicht wehtun würdest, hast du
dieses Geheimnis für dich behalten. Du bist nicht besser als sie!"
"E..Es tut mir leid..."
flüsterte Rei mit Tränen in den Augen, wohl immer noch ein bisschen benommen
von dem Aufprall gegen die Wand.
"Das ändert gar nichts!" brüllte
ich. Rei schien vor Furcht zu zittern.
"Auch wenn ich es gewollt
hätte..."versuchte Rei zu erklären, "Kommandant.. Kommandant Ikari..
hat mir befohlen... es dir nicht zu sagen..."
Vater! Allein die Erwähnung seines Namens
steigerte meinen Zorn in maßlose...
"Ich gebe einen Dreck auf die Befehle
von diesem Bastard! Er ist nicht Gott! Von mir aus kann er zur Hölle fahren!
Wird es immer so bleiben? Wirst du ihn mir gegenüber immer vorziehen?"
Verwirrheit und Schmerz zeigten sich auf
dem Gesicht des Mädchens als sie versuchte zu antworten.
"Ich.. Ich.."
"Ist er dir wichtiger als ich es bin?
Sag es doch, du liebst mich nicht wirklich, oder?"
"Nein!"brach es mit einem
ersticktem Schrei aus ihr heraus. Tränen liefen ungehindert ihre satinweisse
Haut hinab. Ich scherte mich nicht darum.
"Dann... warum hast du es mir nicht
erzählt? WARUM?"
"Er hätte... seine Meinung nicht
geändert. Seine Schwester.. NERV versprach ihm, sich um seine Schwester zu
kümmern..."
Seine Schwester... Er tat es für seine
Schwester...
Mit einem Mal fühlte ich mich schwach. Ich
wäre warhscheinlich zu Boden gefallen, wenn mich Rei nicht aufgefangen hätte.
Sie schleppte mich zurück zu meinem Bett.
Meine Schuld. Es war alles meine Schuld.
"Es ist meine Schuld... Ich habe
versagt, bei dem Versuch den Evangelion unter Kontrolle zu bringen... Vater...
meine Hände... er benutzte mich um Touji zu verletzen. Und jetzt... sagst du
mir, dass er nur wegen seiner Schwester Pilot wurde? Es.. es ist alles meine
Schuld! Wenn ich seine Schwester nicht verletzt hätte, wäre all das nicht
passiert! Touji wäre nie Pilot geworden! ES IST ALLES MEINE SCHULD!"
Rei nahm mich in ihre Arme. Aber zum
allerersten Mal brachte es mir keine
Erleichterung.
"Es ist nicht deine Schuld.
Suzuhara´s Schwester wurde verletzt, weil sie nicht die Schutzräume aufgesucht
hatte und weil dein Evangelion Amok lief. Du hattest keine Kontrolle darüber.
Genausowenig lag es in deiner Macht Einheit-01 davon abzuhalten, den
dreizehnten Engel zu zerstören. Es ist nicht deine Schuld..."
Ich befreite mich aus Rei´s Umarmung und
stand auf.
"Du verstehst es nicht, oder? Es ist
meine Schuld! Wenn ich anders gehandelt hätte... Wenn ich willens gewesen wäre
gegen den dreizehnten Engel zu kämpfen anstatt vor Angst starrzustehen... wenn
ich versucht hätte Einheit-03 aufzuhalten, vielleicht sogar die Zugangskapsel
herauszuziehen..."
Rei schüttelte ihren Kopf.
"Das konntest du nicht. EVA-03 war zu
schnell dazu. Du hättest dich wehren müssen.. was zum gleichen Resultat geführt
hätte."
"Das kannst du nicht wissen!"
Für einen Moment senkte Rei den Kopf, dann
hob sie ihn wieder. Ich konnte Angst in ihren Augen sehen. Sie zitterte am
ganzen Körper. Sie versuchte zu sprechen und wäre beinahe daran gescheitert,
doch gelang es ihr, ein paar Wörter hervorzubringen.
"Wenn... Falls du unbedingt jemandem
die Schuld geben musst... dann mir..."
Ich sah sie verwirrt. Was versuchte sie
mir zu sagen?
"Was meinst du damit?"
Unfähig mich anzusehen, senkte sie nur den
Kopf.
"Antworte!" schrie ich sie an,
als ich wieder ihre Schultern packte und sie schüttelte.
"Die Daten.. die Daten von dem System
das die Kontrolle übernommen hat... das Dummy Plug System... sie... sie stammen
von mir... also war es... letztendlich Ich selbst... die gegen EVA-03 gekämpft
hat..."
"Du?"
Dieser Mörderinstinkt... dieser Hunger
nach Blut und Zerstörung... Rei?
Der Gedanke daran... ich konnte es nicht
fassen. Ich verließ den Raum, ich konnte sie nicht mehr ansehen. Ich war dabei
die Wohnung zu verlassen, vor Rei davonzulaufen, doch als ich die Tür öffnete
wäre ich um ein Haar mit Hikari zusammengestoßen. Ich starrte sie ungläubig an.
"Ikari-kun!"
Dann brach sie in Tränen aus.
"Ikari! Sie... sie wollen mir nichts
sagen! Von seinem Vater weiss ich, dass Touji während der letzten Engelattacke
verwundet wurde, aber niemand weiss mehr als das darüber! Er ist nicht einmal
im Krankenhaus! I..ich mache mir solche Sorgen..."
Ihre Worte ließen mich erstarren. Ich sah
sie an. Die Angst und der Schmerz in ihren Augen... die Tränen... Dann, bevor
ich wusste was vor sich ging, lag sie in meinen Armen und weinte gegen meine
Schulter. Das gab mir den Rest. Ich handelte ohne nachzudenken. Ich stieß sie
beiseite als wäre sie ein Monstrum. Dann lief ich. Ich lief davon.
Ich konnte ihr nicht gegenübertreten.
Nicht ihr. Ohne dass sie wusste, dass ich Touji verletzt hatte. Das ich
versuchte hatte, ihn zu töten. Dass er wegen mir nie wieder wie ein normaler
Mann gehen würde. Ich hatte beinahe den Mann getötet.. den sie liebte.
Ich rannte, ohne zu wissen wohin.
* * *
Ich stand auf einem kleinen Hügel
ausserhalb Tokyo-3 und blickte hinunter auf die Stadt. Diese verfluchte Stadt.
Wegen ihr mußten meine Freunde leiden. Ich wollte damit nichts zu tun haben.
Aber... verschwinden wollte ich auch nicht.. Ich.. Ich konnte nirgends sonst
hin. Und zu gehen würde bedeuten nie wieder Rei oder Asuka sehen zu können.
Rei... wollte ich sie wirklich
wiedersehen?
'Wenn... Falls du unbedingt jemandem die
Schuld geben musst... dann mir...'
Ich... Ich konnte es einfach nicht. So
sehr ich es versuchte, ich konnte nicht. Es... war... Die Verantwortung lag bei
mir und ich musste sie tragen.
"Irgendetwas bedrückt dich,
oder?"
Erschrocken drehte ich mich um und sah ein
Mädchen in meinem Alter mit einem warmen Lächeln im Gesicht. Sie trug ein
weisses Sommerkleid und ihr schulterlanges weißlich-graues Haar wehte im Wind.
Ich war überrascht, wie bleich ihre Haut war und die Farbe ihrer Augen...
Dunkelrot. Konnte dieses Mädchen mit Rei verwandt sein? Ich hatte sie nie zuvor
gesehen. Ich verwarf die Idee wieder. So weit ich wusste, hatte Rei keine
Familie. Wahrscheinlich war die Übereinstimmung nur zufällig, einfach jemand,
der hier vorbeikam. Ich hatte nicht das Verlangen mit jemandem zu sprechen und
so versuchte ich, sie zu ignorieren.
"Es muss schwer für dich sein, zu
wissen dass du nichts hättest tun können um deinen Freund zu retten. Das Herz
der Menschen ist in dieser Beziehung sehr zerbrechlich."
Ich keuchte, drehte mich um und wandte ihr
das Gesicht zu.
"Wie.. woher weisst du das?"
"Ich weiss es einfach."
Das Mädchen schien im Begriff zu sein zu
gehen, als sie wieder zu sprechen begann.
"EVA zu steuern kann nur Leid
bringen. Das Forth Children war nur das erste Opfer . Die First oder die Second
könnten die Nächsten sein. Du solltest gehen, solange noch Zeit ist. Ansonsten
wirt du zerstört zusammen mit denen die du liebst. Es wäre wirklich eine
Schande."
Wer war dieses Mädchen? Was meinte sie
damit? Glaubte sie, dass Rei und Asuka wegen mir verletzt werden würden? War
das möglich? Und falls es so war, wie konnte sie das wissen?
"Wer bist du?"
Das Mädchen ging einfach fort. Ich dachte
schon, dass sie mir nicht antworten würde, als ich wieder ihre Stimme hörte.
Nur schwach allerdings, wegen der Entfernung, aber trotzdem, ich konnte sie
verstehen.
"Nenn mich Kaoru... Nagisa
Kaoru." (4)
(Fortsetzung folgt...)
Nächstes Mal:
Kapitel 7 - Das Erwachen
Omake:
- Szene 1 -
Natürlich verlor mein Verstand gegen meine
Hormone und so hob ich den Kopf. Wie ich vermutet hatte, war tatsächlich jemand
im See. Ein braunhaariges Mädchen. Hikari, wie ich annahm, da sie das einzige
Mädchen mit braunen Haaren hier in dieser Gegend war. Da ihr Gesicht immer noch
abgewandt war, hatte sie noch nicht bemerkt, dass ich ihren nackten Rücken
anstarrte. Aber dank dem Glück, das ich in diesem letzten paar Wochen gehabt
hatte, musste sie sich natürlich herumdrehen, bevor ich mich entscheiden
konnte, dasselbe zu tun und zu verschwinden.
Ich starrte, schrecklich schockiert.
Einen Moment lang war ich mir nicht
sicher, ob ich nun überrascht, oder angeekelt sein sollte. Der Gedanke daran,
dass ich sie süß gefunden hatte... Mein Verstand entschloss sich, das Dilemma
auf bequeme Weise zu lösen.
Ich fiel in Ohnmacht.
"Sie ist ein Junge..." murmelte
ich bevor ich wegkippte.
Armer Touji. Falls er herausfand, dass er
von einem Kerl .... .
- Szene 2 -
Shinji hatte sich selbst in den Schlaf
geweint. Sanft streichelte Rei sein Haar. Dies schien wahre Wunder zu wirken,
da sich das Gesicht des Jungen unverzüglich entspannte. Rei wusste zwar nicht,
was genau vorgefallen war, aber dank einfacher Logik nahm sie an, dass es etwas
mit dem Camping Ausflug zu tun hatte, also mit Asuka. Sie spürte ein seltsames
Gefühl, etwas mit dem sie noch nicht vertraut war. Wut. Sie verspürte Wut auf
das Mädchen, dass ihrem Shinji auf solche Weise wehtun konnte.
"Sohryu."
Nur den Namen zu flüstern brachte eine
bitteren Geschmack in ihren Mund.
Als der Junge leicht zu schnarchen begann,
sah sie sich um. Sie würde das Zimmer aufräumen müssen. Es würde nicht lange
dauern, aber sie war erleichtert, den Jungen in Ruhe lassen zu können. Dann kam
ihr ein Gedanke. Eine Chance. Sie lächelte. Wäre er wach gewesen, Shinji wäre
vor einem solche bösen Lächeln sicherlich erschrocken.
Als sie den Jungen in ihr Zimmer
schleifte, war Ayanami überrascht zu sehen, dass der Junge nicht davon wach
wurde. Er schlief so geräuschvoll... Ihr Grinsen wurde noch breiter. Der Knabe
reagierte weder, als sie ihn auf das Bett hob, noch als sie seine Kleidung
entfernte. Sie hörte beim letzten Kleidungsstück auf. Ihre Hände zitterten. Sie
war sich nicht sicher, ob sie sollte... Aber die Neugier war zu groß. Sie
entfernte es. Ihre Augen wurden groß. Eine bleiche Hand flog vor ihren Mund und
bedeckte den unteren Teil des Gesichts. Einen langen Augenblick lang herrschte
Stille in dem kleinen Raum. Dann, trotz all ihrer Selbstbeherrschung, schlüpfte
ein kleines Geräusch durch ihre Finger.
Ein ersticktes Kichern.
Bevor sie wusste wie ihr geschah, lachte
sie auch schon laut auf, biß sich auf die Finger beim Versuch sich nicht von
Heiterkeit übermannen zu lassen. Sie konnte nichts dagegen tun. Sie wusste,
dass es gemein war... aber sie musste lachen... Sie hatte Schwierigkeiten zu
verstehen, warum. Aus irgendeinem Grund war sie ein wenig enttäuscht, was aber
bei weitem nicht so stark wog wie ihre Vergnügtheit.
Schließlich kam sie zur Ruhe, bis auf ein
leises Lachen und wischte sich ein paar Tränen weg. Und während sie seufzte, so
also ob sie erschöpft wäre , murmelte sie leise vor sich hin, "Was für ein
Pech... wie der Vater, so der Sohn."
Irgendwo im NERV Hauptquartier hätte ihr
eine bestimmte blonde Wissenschaftlerin wohl Recht gegeben.
- Szene 3 -
Der schwarze Evangelion war immer noch
auf allen Vieren am Boden, als sich urplötzlich seine Arme unglaublich
streckten und den Hals von Einheit-01 umklammerten.
EVA-01 wurde erst hochgehoben und dann auf
den Hügel geschmettert. Unfassbar schnell zog Einheit-03 das Gesicht von EVA-01
zu sich heran und öffnete sein knurrendes Maul.
"Shinji!" sagte der schwarze
Koloss. "Stimmt es, dass du meine Hikari nackt gesehen hast?!"
Als er dass hörte, begann EVA-01, der
Stolz von NERV und die einzige Hoffnung der Menschheit, nervös zu schwitzen.
Anmerkung des Autors:
(1) Das ist nur ein
kleiner Cameoauftritt, dahinter steckt kein Geheimnis. Manche von euch haben
vielleicht die kurz beschriebene Hotaru als Tomoe Hotaru wiedererkannt. Ich dachte daran, stattdessen
Mizuno Ami zu verwenden, aber die Hotaru "noch vor Chibi-Usa" schien
mir angemessener zu sein.
(2) Inspiriert von einer
Szene aus DANN 2. Ich konnte es nicht lassen diese kleine Anekdote einzufügen,
die Shinji´s gegenwärtige und zukünftigen Beziehungen mit den weiblichen
Charakteren von NGE beschreibt (He Leute! Hört auf zu sabbern, das ist es nicht
was ich mit "Beziehungen" gemeint habe, ihr Perversen! - Ich wußte
das ich diese Lime-Szene in Teil 1 nicht hätte einfügen sollen...)
Nein, in Teil 1 sind
Touji und Hikar nicht so weit gegangen wie Shinji sich vorgestellt hatte,
obwohl es ganz knapp dran war. Mir gefällt der Gedanke das sie mehr als eine
Nacht brauchen um so weit zu kommen besser. Außerdem, wie Hikari bereits gesagt
hatte, ist Touji trotz seiner rauen Schale, ein netter, sich sorgender Junge.
Wahscheinlich genug um nicht zu riskieren Hikari zu schwängern. Wie auch immer,
das änderte sich, wie von Hikari angedeutet, kurz vor dem Aktiviertungstest von
EVA-03. Touji folgte wohl seinem eigenen Rat: "Egal welche Entscheidung du
triffst, warte nicht zu lange damit. Weil wenn du es tust, wird vielleicht
etwas passieren das du bereuen wirst."
Was mit Shinji und Rei
ist fragt ihr? Das ist ein Geheimnis.
Ihr werdet später erfahren ob sie den eingeschlagenen Weg zu Ende gehen
oder nicht...
EVA-03 und das Fourth Children. Warum schienen Shinji und Asuka nichts davon
gewußt zu haben? Nun, Shinji hatte sich selbst für mehrere Tage isoliert und
Misato ist ihm aus dem Weg gegangen, also hat er nie davon erfahren. Was Asuka
betrifft, in der Serie hatte sie davon erfahren als sie versuchte Kaji´s Aufmerksamkeit
zu erringen. Wie auch immer, ihre Gedanken sind jetzt bei Shinji. Also ist sie
nie zu Kaji gegangen um ihn zu sehen und hat deshalb auch nichts von dem Fourth
Children erfahren.
(3) Ich weiß das dies ein
strittiger Punkt ist, aber ganz egal wie oft ich mir diese Szene ansehe, kann
ich immer nur zu einem Ergebnis kommen: der linke Arm ist nicht mehr da.
Unglücklicherweise bekommen wir Touji später nicht mehr zu sehen, es sei denn
wenn sie wieder etwas zu den zahllosen Fassungen wie "Death/Rebirth"
und "End of Evangelion" hinzufügen. Also beschloß ich einfach dem
üblichen Trend zu folgen und habe den Arm weggelassen. Es hat etwas
dramatischeres.
(4) Kaoru... einigen von
euch wird es wahrscheilich ein wenig missfallen das ich ein Mädchen aus ihm gemacht
habe. Da gibt es nichts was ich dagegen tun kann. Während ich immer noch den
Nagisa Kaoru hätte benutzen können den wir alle kennen, fand ich das ein
weiblicher Kaoru mir mehr Möglichkeiten gab meiner kleinen Dreiecksgeschichte
mehr Würze zu verleihen.
Nur um sicherzugehen das
es auch jeder versteht, es ist immer noch Nagisa. Die Herkunft, seine/ihre
Motivationen und seine/ihre Gefühle werden im Grunde die selben bleiben, obwohl
ich vielleicht ein wenig improvisieren muß: wir haben in der Serie Nagisa nicht
allzu oft gesehen und das macht eine volle Analyse des Charakters etwas
schwierig.
Die Idee eines weiblichen
Kaoru kam mir als ich NGE Homepages besucht habe. In einer davon entdeckte ich
das Kaworu entweder als "Kaworu" oder als "Kaoru"
buchstabiert werden konnte. Es fühlte sich für mich etwas seltsam an (ich hatte
es immer "Kaworu" buchstabiert), weil ich das irgendwie mit Kamiya
Kaoru (ich bin ein großer Rurouni Kenshin Fan) in Verbindung brachte. Also, hier war ich, sah Kaour auf meinem RK
Poster an, grübelte über die Verwendung des Namens für Männer und Frauen nach
als mir ein Geisteblitz kam: warum mache ich aus diesem grauharrigen
Bishonentrottel (Entschuldigung an alle Kaworu Fans - Ich habe das wirklich
nicht so gemeint) eigentlich kein Mädchen? Das Potential war groß, vor allem
wegen der Möglickeit das es wirklich eine (Liebes?) Beziehung zwischen Shinji
und Kaoru gibt. Und es ist originell.
Anfangs hatte ich geplant
Mana aus dem NGE-Game "Girlfriend of Steel" als graphisches Vorbild
zu nehmen. Nachdem ich einige Tage darüber nachgedacht hatte, entschloß ich
mich schließlich dagegen. Während es ziemlich komfortabel gewäsen wäre Mana zu
benutzen, wären eine Menge Leute die den Charakter kennen wohl entweder
verwirrt oder nicht richtig glücklich mit dieser Änderung gewesen. So
eigensinnig bin ich nun doch nicht. Also während ich aus Nagisa ein Mädchen
machte, änderte ich das äußere Erscheinungsbild auf eine mehr herkömmliche
Weise.
Mir wurde gesagt das Rei
ziemlich OOC (out of character) war. Ich bin nicht sonderlich überrascht
darüber. Wie auch immer, merkt auch die Zusammenhänge. Seit mehr als eineinhalb
Monaten hat Rein nun gelernt Gefühle zu erfahren, sie zu erkennen und sie
auszudrücken. Also glaube ich das es nur natürlich ist wenn sie jetzt
"lebendiger" als anfangs ist. Bislang, ihr werdet das bis jetzt
sicherlich bemerkt haben, scheint sie diese Gefühle nur drei Personen gegenüber
auszudrücken: Ikari Shinji (ihre große Liebe), Asuka Langley (ihre Rivalin -
Quelle von solchen Emotionen wie Wut, Eifersucht und Haß) und Tomoe Hotaru
(ihre Freundin - um zu zeigen das Rei mehr in ihrem Leben finden kann als nur
Shinji; Hotaru´s Einsamkeit, vergleichbar mit der die sie ohne Shinji gefühlt
hatte, war was sie angezogen hatte). Andere behandelt Rei mehr oder weniger wie
die alte Rei es getan hatte. Zwischen ihr und Misato hatte sich kein Band
entwickelt wie es bei Shinji und Asuka der Fall war. Wenn sie Hikari
"Unterstützung" gewährt, dann hauptsächlich um sie zu beruhigen, so
das Shinji sich keine Sorgen um seinen Freund machen würde. Sie kommunizierte
immer noch nicht sehr viel mit ihrer Klasse. Tatsache ist, das im Grund
genommen immer noch Shinji der Mittelpunkt in ihrem Leben ist. Wenn sie Gefühle
ausdrückt, dann ist es hauptsächlich wegen ihm (Hotaru ist die Ausnahme).
Einige werden bemerkt
haben das ich ein "Assistiert von" an den Anfang diese Kapitels
gestellt habe. Darren bot mir selbstlos seine Hilfe an ein paar Szenen zu
kommentieren und für mich zu schreiben. Denkt ihr das ihr sie finden könnt?
Danke Darren! Vielen
herzlichen Dank!
---
Randbemerkungen zur
Übersetzung:
Inchou: Vielleicht seid
ihr eher Touji´s 'Klassensprecher' gewohnt. Ich bin mir nicht sicher, wie man
es genau übersetzt, aber der Begriff wurde so von ADV benutzt.
Hai: Ja
Alain Gravel
rakna@globetrotter.qc.ca
18. Juli 1999