Neon Genesis Evangelion: Meine Liebe gilt...
Kapitel 7 - Das Erwachen
Geschrieben von Alain Gravel
<rakna@globetrotter.qc.ca>
Unterstützt von Darren Demaine <ddemaine@ualberta.ca>
Übersetzt von Franz Xaver Benedikt <Genesis_00@gmx.de>
http://www.geocities.com/Tokyo/Teahouse/2236/
Teil 1 - Die Entscheidung eines Mannes/Ich werde nicht mehr weglaufen
Das Bett war gemütlich, aber ich
schaffte es kaum, überhaupt zu schlafen. Ich hatte den grössten Teil der Nacht
damit verbracht, an diese neue, fremde Decke zu starren. Ich bin sicher ich
hätte auch woanders als in einem Hotelzimmer übernachten können. Ich hätte Kaji
oder Kensuke fragen können, ob sie mich über Nacht aufnehmen würden. Misato
hatte sich darauf eingestellt mich bis morgen in meinem alten Zimmer schlafen
zu lassen. Aber ich wollte keinen von ihnen um Hilfe bitten. Ich gehörte nicht
mehr zu ihnen.
Die zwei Stunden, die ich
schlief, waren alles Andere als erholsam. In meinen Träumen sah ich immer
wieder das, was bei den Leuten bereits als der "Einheit-03-Unfall"
die Runde machte. Allerdings gab es einen kleinen, aber beängstigenden
Unterschied: in meinen Träumen wurde nicht Einheit-03 von meinem EVA
zerfleischt. Sondern ein riesenhafter Touji (niemand hat je gesagt, dass Träume
einen Sinn ergeben müssen). Schreiend und schweißgebadet wachte ich auf. Und
mit mir wahrscheinlich auch die Leute in den umliegenden Zimmern.
Während mein Schlaf durch
Alpträume gestört wurde, quälten mich die Worte dieses rätselhaften,
grauhaarigen Mädchens in meinen wachen Stunden.
'Das Steuern von EVA kann dir
nichts anderes als Schmerz bringen. Der Fourth war nur der Erste, der verletzt
wurde. Die First oder Second könnten die Nächsten sein. Du solltest gehen,
solange noch Zeit ist. Sonst wirst du mit denen die du liebst vernichtet.'
Ich wusste nicht, wer das
Mädchen war. Vielleicht war sie nur eine einfache Passantin. Trotzdem... Ich
konnte nicht anders, ich musste darüber nachdenken, was sie gesagt hatte.
Wahrscheinlich weil ich wusste, dass sie damit Recht hatte. Falls ich hierblieb
würde ich letztendlich Rei und Asuka genauso verletzen wie Touji.
Kaji hat einmal gesagt, dass das
Glück eine Begabung von mir wäre. Aber auch das Glück kann dich einmal
verlassen. Bereits zweimal war es total nutzlos gewesen. Das erste Mal beim
Zwölften und jetzt beim dreizehnten Engel.
Die Wahrheit war... sie
brauchten mich nicht. Wenn ich nicht mehr da war, hätte Asuka keinen Grund sich
weiter aufzuspielen und wäre die Beste. Ihre Ergebnisse konnten nur besser
werden. Und Rei würde nicht mehr den Drang verspüren etwas so Dummes zu tun,
wie ihr Versuch mich beim Kampf mit dem fünften Engel zu beschützen. Wenn ich
fort war, würde sie wahrscheinlich Einheit-01 an meiner Stelle benutzen. Die
Tests hatten ergeben, dass es möglich war. Trotz den Nachrüstungen blieb
Einheit-00 der am wenigsten zuverlässigste Evangelion. Und ausserdem... hatte
mich Einheit-01 bisher auf irgendeine Weise... beschützt. Jetzt... konnte er
Rei beschützen. Nebenbei bemerkt, wenn ich nicht an ihrer statt gesteuert
hätte, als der dritte Engel angriff, wäre sie der Pilot von Einheit - 01
geworden. Ich versuchte nicht daran zu denken, dass sie wahrscheinlich
gestorben wäre, wenn ich ihn nicht gesteuert hätte.
Ja, ich wurde nicht mehr
gebraucht. Sie hatten Rei, sie hatten Asuka, und sie hatten dieses Ding... den
Dummy Plug, wie sie es nannten... ich war überflüssig geworden. Ich wäre nur im
Weg, würde ihnen weh tun. Es war besser so...
Mein Entschluss war gefasst. Ich
würde Tokyo-3 verlassen und niemals zurückkehren. Das war es was ich tun
musste, was ich schon vor langer Zeit hätte tun sollen.
Aber wenn es so war, warum
fühlte es sich dann so falsch an?
* * *
Ungewollt lief mir ein Schauer
den Rücken hinab, als ich durch die mir nur zu gut bekannten Korridore der
Krankenstation von NERV schritt. Erleichterung brachte mir nur die Gewissheit,
dass dies das letzte Mal sein würde, dass ich diese Wände sehen würde. Ich
wusste, dass Misato hoffte dass das nicht der Fall wäre. Das war wahrscheinlich
auch der Grund warum sie weder meine ID-Karte noch meine Zugangsberechtigung
für diese Einrichtung gesperrt hatte. Aber mein Entschluss war endgültig: Hier
war kein Platz mehr für mich. In Wahrheit... war von Anfang an kein Platz für
mich gewesen.
Ich betrachtet die Zimmernummern
auf den Türen, die mit jedem Schritt an mir vorbeizogen. Ein Teil von mir
wollte einfach nur davonlaufen. Wäre nicht das erste Mal. Aber irgendetwas
zwang mich dazu weiterzugehen. Vielleicht sowas wie ein krankhafter Wahn.
Ich erstarrte als ich
schließlich an meinem Ziel angekommen war. Zimmer Nummer 107. Ich zwang meine
Hand die Tür zu öffnen, aber sie verweigerte jede Bewegung.
Ich.. Ich konnte es nicht tun.
Aber verschwinden konnte ich ebensowenig.
Gott, wie ich das hasste.
Ich holte tief Luft und betrat
das Zimmer von Touji Suzuhara.
Mit Erleichterung stellte ich
fest, das Touji zu schlafen schien. Sein Zustand hatte sich zwar stabilisiert,
aber er hing immer noch am Tropf und einigen Überwachungsmonitoren. Dann fiel
mir auf, wie ungewöhnlich sein Umriss unter der Bettdecke aussah. Ich versuchte
den Blick abzuwenden, aber etwas tief in mir zwang ihn wieder auf die Bereiche
der Decke zurück, wo eigentlich die Form von einem Arm und Bein hätte zu sehen
sein sollen.
Das war mein Werk.
Stillschweigend kamen mir die Tränen.
Ich konnte es nicht länger
ertragen. Ich musste fort von hier. Aber als ich mich zur Türe wandte wurde
mein Körper sprichwörtlich zu Eis bei dem Klang einer bekannten, aber müden und
schwachen Stimme.
"Shinji... bist du gekommen um dich zu entschuldigen..
bevor du wegrennst?"
"Touji!"
Ich zögerte bevor ich mich zu
ihm umdrehte. Aber als ich es tat sah ich nicht den Haß-erfüllten Blick den ich
erwartet hatte, sondern vielmehr ein lächelndes Gesicht. Er war so bleich wie
Rei und schien völlig erschöpft zu sein. Aber er lächelte.
"Nun?"
"Ich werde mich nicht
entschuldigen. Was ich getan habe ist unverzeihlich."
"Oh... und... du wirst uns
verlassen... oder nicht?
War ich so berechenbar, dass
immer jederman zu wissen schien, was ich als Nächstes tun würde?
"Ja."
Er wandte seinen Kopf und sah
zur Decke hinauf. Mir wurde klar dass es ziemlich anstrengend war, zu mir her
zu sehen.
"Sohryu hat recht... du
bist wirklich... ein Schwachkopf."
Er redete, ohne den Blick von
der Decke zu nehmen. Obwohl diese Worte nur platt ausgesprochen worden waren,
trafen sie mich dennoch.
"Misato-san kam vorbei.
Sie... sie hat mir alles erklärt. Shinji... das Alles war nicht deine
Schuld..."
Misato hatte mit Touji
gesprochen?
"Doch ist es! Es war mein
Evangelion der dir das angetan hat!"
Er schüttelte leicht den Kopf.
"Du hattest keine Kontrolle
darüber..."
"Das ist unwichtig..."
Ich ertrug es nicht, ihn noch
länger anzusehen. Dort, verletzt in dem Bett. Und ich war der Grund dafür.
Wegen mir wäre er beinahe gestorben. Ich konnte es in seinen Augen sehen. Er
war kurz davor gewesen uns zu verlassen. Voller Scham starrte ich zu Boden. Wir
beide schwiegen schwiegen eine Weile lang.
"Heisst das, dass ich ein
Mörder bin?"
Ich starrte ihn ungläubig an.
Was meinte er damit?
"Der EVA den ich
steuerte... er.. er hat in Matsushiro viele Menschen umgebracht, oder nicht? Er
hätte genausogut... Rei und Askua töten können. Und... wenn dein Vater.. diese
Entscheidung nicht getroffen hätte... hätte er auch dich umgebracht..."
"Das ist nicht
dasselbe!"
"Warum nicht?"
Ich.. ich wusste wirklich nicht,
was ich darauf antworten sollte. Ich wusste, das dass was er sagte einen Sinn
ergab. Aber... ein Teil von mir weigerte sich, das zu glauben. Ich schätze...
ein Teil von mir musste die Schuld auf sich nehmen... weil allein das meinen
Entschluss davonzulaufen rechtfertigen konnte.
"Ein Engel hatte deinen
Evangelion übernommen..."antwortete ich trotzdem, wenn auch nicht sehr
überzeugt.
"Und.. ein Computer.. den
deinen," war Toujis einfache Antwort. "Genau dasselbe. Wir beide
saßen in... 'Dingern' fest.. über die wir keine Kontrolle hatten."
Ich wusste, dass das die
Wahrheit war... aber...
"Ich hätte versuchen
können, dich zu retten, anstatt gar nichts zu tun und einfach aufzugeben!"
Ja. Dieses Argument würde seinen
Zweck erfüllen...
"Wie? Wie hättest du das
denn deiner Meinung nach anstellen sollen? Der Engel hat... sowohl Sohryu als
auch Ayanmi binnen Sekunden.. zu Hackfleisch gemacht. Dich... hat er auch ohne
größere Schwierigkeiten besiegt.
Gutes Argument. Aber dennoch...
Ich wollte gerade etwas sagen,
als er wieder zu reden anfing. Es schien, als hätte er die Pause nur gemacht um
wieder Luft zu holen und seine Gedanken zu sammeln.
"Du hast tagelang deswegen
herumgejammert... ... hast du schon eine Möglichkeit gefunden... wie du mich...
hättest retten können?"
Ich hatte viel darüber
nachgedacht. Die Szenarios in denen ich ihn hätte retten können waren mir immer
wieder und wieder durch den Kopf gegangen. Wenn ich nur dies getan hätte...
falls ich jenes versucht hätte.. aber... Nein, ich hatte es nie wirklich
geschafft eine Antwort auf diese Frage zu finden. Beschämt schwieg ich.
"Hatte ich mir
gedacht."sagte Touji nachdem eine volle Minute verstrichen war und er sah,
dass ich ihm offensichtlich keine Antwort geben konnte.
"Das macht nichts."
Ich würde mich nicht von ihm
überzeugen lassen, dass das was passiert war nicht Wichtig ist! Das würde ich
auf keinen Fall! Es war meine Schuld, verdammt noch mal! Warum war er so
freundlich zu mir?!
"Ich nutze niemandem etwas.
Wenn ich bleibe, werde ich letztendlich nur noch mehr Menschen weh tun!"
"Nein, wenn du bleibst...
wirst du dich dem stellen müssen, was geschehen ist... und das ist wovor du
Angst hast... du hast Angst, selbst verletzt zu werden. Wenn du gehst.. wirst
du damit allen weh tun, denen du etwas bedeutest. Misato. Rei. Asuka. Mir."
Verdammtnochmal, Touji! Warum
musstest du gerade jetzt so verflixt clever sein!
"Es kümmert doch
keinen..."
"Das ist nicht wahr und das
weißt du!"
Dieses Mal spürte ich, dass
Touji wütend war. Ich glaube, er hätte diese Worte geschrien, wenn er nicht so
schwach gewesen wäre. Die Schmerzmittel halfen wahrscheinlich auch nicht gerade
dabei. Aber er hob wiederrum den Kopf um mich anzusehen. Er war vielleicht
schwach, aber ich konnte das Feuer in seinen Augen sehen.
"Rei und Misato... sie
haben die Wahrheit vor mir geheimgehalten..."
"Sie wollten dir nicht
damit weh tun..."
"Ich hätte dich aufhalten
können!"
"Nein. Ich hatte meine
Gründe."
Seltsamerweise glitt ein
winziges Lächeln über sein Gesicht. Er ließ seinen Kopf wieder ins Kissen
zurücksinken. Es war komisch. Einen Augenblick lang, sah er beinahe heiter aus.
"Ich weiss.. deine
Schwester... wieder einmal - meine Schuld..."
"Hör auf sowas zu
sagen..."
"Aber es ist die
Wahrheit!"
Touji stieß einen Seufzer aus.
"Ich würde dir eine
reinhauen... wenn ich könnte. Kapierst du denn immer noch nicht.. dass ich dir
verziehen habe? Dass nicht einmal Mari dich dafür verantwortlich macht, was
geschehen ist? Es war nicht deine Schuld. Es waren die gottverdammten
Engel."
"Ich war der Pilot!"
"Zum allerersten Mal...
ohne jedes Training... und das dumme Teil lief Amok... baka..."
Ich starrte ihn an, wusste nicht
was ich sagen sollte. Touji starrte einfach nur zurück. Alle Wahnvorstellungen
von mir lösten sich in Nichts auf, aber ich wollte sie behalten...
"Tatsache ist... ohne dich
damals.. wären wir vielleicht alle gestorben. Meine Schwester ist verwundet...
aber sie lebt. Genau wie ich..."
Ich wusste nicht, was ich sagen
sollte. Darum starrte ich nur den Fußboden an. Das war leichter, als ihn
anzusehen. Ich glaube so verblieben wir für ein paar Minuten. Ich kann nicht
sagen, was mich noch dort hielt. Vielleicht hatte ich einfach Angst davor
fortzugehen, ohne es von ihm bestätigt zu bekommen dass das die richtige
Entscheidung war..
"Shinji... Ich werde
ehrlich sein... was mit mir geschehen ist, ist wahrlich mehr als bescheiden.
Dennoch... wenn der Verlust von einem Arm und einem Bein.. der Preis dafür
ist... nicht das Leben von dir... und allen Anderen.. auf dem Gewissen zu
haben... dann war es ein guter Tausch. Nebenbei bemerkt... Misato hat
versprochen, dass sie ihren ganzen Einfluss geltend machen wird.. um mir die
beste medizinische Versorgung zu verschaffen, finanziert von NERV. Vielleicht
bin ich schon wieder auf den Beinen, bevor du überhaupt weisst was los
ist!"
Ihn so fröhlich zu sehen...
Nein, dass konnte ich nicht ertragen. Ich hatte mir das alles anders
vorgestellt.
"Gomen!" (*)
Mehr brachte ich nicht zustande,
bevor ich davonlief.
* *
*
Sobald ich die Krankenstation
verlassen hatte, machte Misato einen letzten Versuch mich zum Bleiben zu
überreden. Anscheinend hatte sie auf mich gewartet bis ich wieder herauskomme. Ihre Worte prallten an mir ab und ich sagte ihr schließlich
das meine Entscheidung endgültig wäre.
Ich bedankte mich bei ihr für alles, was sie für mich getan hatte,
verabschiedete mich von ihr und ging davon ohne mich umzudrehen. Ihrem Angebot,
mich zum Bahnhof zu fahren schenkte ich überhaupt keine Beachtung. Meine Beziehung
zu NERV und all jenen Menschen denen ich dort begegnet war, waren vorbei. Ich
würde zur Wohnung zurückgehen, ein paar Sachen packen und verschwinden. Mit etwas Glück waren die Mädchen in der Schule so
dass ich mich nicht von ihnen verabschieden musste.
Aber war diese Entscheidung auch
richtig?
Warum stellte ich immer noch
meinen Entschluss in Frage? Ich hatte zum ersten Mal eine Entscheidung
getroffen und war mit mir übereingekommen auch dabei zu bleiben. Ich wollte
nicht die gleichen Fehler wie Früher machen.
Ich hatte von Anfang an EVA
nicht steuern wollen und man hatte mir gesagt ich solle verschwinden. Aber einen Augenblick später saß ich zum ersten von
vielen weiteren Malen in der Zugangskapsel.
Dann hatte ich beschlossen,
niemals wieder der Pilot zu werden. Dennoch stieg ich nicht in den Zug, der
mich eigentlich aus Tokyo-3 wegbringen sollte. Und
habe EVA wieder gesteuert.
Dieses Mal würde ich meine
Meinung nicht ändern! Niemals!
Ich war kein kleiner Junge
mehr... Dieses Mal würde ich mich wie ein Mann verhalten und meinem Entschluss
treubleiben.
War es nicht das, was auch Asuka
getan hätte? Sobald sie sich für etwas entschieden hatte, würde sie niemals
ihre Meinung ändern. Dazu war sie viel zu stur. Wenn sie das konnte, warum
nicht auch ich? Auch Rei schien niemals ihre eigenen Entscheidungen in Frage zu
stellen. Aber... hatte sie denn je auf eigene Faust einen Entschluss gefasst?
Dann fiel mir ein, dass Asuka
oft eine schlechte Wahl getroffen hatte. Den siebten Engel im Alleingang
anzugreifen war eine davon. Was sie am See getan hatte, die Nächste.
Was war jetzt besser?
Seinem Entschluss treu zu
bleiben, oder lieber seine Meinung zu ändern, wenn die Wahl schlecht zu sein
schien?
Worin lag wohl die größere
Reife?
Ich war eine gute Zeitlang
gedankenverloren umhergewandert, als ich plötzlich den allzu gewohnten Klang
der Alarmsirenen von Tokyo-3 hörte. Mein Körper versteifte sich. Ein Angriff
der Engel...
Beinahe aus reinem Reflex fuhr
ich herum um zu NERV zu laufen. Aber dann fiel mir mein Entschluss wieder ein.
Dort war für mich kein Platz mehr. Ich musste nicht mehr kämpfen..
Das würden Rei und Asuka
übernehmen...
Das war mehr als genug. Oder?
Eine Minuten lang rührte ich
mich nicht von der Stelle, als die widersprüchliche Meinungen in meinem Kopf
ihren Kampf austrugen. Dann machte ich mich langsam auf den Weg zum
nächstgelegenen Schutzraum.
* *
*
Als der Kampfeslärm hörbar wurde saß ich für mich allein mit dem Kinn auf
den Knien wie ein verängstigtes Kind an eine Wand gelehnt. Wahrscheinlich sah
ich erbärmlich aus. Aber das machte nichts, denn ich wusste dass das der
Wahrheit entsprach.
'Warum bist du so ein
Schwächling?'
Mehr als das... Ich war ein
Feigling.
'Sohryu hat recht.. du bist
wirklich.. ein Schwachkopf...'
Ich war schwach. Nutzlos.
'Tut mir leid für dich, aber
seine kleine Schwester wurde während dem Kampf verwundet. Einen anderen Grund
braucht er nicht.'
Meine einzige Begabung lag
darin, EVA zu steuern. Und nicht einmal das konnte ich richtig machen. Jedes
Mal wenn ich mich dort hineinsetzte würden Menschen zu Schaden kommen. Toujis
Schwester. Touji. Der Geschützlärm
schwerer Artillerie wurde lauter. Der Kampf schien nicht weit weg zu
sein. War der Engel in die Geofront eingedrungen?
Was ging mich das überhaupt an?
Wieso wollte ich hier raus? Um
wohin zu gehen? Zu NERV?
"Papa! Ich habe
Angst!"
Ich weiß nicht warum, aber diese
Worte brachten mir zu Bewusstsein, was um mich herum geschah. Ich sah Menschen,
hauptsächlich Kinder, die schluchzten und weinten. Ich sah Mütter, die ihre
Kinder im Arm hielten und versuchten sie zu trösten. Ich sah Paare die
sich in den Armen lagen um sich gegenseitig Kraft zu geben, aber ohne Erfolg.
Ich sah Angst, Pein und Verzweiflung. Als ich auf den Lärm des Gefechts
aufmerksam wurde, teilte ich ihre Furcht.
Seltsam, in einem EVA zu stecken
war nicht so furchteinflößend wie hier zu sein.
Aber ich war hier doch sicher,
oder? Ich setzte nicht mein Leben auf´s Spiel...
Nein... im Ausgleich dafür
riskierten, andere ihr Leben für mich.... wie erbärmlich ich doch war...
Plötzlich wurde der gesamte
Komplex erschüttert als wenn er im Epizentrum eines Erdbebens stände. Eine Wand
und ein Teil der Decke riß es buchstäblich in Fetzen, wodurch Staub und
Schrapnell durch den ganzen Raum geschleudert wurden. Trotz dem Lärm der
Explosion konnte ich die Leute kreischen und heulen hören. Nachdem sich der
Staub gelegt hatte, öffnete ich die Augen und sah einen Mann genau vor mir
liegen. Ein langes Metallstück ragte ihm mitten aus der Brust. Die Menschen in
dem Schutzraum versuchten in Panik zu flüchten. Dann fiel es mir erst auf. Und
einen Augenblick lang hörte mein Herz auf zu schlagen.
Wo zuvor die Wand gestanden
hatte, lag nun der Kopf der Evangelion Einheit-02.
Nein! Asuka! ASUKA!!!
Wie ein Besessener rannte ich
auf den Ausgang zu, schob die Leute beiseite wo es nötig war, kümmerte mich um
nichts anderes als mein Ziel hier raus zu kommen. Ich musste sehen ob...
Als ich endlich aus dem
Schutzraum raus war, wäre ich um ein Haar auf die Knie gefallen. Einheit-02,
oder besser das, was davon übrig war, fehlten der Kopf und beide Arme und stand
bewegungsunfähig herum während sich ein riesiges Monstrum langsam daran
vorbeischob, direkt auf NERV zu. Das konnte nicht wahr sein. Asuka hätte
niemals so verlieren können. Nicht Asuka... sie war die bessere Pilotin von uns
beiden...
"Asuka... ASUKA!"
Wenn sie noch mit dem EVA
synchronisiert gewesen war als er seinen Kopf verlor...
Nein.. nein... NEIN!!!
Ich hatte mich noch nicht einmal
für all den Schmerz entschuldigt, den ich ihr bereitet hatte...
"Hey du! Was machst du
hier? Willst du draufgehen?"
Ich sah nach, woher diese Worte
kamen. Mir wurde klar, dass diese Worte nicht für mich bestimmt waren sondern
eher für ein Mädchen. Ein Mädchen mit grauem Haar in einem weißen Sommerkleid.
Auch sie starrte Einheit-02 an. Dann drehte sie den Kopf und sah mich direkt
an. Diese roten Augen!
"Du!"
Sie lächelte mich nur an. Mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht.
Total unpassend für das
totale Chaos das hier zur Zeit herrschte. Dann ging sie davon und
verschwand allmählich in der Menge von Leuten die um ihr Leben liefen. Ich
wollte ihr gerade hinterher, als mich jemand beim Namen rief.
"Shinji-kun?"
Eine Stimme die ich kannte. Ich
drehte mich herum und sah Kaji, der dem Anschein nach seine kleine
Wassermelonenplantage goß. Ich blickte noch einmal zurück an die Stelle wo ich
das Mädchen zuletzt gesehen hatte, aber sie war nicht mehr auszumachen. Wie
betäubt ging ich auf Kaji zu. Der Anblick der so übel zugerichteten Einheit-02 war
noch immer ein schwerer Schlag für mich und mein Verstand litt darunter.
"Kaji-san. Was tust du
hier?"
"Das ist mein Text. Was
tust *du* hier, Shinji-kun?"
"Ich bin nicht mehr der
Pilot von Einheit-01. Ich habe beschlossen es auch nie wieder zu sein."
"Ich verstehe. Nun, um
deine Frage zu beantworten, da mein kleiner Nebenjob aufgeflogen ist, habe ich
meinen Platz auf dem Schlachtfeld verloren. Und da bin ich nun, beim
Bewässern..."
"Unter diesen
Umständen?!"
Ich konnte es nicht fassen. Er
arbeitet in seinem Gärtchen während ein Angriff der Engel in vollem Gange war?
"Gibt es einen Augenblick
der besser dafür geeignet wäre? Obwohl ich zwar lieber in Katsuragis Armen
wäre, sterbe ich doch lieber hier.
"Sterben?"
"Ja. Man sagt, wenn je ein
Engel mit Adam in Berührung kommt, der unter uns ruht, wird die gesamte
Menschheit durch den Third Impact ausgelöscht. Vor diesem Schicksal können uns
nur die Evangelions bewahren, die die Kraft eines Engel besitzen."
Ich wusste nicht was ich sagen
sollte. So hatte es mir bisher noch keiner erklärt. Ich wusste dass wir gegen
die Engel kämpfen mussten. Ich wusste dass sie uns angriffen. Aber ich wusste
nicht, warum. Sie wollten jedes menschliche Wesen töten?
Änderte das nicht alles?
Plötzlich tauchte in einiger
Entfernung EVA-00 aus dem Boden auf. Er sah nicht besonders gut aus. Ihm fehlte
immer noch ein Arm und die Reperaturen schienen noch nicht abgeschlossen zu
sein. Als er anfing sich zu bewegen wurde ich mir einer Tatsache unverzüglich
bewusst: Rei steuerte diesen EVA. Ich wusste nicht, wie ich da so sicher sein
konnte. Eine Ahnung vielleicht. Möglicherweise war es die Art wie der EVA sich
bewegte. Aber ich wusste dass er von Rei gelenkt wurde.
"Einheit-00! Rei!"
Das war Wahnsinn! Sie hatte nicht einmal ein Gewehr...
"Ich frage mich, warum
Ikari sie nicht mit Einheit-01 losgeschickt hat. Ich bezweifle, dass das so
geplant war..."
Mein Herz stand kurz vor dem
Kollaps als ich den Evangelion auf den Engel zulaufen sah. Er hielt irgendetwas
in der rechten Hand, aber ich wusste nicht was es war. Plötzlich traf der EVA
das AT-Feld des Engels, die gelben hexagonalen Wellen waren sogar mit dem
bloßen Auge zu erkennen. Ein paar Sekunden ,die mir wie eine Ewigkeit vorkamen,
versuchte Einheit-00 das AT-Feld des Engels zu durchdringen. Als es soweit war,
wurden der Mecha und das Monstrum von einer hellen Explosion eingehüllt die
mich für kurze Zeit blendete. Ich spürte eine Hitzewelle, die mich beinahe zu
Boden warf.
Als sich der Rauch verzog und ich wieder sehen konnte, standen
sowohl Einheit-00 als auch der Engel ohne jeden Kratzer da. Dann dehnte sich
der Arm des Engels, soetwas wie ein scharfes Band, und traf Einheit-00 direkt
in den Kopf. Der EVA brach zusammen, aus einer tiefen Wunde lief eine blutrote
Flüssigkeit.
"REI! Rei-chan..."
Ich riss meinen Kopf hin und
her, versuchte nicht an den schlimmstmöglichen Fall zu denken. Sie war sicher
in Ordnung...
"Verstehst du, warum sie
das getan hat?"
Diese Worte rissen mich aus
meiner Betäubung und zogen meinen Blick von der schlaffen Einheit-00 auf Kaji
zurück.
"Wahrscheinlich weil mein
Vater es ihr befohlen hat..."
"Nein, der Meinung bin ich
nicht. Ich glaube du hast die Schnüre seiner Marionette durchtrennt."
Ich konnte das nicht glauben.
Sie hatte ihm gehorcht als er ihr befohlen hatte mir nichts von Touji zu
erzählen. Aber dafür hatte sie einen anderen Grund gehabt...
"Rei und Asuka... sie
kämpfen nicht nur weil es ihre Pflicht ist. Sie kämpfen auch um ihr Leben. Und
was noch wichtiger ist, für das Leben derer die ihnen etwas bedeuten. Ich bin
mir ziemlich sicher... dass sie für dich kämpfen. Um dich zu schützen. Zu
schade, dass du selbst sie nicht beschützen konntest."
Diese Worte waren nur allzu
wahr. Als ich wieder zu Einheit-00 sah, überkam mich ein Gefühl von Schuld. Mir
wurde fast übel bei dem Gedanken dass Rei und Asuka vielleicht schwer verletzt
worden waren, nur weil ich nicht dagewesen war...
Aber ich ging doch von hier
fort, damit ihnen zukünftig nichts mehr zustieß...
Möglichweise... war diese
Entscheidung... falsch...
"Ich beneide dich,
Shinji-kun. Ich kann nichts tun ausser meine Melonen zu gießen. Du hingegen...
du kannst etwas tun, das nur du allein kannst. Es zwingt dich niemand dazu.
Denk darüber nach und entscheide selbst."
Kaji sah mich fest an. Ich
glaube so ernst hatte ich ihn solange ich ihn kenne noch nicht gesehen.
"Das ist eine Entscheidung
als Mann. Wofür wirst du dich entscheiden, Shinji Ikari?"
Mein Verstand machte Überstunden
als ich mir ins Gedächtnis rief, was mir alle Anderen heute gesagt hatten.
Dieses Mal konnte ich mich nicht mehr vor der Wahrheit verkriechen.
Mein starrer Blick glitt zur
Gestalt des Engels hinauf, der gerade auf das Hauptquartier zusegelte. Überall
um mich herum war der Klang erschrockener, verwundeter Menschen zu hören, die
verzweifelt eine Zuflucht suchten. Ich hatte verschwinden wollen um ihnen allen
nicht noch mehr weh zu tun. Ohne mich könnten sich die anderen auf ihre
Aufgaben konzentrieren. Ich würde sie nicht mehr davon ablenken.
Aber ich hatte sie verlassen und
dennoch wurden sie auch weiterhin verletzt. Rei... Asuka... mein Entschluss
hatte sie nicht gerettet wie ich es gehofft hatte. In Wahrheit hatte ich
vielleicht sogar... weil ich nicht da war um an ihrer Seite zu kämpfen, hatte
ich vielleicht...
'Wenn du EVA nicht steuerst verdammst Rei und Sohryu damit zum Tod.'
Die Worte meines Vaters, meine
schlimmste Befürchtung. Ich erinnerte mich daran, wie er mir diese Worte gesagt
hatte: sachlich, ruhig. Als ob er sich über das Wetter unterhalten würde. Ich
hätte nie geglaubt, dass Worte allein derart weh tun konnten. Nun, aber es war nichts, verglichen mit dem Anblick den
Einheit-00 und 02 jetzt boten. Waren die Worte meines Vaters eine
Prophezeiung gewesen? Hatte ich den einzigen guten Rat zurückgewiesen den er
mir je gegeben hatte? Verdammt sollte er sein! Das war meine Entscheidung und
nicht seine!
Ein Lichtblitz des Engels und
eine Explosion im Wasser zeigten mir, dass eines der Kanonenboote auf dem See
zerstört worden war. Ich sah Soldaten in NERV-Uniformen gegen den Engel
vorrücken. Sie wussten dass sie mit den Gewehren über ihren Schultern nichts
ausrichten konnten, aber sie zögerten nie, zeigten niemals die Furcht die sie
empfinden mussten. Sie kämpften für etwas, ich konnte es spüren. Sie hatten
keine Angst. Ich dagegen war wegen ihr gegangen. Damit *MIR* durch mein Handeln
kein Leid zustoßen würde.
Die Augen des Engels flammten
auf. Männer starben.
Und meine Hand ballte sich zu
einer Faust zusammen.
"Ich glaube ich verstehe
jetzt..."
"Ist das so?"
Ich nickte und allem hier zum
Trotz, lächelte ich zum ersten Mal seit Langem.
"Ich muss sofort los!"
"Ich habe einen Jeep in der
Nähe stehen. Ich werde dich zu NERV bringen."
Ich hätte ihm vielleicht danken
können aber ich wusste, dass es keine Worte dazu brauchte. Wahrscheinlich war
er genauso dankbar wie ich selbst.
Als ich den Engel auf das
Hauptquartier zusteuern sah begann ich zu begreifen, wie verzweilfelt die Lage
war. Ich konnte nur darauf hoffen noch rechtzeitig zur Stelle zu sein. Denn
sonst würde ich, falls Kaji die Wahrheit sagte, nicht einmal mehr die Zeit
haben mich dafür schuldig zu fühlen die Mädchen mit diesem Monster alleine
gelassen zu haben.
* *
*
"Macht weiter. Versucht es
nochmal über Eins-Null-Acht."
Auf seinem Posten hoch über dem
EVA schien sich der Kommandant um die Aktivierung von Einheit-01 zu bemühen.
Aber dem Anschein nach waren all seine Versuche vergeblich. Ich weiß nicht
genau warum. Aber das war auch egal. Wichtig war nur die Tatsache, dass ich
wahrscheinlich die letzte Hoffnung der Menschheit war. Nur um einmal von
schwerwiegender Verantwortung zu sprechen. Aber zum ersten Mal belastete das
mich wirklich nicht so wie sonst immer.
"Ich werde ihn
steuern!"
Der Kommandat sah auf mich
herunter. Nach aussen hin war er ruhig, behielt die Kontrolle. Ich muss zugeben, dass ich seine
Gelassenheit in dieser Situation bewundern musste, auch wenn ich ihn hasste.
"Was machst du hier?"
Seine Stimme klang völlig
gefühllos. Das überraschte mich nicht sonderlich und war mir auch völlig egal.
"Ich bin der Pilot von EVA
Einheit-01. Das ist meine Bestimmung. Es ist das was ich tun kann."
Das war eine Tatsache die ich
verstanden hatte. Solange ich Pilot war konnte ich die Menschen beschützen, die
mir lieb waren.
"Mehr hast du nicht zu
sagen?"
"Halt einfach den Mund und
lass mich steuern!Wir dürfen keine Zeit verlieren!"
Der Mann schwieg. Aber die
Kapsel im EVA wurde entfernt und durch meine Eigene ersetzt. Ich lächelte triumphierend, auch wenn ich sicher war, dass
mein Vater das Lächeln welches dem meinem sehr ähnlich war, aus völlig
anderen Gründen mit mir teilte.
* *
*
Ich schaffte es nur knapp. Aber
es war genug. Als ich die Wand zum Hauptkontrollraum durchbrach verstand ich
den wahren Sinn von Kajis Worten. Ich erkannte den Zweck der EVAs. Indem ich
Misato das Leben rettete, wurde mir klar was für ein Privileg es war, dass ich
tatsächlich fähig war, alle die mir
etwas bedeuteten auf diese Weise zu beschützen. Und zum allerersten Mal kam mir
das Steuern von EVA nicht wie eine Pflicht vor. So komisch es auch ist, ich
genoß es. Ich spürte was Asuka empfand, wenn sie ihren EVA steuerte: Stolz und
Erregung.
Als ich gegen dieses abstoßend
hässliche, riesige Ungetüm, einen Engel, kämpfte, war ich mir meine Umgebung
immer weniger wirklich bewusst. Der Schmerz, verursacht durch den Verlust des
linken Unterarms, wurde bald vom Kampfesrausch unterdrückt. Ich dachte
überhaupt nicht nach, als ich Misato ein paar Befehle zubrüllte. Ich steuerte beinahe wie ein Maschine.
Sobald wir außerhalb dem Hauptquartier waren ließ ich alle
Schranken fallen. Draussen konnte niemand bei diesem Kampf verletzt werden. Nur
der Engel und ich. Ich muss wie ein Besessener ausgesehen haben als ich mich
daran machte, ihn sprichwörtlich in Fetzen zu reissen. In diesem Kampf ließ ich
all meinem Hass und meiner Wut freien Lauf.
Dieser Engel hatte Rei und Asuka
weh getan!
Er hatte versucht Misato zu
töten!
Die Engel!
Sie waren verantwortlich dafür
dass Toujis Schwester verletzt worden war!
Sie hatten Touji verwundet.
Sie waren verantwortlich für den
Second Impact!
Wegen ihnen mussten wir kämpfen!
Ich hasste sie!
Ich war gerade dabei, dem Engel
den Kopf abzureissen als ganz plötzlich, bis auf einen Laut, alles verstummte.
Der Timer der integrierten Batterien. Ich sah zur Digitalanzeige: 00:00:00
Mir war der Strom ausgegangen.
Nein!
Plötzlich spürte ich wie der EVA
in die Luft gerissen und davongeschleudert wurde. Es fühlte sich so an als wäre
er hart aufgeschlagen und es wunderte mich dass ich durch den Schlag nicht
verletzt worden war. Aber mir fiel rasch wieder ein, wie ernst die Lage war und
wie schlecht es um uns stand.
"Beweg dich, beweg dich,
beweg dich. Beweg dich, bitte beweg dich doch. Alles war umsonst wenn du dich
nicht sofort bewegst!"
Dann hörte ich eine Explosion
und spürte wie der Evangelion erschüttert wurde. Mir war klar dass er schweren
Schaden davon getragen haben musste. Der Explosion folgte ein rhytmisches,
gleichmäßiges Geräusch. Der Engel schlug auf den EVA ein. Jeder Treffer brachte
eine Erschütterung mit sich. Ich konnte ein Knacken hören und wenn ich nicht in
Panik ausgebrochen wäre, hätte ich vielleicht über meinem Kopf die Risse in der
Zugangskapsel entdeckt. Ich riss wie wild an den Konrollen, aber ohne Erfolg.
Der EVA stand still. Bald würde ich sterben. Danach, wenn Kaji die Wahrheit
gesagt hatte, würde mir die ganze Menschheit folgen. Ich hatte wieder einmal
versagt. Versagt dabei, die zu schützen die mir lieb waren. Es kam mir vor als
würde ich in einem Meer der Verzweiflung ertrinken.
"NEIN!"
Unter Tränen zog ich noch fester und
hektischer and den Griffen. Meine Arme schmerzten, aber ich kümmerte mich nicht
darum.
"Beweg dich, beweg dich,
beweg dich, beweg dich, beweg dich, beweg dich, beweg dich, bitte beweg dich!
Wenn du dich nicht sofort bewegst werden alle sterben! I... ich kann das nicht
zulassen. Ich ...Ich kann nicht... Ich kann sie nicht schon wieder im Stich
lassen! Darum.. bitte.... BEWEG DICH!"
Mit einem Mal wurde ich still.
Ich konnte etwas hören. Ein Geräusch. Etwas wie.. wie ein Herzschlag? Danach kam es mir so vor als hätte man mich
in einen See aus Finsternis gestoßen. Erst Tage später wurde
mir klar was geschehen war.
Ich war von EVA absorbiert
worden.
(Fortsetzung folgt...)
Nächstes Mal:
Kapitel 7, Teil 2 - Zweite Chancen / Möge das beste Mädchen gewinnen!