Neon Genesis Evangelion: Meine Liebe gilt...
Kapitel 7 – Das Erwachen
Geschrieben von Alain Gravel
<rakna@globetrotter.qc.ca>
Übersetzt von Markus Steiner
<schweinehirt@t-online.de>
http://www.geocities.com/Tokyo/Teahouse/2236/
Teil 2 - Zweite Chancen / Möge das beste Mädchen
gewinnen!
Ein Geruch.
Ein sehr bekannter Geruch. Rei? Asuka? Misato? Nein. Irgendjemand anderes...
Mutter!
Mutter!!!
Ich komme Mutter!
Eine Stimme. Eine weit entfernte Stimme. Eine
bekannte Stimme. Aber nicht die von Mutter...
'Shinji! Gebt mir meinen Shinji zurück! Gebt ihn
mir zurück...'
Mi... Misato?
'Du mußt zurück'
Mutter?
* * *
Ich wachte auf und mein Gefühl sagte mir, daß
ich gerade wohl den am wenigsten erholsamen Schlaf meines ganzen Lebens hinter
mir hatte.
Ich stöhnte augenblicklich auf als ich die nur
allzu bekannte Decke der NERV Krankenstation sah.
Zumindest hatte ich Glück und die Beleuchtung
war aus. So blieb meinen Augen wenigstens der Schmerz erspart ständig in das
gleißende Licht blicken zu müssen.
”Nicht schon wieder,” wollte ich mich beklagen,
aber Hals und Mund waren staubtrocken so das ich nur ein Krächzen zustande
brachte. Einer alten Gewohnheit folgend, versuchte ich festzustellen, wie
schwer es mich erwischt hatte. Ich fühlte mich sonderbar, hatte aber keine
Schmerzen. Ich hob meine Arme. Gut, keine Infusionsnadeln, also schien ich
nicht schwer verletzt zu sein. Trotzdem reagierten meine Sinne nur träge, fast
so als ob ich in einem schlecht synchronisierten EVA sitzen würde. Ich öffnete
und schloß meine Hand mehrmals und bewegte meinen Arm. Es schien von Moment zu
Moment besser zu werden. Gut. Scheinbar war das einzig wirkliche Problem das
ich hatte dieser pochende Kopfschmerz.
Es fühlte sich fast an wie die Kopfschmerzen,
die ich nach dem Angriff des dritten Engels gehabt hatte
Engel...
Bei diesem Gedanken, fiel mir alles wieder ein.
Ich hatte gegen den Engel gekämpft. Dann war mir die Energie ausgegangen. Und
dann... ich bin mir nicht sicher was dann passiert war. Ich konnte mich nicht
erinnern. Ich war am Leben, also mußte der Engel wohl vernichtet worden sein.
Aber wie? Die EVAs von Rei und Asuka waren zu schwer beschädigt gewesen.
Rei! Asuka!
Ich fühlte mich ein wenig benommen, als ich
versuchte mich aufzusetzen, aber es ging rasch vorbei. Ich mußte aus diesem
Zimmer raus! Ich mußte wissen ob es ihnen gut ging!
"So, hast du dich schließlich doch noch
entschieden aufzuwachen, wie? Wird auch langsam Zeit." Diese Stimme!
"Touji?"
Ein Teil von mir fürchtete sich, aber ich wußte
das da nichts war wovor ich Angst haben mußte. Ich wußte, daß er mich nicht
haßte. Er saß in einem Rollstuhl der in einer Ecke des Zimmers stand. Mit ein
paar Schüben näherte er sich meinem Bett.
Zu meiner Überraschung, sah Touji vollkommen
anders aus als das letzte mal wo ich ihn gesehen hatte. Er sah nicht mehr so
schwach aus, sondern eher voller Energie. Er sah auch viel gesünder aus und
hatte wieder seinen üblichen Trainingsanzug an. Einen Moment lang fragte ich
mich, ob ich nicht träumte, oder noch besser, ob ich nicht einfach aus einem
schrecklichen Alptraum aufgewacht war, als ich bemerkte das ihm immer noch zwei
Gliedmaßen fehlten. Ich starrte ihn völlig entgeistert an. Er lächelte mich
freundlich an. Er mußte geahnt haben das meine Kehle völlig ausgedörrt war,
denn er reichte mir ein Glas Wasser, das auf einem kleinen Tisch neben dem Bett
gestanden hat. Genau das, was ich jetzt brauchte.
"Du hast uns ja einen ganz schönen
Schrecken eingejagt" sagte er einfach.
Was... was ging hier vor sich?
"Wie...?"
Ich wußte nicht was ich sagen sollte. Ich war zu
verwirrt dazu. Und... ich konnte mir nicht helfen, aber irgendwie fühlte ich
mich von ihm eingeschüchtert.
"Was ist das letzte an das du dich erinnern
kannst?"
Ich versuchte nachzudenken. Da waren ein paar
Bilder... die ich aber nicht richtig einordnen konnte.
"Der... der Engel... Ich... mein EVA hatte
keine Energie mehr... dann... ich weiß nicht..."
Touji nickte so als wenn er diese Antwort
erwartet hätte.
"Das war vor einem Monat."
"Ein Monat!"
Ich konnte es nicht glauben! Ein Monat! War ich
so schwer verletzt worden das ich deswegen für einen ganzen Monat das
Bewußtsein verloren hatte? Ich spürte keine Schmerzen. Was war hier los?
"Ja. Ein ganzer Monat. Und du kannst mir
glauben, es war ein langer Monat für jeden von uns. Du hast uns zu Tode
erschreckt!"
"Warum? Was... was war passiert? Der
Engel...?" fragte ich. Dann erinnerte ich mich wieder warum ich aufstehen
wollte.
"Rei?! Asuka?! Geht es ihnen gut?!"
"Beruhige dich. Es geht ihnen gut. Sie
wurden nur leicht verletzt."
Ich seufzte erleichtert.
"Haben sie den Engel vernichtet?"
Ich konnte mir zwar nicht erklären wie sie das
geschafft haben sollten, aber es war für mich die einzig logische Erklärung.
"Nein. Dein EVA ist wieder Amok
gelaufen."
"Oh..."
Das erklärte wohl warum ich mich an nichts
erinnerte. Zumindest noch nicht. Aber trotzdem... das erklärte nicht warum ich
für einen ganzen Monat bewußtlos gewesen war.
"Wir waren krank vor Sorge wegen um dich!
Mach so etwas nie wieder!"
Touji ballte seine Faust. Es sah fast so aus...
als ob er jeden Moment in Tränen ausbrechen würde?
Was zum Teufel war mit mir geschehen?
"Was... was ist passiert?"
"So wie ich es verstanden habe... warst
du... verschwunden... im Innern von EVA. 'Absorbiert' glaube ich hat Misato
gesagt. Sie wollten dich da rausholen. Aber... es wäre beinahe...
schiefgegangen. Du wärst fast für immer verloren gewesen..."
Verschwunden im Innern von EVA? War das möglich?
Dennoch... es fühlte sich vertraut an. Ich hatte den Eindruck das ich schon
einmal davon gehört hatte. Nein, ich hatte schon einmal gesehen, wie es
passiert war. Aber... Wer? Wann? Nein, ich mußte mich irren. Bevor ich nach
Tokyo-3 gekommen war hatte ich noch nie einen EVA gesehen.
Niemals... nie...
"Ich... ich verstehe..."
Wir sahen uns schweigend an. Unwillkürlich ging
mein Blick zu den Stellen an seinem Körper, wo ihm ein Arm und ein Bein
fehlten..
"Touji... Ich..."
"Keine Entschuldigungen. Du verstehst doch
das es nicht deine Schuld war, oder etwa nicht?"
Ich nickte.
"Dann hat es sich erledigt. Ausserdem
schickt man mich in einer Woche nach Tokyo-2, wo ich ein paar experimentelle
Prothesen ausprobieren soll. Misato hat ihre Beziehungen ein wenig spielen
lassen. Sie meinte das NERV mir das einfach schuldig wäre. Ich werde auch Mari
wiedersehen! Sie hat dort ihre Reha-Maßnahmen. Sie kann sogar schon wieder
laufen, Shinji!"
Seine Schwester... konnte wieder laufen...
"Das ist großartig! Ich freue mich so für
dich!"
Das tat ich wirklich. Touji´s Schwester würde
wieder gesund werden. Und Touji... würde eine Chance bekommen nach alldem noch
ein normales Leben zu führen... Ich merkte wie mir ein paar Tränen die Wangen
hinunter liefen.
"Mensch, jetzt sei doch nicht so eine
Heulsuse!"
"Entschuldige..."
Ich war einfach überglücklich. Ich stand auf und
umarmte meinen Freund so fest wie ich nur konnte.
* * *
"Oh! Du bist aufgewacht," sagte die
Schwester als sie das Zimmer betrat. Eine Minute war vergangen seit ich den
Rufknopf gedrückt um die Schwesternstation zu alarmieren.
"Ja. Und ich würde jetzt gerne gehen."
Zwar hatte Touji mir versichert das Rei und
Asuka in Ordnung waren, trotzdem spürte ich das Verlangen sie zu sehen um mich
selbst davon zu überzeugen. Und ich wollte nicht noch länger warten.
"Es tut mir leid Ikari-kun, aber dafür
brauche ich eine Erlaubnis"
"Haben sie den Befehl bekommen ihn hier zu
behalten?" fragte Touji. Wie er mir gesagt hatte, hatte er selbst schon
versucht die Krankenstation zu verlassen. Misato aber war dagegen gewesen,
besorgt das er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht für sich selbst sorgen konnte.
Touji hatte sich zwar anfangs beschwert, dann aber schließlich eingesehen das
sie recht hatte.
"Nein, Suzuhara-kun. Wir haben aber auch
keine Genehmigung erhalten ihn gehen zu lassen."
"Aber körperlich ist er doch in bester
Verfassung, oder?"
"Ja, das ist er."
"Tja, dann bleibt dir wohl nichts anderes
übrig, als deinen Vater anzurufen, Shinji."
Verdutzt starrte ich Touji an. Er lächelte
einfach nur.
"Der Kommandant wird natürlich ziemlich
sauer sein wenn man ihn mitten in der Nacht anruft, aber ich glaub' wenn Shinji
ein gutes Wort einlegt, werden sie ihren Job wohl behalten können..."
Was zum Teufel sagte er da? Doch dann bemerkte
ich das die Krankenschwester ziemlich erschreckt aussah.
"Ich... ich komme gleich mit etwas zum
anziehen für dich zurück, Ikari-kun..."
Als die Schwester ging legte sie dabei ein
ziemliches Tempo an den Tag.
"Was... was ist da gerade passiert?"
"Alle hier haben Angst vor deinem Vater.
Ich dachte mir, daß es funktionieren würde."
Und jetzt verstand auch ich was Touji gerade
getan hatte.
"Danke!"
* * *
Es dauerte nicht lange bis die Schwester mir
eine NERV Uniform brachte. Sie war ein wenig zu groß für meinen kleinen Körper,
aber ich gab mich damit zufrieden. Ich wollte einfach nur raus hier. Was ich
dann auch ziemlich schnell tat nachdem ich mich von Touji verabschiedet hatte.
Ich ging zuerst zu Misato´s Wohnung, nur um sie
vollkommen verlassen vorzufinden, abgesehen von Pen-Pen. Asuka schlief
wahrscheinlich bei Hikari...
Als ich nach draußen ging, wäre ich beinahe über
eine von Misato´s leeren Bierdosen gestolpert. Verzweifelt stöhnte ich auf. Die
Wohnung sah wie eine Müllhalde aus. So wie es aussah, waren die einzigen
sauberen Räume mein ehemaliges Zimmer und das von Asuka. Das fand ich dann doch
ein wenig merkwürdig, da Asuka nämlich fast genauso schlimm wie Misato war und
ihr Zimmer niemals aufräumte. Aber ich ließ diesen Gedanken schnell wieder
fallen. Ich mußte immer noch Rei
besuchen. Leise schlüpfte ich in ihre Wohnung. Es war immer noch früh am Morgen
und ich wollte sie nicht aufwecken. Ich mußte mich davon überzeugen, daß das,
was Touji mir gesagt hatte auch wirklich der Wahrheit entsprach. Sachte öffnete
ich die Tür zu ihrem Zimmer und blickte hinein. Ich konnte einen Körper unter
der Bettdecke und einen Büschel blauer Haare auf dem Kissen sehen. Kein
Zweifel, es war Rei. Zufrieden ging ich auf mein Zimmer. Die Versuchung zu ihr
zu gehen und sie fest zu umarmen war groß, aber ich unterdrückte es. Ich wollte
sie nicht stören, und ausserdem war ich mir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht
sicher wie ich mich ihr gegenüber verhalten sollte.
'Manche Wahrheiten können verletzen wenn jemand
nicht bereit ist sie zu hören'
Ich hatte diese Worte zu Rei gesagt. Und alles
was sie getan hatte, war sich an diesen Rat zu halten. Wie konnte ich also
wütend auf sie sein? Konnte ich sie hassen nur weil sie versuchte mich zu
beschützen. Ich würde mich bei ihr entschuldigen müssen. Ich hatte sie von mir
gestoßen, obwohl alles was sie getan hatte nur darauf abgezielt hatte mich zu
schützen. Sie hatte soviel für mich getan, mir alles geboten, Körper, Herz und
Seele und ich erwiderte ihre Liebe nur indem ich mich wie ein Idiot benahm. Ich
konnte nur hoffen das sie mir irgendwann vergeben würde.
Ich war so in Gedanken verloren, daß ich gar nicht
darauf achtete, wo ich hin trat. Und als ich das andere Schlafzimmer betrat
bemerkte ich deshalb natürlich auch nicht den Stapel Bücher, Schuhe, Kleider
und all das andere Zeug, das direkt hinter der Tür auf dem Boden lag
Vollkommen überrascht verlor ich das
Gleichgewicht und fiel hin. Ich landete auf etwas, das sich an einigen Stellen
hart, gleichzeitig aber an anderen Stellen wieder weich anfühlte. Ich geriet in
Panik als ich spürte wie es sich bewegte und anfing zu stöhnen. Ich öffnete
meine Augen (ich hatte sie wohl bei meinem Sturz geschlossen)und fand mich
Asukas tiefblauen Augen gegenüber, aus denen sie mich anstarrte...
'He, baka Shinji, willst du eins mit mir werden?
Willst du das wir eins werden mit Körper und Seele? Es fühlt sich so wundervoll
an. Ich frage dich. Komm schon!"'
Ein verschwommenes Bild. Asuka, nackt, lächelnd,
beugte sich über mich...
Woher kamen diese Gedanken? Es kam mir fast so
vor wie... eine Erinnerung. Aber sie war zu undeutlich um Teil eines Traumes zu
sein, an den ich mich erinnern konnte.
"PERVERSER!"
Das holte mich in die Wirklichkeit zurück. Ich
bemerkte rasch das Asuka nicht mehr mich ansah, sondern vielmehr nach unten auf
ihre Brust blickte. Ich folgte ihrem Blick und merkte das meine rechte Hand...
genau auf ihrer Brust lag.
Oh nein! Nicht schon wieder!
Ich war so gut wie tot.
Ich versuchte aufzustehen, aber Asuka hatte die
gleiche Idee, was darin endete das wir mit unseren Köpfen aneinanderstießen.
Unbewußt verstärkte ich dabei meinen Griff.
"Iik! STIRB!!!"
Ich weiß nicht wie sie es geschafft hat, aber
plötzlich lag Asuka auf mir und schlug mit ihrer Faust in mein Gesicht, gefolgt
von ihrem Knie in meine Weichteile. Das war der Zeitpunkt an dem im Zimmer die
Lichter angingen und ich Rei in der Tür stehen sah. Zumindest glaube ich das es
Rei war, denn mir war so als hätte ich Reis und Asukas Stimmen in perfektem
Einklang "Oh mein Gott! Shinji!" sagen gehört, bevor ich ohnmächtig
wurde.
* * *
"He! Ich habe gesagt das es mir leid tut,
okay! Es war dunkel, ich war noch nicht ganz wach und er hat nicht seine
üblichen dämlichen Klamotten getragen..."
"Ich denke das deine Reaktion verständlich
ist."
"Natürlich ist sie das!"
"Wie auch immer, ich verstehe nicht warum
du ihn nicht erkannt hast. Ich bin mir sicher das ich es geschafft hätte."
"Es war dunkel!"
"Vielleicht. Aber seine Augen sehen im
Dunkeln genauso aus. Ich finde das sie in der Dunkelheit sogar noch attraktiver
wirken..."
"Von was redest du da überhaupt."
"Es ist wirklich eine Schande."
"Was meinst du damit? Und warum läufst du
rot an?!"
"Das mußt du schon selbst heraus finden.
Ich werde es dir jedenfalls nicht erklären..."
"Na warte, du kleine..."
Als ich wieder zu Bewußtsein kam, nahm ich wahr
ich das Rei und Asuka miteinander stritten. Etwas daran kam mir sofort seltsam
vor. Das war nicht eines dieser aggressiven Streitgespräche wie sie sie bereits
mehrmals gehabt hatten. Es sah mehr aus als... wenn zwei gute Freundinnen
miteinander stritten. Aber das war nicht möglich. Rei und Asuka sprachen nur
äußerst selten miteinander. Die zwei? Sich wie Freundinnen verhalten?
Unmöglich.
"Ich hoffe nur das du ihn nicht beschädigt
hast."
"Ihn beschädigt? Und warum läufst du schon
wieder rot an?!"
"Die... Stelle... wo du... ihn mit deinem
Knie getroffen hast..."
"Oh... Rei! Du Perverse!"
"Ich weiß eben was ich will..."
War das wirklich Rei die da sprach? Ich wußte
das sie für gewöhnlich mir gegenüber sehr direkt war, aber bei Asuka...
Irgendwie lösten diese Worte einen ganzen
Schwall von Erinnerung in mir aus, ähnlich denen die ich zuvor bei Asuka gehabt
hatte. Aber dieses mal, erinnerte ich mich an eine nackte Rei.
'Shinji. Willst du eins mit mir werden? Willst
du das wir eins werden mit Körper und Seele? Es fühlt sich so wundervoll an.'
Das war seltsam. Woher kamen diese Gedanken?
Vielleicht hätte ich doch noch auf der Krankenstation bleiben sollen...
"... und ich weiß das du es auch
willst."
"Rede nicht über sowas! Mensch, du bist ja
schlimmer als die drei Idioten zusammen!"
"Sieht so aus als ob Shinji wieder zu sich
gekommen ist. Oder zumindest ein Teil von ihm. Scheinbar habe ich mir zu viele
Sorgen gemacht. So wie es aussieht, ist "er" mit aller
Wahrscheinlichkeit noch voll funktionsfähig."
Ich riß meine Augen auf als mir klar wurde das
Rei´s Worte, ganz zu schweigen von dem Bild einer nackten Rei das mir im Kopf
herumspukte, meine unteren Körperregionen dazu veranlaßt hatte zu reagieren.
"Perversling!"
Ich erwartete das Asuka mich wieder schlagen
würde, aber stattdessen, erdrückte sie mich fast als sie mich umarmte. Wow, die
Dinge schienen immer seltsamer zu werden...
"Baka! Du hast uns zu Tode erschreckt! Mach
niemals wieder etwas so dämliches!"
Ich spürte ein weiteres Paar Arme die mich und
Asuka umschlossen.
"Wir dachten das wir dich verloren hatten.
Willkommen Zuhause Shinji."
Ich wußte nicht was ich sagen sollte. Also sagte
ich einfach gar nichts.
Ich spürte wie etwas feuchtes auf meine Wange
fiel. Eine Träne? Wer weinte hier? Rei, Asuka? War das wirklich wichtig? Auf
diese Weise von den beiden Mädchen die ich liebte umarmt zu werden... fühlte
sich so gut an. Es war warm und sehr angenehm. Ich könnte mich daran gewöhnen.
Als die beiden Mädchen mich losließen , nahm ich
mir die Zeit sie sorgfältig anzusehen. Rei kniete an meiner rechten Seite. Sie
trug ein Hemd das ich als eins von Meinen erkannte. Da ich einige Zeit mit ihr
verbracht hatte, wußte ich das sie darunter nicht mehr als ihr silbernes Kreuz
trug.
Es sah so aus als ob sie es in ziemlicher Eile
angezogen hatte, weil sie einen Knopf vergessen hatte. Es erinnerte mich daran
wie wir das erstemal zusammen in einem Bett geschlafen hatten. Damals hatte sie
auch diesen Knopf vergessen. Als sie bemerkte das ich sie anstarrte, lächelte
sie mich zuckersüß an.
Asuka saß im Schneidersitz auf dem Fußboden.
Gott sei Dank hatte sie etwas mehr an als Rei;, sie trug ein Höschen und ihr
übliches Nachthemd, trotz allem hatte man immer noch einen MEHR als üppigen
Ausblick auf ihr Dekolleté. Sie war ein wenig wütend, wahrscheinlich weil ich
soviel Zeit damit verbracht hatte Rei anzusehen, aber ihr Ausdruck verwandelte
sich in ein Lächeln als ich mich ihr zuwandte. Insgesamt schien es beiden
Mädchen gut zu gehen. Offensichtlich hatten sie sich nichts gebrochen und bei
ihnen waren auch keine größeren Narben zu sehen. Ich seufzte erleichtert. Wie
auch immer, ich bemerkte etwas das aussah wie die Überbleibsel von fast
verheilten blauen Flecken. Ich bezweifelte das diese noch von dem letzten
Engelangriff stammten, schließlich hatte Touji mir gesagt das es bereits einen
Monat her war. Für eine Moment fragte ich mich wo diese blauen Flecke dann
herkamen, aber ich verwarf den Gedanken schnell wieder. Ich erinnerte mich
daran das ich noch etwas wichtiges zu tun hatte.
Ich verbeugte mich und bat sie um ihre
Vergebung.
"Asuka. Rei. Vergebt mir."
"Warum? Fragten beide Mädchen gleichzeitig.
Zuerst sah ich Asuka in die Augen.
"Ich... ich entschuldige mich für die Art
und Weise wie ich dich in dieser Nacht am See behandelt habe. Ich hätte statt
dessen versuchen sollen deine Beweggründe zu verstehen. Ich hätte erkennen
müssen das alles meine Schuld war... das die Art und Weise wie ich mich
benommen habe deine Gefühle verletzt hat. Es... es tut mir leid."
Asuka schien etwas sagen zu wollen, aber sie
schwieg als sie sah das ich jetzt Rei anblickte.
"Ich hätte nicht so gemein zu dir sein
sollen, Rei. Alles was du tun wolltest... war mich zu beschützen... weil du um
mich besorgt warst. Ich habe es nicht verstanden. Ich habe dich angeschrien.
Ich habe dir weh getan. Ich habe dich zum weinen gebracht. Ich hätte das
niemals tun sollen. Vergib mir."
Ich verbeugte mich nochmals und erwartete ihr
Urteil. Statt dessen überraschten sie mich vollkommen mit dem was sie als
nächstes taten.
"Stein, Schere, Papier."
Ich blickte verwirrt auf, nur um zu sehen das
Rei gewonnen hatte.
"Mann, was hast du getan, heimlich mit
Misato geübt?" jammerte Asuka.
"Nein. Du bist einfach berechenbar."
"Was!? Wie auch immer... mach schon, du
hast gewonnen."
Das war komisch. Ich sah beide verwirrt an.
Meine Verwirrung steigerte sich noch als Rei Asuka regelrecht angrinste.
Das letzte was ich in diesem Moment erwartete
war, daß Rei mich küsste. Aus der Macht der Gewohnheit heraus erwiderte ich
ihren Kuss, bis mir einfiel das Asuka auch noch da war. Ich erstarrte und sah
sie an. Sie blickte finster drein, aber als sie meinen Blick bemerkte nickte
sie nur. Ich verstand nicht was hier vor sich ging, aber es fühlte sich gut an
Rei wieder in den Armen halten zu können, also gab ich mich ihrer Leidenschaft
voll und ganz hin. Und ich muß sagen, es steckte eine Menge Leidenschaft in
diesem Kuss.
"Ich verzeihe dir, meine Liebe,"
flüsterte Rei als sich unsere Lippen trennten.
Dann verließ Rei das Zimmer. Ich sah ihr nach
und richtete meinen Blick auf Asuka. Ich erstarrte erneut. Sie hatte diesen
Blick... In diesem Augenblick verstand ich was ein Hase fühlte wenn ihn ein
hungriger Wolf ansah. Sie sprang buchstäblich auf mich und nagelte mich auf dem
Boden fest.
"Jetzt bin ich an der Reihe."
Es war sinnlos sich dagegen zu wehren, also
fügte ich mich ihren verlangenden Lippen. Es war ja auch nicht so, dass ich
Grund gehabt hätte mich dagegen zu wehren.
* * *
"Kann eine von euch mir erklären was hier
eigentlich los ist?" fragte ich, bevor ich einen Schluck von meinem Tee
nahm. Rei hatte uns kurz allein gelassen um ihn zuzubereiten.
"Was hast du in meinem Zimmer
gemacht?" fügte ich hinzu als ich Asuka ansah.
"Anta baka? (*) Ist das nicht
offensichtlich? Ich wohne hier zusammen mit Rei-chan!"
Ich starrte sie ausdruckslos an. Das mußte ein
Traum sein. Asuka nannte sie "Rei-chan"? Asuka wohnte hier zusammen
mit Rei? Das mußte zweifellos ein Traum sein. Das würde auch die Küsse
erklären...
"Ich glaube das er es nicht versteht."
"Warum überrascht mich das nicht?"
jammerte Asuka.
Ein Schlag auf den Kopf bestätigte mir das das
hier kein Traum war.
"Hör zu, baka Shinji! Während du... weg
warst... bin ich bei Rei eingezogen. So einfach ist das. Hast du es jetzt
verstanden?"
Ich nickte, obwohl ich mir nicht ganz sicher war
ob ich es wirklich verstanden hatte.
"Also schläfst du jetzt in meinem
Zimmer?"
"Wie es scheint fängst du jetzt an es zu
kapieren. Wird auch Zeit..."
"Und wo werde ich schlafen?"
"Idiot! In deinem alten Zimmer
natürlich!"
Als sie sahen das ich das Wesentliche immer noch
nicht begriff, beschloß Rei die weiteren Erklärungen zu übernehmen.
"Asuka und ich haben unsere Differenzen
beigelegt. Ich glaube das wir sogar Freundinnen geworden sind. Wir beide hatten
lange Diskussionen zwischen uns und auch mit Major Katsuragi und wir sind der
Meinung das es für dich einfacher wäre, wenn du an einem Ort lebst wo keiner
von uns dein Mitbewohner ist."
"Wir werden nicht mehr um dich kämpfen, und
wir werden auch keinen Druck mehr auf dich ausüben," fügte Asuka hinzu.
"Diese Küsse die wir dir gegeben haben...
werden die letzten sein. Keine von uns wird mehr versuchen mit dir romantisch
zu werden bis du dich entschieden hast," fuhr Rei fort.
"Möge das beste Mädchen gewinnen!"
meinte Asuka zum Abschluß und formte dabei mit ihren Fingern das Siegeszeichen.
Rei seufzte und versuchte ihre übermäßig
enthusiastische Freundin zu ignorieren.
"Ich... Ich..."
Ich wußte nicht was ich darauf sagen sollte. Ich
hätte niemals erwartet das sich die Lage so sehr ändern würde. Als mir die
Bedeutung dieser Worte bewußt wurde, erkannte ich das die Dinge nie mehr so wie
früher sein würden. Ich wußte nicht was ich davon halten sollte. Es war eine
Erleichterung für mich. Ich mußte keine Angst mehr haben sie zu verletzen. Ich
würde mich nicht mehr schuldig fühlen wenn ich mit einer von ihnen Zeit verbrachte
während die andere ganz allein war.
Ich würde nicht mehr den Eindruck haben sie zu
betrügen. Aber, so wurde mir klar, würde ich auch nicht mehr in der Lage sein
sie in meinen Armen zu halten. Ich würde morgens aufwachen und feststellen das
ich alleine bin.
Am schlimmsten aber war, das ich wieder selbst
kochen mußte...
Ich mußte bei diesem Gedanken leise kichern, was
mir ein paar neugierige Blicke von den Mädchen einbrachte.
"Also darf ich das so verstehen das ihr
jetzt nachts nicht mehr in meinem Bett schlafen wollt?"
Beide Mädchen nickten. Seltsam, seit ich Asuka
aufgeweckt habe neigten beide dazu auf die gleiche Weise zu reagieren. Hatte
Misato ihnen ein Synchro-Training auferlegt, ähnlich dem das Asuka und ich
gemacht hatten damit wir gegen den siebten Engel kämpfen konnten?
"Es wird sich eigenartig anfühlen."
"Du wirst dich daran gewöhnen müssen. Wir
haben es auch geschafft."
"Ich verstehe... Nun... danke... glaube
ich..."
Eine unangenehme Stille folgte. Ich wußte nicht
was ich sagen oder tun sollte, genausowenig wie eines von den Mädchen. Nach
einer Ewigkeit in der wir uns schweigend anstarrten, beendete Rei diese
ungemütliche Atmosphäre.
"Du solltest jetzt zurück in deine Wohnung
gehen und ein Bad nehmen. Die Sonne geht bald auf. Du kannst wieder hierher
kommen wenn du fertig bist. Das Frühstück wird dann fertig sein."
"Ja, geh und nimm ein Bad! Dieser Geruch
nach LCL ist ja unerträglich. Und zieh dir was anderes an. Diese NERV Uniform
steht dir nämlich wirklich nicht..."
Das war wohl das beste was ich im Moment tun
konnte. Also stand ich auf und ging zur Tür. Aber bevor ich sie öffnete, drehte
ich mich um und sah die Mädchen an.
"Ich werde die alten Zeiten vermissen, aber
ich freue mich zu sehen das ihr beide euch jetzt vertragt. Und... Ich... Ich
freue mich das ihr beide wohlauf seid. Als ich sah was der Engel mit euren EVAs
getan hatte... Ich... Ich war wirklich besorgt. Und ich fühlte mich schlecht...
weil ich es euch allein überlassen hatte gegen dieses Ding zu kämpfen.
Deswegen... bin ich zurückgekommen. Ich... Ich werde euch nicht mehr verlassen.
Niemals wieder."
Beide Mädchen lächelten mich warm an. Es war
wirklich ein wunderschöner Anblick. Ich lächelte zurück, dann ging ich.
* * *
Das warme Wasser das meine ganzen Körper
einhüllte fühlte sich wunderbar auf meiner Haut an. Ich fühlte mich ruhig und
entspannt. Ich ließ meinen Kopf langsam ins Wasser gleiten, bis ich fast ganz
untergetaucht war. Das Gefühl war nicht das gleiche wie in einer Zugangskapsel
voll mit LCL. Das Wasser erschien... pur, sauber, frisch. Ich tauchte erst auf
als ich spürte das ich den Atem nicht länger anhalten konnte und merkte das ich
versuchte das Wasser zu atmen. Macht der Gewohnheit, denke ich mal. Ich lehnte
meinen Kopf gegen den Rand der Badewanne und schloß meine Augen. Das fühlte
sich so gut an... Ich schlief langsam aber sicher ein.
* * *
Eine Straßenbahn, die mir bekannt vorkam, fuhr
einem unbekannten Ziel entgegen.
'Warum bin ich schon wieder hier?'
"Baka! Natürlich weil du EVA schon wieder
gesteuert hast!"
Ich hob meinen Kopf und sah mich Asuka
gegenüber. Sie trug ihr gelbes Kleid. Ihr Gesicht zeigte einen finsteren
Ausdruck.
'Das stimmt. Ich habe EVA gesteuert.'
"Du hast es doch gehaßt EVA zu steuern.
Warum hast du es trotzdem getan?"
Rei sitzt an meiner Seite. Ihr Gesicht ist genau
wie es noch ein paar Monate früher war. Kalt und gefühlslos.
'Weil... Ich euch beschützen wollte...'
"Wir brauchen deinen Schutz nicht, du
Trottel!"
'Ich wollte nicht das ihr verletzt werdet...'
"Aber du hast uns doch bereits verletzt. Du
bist vor uns davongelaufen, nachdem du unsere Gefühle verletzt hattest. Du bist
nicht besser als "Er"."
Rei stand auf und stellte sich neben Asuka.
Vater tauchte hinter ihnen auf, und legte jeweils eine Hand um ihre Hüften.
"Jetzt da du weg bist, kann ich meine
beiden Bauern so benützen wie ich es für richtig halte."
Er beugte sich zu Rei herunter. Sie sah ihn an,
ihre Augen waren leer und ohne jedes Gefühl. Dann trafen seine Lippen die
ihren. Ich schloß meine Augen weil ich das nicht sehen wollte.
"Ich hatte also recht, die Streberin ist
nichts weiter als eine Puppe des Kommandanten..."
'HÖRT AUF DAMIT!'
"Das einzige was du kannst ist sie zu
verletzen."
Ich öffnete meine Augen als ich diese neue
Stimme hörte. Ich erkannte diese Person. Das grauhaarige Mädchen.
"Je länger du deine Entscheidung
hinauszögerst, desto länger werden sie wegen dir leiden."
'Ich... Ich will das nicht.'
"Das Wissen darum läßt dich selber
leiden."
'Ja.'
"Aber wenn du nicht zu ihnen zurückgehst,
werden sie vergessen. Und du würdest keinen Schmerz mehr fühlen müssen."
'Will ich das?'
"Sie werden immer bei dir sein..."
'Bei mir?'
"Für immer."
'Für immer?'
"He, baka Shinji. Willst du eins mit mir
werden? Willst du das wir eins werden mit Körper und Seele? Es fühlt sich so
wundervoll an. Ich frage dich. Komm schon!"
Asuka steht völlig nackt zu meiner Rechten. Sie
lehnt sich gegen mich und ich kann ihre Brüste an meinem Arm spüren.
"Shinji. Willst du eins mit mir werden?
Willst du das wir eins werden mit Körper und Seele? Es fühlt sich so wundervoll
an."
Rei steht zu meiner Linken, ebenso nackt, ebenso
schön.
"Willst du eins mit mir werden?"
"Willst du das wir eins werden mit Körper
und Seele?"
"Es fühlt sich so wundervoll an."
Ich konnte sie spüren, wie ihre Hände über mich
wanderten. Ich fühlte mich friedlich. Aber seltsamerweise auch sehr kalt.
"Komm schon. Entspann dich. Öffne deinen
Geist."
Ich war bereit mich deren Umarmung hinzugeben.
Alles um mich herum schien sich zu verdunkeln. Ich fühlte mich benommen, aber
irgendwie auch leicht. Ich fühlte mich... frei.
"Wenn du vor der Wirklichkeit davonläufst,
dann wirst du sie für immer verlieren."
Ich öffnete meine Augen, genau einen Moment
bevor ich sämtliche Gefühle aus meinem Körper wichen. Ein kleines Mädchen schwebte in der Dunkelheit die mich nun
vollständig umgab. Sie starrte mich an. Sie sah aus wie eine jüngere Version
von Rei, aber etwas war anders. Ihr Haar war braun und ihre Augen blau,
dunkelblau. Trotzdem, sie kam mir... bekannt vor. Dieses warme Lächeln.
"Das sind nur Schatten. Bilder die EVA in
deinem Kopf erzeugt um dich hier zu behalten. Illusionen, die von EVA
geschaffen werden um die Menschen damit in die Falle zu locken. Menschen wie
mich. Diese dort sind nicht jene die du liebst. Kannst du es nicht erkennen?"
Ich sah Rei und Asuka an. Und ich verstand. Ihre
Augen waren kalt. Wie es auch ihre Körper waren.
'Das sind... Illusionen.'
Rei und Asuka verschwanden. Ich konnte jetzt
einen Herzschlag hören. Warm. Ich fühlte mich jetzt warm.
"Laß dich nicht von EVA in Versuchung
führen."
Ein Duft.
Ein sehr vertrauter Duft. Rei? Asuka? Misato? Nein. Jemand anderes...
'Mutter!'
Sie ist so nah, so nah...
'Mutter!!! Ich komme Mutter!'
"Nein, das darfst du nicht. Das ist nicht
dein Schicksal. Du mußt wieder zurück. Um sie zu beschützen. Um ihnen deine
Liebe zu geben.
'Aber ich werde sie verletzen...'
"Das ist nicht von Bedeutung. Sie brauchen
dich. So wie du sie brauchst."
Eine Stimme. Ich höre eine schwache Stimme. Eine
bekannte Stimme. Aber es ist nicht die von Mutter... sondern von jemanden...
der fast genauso wichtig war...
'Shinji! Gebt mir meinen Shinji zurück! Gebt ihn
mir zurück...'
Mi... Misato...?
"Du mußt zurück. Sie brauchen dich.
Beschütze sie gut. Ich werde dir helfen wenn ich kann..."
Mutter?
"Geh jetzt."
* * *
Ich schreckte aus meinem Schlaf hoch. Das war
kein Traum. Dessen war ich mir ganz sicher. Irgendwie war das tatsächlich
passiert. Während ich in EVA war. Es war real gewesen. Mutter. War sie... war
sie... im Innern... von EVA? Dieses Gefühl der Wärme das ich jedesmal spürte
wenn ich EVA steuerte, war das... Sie? War das der Grund warum Einheit-01 mich
immer beschützte?
Das machte keinen Sinn. Dennoch... auf
irgendeine Weise... wußte ich das es der Wahrheit entsprach. So viele Fragen.
Und der einzige der darauf die Antworten wußte würde sie mir wahrscheinlich
nicht geben...
"Ich... Ich werde dich nicht enttäuschen...
Mutter. Ich werde für ihre Sicherheit sorgen..."
Ich würde es zu Ende bringen, ich würde gegen
alle noch verbliebenen Engel kämpfen und dann die Wahrheit herausfinden. Bis
dahin... würde ich all das was ich weiß für mich behalten.
"Ich danke dir... Mutter."
* * *
Ich hatte gerade meine Haare abgetrocknet als
ich hörte wie die Wohnungstür geöffnet wurde. Dann sah ich verschwommen etwas
rotes, schwarzes und purpurnes und das nächste was ich weiß, war das mich in
einer kräftigen Umarmung wiederfand.
"Shinji! Hier bist du! Ich habe mir solche
Sorgen gemacht..."
Ich versuchte etwas zu sagen, aber die Tatsache
das mein Gesicht eingebettet in ihrer üppigen Brust lag ließ mir keine
Gelegenheit dazu. Ich weiß das einige Leute neidisch geworden wären wenn sie
diese Szene gesehen hätten, aber um ehrlich zu sein, wäre es mir lieber gewesen
atmen zu können...
"Shinji..."
Ich versuchte mich aus ihrer Umarmung zu
befreien. Erst nach ein paar Sekunden schien Misato zu merken was genau sie da
eigentlich tat und ließ mich los. Sobald ich meine Lungen wieder mit frischer
Luft gefüllt hatte, sah ich sie an. Sie weinte nicht, aber sie schien kurz
davor zu stehen. Sie lächelte mich warm an, dann setzte sie einen ernsteren
Ausdruck auf. Das war nicht gut...
"Wage es nie wieder die Krankenstation ohne
meine Erlaubnis zu verlassen, junger Mann!"
Als ich mit dieser Seit von Misato konfrontiert
wurde, fühlte ich mich plötzlich sehr, sehr klein...
Ich sah nach unten auf den Boden und murmelte
eine Entschuldigung.
"Go... gomen..."
"Ist schon in Ordnung Shinji..."
Als ich meinen Kopf hob um sie wieder ansah, war
ihr warmes Lächeln wieder da.
"Wir waren einfach nur besorgt wegen dir.
Bevor ich Touji getroffen habe, dachte ich du wärst wieder
davongelaufen..."
"Ich werde nie wieder davonlaufen, Misato.
Ich... ich habe jetzt einen Grund um EVA zu steuern..."
Misato seufzte erleichtert. Ich glaube das hatte
einiges an Gewicht von ihren Schultern genommen.
"Das ist gut, Shinji. Und jetzt mach dich
fertig, du mußt noch ins Hauptquartier. Ritsuko möchte ein paar Tests mit dir
machen, nur um sicherzugehen das das was passiert ist nicht irgendwelche Nebeneffekte verursacht hat. Du weißt doch was
passiert ist, oder nicht?"
"Touji hat es mir erzählt."
"Du erinnerst dich an gar nichts?"
Ich dachte an die Visionen dich erst vor kurzem
hatte... "Ich... Ich... Nein. Ich erinnere mich nicht..."
Ich haßte es sie anzulügen. Aber ich konnte ihr
nichts davon sagen. Was passiert ist, war so seltsam. Und ich wollte nicht das
der Kommandant erfuhr... was ich wußte.
"Ich verstehe..."
Misato kaufte mir offensichtlich nichts von dem
ab was ich gerade gesagt habe, aber sie stellte keine weiteren Fragen. Ich war
ihr dafür dankbar. Wie auch immer, ich mußte bei Dr. Akagi vorsichtiger sein.
"Kann... kann ich zumindest noch
frühstücken. Rei hat gesagt... das sie Frühstück macht..."
Misato lächelte.
"Ich denke ein paar Minuten mehr oder
weniger tun niemanden weh."
* * *
Ich glaube die Mädchen freuten sich mehr über
meine Rückkehr als ich mir vorgestellt hatte. Als ich zu Rei´s... nein...
*deren* Wohnung ging, wartete bereits ein üppiges Frühstück auf mich. Auf der
einen Seite des Tischs, sah ich ein Beispiel traditioneller japanischer Küche
stehen: Misosuppe, Fisch, Reisbällchen... Die andere Seite des Tischs bot
dagegen westliche Gerichte an: Omeletts, Bratwürstchen, Speck... In der Mitte
lag eine Platte mit Toast und mehreren Sorten Marmelade. Hinter dem Tisch
warteten die beiden Mädchen. Jede von ihnen trug eine Küchenschürze und ihre
Augen leuchteten Erwartungsvoll. Hatten sie nicht gesagt, das sie nicht mehr um
mich kämpfen würden?
Als ich mich an den Tisch setzte, steckte ich
ihn einem ziemlichen Dilemma. konfrontiert. Welches Essen sollte ich zuerst
probieren? Ich wußte bereits das Rei´s Essen hervorragend war, und ich konnte
mir denken das die japanischen Gerichte von ihr waren. Ich konnte ihre
Misosuppe bereits am Geruch erkennen. Asuka´s Kochkünste hingegen... Sie hatte
sich nie die Mühe gemacht zu kochen als sie noch mir und Misato zusammengelebt
hatte. Ich wußte also nicht was mich erwartete. Aber das schlimmste an diesem
Dilemma war das ich Angst hatte eine von ihnen zu verletzen wenn ich das Essen
der anderen zuerst probierte. Aber mir blieb gar nichts anderes übrig. Mit
irgendetwas mußte ich ja schließlich anfangen...
"Rei, ich weiß bereits das die Gerichte die
du kochst immer köstlich sind. Es macht dir dann doch nichts aus wenn ich mit
Asuka´s Essen beginne, oder doch?"
Rei errötete leicht bei diesem Kompliment.
"Nein... überhaupt nicht..."
Also nahm ich die Gabel und probierte ein Stück
vom Omelett. Ich war zwar eher an Stäbchen gewöhnt, aber ich schaffte es
trotzdem einen großen Bissen davon zu nehmen. Es war ziemlich würzig, aber
andererseits, auch ganz gut.
"Das ist sehr gut Asuka,"
beglückwünschte ich sie. Jetzt war sie es die errötete. "Du hast uns nie
gesagt das du so gut kochen kannst."
"Nun, ich konnte es nicht wirklich. Aber
ich habe mir die Zeit genommen um es mir beizubringen. Ich mag Rei´s
Kochkünste, aber im Gegensatz zu ihr bin ich keine Vegetarierin. Von Zeit zu
Zeit brauche ich auch etwas Fleisch! Und ich hatte das japanische Essen
satt!"
"Ich verstehe."
Ich muß zugeben das ich ein wenig enttäuscht
war. Immerhin hatte Rei kochen gelernt um mir eine Freude zu machen. Mir
entfuhr ein leichter Seufzer. Ich war zu dämlich. Es war ziemlich dumm, um
nicht zu sagen sogar selbstsüchtig, zu erwarten das sie nur Dinge taten die
mich erfreuen sollten. Immerhin hatten sie ja auch ein eigenes Leben...
Wahrscheinlich war ich jetzt an der Reihe auch
einmal etwas für sie zu tun...
"Welcher Tag ist eigentlich heute?"
fragte ich sie während ich abwechselnd von Asuka's Omelett aß und Rei`s
Miso-Suppe trank, die sich als sehr hilfreich erwies den scharfen Geschmack
runterzuspülen.
"Freitag."
"Also habt ihr beide morgen nichts vor,
richtig?"
Beide Mädchen nickten und sahen mich dabei
komisch an.
"Dann kann ich mit euch beiden morgen etwas
unternehmen?"
Asuka´s Augen leuchteten auf.
"Wo?! Wo?!"
"Äh... Überallhin wo ihr Mädchen
wollt."
Die Mädchen sahen sich gegenseitig an... und
grinsten. Es war ein dermaßen seltsamer Anblick das es beinahe schon zum
Fürchten war. Unversehens erwartete ich das schlimmste.
* * *
"Was ist zwischen Rei und Asuka
vorgefallen?" fragte ich, während Misato uns zum NERV Hauptquartier fuhr.
Sie schien sich durch die Frage ein wenig gestört zu fühlen, da sie langsamer
fuhr.
"Nun... sie sind Freundinnen
geworden..."
"Das habe ich gesehen. Und das war es auch
was sie mir gesagt haben. Aber... ich habe den Eindruck das hier irgend twas
nicht stimmt. Ich meine... sie waren praktisch Feinde. Ich kann... einfach
nicht glauben das die Dinge sich so sehr verändert haben."
"Du mußt verstehen wieviel du ihnen
bedeutest, Shinji. Als ich ihnen gesagt habe
das du... von EVA... absorbiert wurdest... haben sie das nicht besonders
gut verkraftet. Vor allem weil wir zu dieser Zeit nicht die leiseste Ahnung
hatten ob wir dich da rausholen können oder nicht. Es war hart... für jeden von
uns."
Misato´s Gesichtsausdrück verdüsterte sich ein
wenig. Mir war bewußt das sie auch von sich selbst sprach.
"Es... Es tut mir leid."
"Es ist nicht deine Schuld..."
Sie nahm für einen Augenblick ihre Augen von der
Strasse um mich anzulächeln.
Ein paar Fußgänger mußten dabei um ihr Leben
laufen.
"Rei kehrte sehr schnell wieder zu ihrem
alten Wesen zurück," erklärte Misato. "Es war schwer mehr als nur ein
'Ja' oder 'Nein' aus ihr herauszubekommen. Ich wußte das sich ihre Freundin
Hotaru Sorgen um sie machte. Sogar
bevor sie begann sich für dich zu interessieren, hatte Rei von Zeit zu Zeit
einen Funken Leben gezeigt. Aber als sie erfuhr das du vielleicht nicht mehr
zurückkommst... schien sämtliches Leben aus ihr zu weichen. Ich war ernsthaft
besorgt um sie"
War es vielleicht weil sich dachte das ich nicht
mehr zurückkommen werde? Wenn ich mich jemals für Asuka entscheiden sollte...
würde sie dann wieder so werden?
"Asuka war wesentlich aggressiver als
üblich. Sie wollte nicht an die Möglichkeit deines 'Todes' glauben und
schimpfte die ganze Zeit was für ein Trottel du doch wärst, erst den Engel zu
besiegen und dann einfach zu verschwinden, so das sie dich nicht zu Brei
schlagen konnte."
Ich mußte lächeln, als ich daran dachte was
heute Morgen passiert war, in der Tat, sie hatte mir eine Tracht Prügel
verpaßt.
"Ich glaube beide fühlen sich schuldig,
weil sie es nicht geschafft haben den Engel aufzuhalten und dich zu beschützen.
Sie wurden gefährlich depressiv.
Eines Nachts, glaube ich sind uns die
Lebensmittel ausgegangen. Wir... hatten vergessen welche zu kaufen. Ich...
war... naja... betrunken... also habe ich Asuka gesagt sie soll zu Rei gehen
und etwas zu Essen borgen. Ich habe Asuka erst am nächsten Tag wieder gesehen.
Misato machte eine lange Pause. Ich begann mir Sorgen zu machen.
"Ich habe sie am nächsten Morgen auf dem
Boden von Rei´s Wohnung gefunden wie sie sich umarmten. Ihr Kleidung war
zerrissen und sie waren über und über bedeckt mit blauen Flecken und Blut. Von
dem was sie mir später bereit waren zu erzählen, habe ich so viel erfahren das
sie einen Streit gehabt hatten weil Rei eines von deinen Hemden getragen hat.
Der Streit verschlimmerte sich noch als sie anfingen sich gegenseitig für das
zu beschuldigen was passiert war, wie schlecht sie dich behandelt haben und wie
unfähig sie darin waren dich zu beschützen. Aber als ich sie auf der
Krankenstation sah nachdem sie aufgewacht waren... schienen sie... verändert...
als wenn sie... Freundinnen wären. Meine Vermutung ist das sie während dieses
Kampfes ihre Differenzen beigelegt haben. Ich kann mir nicht sicher sein, weil
sie nicht darüber reden wollen. Wenn ich an das erste Mal zurückdenke als ich
sah wie sie sich gegenseitig umarmten... das war ein... störender Anblick."
Ich nickte, da ich den ganzen Morgen hindurch
das selbe Gefühl hatte.
"Und dann ist Asuka bei Rei
eingezogen?"
"Nach ein paar Tagen. Es schien das beste
für ihre Freundschaft zu sein wenn sie durch den Wettbewerb um dich zu
leben."
"Ich verstehe..."
Also hatten sie um mich gekämpft. Kein Wunder
das sie mir nichts davon erzählen wollten.
"Du bist ein Glückspilz, Shinji. Die beiden
lieben dich sehr."
"Ich weiß Misato-san."
Ich lächelte erneut. Ja, das Leben war
kompliziert, aber es war ein gutes Gefühl zu wissen das sich jemand um mich
kümmerte.
"Wir sind da," sagte Misato als sie
ihren Wagen einparkte. Die Aussicht Dr. Akagis Tests über sich ergehen zu
lassen stimmte mich nicht gerade fröhlich, aber ich lächelte immer noch als wir
bei ihr eintrafen.
* * *
Wie ich erwartet hatte, waren Dr. Akagi´s Tests
sehr langweilig und ermüdend. Sie nahm mir alle möglichen Körperflüssigkeiten
und andere Proben ab, dann schloß sie mich an Dutzenden verschiedener Maschinen
an, bevor sie mir schließlich einen Plug Suit gab und mich in eine
Zugangskapsel schob um Synchro und Harmonix Tests zu machen. Die Ergebnisse?
Wenn man nicht in Betracht zog das meine Synchronrate um einen Punkte gesunken
ist, war alles in Ordnung. Also wurde ich für nicht und wieder nichts zu Tode
gelangweilt. Ich fing bei diesem Gedanken an zu kichern. Eigentlich war es
Asuka die sich üblicherweise darüber beschweren würde.
Da ich nun sämtliche Tests des Doktors hinter
mir mich gebracht hatte, ging ich zurück in unsere Wohnung, nur um
festzustellen das meine Strapazen noch lange nicht vorbei waren. Ich stieß
einen Seufzer der Verzweiflung aus als ich mir das Schlachtfeld das Misato ihr
Zuhause nannte ansah. Ich sah auf einmal Rei´s blitzblank saubere Wohnung vor
meinem geistigen Auge. Ich seufzte nochmals. Resigniert begann ich leere
Bierdosen aufzusammeln. Die Schule würde in weniger als zwei Stunden zu Ende
sein.
Genug Zeit um hier wenigstens ein bißchen
sauberzumachen.
Ich lag mit meiner Schätzung richtig, da ich es
schaffte den gröbsten Dreck in 1 1/2 Stunden zu beseitigen. Erschöpft ging ich
auf mein Zimmer. Ich wollte mich schon auf mein Bett fallen lassen, als ich
merkte das irgendetwas nicht stimmte. Hier war alles sauber. Wirklich sauber.
Kein Staub. Man konnte es riechen. Ein schneller Blick bestätigte das mein
ganzer Besitz hier zu sein schien, außer wahrscheinlich dem Hemd das Rei sich
scheinbar auf Dauer geborgt hatte. Ich mußte sie deswegen einmal fragen. Ich
war neugierig warum sie eines von meinen Hemden behalten hatte. Vielleicht um sich
mir nahe zu fühlen?
In einer Ecke des Raums, sah ich mein Cello
stehen. Es stand nicht an seiner üblichen Stelle, also hob ich es auf um es
woanders hinzustellen, änderte dann aber meine Meinung und verließ mein Zimmer
mit dem Cello in der Hand und setzte mich auf einem Stuhl in der Küche. Als ich
es das letzte mal gespielt hatte, war ich in einer sehr deprimierten Stimmung
gewesen. Dieses mal aber fühlte ich mich glücklich. Ich wollte sehen ob sich
meine Stimmung auch in meiner Musik widerspiegeln würde. Und das tat es. Die
Melodie war schöner, fröhlicher. Ich schien besser zu spielen als üblich. Ich
schloß meine Augen und konzentrierte mich voll und ganz darauf mein Instrument
zu spielen. Ich öffnete meine Augen erst als ich hörte wie die Wohnungstür geöffnet
wurde. Rei trat ein, mit einem Lächeln, gefolgt von Asuka die ganz
offensichtlich in schlechter Stimmung war. Sie murmelte vor sich hin und
manchmal konnte ich auch ein paar deutsche Flüche hören. Scheinbar war es heute
in der Schule nicht besonders gut für sie gelaufen.
"Haben wir dich unterbrochen?" fragte
Rei.
Mir wurde klar das ich zu spielen aufgehört
hatte.
"Ich... Ich habe nur ein wenig geübt... Ich
kann aufhören..."
"Nein. Mach weiter."
Ich sah Rei an. Sich lächelte mich einfach nur
an. Dann sah ich zu Asuka. Sie gab mir einen "Ist mir doch egal"
Blick. Also nahm ich mein Spiel wieder auf, strich mit dem Bogen über die
Seiten meines Cellos. Die kräftigen, tiefen Akkorde dröhnten durch die ganze
Wohnung. Ich bereute das ich nicht mehr geübt hatte, da ich, obwohl ich mein
bestes gab, immer wieder schiefe Töne hervorbrachte. Es kam nicht oft vor das ich Publikum hatte, und ich wollte für
sie wirklich gut spielen.
Rei saß auf ihren Knien, und sah mir vom
Wohnzimmer aus zu wie ich spielte. Ihr Gesichtsausdruck war derselbe wie immer,
aber das Interesse in ihren roten Augen war aufrichtig. Ich begann mich zu
fragen ob sie sich überhaupt jemals zuvor hingesetzt und Musik gehört hatte.
Ich meine einfach nur entspannen und der Musik lauschen. Sicher hatte sie in
ihrem bisherigen Leben bestimmt schon einmal Musik gehört, doch als ich sah
welches Interesse sie in diesem Moment zeigte, drängte sich mir der Verdacht
auf, daß sie noch nie begriffen hatte, worum es bei Musik eigentlich ging.
Ihre Augen folgten den Bewegungen meiner Hand
mit gespannter Konzentration. Sie schien bezaubert zu sein von der Vielfalt an
Noten die ein einzelner Strich mit dem Bogen hervorbrachte. Einen Moment später
blickte sie mir tief in die Augen, und lächelte. Es war ein dankbares Lächeln.
Dankbarkeit für diese neue Erfahrung die sie durch mich gemacht hatte. Ich
lächelte zurück.
Als ich flüchtig über Rei´s Schulter blickte sah
ich die andere Gestalt in diesem Raum. Anders als Rei, die gerade und
ordentlich saß, hatte Asuka so viel Platz wie nur möglich für sich in Beschlag
genommen . Arme und Beide von sich gestreckt, lag sie auf ihrem Rücken und sah
auf die Decke, ein Musterbeispiel an Entspanntheit.
Ich hatte erwartet das Asuka meines Spiels
überdrüssig wird und mir sagen würde das ich mit dem Krach aufhören soll, aber
sie tat es nicht. Sie harrte einfach dort aus und lag auf dem Boden. Während
meiner ganzen Vorstellung hindurch warf ich ihr immer wieder Blicke zu und
bemerkte das sich ihre Züge sich langsam entspannten und zu einem zufriedenen
Lächeln wurden.
Als ich das sah ließ es das mein Lächeln auf
meinem Gesicht größer werden, aber ich zog schnell meinen Kopf ein. Es war wohl
besser wenn sie mein Grinsen nicht sah und dahinter die 'Musik besänftigt die
wilde Bestie' Absicht vermutete die mir im Kopf herumspukte.
Ich hatte kein Interesse daran noch einmal ihre
Fäuste zu spüren zu bekommen.
Ich spielte so für annähernd eine Viertelstunde.
Asuka schien auf dem Boden langsam einzuschlafen. Ein wenig näher bei mir,
hatte Rei ihre Augen geschlossen, aber ihr Lächeln zeigte das sie die Musik
immer noch genoß. Diese friedliche Atmosphäre wurde bald durch die Ankunft von
Misato unterbrochen.
"Hallo Leute!"
Dann erstarrte Misato bei dieser Szene von
Frieden und Ruhe die wir boten. Das war etwas was man nicht alle Tage im
Katsuragi Haushalt zu sehen bekam.
"Ich danke dir," flüsterte Rei, bevor
sie aufstand und in die Küche ging um etwas Tee zu machen.
Asuka kam wieder zu sich, rannte zum Telefon und
ließ mich und den Major allein zurück.
"Nun, da ihr ja alle hier seit, können wir
jetzt unsere Party feiern!" sagte Misato lächelnd.
"Party?" fragte ich, ein wenig
argwöhnisch.
"Mach dir keine Sorgen! Nur wir vier. Und
ich schwöre das ich mich nicht betrinken werde!"
Katsuragi Misato? Schwört das sie sich nicht
betrinken wird? Na, das war doch mal was...
"Das Essen wird in ein paar Minuten
geliefert werden!" gab Asuka bekannt als sie aus dem Wohnzimmer zurückkam.
"Geliefert?" fragte ich überrascht.
Wir ließen uns nur äußerst selten das Essen liefern. Besonders seit dem Rei und
ich uns ums Kochen kümmerten. Und jetzt da auch Asuka zu wissen schien wie man
kochte schien das ganze noch seltsamer.
"Anta baka!" Es ist eine Party! Du
erwartest doch nicht von uns das wir kochen werden, oder etwa doch?"
Ich denke ihre Argumentation machte Sinn.
* * *
Wie Asuka es gesagt hatte, wurde das Essen bald
geliefert und wir nahmen alle Platz an dem kleinen Tisch im Wohnzimmer. Misato
saß mir gegenüber, während Rei und Asuka an meiner Seite saßen.
"Fühlt sich seltsam an. Ich hatte schon
fast vergessen wie Tee schmeckt..."
Es war in der Tat seltsam Misato statt Bier oder
Kaffee Tee trinken zu sehen.
"Du solltest aufhören Alkohol zu trinken.
Er ist nur schädlich für deine Gesundheit."
"Ja, ich weiß Rei... vielleicht werde ich
es irgendwann..."
Misato nahm einen weiteren großen Schluck Tee
bevor sie, mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht, weiter sprach.
"Shinji... Asuka... Rei... ihr alle seid
für mich wie die Kinder die ich nie hatte... und wahrscheinlich nie haben
werde. Ich... Ich bin froh das wir endlich wieder alle zusammen sind. Es sind
nur noch drei Engel übrig. Ich hoffe von ganzem Herzen das wir ein ähnliches
Beisammensein haben werden sobald wir sie besiegt haben. Das ist mein
Wunsch."
"Komm schon Misato! Du bist immer noch
jung! Ich bin mir sicher Kaji wäre entzückt ein oder zwei Babies mit dir zu
haben..." sagte Asuka mit einem breiten Grinsen das ihr Gesicht beinahe in
zwei Hälften teilte.
Normalerweise war es eigentlich Misato die uns
immer ärgerte. Aber jetzt war sie es die rot wie eine Tomate anlief.
"Was?! Es ist... Es ist nicht das was du
denkst..."
"Wo warst du letzte Nacht?"
Misato´s Gesicht war plötzlich so blaß wie das
von Rei.
"Äh... Nun... Wer... wer möchte schon
Kinder von jemanden wie ihm haben?!"
"Wenn Shin-chan nicht wäre, hätte ich
nichts dagegen einzuwenden."
Alle am Tisch, ausgenommen Asuka, waren mit
einem mal sprachlos.
"Aber ich möchte lieber eines von Shin-chan
haben..."
Ich schluckte hart. Rei funkelte Asuka an. Ich
denke ihr gefiel nicht die Richtung, die dieses Gespräch einschlug. Mir
jedenfalls ganz sicher nicht...
"Ich frage mich wie es wohl aussehen würde?
Vielleicht ein süßes kleines Mädchen mit meinen Haaren und seinen dunkelblauen
Augen..." Asuka hatte fast schon einen verträumten Ausdruck auf ihrem
Gesicht. Langsam bekam ich es mit der Angst zu tun. "He, Rei-chan? Wenn du ein Kind mit Shin-chan hättest, was glaubst du wie es
aussehen würde?" fragte Asuka mit einem Grinsen, jetzt wieder ganz sie
selbst.
Rei´s Reaktion darauf wahr wahrscheinlich nicht
das was Asuka erwartet hatte. Ihre Stäbchen fielen auf den Tisch. Mit einem Mal
änderte sich ihr ruhiger und gelassener Gesichtsausdruck zu einem zutiefst
traurigen und verzweifelten.
Tränen rannen haltlos über ihre Wangen und
fielen auf ihrem Teller.
"Rei?"
Als wenn die Erwähnung ihres Namens sie aus
einem tiefen Dämmerzustand gerissen hätte, sprang sie auf und rannte aus der
Wohnung. Wir saßen da, ratlos und verwirrt über das was gerade eben passiert
war.
"Was ist los mit ihr? Ich... Ich hatte das
gar nicht ernst gemeint. Ich bin nicht mal daran interessiert Kinder zu haben.
Alles was ich will ist EVA zu steuern..."
"Ich weiß es nicht. Ich... Ich werde zu ihr
gehen. Entschuldigt mich."
Dieser Blick von ihr... Ich mußte wissen was
nicht stimmte. Ich glaube das Asuka mitkommen wollte, aber Misato hielt sie
zurück.
* * *
Ich fand Rei in ihrem Zimmer vor. Sie hatte ihr
Gesicht in einem Kissen vergraben und weinte, wie ich sie noch nie zuvor hatte
weinen sehen. Schweigend näherte ich mich ihr, ohne zu wissen was ich sagen
oder tun sollte.
"Rei..."
Ich legte ihr eine Hand auf die Schulter und
fuhr mit ihr zu ihrem Kopf wo ich ihr weiches und unordentliches blaues Haar
streichelte.
"Was stimmt den nicht, Rei?"
Sie drehte leicht ihren Kopf und sah mich an.
Mir wäre bei diesem Anblick fast das Herz gebrochen.
"Rei..."
"Ich... Ich... Ich..."
Sie brachte kein Wort mehr über die Lippen.
Wieder fing sie an zu weinen. Weil ich nicht wußte was ich sonst tun sollte,
nahm ich sie in meine Arme. Sie umklammerte mich mit einem festen Griff und
weinte sich an meiner Schulter aus, solange bis sie sich selbst in den Schlaf
geweint hatte.
* * *
Am nächsten Morgen fühlte sich Rei anscheinend
schon wieder besser. Sie kam in unsere Wohnung und bat uns um Verzeihung für
ihren gestrigen Gefühlsausbruch. Als wir sie fragten was denn passiert sei,
sagte sie einfach nur das nicht darüber reden wolle. Wir bohrten in dieser
Angelegenheit nicht weiter nach, aber als ich Misato´s Gesichtsausdruck sah,
konnte ich mir denken das sie noch nicht bereit war aufzugeben. Ich war mir
nicht sicher ob sie sich Sorgen machte in ihrer Rolle unseres Vormunds oder als
unser vorgesetzter Offizier. Wahrscheinlich beides.
Nach dem Frühstück klärten mich die Mädchen über
die Pläne auf die sie für diesen Tag hatten. Am Anfang schien sich Asuka ein
wenig unbehaglich zu fühlen, wahrscheinlich fühlte sie sich schuldig für das
was gestern abend passiert war, aber die Aussicht auf den heutigen Tag ließ sie
diesen Vorfall schnell wieder vergessen. Ihre Pläne waren eigentlich ziemlich
simpel. Es war nicht wirklich eine Überraschung, da immer mehr Menschen Tokyo-3
verliessen und es deswegen nicht mehr allzuviel gab was man unternehmen konnte.
Als erstes wollten sie zum Shoppen in das Einkaufszentrum...
"Das Einkaufszentrum?"
"Ja! Wir müssen dir wirklich etwas neues
zum anziehen kaufen!"
"Mir etwas zum anziehen kaufen? Was stimmt
denn nicht mit meiner Kleidung?"
"Du trägst immer nur die gleichen
Sachen," antwortete Rei.
"Du hast überhaupt keinen eigenen Stil!
Immer nur diese dämlichen Schulhemden und gelegentlich ein T-Shirt!"
"Aber ich brauche keine neue
Kleidung!"
"Hat Rei neue Kleidung gebraucht?"
fragte Asuka und zeigte auf Rei die heute ein blaues Kleid mit langen schwarzen
Lederstiefeln trug, die sie höchstwahrscheinlich von Misato hatte.
Ich wußte nicht was ich sagen sollte. Rei sah
wirklich hübsch aus. Also hielt ich einfach meinen Mund und ließ mich von ihnen
mitschleppen.
Der Rest des Tages war genauso simpel verplant
worden. Wir würden unsere Pakete in die Wohnung bringen und dort zu Mittag
essen, dann wieder zurück ins Einkaufszentrum und unser restliches Geld auf den
Kopf hauen, anschließend wieder zurück in die Wohnung wo ich ihnen das
Abendessen zubereiten würde, und schließlich würden wir ins Kino gehen um uns
einen Film anzusehen. Und wenn wir dann noch nicht zu müde waren, wollte Asuka
noch irgendeine Diskothek ausprobieren von der sie gehört hatte, bevor sie
geschlossen wurde. Rei und ich tauschten besorgte Blicke aus. Ich wußte wirklich
nicht wie man tanzte und ihr schien es genauso zu gehen. Wir seufzten beide als
unser rothaariger Begleiter uns dem Weg zum Einkaufszentrum wies.
* * *
Ich seufzte als mich die Mädchen schließlich für
einen Moment allein ließen um ein Geschäft für Damenunterwäsche zu betreten.
"Keine Perversen erlaubt" war die Warnung die mir Asuka gegeben
hatte. Um ehrlich zu sein, wäre das auch der letzte Ort gewesen an dem ich
ihnen hätte folgen wollen. Denn falls ich es tat, konnte ich mir sicher sein das
es ihnen eine diebische Freude bereiten würde mich zu quälen indem sie mich
fragten was meiner Meinung nach am besten aussehen würde. Sie hatten mich schon
genug geärgert als sie die Badeanzüge anprobiert hatten... Es war zwar ein
erfreulicher Anblick gewesen, aber für meinen Geschmack bin ich zu oft rot
angelaufen.
Ich seufzte nochmals. Mit einer von ihnen
zurechtzukommen war schon schwierig. Aber beide zur gleichen Zeit, das war
schon ziemlich anstrengend...
Ich sah mich nach einem Platz um wo ich mich
hinsetzen konnte, als mir plötzlich etwas ins Auge fiel. Ich war mir nicht
sicher warum. Vielleicht weil ein Teil von mir sich danach sehnte das diese
ganze Situation endlich zu einem Ende kommen würde. Eines aber war sicher, was
auch immer es war, irgend etwas drängte mich dazu mir das Fenster dieses
kleinen Juweliergeschäfts genauer anzusehen; genauer gesagt den Verlobungsring
der dort auslag. Er war eher schlicht gehalten. Ein goldener Ring mit einem
einzelnen Diamanten. Aber trotzdem, ich fühlte mich von ihm magisch angezogen.
Nur Minuten später trug ich ihn einer von meinen
Taschen. Wie auch immer, ich mußte mich immer noch entscheiden wem ich ihn
geben würde...
(Fortsetzung folgt...)
Nächstesmal:
Kapitel 8 - Tränen / Diese drei Worte die ich
hätte sagen sollen