Neon Genesis Evangelion: Meine Liebe gilt...
Kapitel 10 - Vergiß nie
Geschrieben von Alain Gravel <rakna@globetrotter.qc.ca>
Übersetzt von Riccardo Skodda <r.skodda@t-online.de>
http://www.geocities.com/Tokyo/Teahouse/2236/
Based on
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Oben auf einem von Tokio-3's Gebäuden, starte das junge Mädchen auf die vor ihr liegende Stadt als die Sonne aufging. Es wehte ein starker und kalter Wind, der ihre grauen Haare flattern ließ und ihr Kleid eng an ihren jungen Körper drückte. Es war ihr egal; Der Wind fühlte sich gut an. Er war so... frei.
Sie fühlte einen tiefen Respekt für diese Stadt. Selbst nach solch schrecklichen Angriffen stand sie immer noch, ein Sinnbild für den Stolz der Lilim.
Zahlreiche Gebäude waren zerstört worden, aber schon arbeiteten unzählige Männer und Frauen hart um die Stadt wieder aufzubauen... bis die nächste Welle der Zerstörung kommen würde.
Wie so oft dachte das Mädchen über ihr Vorhaben nach. War es wirklich notwendig? Sie erinnerte sich an den letzten Angriff. Sie hatte das Ergebnis mit ihren eigenen Augen gesehen. Der Rotschopf wurde vernichtend geschlagen. Sie würde sich nicht mehr einmischen können. Sie fühlte Mitleid für dieses Mädchen. Aber noch viel mehr für den Jungen.
Dieser Junge... warum konnte sie ihn nicht aus ihren Gedanken verbannen.
Sie starte in den Himmel. Er kommt. Sie konnte es fühlen. Armisael, der sechzehnte Botschafter. Wenn er versagte, dann bliebe nur noch einer übrig.
"Wirst du diesmal Kämpfen, Ikari Shinji?"
- - -
"Squawk! Squawk!"
Pen-Pen schlug fröhlich mit seinen Flügeln als ich die Wohnung betrat. Es war erst ein paar Tage her, seit ich in die andere Wohnung gezogen war, darum überraschte es mich das mich der Warmwasservogel anscheinend tatsächlich vermisst zu haben schien.
"Ohayo, Shinji." (*)
Ich sah von dem Pinguin zu Rei hinüber, welche gerade eben aus dem Badezimmer gekommen war. Sie hatte ein großes Handtuch um ihren Körper gewickelt und ein anderes um ihren Kopf. Es fühlte sich gut an ihre Stimme zu hören. Aber noch weit besser fühlte es sich an sie zu sehen. Ohne es eigentlich wirklich zu wollen, waren wir uns in den letzten Tagen aus dem Weg gegangen. Ein Teil von mir fühlte sich ein wenig unangenehm in ihrer Nähe, so ähnlich wie ich mich in Asukas Nähe nach dem Unfall am See und der Zerstörung von EVA-03 gefühlt hatte.
"Ich ziehe mich an, dann können wir beginnen," sagte Rei einfach, bevor sie lächelte, anscheinend glücklich mich zu sehen.
"Ich... Ich werde auf den Balkon auf dich warten."
Ich sah ihr nach wie sie in mein ehemaliges Zimmer ging. Ich erinnerte mich an das erste Mal als sie diesen Raum betreten hatte, dass erste Mal als wir zusammen geschlafen hatten. Die Erinnerung daran war immer noch sehr lebendig, trotzdem fühlte es sich so an als wenn es schon eine Ewigkeit her wäre.
Nachdem ich ins Badezimmer gegangen war um die Sachen zu holen die ich für meine Aufgabe brauchte und bereitete einen Stuhl für Rei vor. Es wehte ein frischer, aber nicht kalter Wind, und die Sonne schien hell am Himmel. Es war einfach perfekt.
"Es ist ein schöner Tag," sagte Rei und fasste meine Gedanken damit in Worte.
"Ja"
Es war wirklich ein schöner Tag, aber Rei war noch viel schöner anzusehen. Sie trug ein kurzes braunes Sommerkleid, ein Kleidungsstück dass ich sie nie vorher habe tragen sehen. Die Farbe ihres feuchten Haares sah kräftiger als sonst aus und das natürlich Licht des Tages ließ ihre milchige Haut noch blasser erscheinen. Sie war wirklich wunderschön.
Mit einer Handbewegung lud ich sie ein sich zu setzen, und legte ihr ein Handtuch über ihre Schultern
"Bist du dir wirklich sicher, das du das willst?", fragte ich, und blickte dabei misstrauisch auf die Schere in der einen, und auf den Kamm in der anderen Hand. "Ich... Ich werde es vermutlich ruinieren..."
"Ich vertraue dir."
"Aber... warum... warum fragst du mich?"
"Hotaru hat mir das letzte mal die Haare geschnitten. Es hat sich gut angefühlt; entspannend. Ich will dasselbe auch bei dir spüren. Und... Friseure machen mich... nervös. Sie neigen dazu mein Haar anzustarren..."
"Oh..."
"Es ist auch eine Gelegenheit dich zu sehen, Ich... habe dich vermißt."
Der Klang ihrer Stimme... Ich war fest entschlossen mich wegen meiner Entscheidung mich mehr um Asuka zu kümmern und für sie da zu sein bis sie sich besser fühlte nicht schuldig zu fühlen. Bis jetzt hatte ich es auch geschafft jedes Gefühl von Schuld zu unterdrücken. Aber diese Worte... es fühlte sich so an als hätte sie mir ein Messer in die Brust gerammt.
"Es... Es... Es tut mir leid..."
Ihre Finger strichen über meine Hand, die gerade auf ihrer Schulter lag. Es war eine sehr sanfte Berührung.
"Es ist nicht dein Fehler. Ich verstehe dich. Und ich bin froh darüber dass du ihr hilfst. Du solltest dich also nicht schuldig desewegen fühlen."
"Rei..."
"Wir sind doch gerade zusammen, oder? Wir sollten diesen Moment einfach genießen..."
Ich lächelte, und fühlte mich gleich leichter ums Herz. Womit hatte ich nur die Liebe von solch einem wunderbaren Mädchen verdient?
Ich lehnte mich zu ihr hinunter um sie zu küssen als ich plötzlich lautstark unterbrochen wurde.
"Squawk! Squawk!
Squawk!!!"
Ich sah zu dem Pinguin herunter. Bildete ich mir das nur ein oder schien Pen-Pen tatsächlich wütend auf mich zu sein? Ich konnte es wegen der Sonnenbrille die er trug nicht genau sagen. Wo hatte er die überhaupt her?
"Pen-Pen"
Der Vogel beruhigte sich und blickte zu Rei herüber, er sah sehr glücklich aus. Das junge Mädchen lehnte sich runter um ihn aufzuheben, und setzte ihn auf ihren Schoß.
"Er... er scheint dich sehr zu mögen..." sagte ich, immer noch verwirrt durch das Verhalten des Pinguins. Er... er war doch nicht etwa eifersüchtig... oder doch?
"Ich hoffe das er das tut. Er ist der Einzige der mir Gesellschaft leistet. Ohne ihn würde ich mich sehr einsam fühlen. Ich glaube... Ich habe mich Gesellschaft gewöhnt, seitdem Asuka bei mir eingezogen ist..."
"Oh... also... das bedeutet also das Misato-san immer noch die meiste Zeit bei NERV verbringt..."
Misato hatte nicht gelogen als sie sagte sie würde nach der Wahrheit suchen. Seit Kaji's Tod bekamen wir sie immer seltener zu Gesicht.
"Ja, sie kommt nur hierher um zu schlafen, sich zu waschen und die Kleider zu wechseln. Oft frühstückt sie nicht einmal."
"Hat sie sich auch an ihren Vorsatz gehalten kein Bier mehr zu trinken?"
Kurz nachdem sie mir gesagt hatte, dass Kaji tot sei, hatte sie versprochen mit dem Trinken aufzuhören. Ich hatte nicht wirklich geglaubt, dass sie ihr Versprechen halten könnte, aber sie schien durchgehalten zu haben, bis ich in Asuka's Wohnung gezogen war.
"Ich habe sie nicht einmal Trinken sehen seitdem ich hier wohne."
"Oh..."
Ich war stolz auf sie. Alte Gewohnheiten konnte man nur schwer ablegen und der Tod von Kaji hatte sie schwer getroffen. Ich wußte besser als jeder andere wie verführerisch es für sie gewesen sein muß vor der Realität zu flüchten...
"Du solltest jetzt anfangen meine Haare zu schneiden, bevor sie völlig getrocknet sind."
Ich stöhnte. Ich hatte gehofft sie würde ihre Meinung ändern. Offensichtlich hatte sie das wohl nicht vor. Also nahm ich Kamm und Schere... und fing an zu arbeiten. Ich versuchte ruhig zu bleiben, aber innerlich war ich ein nervöses Wrack. Ich war mir sicher dass ich ihre Haare völlig ruinieren würde!
"Wie... geht es Asuka?"
Ich hatte diese Frage erwartet.
"Ein bißchen besser. Hikari hat sie in ihr Haus eingeladen, und versucht sie ein wenig aufzumuntern. Aber... da ist immer noch etwas... über das sie nicht reden will. Ich denke sie fängt langsam an zu akzeptieren das es nichts gegeben hat, was sie gegen den Engel hätte ausrichten können... aber ich spüre das sie etwas vor mir verbirgt. Sie weint nachts immer noch. Es... hat wohl mit ihrer Mutter zu tun. Sie sagt manchmal 'Mama' im Schlaf."
"Ich verstehe... du schläfst also bei ihr."
Ich erstarrte.
"Manchmal... ruft sie nach mir..."
Ich fühlte mich wirklich noch nicht bereit über die erste Nacht zu sprechen, aber ich wollte sie auch nicht anlügen. Also hoffte ich, dass ich das Thema einfach vermeiden könnte.
"Mach dir keine Sorgen. Es macht mir nichts aus. Du tust das richtige."
Wie auch immer, mir war nicht entgangen dass ihre Stimme nicht so überzeugt klang wie sie es nach ihren Worten eigentlich hätte sein müssen.
Es war wohl an der Zeit für einen Themenwechsel.
"Hast du Hotaru eingeladen, wie ich dir vorgeschlagen hatte?"
Das blauhaarige Mädchen nickte mit einem Lächeln. Ich war froh dies zu hören. Ich hatte mir nämlich sorgen gemacht ob Rei sich einsam fühlen würde. Einmal hatte sie bei Hotaru geschlafen, sie aber noch nie hierher eingeladen. Als Rei und Asuka sich zusammengerauft hatten, hatte Rei weniger Zeit mit ihren anderen Freunden verbracht. Ich dachte es wäre eine gute Gelegenheit für beide um etwas Zeit miteinander zu verbringen.
"Also, hattet ihr beide Spaß?"
"Es war... sehr angenehm..."
Ich erstarrte erneut.
Rei wurde Rot. Sehr rot sogar. Das... das war nicht normal.
"Was... was habt ihr beide gemacht?"
"Wir haben uns einen Film angesehen"
Sie sprach diese Worte mit monotonen Stimme aus, errötete dabei aber noch stärker. Ich spürte ein wachsendes Gefühl der Furcht, vor allem da das Kino von Tokyo-3 tagsüber mittlerweile geschlossen war und die Nacht hindurch nur eine Art Film zeigte.
Mein Verstand sagte mir das Thema genau an diesem Punkt zu wechseln.
"Du... du... und... Hotaru... habt euch einen Film angesehen?"
So viel zum Thema Verstand...
"Ja."
"Was... was für eine Art von... Film?"
Mist! Warum habe ich nur gefragt? Eigentlich wollte ich das doch gar nicht wissen...
Okay, ich *wollte* es wissen, aber ich versuchte diesen Teil von mir unter Kontrolle zu halten.
"Einen Film für Erwachsene," flüsterte Rei die dabei mehr und mehr errötete.
"W... Warum?"
"Hotaru-chan hatte Frage... über Sex."
"Fr... Fragen?"
"Ja. Vor ein paar Monaten hat sie jemanden über das Internet getroffen. Jemand in unserem Alter, falls er nicht gelogen hat. Es scheint so, als hätte sie... Gefühle für diese Person entwickelt. Er hat gefragt ob sie sich in einer Woche treffen können. Sie war sich aber noch nicht sicher was sie tun soll. Also habe ich ihr von unserer ersten Verabredung erzählt... und wie es endete. Dann hat sie mich mich gefragt wie das ist... mit Sex und so. Sie ist ziemlich schüchtern und naiv. Ich dachte eine Demonstration wäre für sie der beste Weg, um zu... lernen."
"Hat sie...?"
"Sie war zu verlegen um irgend etwas im Kino zu tun..."
Während mein Verstand mehr oder weniger kurz vor einem Kollaps stand, und ein anderer Teil von mir um die Kontrolle kämpfte, drängte sich mir der Gedanke auf das Rei vielleicht *nicht* zu verlegen gewesen war. Mein Blutdruck muß bei diesem Gedanken wahrscheinlich in schwindelerregnde Höhen gestiegen sein, vor allem wegen dem Bild das ich plötzlich vor Augen hatte.
Ebenso achtete ich nicht mehr darauf was ich mit der Schere machte.
"... also mußte ich es ihr beibringen als wir wieder zu Hause waren."
Ich war so weit auf der Stelle ohnmächtig zu werden.
"Was!? Ihr zwei... habt ihr...?"
"Nein, sie hat sich an mir nur ein Beispiel genommen."
Zwar fühlte ich mich bei diesem Gedanken ein wenig erleichtert, trotzdem blieb immer noch ein unbehagliches Gefühl.
"Mach dir keine Sorgen Shin-chan. Du bist der einzige den ich begehre. Als ich mir diesen Film angeschaut habe, habe ich nur an dich gedacht."
Hätte sie mir bei diesen Worten gegenüber gestanden und in die Augen geblickt, dann wäre ich wahrscheinlich hier und jetzt in ihren Armen dahingeschmolzen.
Aber das war glücklicherweise nicht der Fall.
Wie auch immer, lag eine Starke Spannung in der Luft. Rei's Herz schlug wahrscheinlich genauso schnell wie das meinige.
Die Situation hätte außer Kontrolle geraten können, das heißt, wenn ich nicht gemerkt hätte was ich mit Rei´s Haaren angestellt hatte.
Ich schnappte nach Luft und vergaß alles was Sekunden zuvor noch gesagt worden war.
Oh Mein Gott!
Ich fing an zu schwitzen...
* * *
"En... Entschuldigung..."
Rei sah mich mit einem ärgerlichen Blick an.
"Du hast dich schon mehr als genug entschuldigt. Es ist nicht so tragisch, Shinji. Es wächst wieder nach."
Ich versuchte sie nicht anzusehen. Ich fühlte mich deswegen wirklich schlecht. Ich hatte sie gewarnt. Habe ich ihr nicht gesagt, dass ich ihr Haar ruinieren würde?
Nun, es war nicht *so* schlecht. Rei's Haare waren immer schon ein bißchen unordentlich gewesen. Tatsächlich war die rechte Seite gar nicht so schlecht (Ich hatte aber auch nicht sehr viel daran gearbeitet). Das Problem war, dass die linke Seite *viel* kürzer war. Rei sah dadurch ein wenige komisch aus. Ich hätte es riskieren können noch etwas mehr Haar von der rechten Seite wegzunehmen, aber ein Anruf vom Hauptquartier, ein weiterer Engel griff an, hielt mich von weiteren Versuchen ab.
Vielleicht war es besser so.
Wenigstens würde es den nützlichen Effekt haben Asuka zum ersten mal seit Tagen wieder zum Lachen zu bringen. Jedenfalls solange, bis Ritsuko ihr befahl wieder ihren Plugsuit anzulegen. Ich wünschte das Misato da wäre, Ritsuko konnte manchmal so gefühllos sein. Zum allerersten Mal war es klar, dass Asuka überhaupt nicht mehr danach begierig war in einen EVA zu steigen.
Ich fühlte mich deswegen richtig niedergeschlagen. Aber noch viel mehr machte ich mir Sorgen um sie.
* * *
EVA-01 befand sich immer noch in Cryostase. Mir gefiel diese Tatsache nicht im geringsten. Nach der Sache mit dem Fünfzehnten Engel, hatte ich mir geschworen die Mädchen nicht mehr alleine kämpfen zu lassen. Offenbar schien das dem Kommandanten egal zu sein. Was für ein Idiot! Asuka war noch nicht bereit zurückzukommen. Nicht jetzt. Wenn ich nicht gefürchtet hätte Asuka noch mehr zu verletzen als sie es sowieso schon war, dann hätte ich um Erlaubnis gebeten EVA-02 zu steuern. Aber mir war klar das sie ohnehin abgelehnt hätten. Ich war der einzige der EVA-01 steuern konnte, auch wenn er momentan nicht in Gebrauch war.
Ich haßte das.
Das Einzige was mich davor bewahrte verrückt zu werden war mein Vertrauen in Rei. Sie würde Erfolg haben. Ich mußte an sie glauben.
"Rei..." sagte ich, als ich eine Funkverbindung öffnete. Rei sah irgendwie unruhig aus, was mir Sorgen bereitete. Wenn sie in ihrem EVA saß, nahm sie normalerweise eine ruhige und professionelle Haltung ein, ihr Gesicht würde nur in sehr angespannten oder gefährlichen Situationen irgendwelche Gefühle zeigen. Aber bislang hatte der Engel sie noch gar nicht erreicht...
"...sei vorsichtig...", fügte ich nach ein paar Sekunden hinzu.
Rei's Gesichtszüge wurden weicher, meine Worte hatten anscheinend mehr Bedeutung als alles was sie möglicherweise beunruhigen könnte.
"Das werde ich,", antwortete sie mit einem schwachen Lächeln, bevor sie die Verbindung unterbrach.
Ich war immer noch besorgt, aber immerhin nicht mehr so sehr.
* * *
Etwa zu der Zeit als Misato endlich bei NERV eingetroffen war, war auch der Engel angekommen und wurde von Rei beobachtet, welche weitere Befehle abwartete. Bis jetzt hatte er sich noch ruhig verhalten, was ich als gutes Zeichen betrachtet. Er schwebte einfach nur auf der Stelle.
"Rei! Wir werden seinen Status eine Weile beobachten," befahl Misato, als sie schließlich das Kommando übernohmen hatte.
"Nein. Er kommt auf mich zu."
Was... was meinte sie damit? Misato's Worte beantworteten diese Frage.
"Rei! Ausweichmanöver!"
"Sie kann nicht mehr! Es ist zu spät!", rief Hyuuga.
Ziel hat physischen Kontakt mit EVA-00", bestätigte Aoba.
Mein Gott! Rei! Ich hoffte, dass es ihr gut ging!
Ich glaube die Leute im Kontrollraum analysierten die Situation für eine Weile. Ich bin mir nicht sicher wie lang genau; ich hatte das Gefühl, dass es Stunden dauerte. Aber schließlich gab Misato einige Befehle um Rei damit zu helfen.
"EVA-02 starten! Sie muß Rei retten und Deckung geben."
Ich wünschte wirklich, dass sie befohlen hätte EVA-01 zu starten, selbst wenn das unwahrscheinlich war. Ich hatte gehofft, dass Asuka in der Lage sein würde zu helfen. Aber irgendwie hatte ich meine Zweifel.
"Asuka, rück dreihundert Meter vor und dehne dein AT-Feld bis zum Maximum aus, dann ziele und feuere mit dem Gewehr auf seine Rückseite,", befahl Misato. "EVA-02, Start!"
Eine ganze Weile war das Einzige was ich hören konnte war Stille.
"Beweg dich! Asuka! Gibt es ein Problem? Wie ist der Status von EVA-02?“
"Sie kann sich nicht bewegen, Major, ihre Synchrorate ist unter 10%!", antwortete Leutnant Ibuki.
"Asuka!"
"Er bewegt sich nicht... er bewegt sich einfach nicht..."
Das waren die einzigen Worte die Asuka zwischen ihren Schluchzern hervorbrachte. Es war genau das eingetreten vor dem ich mich am meisten fürchtete. Asuka war nicht fähig Rei zu unterstützen, geschweige denn sie zu retten. Es war einfach zuviel in zu kurzer Zeit, sie war nicht bereit...
Verdammt!
"Laß mich raus gehen, Misato!", schrie ich als ich EVA-01 aktivierte. Ich erwartete eine negative Antwort. Aber ich mußte es versuchen. Selbst wenn ich das Hauptquartier zerstören müßte um Rei zu helfen, wäre ich fest entschlossen dies zu tun. Ich würde es nicht zulassen, dass noch irgendjemand verletzt wird...
Ich denke ich war genauso überrascht wie jeder andere auch, als ich die Worte des Kommandanten hörte.
"Die Stillegung von EVA-01 ist mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Leitet den Start so bald wie möglich ein."
Ich hatte keine Einwände dagegen!
"Ich bin bereit Misato! Bring mich so schnell wie möglich nach draußen!"
"Ja... sicher! Sobald du draußen bist, fährst du dein AT-Feld auf volle Kraft hoch. Ein Gewehr wird auf dich warten. Schnapp es dir, feuer auf das Ziel und hol Rei da raus!"
"Ja Misato-san!"
Da EVA-01 bereits aktiviert und einsatzbereit war, konnte er innehalb von nur einer Minute zur Abschussrampe gebracht werden. Kurz darauf spürte ich den nur allzu gut bekannten Andruck, als ich an die Oberfläche geschossen wurde. Endlich konnte ich mit eigenen Augen sehen was mit EVA-00 geschehen war. Es kam mir eine Ewigkeit vor bis ich meinen EVA von seinen Halterungen befreit hatte. Ich wollte einfach nur zu ihr rennen und sie retten, aber mein gesunder Menschenverstand sagte mir, dass ich eine bessere Chance hätte dazu hätte wenn ich mich an Misatos Befehle halten würde. Anscheinend hatte ich den Engel auf mich aufmerksam gemachte als ich mein AT-Feld aktiviert hatte. Ich war für ein oder zwei Sekunden abgelenkt als ich nach meinem Gewehr griff. Hätte Misato mich nicht gewarnt, hätte ich seinem Angriff niemals ausweichen können.
Während eines seiner Enden in EVA-00 stecken blieb, schoß das andere Ende auf mich zu. Er verfehlte mich, zerstörte aber mein Gewehr. Das Ende von diesem Ding drehte sich in der Luft, und bewegte sich wieder in meine Richtung. Ich weiß nicht genau wie ich es geschafft habe (das Ding war extrem schnell), aber irgendwie faßte die Linke Hand meines EVAs den Wurm aus Licht. Er drehte und wendete sich seinen Händen und versuchte sich so zu befreien, aber ich hielt ihn fest. Als der andere Arm meines EVAs nach dem Prog-Messer griff, spürte ich plötzlich einen starken Schmerz; so als wenn meine linke Hand in Flammen stehen würde. Ich sah auf den Bildschirm, und stellte fest das EVA-01´s linke Hand vom Engel deformiert wurde. Später hatte man mir erklärt das er versucht hatte meine Hand zu verseuchen. Dann sah ich, dass meine eigene Hand die gleichen „Verletzungen“ wie mein EVA hatte. Aus einem Reflex heraus hätte ich beinahe losgelassen. Aber dann kam mir ein Gedanke.
Ich bildete mir das nicht nur ein. Ich erlitt dasselbe was auch mein EVA erlitt. Wenn das so war, dann...
Ich sah zu EVA-00...
Rei!
Ich packte das Prog-Messer und stach wie ein Wilder auf den Engel ein. Blut strömte aus seinen Wunden. Ich war drauf und dran ihn buchstäblich in zwei Teile zu schneiden als ich plötzlich Rei über Funk schreien hörte. Unmittelbar danach war Misatos Stimme zu hören.
"Shinji, was auch immer du da gerade machst, hör sofort auf damit! Rei's Lebenszeichen spielen verrückt!"
Oh nein... hieß das etwa, das wenn ich dieses Dinge verletzte... ich auch Rei verletzte?.
Diesesmal versuchte ich ihn loszulassen, aber nun schien er an den Fingern des EVAs festzukleben. In Panik ließ ich das Messer fallen und packte den Engel an einer anderen Stelle und zog. Ich spürte ein sehr schmerzvolles Reissen als der Engel und die linke Hand meines EVAs gewaltsam getrennt wurden. Von der Hand blieb nur ein blutiger Klumpen Fleisch übrig. Ich wollte gar nicht erst wissen wie schlimm meine Hand wirklich verletzt war, aber es scherzte zu sehr um sie einzusetzen. Ich ließ schließlich den Engel los bevor er auch noch die andere Hand beschädigen konnte. Schon nach ein paar Sekunden hatte er den Panzer geschmolzen und das Fleisch der Hand angegriffen. Es fühlte sich an als wenn ich meine Hand an einem heißen Eisen verbrannt hätte.
Ich bereitete mich darauf vor einer erneuten Attacke von diesem Ding auszuweichen. Solange niemand einen konkreten Plan hatte war das wohl das einzige was ich tun konnte. Plötzlich erstarrte der Engel. Auf der anderen Seite des Engels rollte sich EVA-00 um die Stelle wo er mit dem Engel verbunden war zu einem Ball zusammen. Über Funk hörte ich die Worte „Umgekehrtes AT-Field.“
„Rei! Was zum Teufel machst du da?!“ schrie Misato aufgebracht.
Keine Antwort von EVA-00. Ich begann mir Sorgen zu machen. Rei hatte sich verändert, aber nicht dermaßen das sie den Befehl eines Vorgesetzten missachtete.
„Rei! Verlasse den EVA! Stoß deinen Entry Plug aus!“ befahl Misato.
„Nein. Wenn ich von hier verschwinde wird das AT-Field erlöschen. Ich werde also hier bleiben.“
Was... was sagte sie da? Wenn sie das tat... würde sie...
„Rei! Tu was Misato dir sagt!“
Ein Komm-Bildschirm von EVA-00 tauchte auf. Jedoch waren die Worte „nur Ton“ das einzige was ich darauf sehen konnte.
„Es ist zu spät...“
„Rei!!!“
Ich konnte nicht zulassen das sie das tat! Ich konnte sie nicht sterben lassen! Auch wenn ich tief in mir wußte das ich es nicht rechtzeitig schaffen würde, rannte ich auf EVA-00 zu. Die Leute im Kontrollzentrum bemerkten es nicht wegen dem LCL, aber ich weinte.
„Shinji... was auch immer passieren wird... vergieß niemals... das ich dich liebe.“
„NEIN! Rei! Tu das nicht! REI!!!“
„Ich liebe dich...“
Diesen geflüsterten Worten folgte der Klang einer lauten Explosion. Das helle weiße Lich blendete mich. Ich verspürte Schmerzen als EVA-01 von der Explosion verschlungen und ihn die Luft geworfen wurde, und noch mehr als er hart auf den Boden aufschlug. Mein Kopf schlug dabei hart auf den Entry Plug Sitz auf. Ich verlor das Bewusstsein. Ich bin mir nicht sicher ob meine Schmerzen der Grund dafür waren. Ich hatte mich in der Vergangenheit schon wesentlich schlechter gefühlt. Ich glaube es war weil an diesem Tag mein Herz in Stücke gerissen wurde.
* * *
Ich schreckte aus dem Schlaf hoch, kaum fähig zu atmen, mein Verstand immer noch umnebelt. In meinen Träumen hatte ein Engel angegriffen und Rei war gestorben. Ich versuchte aufzustehen, aber ich verhedderte mich in den Bettlaken, verlor meine Balance und fiel aus dem Bett. Das brachte mich in die Wirklichkeit zurück. Ich wünschte es wäre nicht so gewesen, als ich mekrte das ich in einem Krankenzimmer war und nicht in meinem eigenen Zimmer. Das würde bedeuten... ich hob meine Hände um sie anzusehen. Sie waren bandagiert. Ich erinnerte mich an den Schmerz als der Engel die Hand von EVA-01 mit nur einer Berührung verseucht hatte.
Das... das konnte nicht sein...
Ungeschickt aber verzweifelt, riß ich die Bandagen von meiner linken Hand herunter. Das Licht war gedämpft, aber ich konnte immer noch deutlich sehen wie geschwollen die Haut an einigen Stellen war. Da waren sogar ein paar kleinere Narben zu sehen, was bewieß da man anscheinend eine Operation an mir vorgenommen hatte. Dieser leichte Schwindel den ich fühlte war wohl ein Nebeneffekt der Schmerzmittel die diese Verletzung ertäglich gemacht hatten.
Der Engel hatte die Hand von EVA-01 verseucht.
Ich hatte versucht gegen ihn zu kämpfen, damit aber nur Rei verletzt.
Rei...
Nein. Nein. NEIN!!!
Ohne richtig nachzudenken, rannte ich aus dem Zimer, ungeachtet der Tatsache das ich nur ein Krankenhausnachthemd trug (zumindest war diesmal nicht nackt). Ich musste Rei finden. Sicherlich war sie noch am Leben! Sie musste entkommen sein! Wenn ich mich hier umsah würde ich sie finden!
Meine Reaktion blieb nicht unbemerkt vom Personal der Krankenstation. Es hatte wohl mit der Tatsache zu tun das ich aus Leibeskräften ihren Namen rief. Ich hatte erst fünf oder sdechs Räume übrtprüft sls ivh bon drei Krankenschwestern aufgegriffen wurde: Ich versucht ihnen zu entkommen, aber sie schafften mir irgendetwas zu injizieren. Ich verlor auf der Stelle das Bewusstsein.
* * *
Als ich wieder aufwachte, schien mein Verstand von dichten Nebel umgeben. Das war wohl der Nacheffekt des Beruhigungsmittels das man mir verabreicht hatte. Ich starrt an die Decke und spürte wie Tränen an meinen Wangen hinuterliefen. Mein Kopf war ein einziges Durcheinander, aber da gab es einige Fakten die ich nicht ignorieren konnte. Ich hatte EVA-00 nicht erreicht, dennoch hatte die Explosion meinen EVA in die Luft gehoben, und das obwohl mein AT-Field auf volle Leistung gestellt war. Selbst wenn sie herausgeschleudert worden wäre, dann wäre Reis Entry Plug im Zentrum der Explosion gewesen. Es gab keine Chance das ein Entry Plug so etwas überstehen könnte.
Rei war... tot.
„Shinji...“
Ich schaute auf und sah Misato an der Seite von meinem Bett stehen. Sie schien traurig zu sein. Nicht so sehr als sie mir gesagt hatte das Kaji tot ist, aber es kam dem ziemlich nahe.
„Misato-san... sag mir das das alles einfach nur ein Alptraum war... bitte...“
Sie schüttel nur mit dem Kopf. Tränen rannen an ihren Wangen herunter.
„Nein... bitte, nein!“
Ich fing wieder an zu weinen, Tränen brachen ungehindert aus mir heraus.
Misato setzte sich auf den Rand des Bettes. Sie sah mir direkt in die Augen.
„Sie ist fort Shinji.“
Ich erinnerte mich an den Tag nach unserem Ausflug zum See. Wie traurig ich gewesen war. Damals hatte es sich angefühlt als wenn es das Ende der Welt wäre. Wie naiv ich doch war. Nicht geliebt zu werden ist keineswegs die schmerzvollste Erfahrung die man erleben kann. Was am meisten schmerzt ist jemanden zu verlieren den man liebt. Und noch schlimmer ist es wenn diese Person dich genauso geliebt hat.
Der Schmerz den ich in diesem Moment fühlte war so intensiv das er beinahe schon körperlich spürbar war. Es war als wenn ich kurz davor stand von einem See aus Dunkelheit verschlungen zu werden. Wahrscheinlich instinktiv, suchte ich Misatos Nähe und hielt sie so fest wie ich konnte. Ansonsten erinnerte ich mich nicht mehr an viel. Ich erinnerte mich nur an den Schmerz. Ich muß wohl dabei eingeschlafen sein, denn als ich aufwachte lag mein Kopf genau unter ihrer Brust. Sie hatte ihre Arme um mich gelegt, und lag schlafend neben mir auf dem Bett. Der Schmerz war immer noch da, und meine Tränen waren längstn noch nicht versiegt, aber die Gefühle waren nicht mehr so intensiv wie zuvor. Mein Schluchzen hatte sie wohl aufgeweckt, da sie mit einer Hand an meinem Kopf hochfuhr um meine Haare zu streicheln. Nur war sie an der Reihe mich zu trösten.
„Irgendwie... wird alles wieder gut werden Shinji... ich verspreche es...“
Sie machte keine Anstalten aufzustehen. Sie lag einfach nur da und ließ mich ruhen.
„Wie...?“
„Ich... ich weiß es nicht Shinji...“
Trotz der Schmerzen die ich fühlte, war es ein gute Gefühl hier zu sein. Es fühlte sich gut an ihre regelmäßigen Atemzüge zu spüren. Ich fühlte mich nicht allein.
Solche Momente des Friedens können aber leider nicht ewig anhalten. Ich schlief langsam ein als Hyuuga hereinplatzte. Wäre ich nicht so niedergeschlagen gewesen, hätte ich wahrscheinlich über das Gesicht das er machte gelacht als er sah auf welche Weise Misato mich in den Armen hielt. Armer Makoto...
„Es... es tut mir leid Major, aber... der Kommandant möchte sie sehen.“
Als sich unsere Blicke kreuzten, bemerkte ich das er wirklich traurig aussah. Ein Teil meines Vertands wurde sich bewusst das Makoto ein guter Mann war. Der andere Teil war immer noch auf Reis Tod fixiert.
Ich wollte nicht das Misato geht, aber mir war klar das sie keine große Wahl hatte. Also ließ ich sie aufstehen.
„Es tut mir leid Shinji...“
„Ist schon in Ordnung...“
Sie wollte schon gehen, als sie noch etwas sagte.
„Wann immer du dich dazu in der Lage fühlst kannst du wieder nach Haus kommen. Da ist... etwas für dich. Ein Brief. Ich habe Asuka gesagt das sie ihn in dein Zimmer legen soll...“
Ein Brief? Ein Brief... von Rei?
Das reichte aus um meinen Verstand zu klären. In aller Eile suchte ich meine Kleider und zog sie an. Ein paar Minuten später war ich auf dem Weg nach Hause.
* * *
Mein liebster Shinji,
seit dem Angriff des fünfzehnten Engels, überkam mich
immer wieder ein Gefühl der Furcht. Ich weiß nicht warum, aber ich fühlte das
der nächste Kampf sehr wohl auch mein letzter sein könnte. Vielleicht habe ich
einfach nur Angst. Was mit Asuka geschehen ist, ist beängstigend und die Engel
die auftauchen werden von mal zu mal stärker. Ich bin mir meiner Fähigkeiten
bewusst, und ich bezweifele das ich auf mich allein gestellt nicht gegen den
nächsten Engel gewinnen könnte. Aber ich hatte mir geschworen das ich dich
immer beschützen würde. Und ich bin fest entschlossen diesen Schwur zu halten.
Ich fürchte mich, dennoch fühle ich einen tiefen inneren Frieden.
Ich hoffe das es mir möglich sein wird wieder zu dir
zurückzukommen.
Aber wenn ich das nicht kann... dann sei dir bitte
bewusst das es mir leid tut. Du wirst wahrscheinlich noch früh genug die
Geheimnisse die ich vor dir verbergen wollte erfahren. Ich wollte es dir selber
sagen, habe aber nie die Kraft dazu gefunden. Weil ich wußte ich würde dich verlieren
wenn ich es täte.
Ich hätte niemals existieren sollten. Trotzdem, bin
ich.
Ich möchte dir auch danken Ikari Shinji. Du hast mir
soviel gegeben. Bevor ich dich gekannt habe, habe ich nur existiert, aber nicht
gelebt. Ich habe nur für „Seine“ Zwecke existiert. Du hast mich dazu gebracht
Gefühle zu zeigen. Du hast mich dazu gebracht nachzudenken. Du hast mir einen
freien Willen gegeben. Du hast mir ein Leben geschenkt. Dafür kann ich dir
niemals genug danken.
Ich liebe dich Shinji.
Ich liebe dich. Das werde ich immer.
Rei
Als ich die ersten Worte las fühlte ich wie meine Knie weich wurden. Als ich die Mitte des Briefs erreichte, fielen meine Tränen auf das Papier und verwischten Reis saubere Handschrift. Ich war nicht mehr in der Lage zu stehen. Als ich zu Ende gelesen hatte, lag ich zu einem Ball zusammengerollt auf den Boden und weinte mir die Seele aus dem Leib.
Sie hatte gewusst das sie sterben würde. Das was ich meiner Hand hielt war der Beweis dafür. Ein Silberkreuz an einer silbernen Kette; das Kreuz das sie immer getragen hatte. Ich hatte es in einem kleinen Umschlag gefunden der dem Brief beigelegt war.
Sie hatte gewusst das sie sterben würde, trotzdem hatte sie weiterhin EVA gesteuert.
'Aber ich hatte mir geschworen das ich dich immer beschützen würde.'
Um meinet willen.
'Und ich bin fest entschlossen diesen Schwur zu halten.'
Sie hat ihn gehalten. Und es hat sie das Leben gekostet. Warum? Warum hat sie das getan? Damit ich weiterleben konnte? Wußte sie denn nicht das ich lieber gestorben wäre anstatt zuzulassen das sie ihr Leben für mich opferte?
Ich stand auf und starrte an die Decke, zu dem Himmel den ich nicht sehen konnte, zu dem Platz an dem Gott leben sollte. Der Gott der seine Boten geschickt hat um uns zu vernichten. Der Gott der mir meine Rei genommen hatte.
Das war nicht fair... das war einfach nicht fair!
„Das ist nicht fair! REI!“
Ich brach auf dem Boden zusammen. Schmerz wurde durch Wut ersetzt. Ich schlug mit meiner Faust auf den Boden, ein zweites und ein drittes mal. Immer und immer wieder, bis die Verbände an meinen Händen blutbefleckt waren und meine Hände zu taub waren um noch etwas zu spüren.
Ohne das ich es wußte, hatte mir jemand zugesehen, in einer Mischung aus Entsetzen, Schmerz und Verwirrung. Ich bemerkte ihre Anwesenheit erst als sie ihre Arme um mich legte.
Sanfte weibliche Arme. Warm und beruhigend.
„...Rei?“
„Shinji...“
Sie hatte meinen Namen nur geflüstert. Aber es reichte aus um zu erkennen wessen Stimme es war. Asuka.
Aus irgendeinem irrationalen Gedanken heraus wollte ich mich aus ihrer Umarmung befreien. Das war nicht richtig. Rei war diejenige die mich immer getröstet hat. Manchmal auch Misato. Aber niemals Asuka. Aber ich fühlte mich zu schwach um mich dagegen zu wehren.
Und dann spürte ich eine Träne auf Wange. Eine Träne die nicht von mir vergossen worden ist.
Dann hörte ich ein Schluchzen, das sich zu meinem gesellte.
Ich glaube wenn uns jemand so gesehen hätte, wie wir uns weinend in den Armen hielten, dann wäre es ihnen wohl schwer gefallen zu glauben das diese beiden Kinder die letzte Hoffnung der Menscheit waren.
* * *
Nach einiger Zeit
beruhigten wir uns schließlich wieder. Asuka lag auf dem Boden und ich an ihrer
Seite, mein Kopf ruhte auf ihrer Brust, hin- und hergeschaukelt von den sanften
Bewegungen ihrer regelmäßigen Atemzüge. Mir kam der Gedanke das mein Kopf
wahrscheinlich zu schwer für sie war, und das ihre Position, so eingeklemmt
zwischen mir und dem Boden ziemlich unbequem für sie sein musste. Aber ich
wollte und fühlte mich auch nicht in der Lage dazu mich zu bewegen.
„Ich sollte wohl
froh sein das sie tot ist. Jetzt habe ich dich ganz für mich allein.“
Asuka...
„Aber das bin ich
nicht. Ich komme mir wie der letzte Dreck vor weil mir diese Gedanken überhaupt
in den Sinn gekommen ist und jedes Mal wenn ich an sie denke fühle ich mich
einfach nur traurig.“
Ich hörte ihre
Worte, aber sie lösten keine Reaktion bei mir aus.
„Ich habe sie
wirklich gehasst und oft habe ich mir gewünscht das sie sterben würde.“
Ich verspürte keine
Wut.
„Warum bin ich dann
nicht froh das sie jetzt weg ist?“
Ich hatte nichts
dazu zu sagen.
„Es ist so
verwirrend. Ich glaube das sie meine Freundin war. Ich glaube das sie mir etwas
bedeutet hat. Der Gedanke das sie jetzt für immer fort ist... tut so weh...“
Also schwieg ich
einfach.
„Ich hätte an ihrer
Stelle sterben sollen. Ich bin hier die Nutzlose. Ich konnte nicht einmal einen
Schritt gehen. Ich habe sie entäuscht. Ich habe alle entäuscht. Ich bin
wertlos.“
Für eine lange
breitete sich wieder Schweigen im Zimmer aus. Sekunden, vielleicht auch
Minuten.
„Warum? Sie ist für
mich gestorben... warum?“, schaffte ich schließlich zu sagen.
„Weil sie dich mehr
als ihr eigenes Leben geliebt hat.“
„Aber ich habe sie
auch geliebt...“
Schweigen.
„Ich weiß...“ Asukas
Stimme brach fast als sie diese Worte aussprach.
„SHINJI!“
Ich hörte wie Misato
meinen Namen rief als sie in die Wohnung rannte und in mein Zimmer
hereinplatzte. Völlig außer Atem stand sie im Türrahmen, dennoch sprühten ihre
Augen vor Leben.
„Sie lebt!“
Ich sprang auf als
ich diese Worte hörte. Mein ganzer Körper fühlte sich plötzlich wie
elektrisiert an und ich vergaß völlig das Mädchen das mich in ihren Armen
hielt.
Das konnte einfach
nicht sein... aber wenn es wahr war...
„Was?!“
„Sie lebt! Rei
lebt!“
Gottseidank!
„Wo?!“
„NERV
Krankenstation, Erst Neurologische
Abteilung!“
Das war alles was
ich wissen musste. Wie der Blitz war ich aus der Wohnung, gefolgt von Misato,
eine geschockte Asuka zurücklassend.
* * *
Sie war da. Sie
blickte durch ein Fenster nach draussen, ihr Kopf und ihre Arme waren
bandagiert, eine Augenklappe über ihrem rechten Auge, und trug ein
Krankenhausnachthemd.
Sie war da!
Ich rannte zu ihr.
Wenn das ein Traum war, betete ich darum das ich nicht aufwachen würde bevor
ich sie erreicht hatte.
„Rei! Dir geht es
gut! Gottseidank! Du... du lebst!“
Alles war jetzt
wieder in Ordnung. Sie lebte. Man hatte sie nicht von mir fortgerissen. Wir
könnten wieder zu dem Leben zurückkehren das wir vorher geführt hatten. Mit
Reis Hilfe würde sich auch Asuka wieder erholen. Wir würde gemeinsam den
letzten Engel besiegen, nichts konnte uns jetzt mehr aufhalten. Wir würden all
das überwinden jetzt wo Rei zurück war.
„Wer bist du?“
Diese Worte trafen
mich wie eine Tonne Ziegelsteine.
Erst dann bemerkte
ich es. Die Veränderungen. Kleine Details. Ihre unordentlichen blauen Haare,
die keine Spuren mehr von meinen verunglückten Versuch sie zu schneiden
aufwiesen. Ihre Verbände, die genau an den gleichen Stellen waren wie damals
als wir uns das erste mal getroffen hatten. Der Ausdruck auf ihrem Gesicht, ein
Ausdruck den ich schon seit Monaten nicht mehr gesehen hatte.
Das war nicht Rei.
„Du bist nicht Rei.“
Ich wollte schreien,
aber die Worte kamen nur schwach über meine Lippen.
Sie sah mich eine
volle Minute lang an, studierte mich wie eine Laborratte in einem Käfig.
„Ich glaube nicht.
Ich glaube das ich wahrscheinlich bereits die Dritte bin.“
Ich verstand nicht
alles von dem was sie mir sagte. Aber einiges davon war verständlich genug für
mich. Dieses... Ding... war nicht Rei. Und wenn es nicht Rei war, dann war
Rei...
Nein... Nein...
„NEIN!“
Das... das konnte
doch einfach nicht wahr sein. Irgendjemand... irgendjemand erlaubte sich hier
einen schlechten Scherz mit mir. Andererseits, warum sollte man diesem Ding das
Aussehen eines Mädchens geben das ich geliebt habe?
Aber diese roten
Augen...
Ich... ich konnte
dieses Ding keine Sekunde länger mehr ansehen. Ich rannte vor ihm so weit weg
wie ich konnte.
* * *
Ich kann nicht genau
sagen wie lang es gedauert hat bis ich wieder zu Sinnen gekommen war.
Wahrscheinlich bin ich wie ein Verrückter minutenlang durch die Geofront
gelaufen, vielleicht sogar für Stunden, wer weiß... Ich starrte auf das Feld
mit Wassermelonen genau vor mir. Irgendwie schien mich das Durcheinander in
meinen Kopf genau hierher geführt zu haben. Völlig erschöpft brach ich auf
meinen Knien zusammen.
„Kaji... was soll
ich bloß tun... Ich verstehe nicht was hier vor sich geht...“
Warum hatte er
sterben müssen? Ich brauchte Hilfe. Ich brauchte Antworten. Was ging hier vor
sich? Was war mit Rei passiert? Wenn das Mädchen das ich gesehen habe nicht Rei
war, was war es dann?
Ich könnte Misato
fragen... aber ich bezweifelte das sie die Antworten auf diese Fragen kannte.
Sie hätte mir nicht gesagt das Rei noch am Leben wäre wenn sie nicht selbst
daran geglaubt hätte. Kaji hätte es wohl gewusst... aber er war tot. Wer? Wer
konnte es mir sagen?
„Doktor Akagi.“
Sie schien immer
vieles zu wissen, mehr als sie zugeben würde. Sie war der Kopf hinter
Projekt-E. Wenn irgendetwas nicht stimmte mit einem Piloten, dann wäre sie die
erste die davon erfahren würde. Sie musste die Antworten haben. Nur, würde sie
mir diese auch geben?
Es gab nur einen Weg
das herauszufinden.
„Danke Kaji... Ich
denke irgendwie... hast du mich inspiriert...“
Ich stand auf, warf
einen letzten Blick auf die Früchte und ging dann direkt zu NERV.
* * *
Ich war noch nie in
Ritsukos Büro gewesen, aber ich wußte ungefähr wo es war. Es zu finden stellte
also das geringste Problem dar. Sie war wirklich da und starrte auf ihren
Computer. Zumindest klappte einmal etwas.
„Doktor Akagi.“
Vor Schreck sprang
die blondhaarige Wissenschaftlerin beinahe von ihrem Stuhl hoch. Erst dann
bemerkte ich was auf ihrem Computerbildschirm zu sehen war. Es war ein Bild von
meinem Vater, einer Frau dich nicht kannte mir aber irgendwie... bekannt vor
kam... und einer jungen Frau die wie Ritsuko aussah, nur jünger und mit braunem
Haaren. Konnte das... ein Bild von Ritsuko sein, wie sie vor Jahren einmal
ausgesehen hat? Wie auch immer, das war jetzt nicht wichtig, also konzentrierte
ich ich wieder auf den Doktor, die sich schnell wieder gefasst hatte.
„Was kann ich für
dich tun Shinji?“
Üblicherweise
strahlte Ritsuko immer eine Atmospähre von Ruhe und Gelassenheit aus. Diesmal
war es anders. Es war als wenn... sie irgendetwas völlig aus der Bahn geworfen
hatte. Und ich war mir sicher das es nicht mein unangemeldeter Besuch gewesen
war. Als ich ihre braunen Augen sah, fiel mir auf das diese leicht geschwollen
und rötlich waren.
Das war mir im
Moment aber vollkommen egal.
„Ich will die
Wahrheit wissen. Ich will wissen was das für ein Ding war das ich in der
Krankenstation gesehen habe.“
Für einen Moment
weiteten sich ihre Augen.
„Die Krankenstation?
Du meinst Rei?“
„Das war nicht Rei.“
Erneut sah sie mich
überrascht an.
„Ich habe keine
Ahnung was du mir hier versuchst zu sagen Shinji. Und ich versichere dir das
die Person die du gesehen hast Ayanami Rei ist.“
„Nein, es schaut aus
wie sie, aber es ist nicht sie. Ihr Haar hätte in weniger als einem Tag nicht
nachwachsen können. Und ich habe die Explosion aus nächster Nähe gesehen.
Unmöglich das sie das überlebt haben kann. Und selbst wenn...“ fügte ich hinzu
als ich meine bandagierten Hände ansah, „... hätte sie wahrscheinlich schwerste
Verletzungen erlitten.“
Zu meiner
Überraschung nickte der Doktor diesemal einfach nur.
„Genau wie ich es
mir gedacht hatte. Nicht jeder würde an Reis wundersame Rückkehr einfach so
glauben. Nun gut, Shinji... ich habe dich nicht angelogen als ich gesagt habe
das die Person die du gesehen hast Ayanami Rei ist. Die Wahrheit ist weit
komplizierter.“
„Also, was ist dann
die Wahrheit?“
„Du würdest mir
nicht glauben wenn ich es dir sage. Es ist wohl besser ich zeige es dir...“
* * *
Ich folgte dem
Doktor durch dunkle Korridore tief in den Untergrund, mit Sicherheit tiefer als
die Ebenen zu denen ich Zugang hatte. Ich muß zugeben, das ich ein wenig nervös
war, aber ich war fest entschlossen Licht in diese Angelegenheit zu bringen.
Und ich war fest entschlossen Antworten auf meine Fragen zu bekommen.
'Du wirst
wahrscheinlich bald die Geheimnisse die ich vor dir verbergen wollte erfahren.
Ich wollte es dir selbst sagen, aber ich habe nie die Kraft dazu gefunden. Weil
ich wußte das ich dich verlieren würde wenn ich es täte.'
Diese Geheimnisse
die mir Rei nicht sagen konnte... Ich musste wissen welcher Art sie waren.
Wir waren eine Weile
einen schwach beleuchteten Korridor entlang gegangen als Ritsuko vor einer Tür
stehen blieb. Mir wurde bewusst das es die erste Tür war die wir sahen seit wir
den Lift der uns auf diese Ebene gebracht hat verlassen hatten. Die Worte
'Terminal Dogma: Ebene 1 Sektor 2' standen auf ihr geschrieben. Obwohl, um
genauer zu sein sah ich zuerst eigentlich die Worte 'Zutritt verboten'. Und ich
muß sagen das ich mich ziemlich unwohl fühlte als ich die Worte 'Eindringlinge
werden erschossen'. Mich beruhigte nur der Gedanke das ich der momentan einzig
verfügbare EVA Pilot war, und deswegen unentbehrlich, das heißt solange bis sie
die Kompatibilitätstest mit Ayanami und EVA-02 durchgeführt hatten... oder sie
einen anderen Pilot gefunden hatten. Mir lief ein kalter Schauer den Rücken
hinunter als ich an das Schicksal des Fourth Children dachte...
Mit einer raschen
Bewegung steckte Ritsuko eine rote Karte in einen Kartenleser.
Nichts passierte.
Der Doktor schien offensichtlich überrascht zu sein.
„Es wird nicht
funktionieren ohne meinen Ausweis.“
Ich hätte beinahe
aufgekeucht als Misato plötzlich hinter Ritsuko stand und ihr eine Pistole in
den Rücken drückte. Ich hatte sie gar nicht kommen sehen. Sie hatte einen sehr
ernsten Gesichtsausdruck. Irgendwie war mir klar das sie wirklich ihre Waffe
benutzen würde wenn es sein musste. Das erschreckte mich. Das war nicht die
Misato dich ich kannte...
Ich fragte mich...
wäre ich selbst so weit gegangen um die Wahrheit herauszufinden?
„Ich verstehe. Ist
Kaji dafür verantwortlich?“
Für jemanden der
eine Pistole in seinem Rücken hatte, schien der Doktor nicht sehr beeindruckt
zu scheinen.
„Ich will wissen
welche Geheimnisse ihr hier versteckt.“
„Nun gut. Ich war
dabei einige von ihnen Shinji zu zeigen. Du kannst dich gerne anschließen.“
* * *
Wir benutzten etwas
das ich nur als einen Aufzug aus Licht beschreiben kann. Nein, das ist keine
passende Beschreibung. Vielmehr, eine Metallplatform die langsam
hinunterschwebte an einer Art Kette von roten Energiestrahlen, die ähnlich
miteinander verflechtet waren wie bei einem DNA Strang. Ich hatte nicht die
geringste Ahnung wie dieses Ding funktionierte, wie wir nach unten kamen, schwebend,
ohne irgendwelche Kabel. Mir kam niemals der Gedanke Ritsuko danach zu fragen.
Ich starrte einfach nur in diese Lichtstrahlen, halb erstaunt und halb in
Gedanken versunken. Der Doktor und der Major waren auch nicht gesprächiger.
Als wir den Grund des
„Aufzugs“ erreicht hatten, fanden wir uns in einem anderen gewaltigen und
dunklen Korridor wieder der kein Ende zu haben schien. Wenigstens standen uns
diesmal ein paar kleine elektrische Fahrzeuge zur Verfügung. Ohne Zeit zu
verschwenden, bedeutete uns Ritsuko Platz zu nehmen und machten uns auf den Weg
zu... nur Ritsuko wußte wohin.
Nach ein paar
Minuten hielt sie vor einer Metalltür an. Zu ihrer linken war eine Platte mit
einem Nummernfeld. Wir stiegen aus dem Fahrzeug aus, dann gab Ritsuko eine
Reihe von Zahlen ein und schob ihre Karte in einen Kartenleser auf der Platte.
Die Tür öffnete sich.
In dem Raum dahinter
herrschte völlige Dunkelheit. Er schien ziemlich groß zu sein, aber ich konnte
seine Ausdehnung nicht genau abschätzen. Als sich die Tür schloß, wurde es in
dem Raum pechschwarz. Ich konnte überhaupt nichts mehr sehen, auch Ritsuko und
Misato nicht. Der Gedanke behagte mir nicht gerade. Dann, wurde es auf einmal
hell und ich schloß geblendet meine Augen. Als ich meine Augen wieder öffnete,
stellte ich schockiert fest das der Raum vor uns von gewaltigen Ausmaßen war.
Ich konnte nicht einmal erahnen wie groß er wirklich war. Aber was mich noch
mehr schockiert war das was ich auf dem Boden liegen sah. Knochen. Gigantische
Knochen. Totenschädel, Wirbel die zu einer gewaltigen Wirbelsäule gehören
mussten, Schulterknochen... überall, die Überreste von wahrscheinlich ein paar
Dutzend Wesen.
„Sind das... EVAs“
fragte ich, immer noch geschockt von dem was ich gesehen hatte.
„Die ersten
Versuche,“ antwortete Ritsuko kühl. „Fehlschläge. Vor mehr als 10 Jahren
entsorgt.“
„Ein Friedhof für
EVAs.“
„Nichts derart
anspruchvolles, Shinji. Es ist nichts weiter als eine Müllhalde.“
Als ich auf das
starrte was einmal Evangelions hätten werden können, hörte ich wie Ritsuko die
Türen öffnete bevor die Lichter ausgingen. Sie ging nach draussen und Misato
und ich folgten ihr schweigend.
Während wir uns
unserem nächsten Ziel näherten, kommentierte der Doktor das was wir gerade
gesehen hatten.
„Wie ihr selbst
sehen konntet, ist die Evangelionforschung etwas das wir nicht vollständig
erfassen können. Es wurden viele Fehler gemacht während wir gelernt haben. Aus
all diesen Versuchen, schafften wir es nur zwei funktionierende Evangelions
herzustellen. Der Rest waren alles Fehlschläge. Aber auch unsere beiden Erfolge
waren nicht ohne Probleme. EVA-00, erbrachte als der Prototyp niemals die selbe
Effizienz wie EVA-02. Und was EVA-01 betrifft... er brachte einen Fluch zu dem
was einmal NERV werden sollte.“
EVA-01? Ein Fluch?
Nach zwei Minuten
Fahrt, stoppte der Doktor vor einer weitern Metalltür. Erneut gab sie eine
Zahlenreihe über einen Nummernblock ein und die Tür öffnete sich. In dem Raum
dahinter stand ein Tisch, mehrer Teile einer alten Computerausrüstung und einer
Vielzahl von Kabeln an den Wänden und auf dem Boden, sowie mehrer zerbrochene
Fenster. Hinter dem Fenster schien ein sehr großer Raum zu liegen. Es war zwar
nicht die Perspektive an die ich gewöhnt war, aber es erinnerte mich an den
Raum in dem die Kompatibilitätstest der EVAs abgehalten wurde, das heißt bis
EVA-00 durchgedreht war, als ich versucht hatte mit ihm zu synchronisieren, und
den den Raum zerstört hatte.
„Das sieht aus wie
der Raum in dem die Aktivierungstests der EVAs abgehalten wurden,“ merkte
Misato an und bestätigte damit meine Vermutungen.
„Ja. Was eigentlich
auch natürlich ist, schließlich ist das der Zweck dieses Ortes. Hier wurden die
frühen Aktivierungstest des Prototyps und des Testtyps ausgeführt.“
„EVA-00 und EVA-01?“
fragte ich.
„Ja. Erinnerst du
dich an diesen Ort Shinji?“
Ich hatte ein
starkes Deja Vu Gefühl, aber...
„Nein... ich... ich
erinnere mich nicht...“
„Das überrascht mich
nicht. Das hier ist der Ort an dem deine Mutter verschwunden ist. Du warst hier
als es passiert ist. Du hast alles gesehen, du hast den Moment beobachtet in
dem deine Mutter verschwunden ist.“
„Ritsuko!“ sagte
Misato schockiert.
Wie auch immer es
war bereits zu spät, da die Erinnerungen schon begannen in mir hochzusteigen.
Sie waren nicht besonders klar. Ich erinnerte wie Mutter mich hierher
mitgenommen hatte. Dann ließ sie mich bei Vater. Da war auch eine Frau bei ihm.
Ich habe durch die Fenster geblickt... Mutter trug etwas das aussah wie ein
Plugsuit... sie stieg in etwas das einem Entry Plug ähnelte... dann betrat ein
Mann den Raum... Vizekommandant Fuyutsuki? Dann... die Stimme von Mutter...
dann... Schreie... Mutter... Vater weinte...
Mutter kam danach
nie wieder zurück...
Mir wurde schwarz
vor Augen.
* * *
Ich wachte auf als
ich die besorgte Stimme von Misato hörte. Ritsuko lehnte an der Wand und sah
mich teilnahmslos an.
Als ich bemerkte wo
wir waren geriet ich fast in Panik, aber nach ein paar langen Sekunden
beruhigte ich mich wieder. Ich erinnerte mich jetzt... aber ich wünschte mir
ich hätte es nicht. Mutter ist ums Leben gekommen... bei etwas was
offensichtlich ein Synchro-Test gewesen war. Dann, konnte das bedeuten...? Das
war das noch fehlende Puzzlestück gewesen, oder besser gesagt das dem ich mich
nicht hatte stellen wollen. Das erklärte alles: das angenehme Gefühl das ich
immer spürte wenn ich in EVA saß, warum EVA-01 mich immer beschützt hat und
warum Vater immer sich immer schützend vor ihm gestellt hatte.
Mutter war in
EVA-01.
Dieser Gedanke trug
nicht dazu bei mich besser zu fühlen.
„Also verstehst du
jetzt Shinji. Das ist es wovor du dein ganzes Leben lang davongelaufen bist,
das ist es was deinen Vater zu dem Mann gemacht hat der er heute ist.“
„Ja.“
„Gut. Dann können
wir ja weitergehen.“
„Warte! Was geht
hier vor sich?“ fragte Misato.
Ich gab ihr das
beruhigenste Lächeln das ich aufbringen konnte.
„Ich werde es dir
bald erzählen.“
Das schien Misato
nicht zufriedenzustellen, aber sie bestand nicht auf einer Antwort. Ich war
froh darüber. Wir folgten Ritsuko. Anscheinend war unser nächstes Ziel ganz in
der Nähe, da wir diesesmal zu Fuß gingen. Tatsächlich war es nur auf der
anderen Seite des Korridors. Auf der Metalltür stand 'Labor für künstliche
Evolution'. Wie zuvor tippte der Doktor gab der Doktor einen Zahlencode ein um
die Tür zu öffnen. Normalerweise wäre meine erste Reaktion wohl Überraschung
gewesen sein, aber ich war schon ein wenig abgestumpft von dem was ich in den
anderen Räumen gesehen hatte. Es bewahrte mich nicht von dem Eindruck das mir
dieses Zimmer irgendwie bekannt vorkam.
„Dieses Zimmer... es
sieht genauso aus wie Reis Zimmer. Bevor sie in unseren Wohnblock eingezogen
war.“
„Ich bin nicht
überrascht, schließlich ist das hier der Ort wo Ayanami Rei zur Welt gekommen
ist,“ sagte Ritsuko.
„Rei ist in diesem
Raum... zur Welt gekommen?“
„Ja.“
Misato schien
ungeduldig darauf zu warten das wir weitergingen. Scheinbar gab es hier nichts
was für sie interessant war, aber ich nahm das nur am Rand wahr und ehrlich
gesagt war mir das auch ziemlich egal. Ich hatte immer noch einige Fragen.
„Ist das der Grund
warum Rei so...?“
Ich konnte nicht die
richtigen Worte finden.
„Unfähig zum Leben
ist? Ist es das was du fragen wolltest? Vielleicht. Hier hat sie die ersten
Monate ihres Lebens verbracht, bevor sie aus dem Hauptquartier nach draussen
verlegt hatte. Das Bild von diesem Ort hatte sich wohl tief in ihre Psyche
gebrannt. Ihr Geburtsort. Der Grund warum sie existierte. Ihr Schicksal. Hier
hat sie auch Ihn zum ersten mal getroffen.“
Ihn? Den
Kommandanten? Vater?
Was genau war seine
Rolle bei all dem?
„Dr. Akagi, ich bin
nicht hierher gekommen um das zu sehen,“ sagte Misato schließlich, müde des
Wartens.
„Gedulde dich noch
ein wenig Major. Du wirst die Antworten bekommen nach denen du suchst wenn ich
Shinji alle Informationen gegeben habe nach denen er gefragt hat. Aber du hast
recht, hier gibt es nichts mehr zu sehen. Wir können also ebensogut
weitergehen.“
Wir verließen das
Zimmer und gingen zu einer andern Metalltür. Ritsuko sah mich mit einem ernsten
Gesichtsausdruck an.
„Das ist deine
letzte Chance umzukehren Shinji. Wenn du erst einmal gesehen hast was hinter
dieser Tür ist, wird deine Einstellung zu manchen Dingen nie mehr dieselbe sein
wie früher. Du willst die Wahrheit wissen, aber sei dir im klaren darüber das
diese nicht angenehm sein wird und die Kenntnis davon deine Probleme nicht
lösen wird. Tatsächlich wird sie diese nur noch schlimmer machen.“
„Ich habe
verstanden. Aber ich muß die Wahrheit einfach wissen. Um meiner selbst willen.“
„Nun gut, aber
beklage dich nicht wenn du nicht damit zurechtkommst.“
Dann, nach einer
schnellen Bewegung mit ihrer ID-Karte und nachdem sie eine lange Zahlenreihe
eingegeben hatte, öffnete sich die Tür.
Der nächste Raum
war... merkwürdig. Er war stockdunkel, und schien kreisförmig, seine Größe
wurde durch zwei Strahlen aus grünem Licht definiert, die um den Raum herum
gingen, sie hätten einen perfekten Kreis ergeben, wenn die Tür nicht im Weg
gewesen wäre. In der Mitte des Raumes stand ein großer Glaszylinder, gefüllt
mit etwas, was verdächtig nach LCL aussah. Auf dem Glaszylinder war ein
Metallrohr, das nach oben hin fortsetzte und mit einer kompliziert aussehenden
Masse weiterer Metallröhren und Kabeln verbunden war. Außerdem, anders als die
vorherigen Raume die wir besucht hatten, schien dieser Raum nicht völlig leblos
zu sein. Das Geräusch von arbeitenden Maschinen war unverkennbar.
Ritsuko sah mich an.
„Shinji das ist das
wofür du hierhergekommen bist. Das ist der Kern des Dummy Plug Systems.“
„Das ist der Kern
der Dummy Plugs?“ fragte Misato überrascht.
Der Dummy Plug. Ich
erinnerte mich plötzlich an etwas das Rei darüber gesagt hatte.
'Die Daten von dem
System das deinen EVA übernommen hat… das Dummy Plug System… sie… sie stammen
von mir…'
Der Dummy Plug...
Rei...
„Rei hattem mit
diesem System zu tun, nicht wahr?“
„Mehr als du dir
vorstellen kannst. Ich werde dir die Wahrheit zeigen; sie wird für sich selbst
sprechen.“
Aus ihrem
Laborkittel holte sie etwas das wie eine Fernbedienung aussah und drückte auf
eine Taste. Plötzlich war der Raum zwischen den beiden Lichtern an der Rundwand
in orangenes Licht getaucht.
Ich keuchte auf als
ich bemerkte das das Licht diese Farbe hatte weil dieser Teil der Wand aus Glas
war, und hinter diesem Glas LCL war. Aber noch verblüffender war der Anblick
von etwa hundert nackten Mädchen. Und eine sah aus wie die andere. Wie ein
Mädchen von dem ich gedacht hatte es gut zu kennen.
Ayanami Rei.
„R... Rei! Sie… sie alle
sind Rei! So viele...“
Dann, als wenn ich
nicht schon geschockt genug war, öffneten all diese Mädchen ihre Augen und
starrten uns an. Sie hatten alle diesen glückseligen Ausdruck auf ihren
Gesichtern... es war zum fürchten.
„Mein Gott!“
„Was... was zum...!“
stammelte Misato. „Willst du damit etwas sagen der... der Dummy Plug ist...?“
„Ja, sie sind der
Kern des Dummy Plug Systems und dieser Ort ist die Fabrik wo wir sie
'herstellen'.“
„Was... was sind
diese...? Sind sie alle... Rei?“ fragte Misato.
„Das sind nur
Dummies. Nichts weiter als Ersatzteile für Rei.“
„Was... was ist
Rei?“
Das war eine Frage
deren Antwort auch mich brennend interessierte.
„Dieses Ding das ihr
als Ayanami Rei kennt ist nichts weiter als ein Klon. Eine Schöpfung der
Menschen wie EVA, von einem Gott den wir gefunden haben und nach unseren
eigenem Vorbild wieder zum Leben erwecken wollten, um uns zu dienen. Das ist
EVA. Rei für ihren Teil, ist ein von Menschen geschaffener Mensch-Engel
Mischling. Du hast vielleicht ein paar ihrer Merkmale erkannt... die von Ikari
Yui.“
Misato keuchte.
Irgendwie... war ich gar nicht so sehr überrascht. Tief in mir, hatte ich es
wahrscheinlich immer gewusst, instinktiv oder unbewusst. Nur hatte ich nie
wirklich versucht mich der Wahrheit zu stellen. Aber da waren so viele Dinge
gewesen. Ihr Gesicht... ihr Lächeln... ähnlich, aber trotzdem sehr verschieden.
Dieses Gefühl war schwer zu beschreiben. Einige hätten sich wohl an dieser
Beziehung gestört. Ich meine, ich habe mich in ein Mädchen verliebt das zur
Hälfte aus den Genen meiner Mutter bestand. Wir hatten eine Beziehung die
Verwandte eigentlich nicht haben sollten. Aber wie auch immer Reis Herkunft
war... mir wurde klar das es mich nicht kümmerte. Die einzige Wahrheit die
Bedeutung für mich hatte war nur eine... Rei war Rei. Der Rest war...
unwichtig.
„Du meinst... Rei
ist... Shinjis Mutter?!“
„Nein,“ sagte ich.
„Mutter ist in EVA-01.“
Misato keuchte
erneut. Ritsuko zeigte keine Reaktion. Sie sah mich nur mit einem leicht
neugierigen Blick an.
„Hast du das
herausgefunden als du in EVA-01 gefangen warst?“
Ich nickte.
Misato sah verwirrt
aus. Ritsuko bemerkte es und gab eine Erklärung.
„Ikari Yui
verschwand bei dem ersten Aktivierungstest von EVA-01. Seitdem haben wir immer
wieder gemutmaßt das ihre Seele in EVA-01 gefangen war. Shinji hat es gerade
bestätigt.“
„Das... das würde
erklären warum er immer wieder Amok gelaufen ist...“
Ritsuko nickte.
„Und Rei?“
„Wie ich gesagt
habe, das hier sind alles Klone. Ersatzteile für Reis Seele und das Dummy Plug
System. Eine menschliche Schöpfung, wie EVA. Sie sind nichts weiter als...
Puppen.“
„Wie konntet ihr
euch nur anmaßen Gott zu spielen?“
Der Doktor lächelte
geheimnisvoll.
„Fragt Ikari.“
„Sie ist ein
Mensch.“ Sagte ich schließlich. „Oder zumindest war sie einer. Mehr als jeder
von uns...“
„Vielleicht...“
gestand Ritsuko ein. „Was macht einen Menschen wirklich aus? Sie dich doch an.
Du siehst aus wie ein Mensch. Du hast menschliche Gefühle. Dennoch, bist du auf
eine Weise wie sie.“
„Wie sie?“ fragte
Misato. „Was meinst du damit?“
„Nun... das ist
Streng Geheim, aber in Wahrheit ist Shinji nur ein Klon von seinem früheren
selbst. Du hast es genauso gesehen wie ich. Das LCL das seinen Körper enthalten
hat während er in EVA gefangen war ist davongeflossen bevor wir ihn zurückholen
konnten. Durch unbekannte Prozesse wurde Shinjis Körper von EVA-01 neu
erschaffen, und dann von seinem Kern ausgestoßen. Während dieser Körper, so
weit wir hier sehen können, zwar identisch mit dem Original ist und deine Seele
enthält, bist du nun ein Kind von EVA-01 und nur eine Kopie von deinem früheren
selbst.“
Während Misato um
ihre Fassung ran, hörte ich einfach nur zu. Irgendwie wußte ich das Ritsuko die
Wahrheit sagte. Und ich glaube das ich mittlerweile einen Punkt erreicht hatte
wo mich nichts mehr schockieren konnte. Zuviele Wahrheiten die man akzeptieren
versuchen musste.
Also war ich nicht
mehr ganz ich selbst? Gutes Geschäft...
Außerdem, wenn Rei
akzeptierte wer sie war...
Aber hatte sie es
wirklich jemals akzeptiert? Sie hat mir niemals etwas davon erzählt...
Ich konnte ihr
deswegen keinen Vorwurf machen. Hätte ich den wirklich irgendetwas davon geglaubt?
„Warum...? Warum
erinnerst sie sich nicht an mich? fragte ich. Das war die einzige Frage auf die
ich wirklich eine Antwort haben wollte.
„Wenn sie ihre
Erinnerungen an dich behalten hätte, hätte sie Ikari nicht mehr für seine Pläne
benutzen können. Also hat mich der Kommandant angewiesen mich um dieses kleine
Detail zu kümmern. Es tut mir leid Shinji.“
Das verursachte eine
Reaktion von mir. Meine Wut brach aus mir heraus.
„Es tut dir leid?!
Glaubst du das ist genug?! Sie ist gestorben, und dann hast du sie ins Leben
zurückgeholt nur um sie erneut zu töten! Du hast ihre Erinnerungen gelöscht!
Und es tut dir bloß leid?!“
„Du hast recht, all
das hier ist falsch. Man hätte dieser Puppe nicht erlauben sollen
zurückzukommen nur damit sie wieder den ersten Platz einnimmt. Es wäre für alle
besser gewesen. Ich werde also sicherstellen das es nie wieder passieren wird.“
Ritsuko drückte auf
eine andere Taste der Fernbedienung. Es gab einen Piepton, dann hörte ich
plötzlich klatschende Geräusche von überall her in diesem Raum. Die Klone...
sie schienen Schmerzen zu haben. Dann, schienen sie in einem sehr blutigen
Vorgang zu schmelzen. Das orangene LCL färbte sich rot. Mir wurde übel von
diesem Anblick, aber ich konnte nicht wegschauen, ich war wie gebannt von diesem
Horrorszenario das sich vor mir abspielte. Diese Dinger, was auch immer sie
waren... starben.
„Was machst du da?“
fragte Misato, obwohl die Antwort darauf ja ziemlich offensichtlich war. Sie
zog ihre Pistole und zielte damit auf ihre Freundin.
„Ich zerstöre sie!
Ich entledige mich dieser Gegenstände in Menschengestalt... setze dem Schmerz
ein Ende. Ich habe gegen dieses Ding verloren. Nein... Ich konnte niemals
gewinnen. Er hat sie niemals vergessen...“
Redete sie über...
meinen Vater? Ist das der Grund warum sie das hier... getan hat?
Der Doktor fiel in
Tränen aufgelöst auf die Knie. Ich blickte sie an, und konnte nicht glauben was
ich hier sah. Ritsuko... weinte... wegen meinem Vater? Hatte sie... konnte
sie... Gefühle für ihn haben?
„Ich war so dumm,
genauso dumm wie meine Mutter es war. So töricht... Du kannst mich töten wenn
du willst. Der Tod wäre eine Erlösung für mich.“
Der Major senkte
ihre Waffe. Sie schien Mitleid für Ritsuko zu empfinden.
„Du bist wirklich
dumm wenn du dir das wünschst.“
* * *
Misato hatte eine
Gruppe bewaffneter Soldaten erwartet, stattdessen erschienen nur Ikari und
Vizekommandant Fuyutsuki. Als er mich für lange Sekunden anblickte, konnte ich
nur mühsam das Verlangen mich auf den Kommandanten zu stürzen unterdrücken. Das
wäre zwar ein geeigneter Weg gewesen um meinem Zorn Luft zu machen, aber es
hätte uns in wohl noch größere Schwierigkeiten gebracht als wir ohnehin schon
hattten. Nun, vielmehr, in größere Schwierigkeiten als die, die Misato schon
hatte. Da ich momentan der einzige einsatzbereite EVA Pilot war, noch dazu der
einzige der EVA-01 steuern konnte, war es unwahrscheinlich das sie mir
irgendetwas taten... vorerst nicht.
Zumindest war der
Gesichtsausdruck des Kommandanten eine gewisse Genugtuung für mich. Als er in
den LCL Tank blickte in dem die Überreste von Reis Klons schwebten, war im
deutlich anzusehen wie schockiert er war. Dies wurde aber bald durch einen
wütenden Gesichtsausdruck abgelöst. Als er zu Ritsuko blickte, schien sie unter
diesem Blick zusammenzuschrumpfen. Wie auch immer, er wurde wieder zu dem
kalten Ikari Gendo wie ihn jeder kannte als er mich ansah. Wahrscheinlich weil
ich ihn genaus anfunkelte wie er es eben bei Ritsuko getan hatte. Wenn das
irgendeine Gefühlsregung bei ihm verursachte, dann verbarg er sie gut.
Schließlich sah er zu Misato.
„Major. Eskortieren
sie Dr. Akagi zu den Sicherheitskräften. Sie wird bis auf weiteres unter Arrest
gestellt.“
„Ja, Sir.“
Obwohl Misato sich
offensichtlich anstrengte ruhig zu bleiben, hatte ihre Stimme einen eisigen
Klang.
Diesemal war
Fuyutsuki der mich und den Major anblickte.
„Vergeßt was auch
immer ihr hier gesehen habt... oder ihr werdet Dr. Akagi Gesellschaft leisten.“
Obwohl er diese
Drohung mit ernster Stimme ausgesprochen hatte, schien er offensichtlich mit
dieser ganzen Situation überhaupt nicht glücklich zu sein. Eigentlich machte er
auf mich den Eindruck von jemanden der einfach nur müde war, müde all dieser
Lügen und Schmerzen die von EVA verursacht wurden.
Ich schwieg als
Misato den neuen Befehl bestätigte. Aber ich wußte ganz genau das sie ihn nicht
befolgen würde.
* * *
Als ich endlich nach
Hause kam fühlte ich mich völlig ausgelaugt. Mein Kopf war ganz benommen von
all diesen Enthüllungen. Mutter war gestorben bei einem Unfall während eines
Synchrotests und existierte in EVA weiter. Rei war zur Hälfte ein Klon von
meiner Mutter, war der Dummy Plug und wurde einfach durch eine andere Ayanami
ersetzt als sie starb. Ihre Erinnerungen wurden gelöscht und Ritsuko hat alle
anderen Klone von Ayanami zerstört.
Und ich war
ebenfalls ein Klon...
Ich fühlte mich
einfach nur müde.
Die jüngsten
Ereignisse waren so anstrengend gewesen das der Tod von Rei schon als etwas
erschien das vor langer Zeit passiert war. Die Realität würde mich wohl früh
genug wieder einholen...
Die Wohnung war
völlig dunkel. Da es spät war glaubte ich das Asuka bereits schlafen würde. Um
so besser, ich wollte nur noch ins Bett, einschlafen und für ein paar Stunden
aufhören über all das nachzudenken.
Als ich die Lichter
in meinem Zimmer anmachte erstarrte ich. Auf meinem Bett lag ein Briefumschlag
und Asukas Interface Headsets. Furcht überkam mich. Mit zitternden Händen
öffnete ich den Briefumschlag. Anders als bei Rei, war Asukas Handschrift
schlampig und fast ohne Kanji. Aber das war jetzt nicht von Bedeutung.
Shinji,
ich habe gegen
ein Mädchen verloren das ich sowohl gehasst wie auch geliebt habe, meine
Freundin und meine Rivalin. Nein, ich habe nicht verloren. Ich verstehe jetzt
das ich von anfang an keine Chance hatte. Dieser Blick von dir als Misato dir
gesagt hatte das Rei noch am Leben war... Mir war klar das du niemals den
gleichen Blick für mich haben würdest.
Ich gehe fort. Es
gibt keinen Grund mehr hier zu bleiben. Ich kann EVA nicht mehr steuern. Ich
kann auch nicht mehr darauf hoffen das du mich jemals so lieben würdest wie ich
dich geliebt habe. Mach dir keine Sorgen. Ich werde dich nie mehr belästigen.
Nie wieder.
Ich entschuldige
mich für die Art und Weise wie ich dich behandelt habe. Ich hätte mich anders
verhalten sollen. Aber ich hatte Angst. Angst vor meinen Gefühlen für dich. Ich
weiß jetzt das ich dafür einen guten Grund hatte. Aber es ist zu spät. Zu spät
für alles.
Sag Rei das ich
sie vermissen werde. Aber ich kann ihr jetzt einfach nicht gegenübertreten.
Leb wohl Shinji.
Asuka
Das war mehr als ich ertragen konnte. Schmerz und Kummer... all das kam mit voller Stärke wieder zurück, als wenn mein Herz zum zweiten mal innerhalb von nur ein paar Tagen gebrochen wurde. Ich brach in Tränen aus. Wieder einmal... hatte man mich allein zurückgelassen...
Sie waren fort...
Sie haben mich
verlassen...
Alle die ich geliebt
habe.... haben mich verlassen...
Allein gelassen...
* * *
Von einem
nahegelegenen Hügle blickte das Mädchen auf das was von Tokyo-3 noch übrig war.
Ein paar Gebäude, aber größtenteils nur noch ein riesiger See. Erneut hatten
sich die Lilim erfolgreich verteidigt, aber zu welchem Preis. Der blaue
Evangelion existierte nicht mehr. Jetzt war nur noch der Junge übrig. Sie würde
bald mit ihm zusammentreffen. Die Männer von SEELE hatten es darauf abgesehen.
Diese arroganten Dummköpfe... sie verstanden überhaupt nichts.
Zeruel hat den Lilim
ihren Körper gekostet, ihren unbedeutensten Besitz. Ein unwichtiges Ding, es
wurde leicht verloren und ebenso leicht wieder neu erschaffen. Gefährlicher war
Arael gewesen. Er hatte ihnen ihre Seele genommen bis nur noch Bruchstücke
davon übrig waren. Um über Armisael zu triumphieren mussten sie ihr Leben
lassen.
Bislang war noch
nichts entschieden. Sie wußte das der letzte Test noch bevor stand, und was man
von ihr erwartete. Bisher waren die Lilim noch unbesiegt und unerschrocken.
Aber ihre Erlösung würde erforden das sie sich dieses mal nicht mehr
zurückhalten würden. Sie fragte sich ob sie bereit waren diese Opfer zu bringen...
Ihre Seele.
Sie spürte das
Verlangen in ihr, das in den letzten Tagen immer stärker geworden war. Bald
würde die Zeit kommen.
„Nur noch ein paar
Tage. Ein paar Tage. Ich möchte diesen Jungen kennenlernen... Ikari Shinji...“
(Fortsetzung
folgt...)
Nächstes Kapitel:
Kapitel 11 - Der Weg den Engel nicht zu beschreiten wagen
Das fünfte Children
kommt an
Der 17. Engel greift
an
Ein neuer Freund,
ein neuer Feind, eine Wahl zwischen Leben und Tod
Omake:
- Szene 1 –
„Du meinst... du und
Hotaru...“ Ich fragte, obwohl ich mir nicht sicher war ob ich die Antwort
wirklich wissen wollte.
OK, ich wollte sie
wissen. Aber dieser Ausdruck auf ihrem Gesicht...
„Mach dir keine
Sorgen Shin-chan. Der einzige an den wir denken das bist du.“
Ich wußte jetzt nicht
ob ich erleichter sein sollte oder nicht, aber ich...
Moment.
Wir?
„Wir?“ fragte ich.
Sie lief knallrot an
bei dieser Frage, nichtsdestoweniger anwortete sie.
„Nun... da bin ich,
Asuka, Hotaru, Hikari...“
Und so ging es
weiter. Es sah so aus als ob alle Mädchen aus meiner Klasse und die Hälfte des
Kommandostabs von NERV sich am Freitag zum 'Third Children Würdigungstag'
einfanden.
Wer weiß?
- Szene 2 –
„War es... dein
erstes mal mit einem anderen Mädchen?“
Was für eine
dämliche Frage. Natürlich würde Rei niemals...
„Nein“ erwiderte sie
monoton.
Was!?“ Sie... und
eine andere Frau... vor Hotaru?
„War es Asuka?“
„Nein.“
„Misato?“
„Nein.“
„H-Hikari?“
„Nein, auch nicht
Shin-chan.“
„Oh Mann.“
Eine halbe Stunde
später wußte ich endlich wer es war.
„Oh... Maya war so
romantisch in dieser Nacht...“ sagte Rei mit einem verträumten Blick.
Anmerkungen des
Autors:
Ich weiß, dieser Teil ist mehr oder weniger eine Adaption von Episode 23. Ich entschuldige mich dafür, aber es gab nicht viele Möglichkeiten daran etwas zu ändern, vor allem dem Besuch im Dogma. Natürlich habe ich