Neon Genesis
Evangelion: Meine Liebe gilt...
Um der Liebe
und Pflicht willen
Eine Nebengeschichte zu
Kapitel 6
Geschrieben
von Godsend777 <Godsend777@mindspring.com>
Assistiert
von Alain Gravel <rakna@globetrotter.qc.ca>
Übersetzt von
Melissa Schneider <meschnei@gmx.net>
http://www.geocities.com/Tokyo/Teahouse/2236/
Die Geschichte basiert auf Figuren geschaffen
von GAINAX.
Begonnen im Juli 1999
Erster
Entwurf beendet am 8.August 1999
Endgültige
Fassung beendet am 18.August 1999
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Is..." Internetseite bestimmt! Nicht ohne Zustimmung benutzen.
DIENSTAG
MORGEN
Der Beginn eines neuen
Tages - noch vor zwei Tagen machte ich mir nicht besonders viel daraus. Doch seit
dem ich nahe dem See mit Hikari an meiner Seite aufgewacht war, war es ein
tolles Gefühl gewesen die Sonne zu sehen.
Aber auch das hatte sich wieder geändert.
Gestern war ich... aber da will ich garnicht dran denken. Jetzt
jedenfalls.. bin ich hier und starre hinaus in die Morgensonne. Und ich hasse
sie, warum auch immer.
Ich frage mich... ob Ikari sich genau so fühlt wenn er aufwacht?
SPÄTER SAMSTAG/ SEHR FRÜHER SONNTAG
"Touji!"
Hikari kicherte als ich
zurück ins Zelt kam. Sie war immer noch ganz schön betrunken und schwenkte
irgendwas in der Luft herum.
"Oh.. du - du bist
noch wach." sagte ich und lief ziemlich rot an.
Die Art wie sie meinen
Namen gesagt hatte erinnerte mich an einen dieser Filme, den ich mal zusammen
mit Kensuke gesehen hatte. Ich fragte mich, was sie da in die Luft hielt; bei
diesem spärlichen Licht war kaum etwas zu erkennen.
"Mm-hmm."
Sogar betrunken sah sie
immer noch wie ein unschuldiges kleines Mädchen aus. Sie lächelte mich an und
schliesslich warf sie mir zu, was sie herumgewirbelt hatte. Jahrelanges
Basketballspielen hatte meine Reflexe derart verbessert, dass ich es mühelos
auffangen konnte um es dann eingehend zu betrachten.
Es war ein BH.
Und was noch wichtiger
war - es war Hikaris BH.
Doch das würde
bedeuten....
Jap, ein kurzer Blick
durch das Zelt zeigte mir, das ihr Hemd neben meinem Schlafsack auf dem Boden
lag. Und dann war sie plötzlich neben mir. Klar, sie war zwar nicht so gut
gebaut wie, sagen wir mal - Misato, doch was ich da sah war auch nicht von
schlechten Eltern...
"Touji..."
säuselte sie und ich glaube sie versuchte mich zu verführen, oder so... Na ja,
ich würde es natürlich niemals offen zugeben, doch ich habe keinen blassen
Schimmer von den Gefühlen einer Frau. Besonders wenn es um Frauen geht, die ein
wenig... sagen wir mal... in sexueller Hinsicht auf heissen Kohlen sitzen.
Ich hatte die Videos
gesehen, die Kensuke besass. Die waren alle schlecht gespielt und schlichtweg
nur Müll. Immer nur zwei, drei oder manchmal sogar vier Leute, die es
miteinander trieben. Ein paar Minuten lang war das ja ganz schön anzusehen,
doch von Anfang bis Ende gesehen einfach nur abartig. Na ja, Kensuke zumindest
schien das nicht zu stören. Doch wieder zurück zum Thema..
"Ich fühle mich sooo
allein..."
"Hä?" Ja ich
weiss. Ich bin schwer von Begriff.
"Bleib bei mir.
Bitte. Ja?"
Sie sah ziemlich traurig
aus. Wenn sie gerade einmal nicht schrie, konnte sie sehr zerbrechlich
aussehen. Doch an dem Abend sah sie mehr denn je aus, als wäre sie kurz davor
zu zerbrechen.
"O-Okay."
Ich stotterte. Ich hatte
mir schon oft ausgemalt, was ich mit einem Mädchen in so einer Situation tun würde. Meist träumte ich dabei von
Misato, manchmal auch von Hikari aber nur äusserst selten von Asuka. Wie auch immer,
in diesem Moment stand ich völlig neben mir. Vielleicht lag es am Bier...
"I-Ich liebe
dich..."
Uhhh. Ich liebte sie zwar
auch irgendwie, aber dass sie es jetzt einfach so ... direkt heraus sagte!
Ausgerechnet dieses Thema... AHHHHH!
"D-Du empfindest
nicht das Gleiche für mich, oder ?"
Wenn ihr Gesicht aus Glas
gewesen wäre, wäre es jetzt sicher zersprungen. Ich wusste nicht was ich sagen
sollte. Ich war doch nur ein dummer Trottel,- jemand, der lieber jemanden
zusammen schlug als zuzugeben, das er im Unrecht war. Immerhin ist es einfacher
auf seine Kraft zu bauen als auf seinen Verstand.
Ich war drauf und dran es
zu sagen. Ich war drauf und dran einfach "Ich liebe dich" zu sagen,
obwohl ich es nicht ernst meinte. Es würde sie besänftigen und ich bräuchte
diesen Ausdruck in ihrem Gesicht nicht mehr zu ertragen. Aber ich dachte daran,
was Shinji gerade vorhin passiert war. Wie verletzt er war, weil Asuka ihn
angelogen hatte. Weil sie versucht hatte ihn für ihr eigenes persönliches
Vergnügen zu benutzen. Weil sie nicht ehrlich zu ihm gewesen war... Ich wollte
nicht, dass Hikari oder mir etwas ähnliches passierte. Vielleicht wäre
Ehrlichkeit der beste Weg. Immerhin war es einen Versuch wert, zumal ich im
Moment auch keine anderen Ideen hatte.
"Klassensprecherin..."
Ich legte zärtlich meine
Hand auf ihre Schulter, doch ich denke, ich hatte mir mit meiner Antwort zu
viel Zeit gelassen; sie weinte schon leise vor sich hin.
"Ich weiss nicht,
was ich fühle. Ich meine, ich mag dich sehr."
"Wirklich?"
"Ja. Wir sind doch
immer noch Kinder, oder nich'? Ich weiss nicht was Liebe ist. Ich bin doch erst
14. Aber ich mag dich. Und das schon seit einer ganzen Weile..."
"W.. Wirklich?"
Ich konnte nicht
beschreiben, was für ein Gefühl sich da auf ihrem Gesicht zeigte, doch jemand
hat mal gesagt, dass es Dinge gäbe, für die es sich lohnen würde zu sterben...
Und in diesem Moment... dieser Blick von ihr... das war etwas für das ich
tausend Tode gestorben wäre...
Und so gab ich natürlich
eine selten dämliche Antwort...
"Ja, wirklich."
"Touji!"
Sie kreischte vor Freude
bevor sie mich umarmte und als ich ihre Umarmung erwiderte war ich glücklich.
Dann erst erinnerte ich mich daran, dass sie ja von ihrer Taille aufwärts
nichts mehr anhatte... Als sie mich küsste, gingen bei mir die Lichter aus. Ich
kann mich nicht erinnern was danach passierte.
Na ja, eigentlich
erinnere ich mich doch - zumal es ja auch mein erster Kuss war. - (Und ihrer
auch wie ich später heraus fand). Es ist mir nur ein wenig peinlich wenn ich
daran zurück denke. Wir sind ziemlich weit gegangen an dem Abend - aber nicht
SO weit. Ich denke keiner von uns beiden war bereit für diese Art von.. Liebe.
Als ich aufwachte trug
ich nur noch meine Boxer-Shorts und ein Blick in Hikaris neuen Schlafsack
machte mir klar, das wir ihn würden reinigen müssen.
Kurze Zeit später kam
Hikari zurück ins Zelt. Sie lächtelte und beugte sich hinunter um mich zu
küssen. Dann zogen wir uns an und leisteten Shinji am Lagerfeuer Gesellschaft.
Wir haben uns gut
amüsiert, doch dann wachte Asuka auf und als sie zu uns kam, haben wir ihn....
na ja, wir haben Shinji einfach mit ihr sitzen lassen. Wir fühlten uns gut und
keiner von uns beiden wollte dem ein Ende setzen. Ausserdem mussten die zwei
sich ja unter vier Augen unterhalten....
Sonntag Nachmittag
"Glaubst du, dass es
ihnen gut geht ?" fragte Hikari.
Sie hatte sich ziemliche
Sorgen um Shinji und Asuka gemacht. Und besonders um Asuka, weil sie wusste,
wie schwer es ihr fiel sich einem anderen gegenüber zu öffen. Wenn es eines
gab, das ich immer sehr attraktiv an Hikari fand, dann war das ihre Sorge um
andere.
"Die werden sich
schon zusammenraufen."
Ich versuchte sie zu
beruhigen, obwohl ich das Gefühl hatte, das Shinji zu dieser Zeit nicht allein
sein sollte. Ich erinnerte mich daran wie er sich nach dem Kampf mit dem
Insekten-ähnlichen Engel benommen hatte und ich befürchtete, dass er wieder
etwas Dummes anstellen würde. Von Reis Freundin Hotaru erfuhr ich später, dass
Shinji bei Rei eingezogen war. Ich war mir nicht sicher, ob das mal so gut war.
Immerhin würde es sein Problem nicht lösen. Doch ich denke Shinji brauchte die
Zeit, um sich von diesem Tiefschlag zu erholen und so gesehen war es vielleicht
garnicht so schlecht. Rei würde sich auf jeden Fall um ihn kümmern.. Und
vielleicht sollte ich mir genau deshalb Sorgen um ihn machen....
"Die beiden brauchen
jetzt erstmal etwas Zeit allein. Sie würden sicher nicht wollen, das wir uns da
einmischen. Die müssen erstmal drüber nachdenken was passiert ist."
Ich versuchte mein Bestes
so überzeugend und selbstsicher zu klingen wie ich konnte und ich hoffte das
sie es glauben würde. Es war ja auch die Wahrheit. Ich weiss, dass Shinji
manchmal keinen anderen um sich haben wollte. Er hat sogar einmal gesagt, dass
er es gewohnt sei allein zu sein.
"Ich glaube du hast
recht. Aber -"
"Hmm?"
"Sie sind so -"
"Komm schon, spuck'
es aus.." ermunterte ich sie und ich fragte mich was es war, das sie kaum
über die Lippen brachte?
"Sie benehmen sich
so kindisch..." platzte sie heraus und ich musste lachen. Sie sah mich
fragend an, doch ich ignorierte es einfach.
"Hikari..."
sagte ich als ich ihre Hand nahm, "Wir sind ja auch Kinder. Ich, du, und
sie."
Für einen Moment wurde
sie rot und küsste mich flüchtig auf die Wange. Ein paar von den Leuten um uns
herum starrten uns an, doch wir beachteten sie garnicht...
"Ich schätze du hast
recht." sagte sie sanft und schaute ein wenig umher. "Also, was
willst du tun?"
Mir fiel nichts ein und so
gingen wir in den Park... Wir setzten uns auf eine Bank und kuschelten eine
Weile. Ich weiss, dass uns einige unserer Klassenkameraden gesehen haben, doch
das kümmerte uns nicht. Wir redeten über dies und das und haben uns einfach nur
amüsiert. Ich habe uns beiden sogar etwas zu essen gekauft.
Jap, es war eine schöne Zeit. Doch unsere Unterhaltung begann
schnell wieder sich nur um Asuka und Shinji zu drehen. Hauptsächlich Shinji.
Ich versuchte davon abzulenken, doch wir kamen immer wieder auf ihn zu sprechen.
Und dann stellte sie eine komische Frage...
"Wenn du Shinji
wärst, was würdest du tun?"
Wie ich gesagt hatte, es
war eine komische Frage. Eine, auf die ich keine Antwort wusste. Nach einem
bisschen Nachdenken (was, wie schon gesagt, nicht gerade meine Stärke ist) fiel
mir dann doch eine Antwort ein.
"Ich wär' schon vor
langer Zeit abgehauen."
"Wa-?"
Überraschung stand ihr
ins Gesicht geschrieben. Ein merkwürdiger, schwer zu beschreibender Ausdruck.
Sie sah nicht aus wie ein Reh das sich plötzlich im hellen Licht von
Autoscheinwerfern wiederfindet,- nein - es war mehr so ein Blick der dir sagte,
das die Antwort, die du für richtig gehalten hast nicht mehr als ein paar
Meilen daneben war...
"Klassensprecherin?"
"Warum? Ich meine,
sowas ist doch gar nicht deine Art.."
"Bist du schon 'mal
im Inneren eines Evangelion gewesen?"
"Natürlich nicht!
Ich bin doch nicht so dumm wie Kensuke, der sein Leben für sowas
riskiert!"
"Kensuke war an dem
Tag nicht der Einzige, der so dumm war..."
Sie schnappte nach Luft.
Ich nehme an, sie dachte sie hatte mich beleidigt.
"Ich.. Es tut mir
leid, Touji."
"Schon gu. Du hast
ja recht. Es war eine dämliche Aktion. Und Eines ist sicher, ich werde es zum
verrecken nicht nochmal tun."
"Aber warum würdest
du wegrennen wollen?"
"Also wenn ich
Shinji wäre, und nicht ich selbst, dann wäre ich sicher schon abgehauen. Ich
meine, er spricht nie darüber, doch er hat verdammt viel durchgemacht."
"Ich denke das
Gleiche gilt auch für Asuka." sagte sie und über ihr Gesicht ging ein
Ausdruck von Traurigkeit, den ich nie wieder dort sehen wollte.
"Ich weiss ja nicht
was mit Asuka ist, doch ich war dabei als Shinji in dem Dingen beinahe einen
Nervenzusammenbruch hatte."
"Wie meinst du
das?"
"Als er den Engel kalt
gemacht hat... Es war irgendwie unheimlich.. Er hat immer und immer wieder 'Ich
darf nicht weglaufen' gesagt. Und dann kam dieses grosse Messer raus und er hat
einfach nur geschrien."
"Er hat
geschrien?"
"Ohne Unterbrechung.
Fast eine ganze Minute lang, so lang wie es gedauert hat den Engel zu
töten."
"Oh mein
Gott.."
"Danach ist er
einfach zusammengebrochen und hat geheult. Ich habe mich gefragt warum. Shinji
hatte Kensuke mal erzählt, das der Pilot alles spürt, was auch der EVA spürt.
Und ich sage dir, als dieses Dingen EVA-01 aufgespiesst hat, da habe ich etwas
gespürt. Na und da habe ich zuerst gedacht, das wär' der Grund. Aber als ich
ihn dann etwas besser kennen gelernt habe, wurde mir klar, dass er völlig durch
den Wind ist..."
"Touji! Wie kannst
du nur so über deine Freunde reden? Da frage ich mich wirklich was du den
anderen über mich erzählst !?"
Ich wurde ein wenig rot
als ich mich an die wenigen Gespräche erinnerte, die ich mit Shinji zum Thema
Mädchen geführt hatte. Doch ich fing mich schnell wieder.
"Weißt du, das ist
die Wahrheit. Nicht dass ich ihm was will, aber wie ich gesagt hab', er hat
einiges durchgemacht."
"Trotzdem.."
"Schau mal, du und
ich, wir haben unsere Familien, die uns lieben. Bei dir sind da zum Beispiel deine
beiden Schwestern und dein Vater. Ich habe Mari, meinen Vater und meinen
Grossvater. Auch wenn sie kaum zu Hause sind und immer nur arbeiten, so kommen
wir doch klar."
"Bei meinem Vater
ist das genau so. Er ist auch sehr beschäftigt."
"Shinji aber hat
keinen. Klar, da sind Misato, Rei und Asuka, doch die ganze Sache mit Rei und
Asuka macht ihm schwer zu schaffen. Er scheint an nichts anderes mehr zu denken
und ich befürchte, dass er noch etwas dummes anstellen wird, wenn die beiden
ihm nicht etwas Ruhe gönnen."
"Ich weiss was du
meinst. Asuka ist ziemlich zuversichtlich, dass sie gewinnen wird. Manchmal
erzählt sie mir, was sie tun will um 'seine Gunst' zu erlangen."
"Als da wäre ?"
Das versprach interessant zu werden...
"Erinnerst du dich
an letzte Nacht?"
Sie grinste hinterhältig
und zwinkerte mir zu. Das war eine Seite von ihr, die ich noch nie zuvor
gesehen hatte. Ich denke mein Gesicht war in dem Moment genau so rot wie der
Plugsuit von einem gewissen deutschen Mädchen.
"Ich frage mich, wie
du dich an letzte Nacht erinnern kannst." sagte ich ohne nachzudenken. -
Gott, bin ich ein Volltrottel !
"Ich war gar nicht
so betrunken!" platzte sie heraus und wurde rot wie eine Tomate, als sie
bemerkte, dass die Leute um uns herum schon wieder begannen uns anzustarren.
Wenigstens waren keine Mitschüler in der Nähe...
"Soso," meinte
ich und legte meine Hände sanft an ihre Hüfte. "Dann erinnerst du dich ja
auch an DAS!!!" Ohne Gnade begann ich sie durchzukitzeln. Ich tat es
hauptsächlich, damit sie aufhörte, sich Sorgen darüber zu machen, was andere
dachten. So lange wir uns kannten, hatte es mir noch nie gefallen, sie
nachdenklich und besorgt zu sehen. Ich meine, ich kenne sie jetzt seit mehr als
sechs Jahren und noch nie habe ich es ausstehen können sie so zu sehen.
Natürlich, habe ich selbst sowas in der Art noch nie gemacht. Ich glaube Männer
sollten sowas auch nicht tun.
Ich hörte auf sie zu kitzeln und wir begannen wieder miteinander
zu schmusen. Sie lehnte ihren Kopf nach hinten bis er auf meiner Schulter lag
und schloss dann ihre Augen. Ich glaube sie war noch ziemlich müde - wir hatten
ja auch nur wenig geschlafen.
Und so machte ich schliesslich wieder das, worin ich zugegeben
nicht sehr gut war; ich dachte nach.
Es dauerte eine Weile, doch dann kam ich zu einer neuen Einsicht,
was die Fragen über Shinji betraf, die Hikari gestellt hatte.
"Weißt du..."
"Hmmm? "
"Ich bin stolz auf
Shinji."
"Hä?"
"Er hört nie auf zu
kämpfen, auch wenn es für ihn nichts zu gewinnen gibt. Ich weiss, dass Asuka
und Rei ihn lieben, doch wie ich gesagt hab', die beiden müssen ihm 'was Ruhe
gönnen. Aber auch schon bevor das mit den Beiden war, hat er gekämpft ohne je
etwas dafür zu verlangen. Und so ist es immer noch,- na ja wenn man mal von dem
Lohn absieht, den er ausgehandelt hat. Aber das ist irgendwie ja auch
verständlich."
"Touji..?"
"Hey, glaub nur
nicht, dass ich ihm das sagen würde. "
"Warum nicht?"
"Weil... Weil das
etwas ist, das er für sich selbst herausfinden muss."
Sie lächelte mich an und
sah mich mit einem dieser Blicke an, die... es Wert sind dafür zu sterben. Sie
schien stolz auf mich zu sein.
"Hast du
Hunger?" fragte ich und sie nickte. Wir assen zu Abend und das war dann
auch das Ende unseres gemeinsamen Tages.
Montag
Ich reckte und streckte meine Glieder als ich aufstand und wie ich
dann hinaus auf die Morgensonne sah musste ich lächeln. Es war irgendwie...
friedvoll. Ich war früh dran und das allein war schon hitverdächtig. Ich ging
unter die Dusche, mit dem sicheren Gefühl, dass es ein guter Tag werden würde.
Natürlich sollte es anders kommen. Immerhin war Tokyo-3 eine Stadt die berühmt
war für das Pech, das an ihr und ihren Bewohnern haftete.
Auf dem Weg zur Schule ging ich bei Hikari vorbei, um sie
abzuholen. Interessant ist vielleicht zu erwähnen, das ich an dem Tag zum
ersten Mal ihre ältere Schwester Kodama kennen gelernt habe.
"So, du bist also
der Touji von dem Hikari-chan pausenlos erzählt..." Sie war das genaue
Gegenteil von Hikari. Während Hikari süss und unschuldig aussah, machte Kodama
mehr den Eindruck eines Falken auf Beutezug. Sie war gross gewachsen und hatte
kurzes braunes Haar, das glatt zu den Seiten gekämmt war. Und ihr Lächeln war
ziemlich... hinterhältig. Obwohl wenn ich so darüber nachdachte, hatte Hikari
gestern auch einmal so gelächelt...
"Kodama!" rief Hikari und wurde rot.
"Hahaha! Ach, das ist schon okay. Sag' mal, warum kommst du
nicht heute zum Abendessen zu uns, Touji? Ich bin sicher Vater würde dich gern
kennen lernen."
"Ahh... nun.. öhh..." Oh Mann... Auf der einen Seite
Hikari und die Aussicht auf ein Abendessen. Und auf der anderen Seite jede
Menge Fragen, Kreuzverhör und vielleicht sogar ein Eignungstest. Schöne
Scheisse...
"Touji?" Uups. Das war Hikaris Stimme. Ich hätte mir mit
der Antwort nicht so lange Zeit lassen sollen.
"Ahh... ja. Gut. Um wieviel Uhr?"
"Oh, sei so um Sieben hier. Und was du da anhast ist gut
genug." Sie kam ein bisschen näher zu mir und ich wich zurück. "Hmmm,
weißt du, du bist irgendwie recht niedlich."
"KODAMA!!!"
"Hey, war nur Spass Schwesterlein."
"Hmmpf! Vielleicht solltest du dann mal nur zum Spass deine
Lunchpakete selbst machen!"
"..."
"Dachte ich mir doch, Kodama!"
Interessant. Zumindest
schien sie mir nicht...
"Und du, Mr.
Suzuhara!"
Zu früh gefreut.
"Du trägst jetzt meine Bücher."
Seufzt. "Ja,
Klassensprecherin"
Als wir so zur Schule
gingen hätte ich schwören können ihre Schwester hat was von Pantoffelheld
gemurmelt...
Wir gingen in den Klassenraum und redeten eine ganze Weile.
Normalerweise war Rei die Erste aber da sie nicht da war, als wir ankamen,
gingen wir davon aus, dass sie heute garnicht kommen würde. Also waren wir die
ersten Minuten lang ganz allein in der Klasse bis dann Hotaru kam.
Normalerweise wechselte sie kaum ein Wort mit anderen, ausser mit Rei. Doch
heute, als Hikari sie fragte, wie es ihr ging, da - na ja - wurde sie
gesprächig. Ich war verblüfft. So wie sie sich benahmen hätten Hotaru und Rei
Schwestern sein können, und irgendwie sahen sie sich auch ähnlich. Doch jetzt
stand das Mädchen vor uns und erzählte uns von den Leuten, die uns im Park
gesehen hatten und das Hikari nicht mehr länger auf der Wettliste stand. Es war
irgendwie merkwürdig. Und dann lies mich
ihr letzter Satz aufmerken...
"Wettliste?" platzen Hikari und ich einstimmig raus.
Hotaru wurde mit einem Schlag rot.
"Ah... vielleicht sollte ich nicht..."
"Oh doch, du sollst. Was geht da ab?" fragte ich. Es war
ja schon schlimm genug das Shinji sich um Asuka und Rei Sorgen machen musste.
Da musste er sich nicht auch noch um den Rest seiner Klasse einen Kopf
machen...
"Na ja... Du kennst doch Minami Kuno? Das Mädchen, dessen
Mutter TendoCorp besitzt?"
"Und weiter?"
"Sie... hat da eine Wette laufen, wer wohl Shinjis Freundin
wird."
"Aber was hat das mit mir zu tun?" fragte Hikari.
"Na ja..." Mann, war die rot,- man hätte glatt denken
können sie und Eva-02 wären Zwillinge. "Ummm... die Drei ganz oben auf der
Liste waren Rei, Asuka und... Hikari"
"WAAASSS!?" schrie ich. Uups. Mittlerweile waren schon
so einige andere Schüler im Raum. Uups..
"Aber so wie es aussihet ist Hikari ja jetzt aus dem Rennen
hihi." Sie lachte nervös. "Ich.. äh.. geh dann mal auf meinen
Platz.."
Sie war gerade dabei zu gehen, als sie sich nochmal umdrehte.
"Suzahara-kun?"
"Ja?"
"Umm... Rei sagte..- für den Fall das du mit Shinji reden
möchtest..- er wohnt jetzt bei ihr."
"Oh. Okay, danke." Daraufhin drehte sie sich wieder um
und ging. Bevor ich überhaupt darüber nachdenken konnte, das Shinji jetzt bei
Rei lebte, rottete sich die ganze Klasse auch schon um uns zusammen und wollte
wissen was gestern passiert war. Als jemand Zweifel an meiner Beziehung mit
Hikari äusserte überraschte sie mich damit, dass sie mich vor der ganzen Klasse
küsste. Kensuke kam natürlich gerade rechtzeitig mit seiner Kamera um das Ganze
aufzunehmen, der kleine Freak. Ich wollte ihn noch einen Kopf kürzer machen,
doch da begann schon der Unterricht.
Im Prinzip gab's nix Besonderes. Asuka tauchte auch nicht auf,
doch das kratzte mich wenig. Ich verbrachte meine Zeit mit Schlafen oder damit
Kensuke wegen der Bilder zu drohen, die er gemacht hatte. So um die
Mittagspause 'rum wurde ich dann in das Büro des Direktors gerufen.
Ich weiss noch, als ich in das Büro des Direktors kam, da waren da
ausser ihm auch ein paar Typen von NERV. Der Direktor stand am Fenster und hat
sich die ganze Zeit nicht zu mir umgedreht. Da waren noch zwei Männer in
schwarzen Anzügen und Dr. Akagi. Ich hatte sie ein oder zwei mal in Misatos
Appartement gesehen, doch dieses Mal verhielt sie sich anders, als ich sie
kannte. Sie war so, wie Misato gewesen war, damals als Shinji, Kensuke und ich
Asuka kennengelernt haben. Sie schien kühl, distanziert, ruhig und als ob sie
alles unter Kontrolle hätte. Das machte mich ziemlich nervös...
Sie redete eine ganze Weile darüber, in welcher Situation sich die
Welt befindet und so'n Zeugs.. - aber ich hörte gar nicht hin. Ehrlich gesagt
hatte ich keinen blassen Schimmer worauf sie hinaus wollte. Sie redete weiter
und weiter und ich fühlte wie mir mehr und mehr die Augen zufielen,- bis sie
schliesslich meinte:
"Suzahara Touji, du bist auserwählt worden der nächste
EVA-Pilot zu sein."
WAS!?
"Ähhm... was haben sie da gerade gesagt?"
"Ich sagte, du bist auserwählt worden einen EVA zu
steuern." Sie sah mich kühl an, da war kein Anflug von Mitgefühl auf ihrem
Gesicht. Das war nicht die gleiche Person, die mit Misato am Wochenende um die
Häuser zog.
"Oooh nein. NeeNeeNeeNeeNee. Das mache ich nicht." Ich
rüttelte mich quasi selbst wach. Ich brauchte jede einzelne Gehirnzelle um
diesen Kampf zu bestehen.
"Du musst verstehen, dass Kinder so wie du unsere letzte
Hoffnung sind!"
"Hey, für mich bringt das mehr Probleme als es jemals wert
sein kann! Verstehen sie das denn nicht?"
"Als da wären?"
"Na ja, abgesehen von den ständigen Streiterein mit dem roten
Dämon und Kensukes nervigen Fragereien, sind da auch Leute, die sich um mich
Sorgen machen würden!" Ich stand auf und trat ihr gegenüber. Dieses Mal
durfte ich nicht zurückstecken.
"Das reicht nicht." antwortete sie kalt.
"Na gut, wie sieht es dann damit aus, das ich einfach nicht
bereit bin zu STERBEN?" Ich schrie
ihr beinahe ins Gesicht.
Es zeigte Wirkung. Sie sagte kein Wort und weil es der einzige
Trumpf war, den ich hatte, dechte ich mir, sollte ich ihn richtig ausspielen.
Ich liess mich wider in meinen Stuhl fallen, um aus ihrem Dunstkreis zu kommen.
"Wir beide wissen, was Shinji in diesem Dingen
durchmacht."
"..."
"Nach allem was ich bisher gesehen habe bringt dieses Dingen
nichts ausser Schmerz und Leid." Diese Bemerkung liess sie sogar
zusammenzucken. "Das Ding hat meine Schwester verletzt... Sie wird
vielleicht nie mehr laufen können..."
"Deine-"
"Ich habe mit angesehen wie Shinji da drin fast ausgetickt
ist."
"Nun ja-"
"Und ich weiss, das es beinahe Rei umgebracht hat,- ein paar
Monate bevor Shinji zu uns kam."
"Ich-"
"Wie oft war Shinji in letzer Zeit im Krankenhaus?"
"..."
"Und wie steht es-"
"Das ist genug, Suzuhara."
Der Direktor,- ich hatte
ihn schon fast vergessen.
"Dr. Akagi, es ist
offensichtlich das der Junge es nicht tun will. Ich denke nicht, das es irgend
etwas gibt, das ihn umstimmen wird."
"... Sie haben recht. Würden Sie dann bitte den nächsten
Kandiaten rufen?"
"Nächsten Kandiaten?" fragte ich.
"Ja. Für den Fall, das jemand ablehnt, so wie du, gehen wir
zum nächsten Kandiaten auf der Liste. In diesem Falle sind zwei deiner
Klassenkameraden Kandidaten."
"W-wer?" Mein Mund war mit einem Mal staubtrocken. Was,
wenn es Hikari wäre? Oder Kensuke? Vielleicht sogar Hotaru?
"Du gehörst nicht zu NERV. Daher ist diese Information für
dich nicht von Wichtigkeit."
Ich beobachtete, wie der Direktor zur Sprechanlage ging. Dr. Akagi
erzählte irgendwas von vertraulichen Informationen, doch ich hörte nicht hin.
Meine Augen hingen einzig und allein an den Lippen des Direktors...
"Bitte schicken sie..."
Ich konnte nicht... Ich konnte nicht zulassen, dass es jemand
anderen treffen würde, nur weil ich Angst hatte. Ich konnte es einfach nicht
zulassen.
"HALT!!!"
Sie sahen mich an, als ob ich verrückt geworden wäre. Ich atmete
schwer als ich wieder aufstand.
"Ich-"
Nein, sag das nicht..
"Ich werde-"
Tu's nicht! Es wird dich umbringen..
"Ich werde es tun."
NEIN! BIST DU DÄMLICH !?! WAS IST MIT HIKARI!?! WAS IST MIT DEINER
SCHWESTER!?!
"Unter einer Bedingung."
"So? Und die wäre?"
"Meine Schwester bekommt die Beste medizinische Versorgung,
die NERV zu bieten hat."
"Hmmm... Das muss ich erst mit dem Kommandanten besprechen,
aber ich denke, das wird schon in Ordnung gehen. Willkommen an Bord..."
Sie streckte ihre Hand aus, um meine zu schütteln. Ich wollte nicht, doch man
hatte mir beigebracht höflich zu sein,- zumindest ein wenig.
Und so schüttelte ich ihr die Hand.
Ich hasste dieses Gefühl.
Ich schlich langsam zurück ins Klassenzimmer. Ich hatte es nicht
eilig Hikari oder Kensuke gegenüber zu treten, und ich war verdammt glücklich
das Shinji und Asuka fehlten. Ich dachte zwar nicht, das es Rei interessiert
hätte, doch um ehrlich zu sein, war es mir ganz recht das auch sie fehlte. Ich
wollte keinem von ihnen gegenüber treten. Ich wollte nicht, dass sie es
erfuhren. Doch vor allem hatte ich keine Ahnung wie ich Hikari heute Abend
unter die Augen treten sollte.
"Touji?"
"Hmm?"
"Wach auf, Touji."
"Oh, hey Kensuke."
"Ist der Unterricht so langweilig?" fragte er, während
er seine Kamera aufhob und schliesslich begann ein paar der Mädchen auf der
anderen Seite des Klassenzimmers zu filmen.
"Ha.. ja, sowas in der Art.." Es schien, als ob die
Mädchen gerade Hotaru über Shinjis Verbleiben ausfragten. Ich sah das Hikari
auch dabei war und Schadenbegrenzung betrieb.
"Also was wollte der Direktor von dir?" Die Mädchen
schienen es wohl ernst zu meinen und wurden aggressiver. Hotaru versteckte sich
mittlerweile regelrecht hinter Hikari, die ihrerseits versuchte die Meute zu
bändigen.
"Oh..." ich war zu müde mir eine gute Lüge auszudenken,
doch die Wahrheit konnte ich Kensuke auch nicht sagen. Er wäre ausgeflippt und
bald wüsste es jeder und das wäre es dann. Und wenn es dann auch noch Shinji,
Asuka und Hikari erfahren würden....
"Ist etwas mit deiner Schwester?" fragte Kensuke, und es
klag, als ob er wirklich besorgt war. Das überraschte mich. Er hatte noch nie
viel Mitgefühl für Andere gezeigt,- lag wohl an all dem Militär- und Mecha-kram
mit dem er sich pausenlos beschäftigte. "Ich meine, du willst doch nicht
etwa wieder Shinji deshalb zusammenschlagen, oder? Du weißt doch wie du dich
danach gefühlt hast..."
"Ach Quatsch. Sie wird in ein besseres Krankenhaus verlegt
und.. äh.. sie muss vielleicht irgendwie an ihren Beinen operiert werden... Ich
weiss es nicht genau, und darum... werde ich sie heute abend besuchen."
"Ist es so schwer, zu sagen, dass du dir einfach nur Sorgen
machst?" spottete Kensuke.
"Ach halt den Rand, du kleiner Freak." ich kreuzte die
Arme über meiner Brust und sagte so männlich wie ich nur konnte: "Ich bin
ein Kerl, Kensuke. Und Kerle zeigen nie ihre Gefühle. Das ist einfach nicht
männlich!"
"Oh wirklich, Touji?" meinte Hikari als sie zu uns
herüber kam, mit Hotaru im Schlepptau.
"Ähhh... Klassensprecherin... Ich meine..."
"Pantoffelheld..." murmelte Kensuke.
"HALT DIE FRESSE!" schrie ich. "Und wenn ich mich
recht erinnere," sagte ich und rollte meine Ärmel auf. "Dann hast du
ein paar Fotos, die ich haben will!"
"Touji Suzuhara! Du setzt dich jetzt sofort wieder hin!"
Seuftz "Ja, Klassensprecherin...."
"Gut so. Und du weißt ja, dass du diese Woche zusammen mit
Ayanami Aufräumdienst hast."
Oh, Mist, und ich wollte Mari besuchen gehen...
"Hey Hotaru, wie kommt es das du heute so gesellig
bist?" meinte Kensuke.
"Um na ja..." Mann, sie wurde auch wegen jeder
Kleinigkeit rot, oder?
"Die anderen Mädchen wollten sie einfach nicht in Ruhe
lassen, und darum ist sie jetzt bei mir." erklärte Hikari. "Die
sollten mal lernen die Privatsphäre anderer Leute zu achten..." Dann liess
sie sich auf meinen Tisch fallen und begann meinen Kopf zu streicheln.
"Hmmm... Also, dann ist jetzt wohl Freiarbeitszeit, oder
?"
"Ja," begann Kensuke und filmte einmal mehr die Mädchen
in der Ecke vom Klassenzimmer, "Aber sag mal Touji, wie willst du dann
Mari besuchen? Ich meine, wenn du nach dem Unterricht noch aufräumen musst und
du hast auch noch nichts zu Mittag gegessen."
"DU hast noch nichts zu Mittag gegessen!?" fragte Hikari
überrascht.
"Nööö.."
"Du siehst auch garnicht gut aus, Touji... Du hast doch nicht
Fieber, oder?" Mann, war die besorgt. Sie legte ihre Hand auf meine Stirn
und dann auf ihre eigene.
"Mari wird in ein anderes Krankenhaus verlegt...."
"Oh Touji, das wusste ich nicht! Möchtest du das ich jemand
anderen bestimme, der diese Woche deinen Aufräumdienst übernimmt?"
"NEIN! Ich meine, nein danke. Das wäre nicht fair. Ich komme
schon klar." Wie sollte ich ihr erklären, dass ich diese Zeit, wo ich für
mich allein war, brauchte? Ausserdem gab es mir die Gelegenheit, zu überlegen,
wie ich Mari am Besten beibringen konnte, dass man sich von nun an besser um
sie kümmern würde.
"Ich könnte dir doch Touji!" schlug Hikari vor.
Mach' es mir doch nicht so schwer, verdammt! Denken Touji,
denken...
"Mach' dir 'mal keine Sorgen Klassensprecherin.. Und
überhaupt, wer sollte denn dann das Abendessen bei euch zu Hause kochen?"
"Ach das stimmt ja. Wenn ich es nicht mache, dann macht es
keiner..."
"Du bist heute Abend bei Hikari zum Abendessen?
Menschenskinder du gehst aber ran!"
Diese Bemerkung brachte Kensuke einen
ansatzlosen Schlag von Hikari und mir ein.
"Und abgesehen davon," fügte ich hinzu und rieb den Teil
meiner Faust die eben noch mit Kensukes Schädel Kontakt gehabt hatte "Du
glaubst doch wohl nicht das Hotaru auf ihrem Weg nach Hause unbehelligt bleiben
wird, oder?"
"Nein, wahrscheinlich nicht..."
"W-was meinst du damit?" fragte Hotaru und dieses Mal
schien sie sich tatsächlich zu fürchten...
"Na ja, wenn die wirklich neugierig sind, und das sind sie,
dann werden die dich wohl bis zu deiner Wohnung verfolgen und versuchen, es aus
dir raus zu quetschen."
"Ich.. Ich verstehe..."
"Und wenn Perverslinge wie Kensuke hier-"
"HEY!"
"- dich bis nach Hause verfolgen, dann könnte es sogar noch
schlimmer kommen."
"Oh mein Gott..." seufzte sie.
"Keine Angst, ich werde mit dir nach Hause gehen!" sagte
Hikari fröhlich.
"D-Danke schön.."
"Kein Problem." meinte sie lächelnd und drehte sich dann
zu mir. "Bei all den Schularbeiten und was ich sonst noch zu tun habe,
wird das Essen sicher nicht vor halb Acht fertig sein. Kannst du das schaffen ?"
"Klar doch, Klassensprecherin. Ich mein', hey, ich bin heute
echt früh aufgestanden, damit ich nur nicht zu spät dran bin..."
Sie kicherte. Es war ein angenehmer Anblick und ich hätte den
Teufel getan, etwas zu sagen, das sie beunruhigt hätte. Ich wollte, das sie
glücklich war. Ich wollte nicht das sie traurig war. So wie in diesem Moment
wollte ich sie immer lachen sehen.
Und da kam mir dieser Gedanke...
Ist das Liebe ?
Ich wusste es nicht.
Doch sie so lächeln zu sehen... Das machte einen Kerl wie mich doch
manchmal nachdenklich...
Als die Schulglocke läutete rannten alle raus und ich blieb zurück
um aufzuräumen. Hikari begleitete Hotaru nach Hause und Kensuke wollte mit
Aufräumdienst nix zu tun haben und so war ich allein. Ich seufzte zufrieden.
Jetzt hatte ich endlich Zeit darüber nachzudenken, was ich Mari sagen würde und
mir eine Entschuldigung auszudenken, die ich den anderen auftischen könnte.
Aber alles der Reihe nach...
Ich holte eine Bento-Box heraus, die Hikari für mich gemacht
hatte. Ich hatte nicht zu Mittag gegessen und trotz allem was vorgefallen war,
war ich ziemlich hungrig. Also runter mit dem Deckel und die Eßstäbchen
gewetzt. Ein kleiner Zettel fiel aus dem Deckel... Ich hob ihn auf und las:
"Touji-Chan:"
"Danke das du Samstag Nacht so aufrichtig zu mir warst."
Oh Mann.
Das machte die Dinge nicht gerade einfacher...
"Touji-niichan!!"
"Heh, Mari! Wie geht es dir?"
"Gut geht's mir!" rief sie mit ihrer hellen Kinderstimme
als sie mit ihrem Rollstuhl in meine Richtung rollte.
"Sie ist so ein liebes nettes kleines Mädchen." sagte
die Oberschwester, eine Dame von Ende Zwanzig mit braunen Haaren (die auch
nicht schlecht aussah, wie ich hinzufügen möchte.) "Ich lasse euch zwei
dann alleine."
Ich nahm Mari auf den Arm, wobei ich mir grosse Mühe gab, die
Verbände an ihrem Bauch und ihren Beinen nicht durcheinander zu bringen. Es
machte ihr Spass und sie kicherte. So wie Hikari trug sie ihr schwarzes Haar in
zwei kleinen Zöpfen und hatte ein ebenso hübsches Gesicht. Mari sah so sehr wie
Mutter aus, das es mir beinahe schon Angst machte. Wenn sie einmal erwachsen
wäre, dann wäre sie sicher der Schwarm aller Männer.
"Höher! Höher! Ich will fliegen!" rief sie. Ich hob sie
höher und sie streckte ihre Arme aus, so als würde sie fliegen. Wie jedesmal,
wenn ich sie so in die Höhe hob, fiel mir auch diesmal auf, das ihre Beine
immer noch schlaff herunter hingen. Ich hasste diesen Anblick. Die Engel hatten
ihr das angetan... Diese Bastarde...
"Nii-chan? Geht es dir gut?"
"Hä?" Ich setzte sie zurück in ihren Rollstuhl und
zupfte ihr Nachthemd zurecht. "Klar geht es mir gut. Und um ehrlich zu
sein, hab' ich sogar tolle Neuigkeiten für dich."
"Wirklich!? Ich habe auch gute Neuigkeiten!!" sagte sie
und lachte. "Kuck mal was ich schon kann!!" Sie sah hinunter zu ihren
Beinen und dann, mit einem Mal begann sich ihr linkes Bein zu bewegen. Sie hob
es, bis es ganz gerade war, bevor sie es dann wieder hinunter fallen liess. Und
dann machte sie das Gleiche auch noch mit dem anderen Bein. Ich war wie
versteinert gewesen. Das war unglaublich! Als man sie hier her gebracht hatte,
hatten die Ärzte gesagt, dass es kaum Hoffnung gäbe, dass sie jemals wieder
laufen könnte. Doch jetzt konnte sie ihre Beine schon wieder bewegen! Und wenn
sie erst einmal in einem von NERVs Krankenhäusern wäre...
"Mari-chan, das ist grossartig!"
"Mmm-Hmmm! Und welche tollen Neuigkeiten hat Nii-chan!?"
"Na ja... Du wirst in ein besseres Krankenhaus verlegt. Da
wird man sich noch besser um dich kümmern, und alles wird einfach viel.. besser
sein.- Wirklich."
"Wow! Juhuuuuu!" Sie warf ihre Hände in Höhe und
kreischte vor Glück.
Und da habe ich erst gemerkt das ich weinte.
"Nii-chan...?"
"Mari..." Oh Mann. Da heulte ich wie ein Schlosshund vor
meiner kleinen Schwester. Gott, was fühlte ich mich erbärmlich...
"Was ist denn?"
Ich stand auf und wischte mir die Tränen aus den Augen. Dann
schloss ich die Tür und legte sie auf ihr Bett. Ich zog einen Stuhl heran und
setzte mich neben sie.
"Touji-Nii-chan?"
"Mari... Du kennst doch diese grossen Roboter?"
"Ja! So welche wie Shinji-nii-chan einen steuert!!"
"Du hast ihn doch erst einmal getroffen, Mari. Meinst du, du
solltest ihn wirklich Shinji-nii-chan nennen ?"
"Ich mag Shinji-nii-chan! Er ist nett."
Es hatte keinen Sinn mit ihr zu streiten. Sie gewinnt immer, jedes
Mal. Und so wischte ich nochmal über meine Augen und begann von Neuem. "Na
ja, ich werde einen dieser grossen Roboter steuern..."
Sie sagte keinen Ton mehr. Sie wusste, dass Shinji es gewesen war,
der sie verletzt hatte, aber sie hatte auch verstanden, dass wir alle ohne
Shinji jetzt tot wären. Doch was Mari in diesem Moment bedrückte, war wohl
etwas, das sie aus unseren Gesprächen und aus dem Treffen mit Shinji gelernt
hatte; nämlich das die EVAs denen, die sie steuerten, nichts ausser Schmerz und
Leid brachten.
"W-warum?" fragte sie.
"Damit man sich besser um dich kümmert.."
"DAS IST MIR EGAL!!! ICH WILL MEINEN NII-CHAN NICHT
VERLIEREN!!! ICH WILL MEINEN GROSSEN BRUDER NICHT VERLIEREN!!!"
"Mari..."
Sie packte mein Hemd und begrub ihr Gesicht darin.
"Ich will dich nicht verlieren, so wie Mami..."
flüsterte sie.
"Mari-chan..."
Fünf Jahre war es her...
Nein, ich wollte mich nicht daran erinnern. Nicht jetzt.
"Tu's nicht mir zu Liebe..." flehte sie. Jetzt klang sie
sogar schon wie Mutter. "Bitte, tu's nicht. Was ist wenn du.." doch
sie brachte den Satz nicht zu Ende. Sie begann einfach wieder zu weinen. Ich
legte meine Arme um sie und begann von Neuem...
"Mari, erinnerst du dich wie traurig Shinji ausgesehen
hat?"
"Mmm-Hmm..."
"Ich will nicht, dass andere genau so aussehen. "
"Nii-chan?"
"Ausserdem, naja, da ist dieses... Mädchen... "
Mit einem Schlag erhellte sich ihr Gesicht.
"Nii-chan hat 'ne Freundin!!"
"Äh... phh... ja..."
"Nii-chan hat 'ne Freundin! Nii-chan hat 'ne Freundin!"
Nachdem sie noch ein wenig mehr gekreischt hatte, beruhigte sie
sich dann zu guter Letzt wieder.
"Aber ich will nicht, dass du verletzt wirst." sagte sie
und dann die Art wie sie es gesagt hatte; nüchtern, ausdruckslos, ja fast schon
monoton. Mutter hatte manchmal genau so gesprochen.
"Das wird nicht passieren Mari. Ich verspreche es."
"Wirklich?"
"Wirklich."
"Touji, was ist los!?"
"Was meinst du Hikari ?" Scheinbar hatte sie schon eine
ganze Weile an der Türe auf mich gewartet.
"Deine Augen sind ganz rot... Hast du etwa geweint?"
"Ach Quatsch, natürlich nicht! Irgend so'n Auto hat mit beim
Vorbeifahren Staub ins Auge gewirbelt!" Verdammt! So sauer hatte ich nicht
klingen wollen.
"Ent-Entschuldigung, Touji..."
"Oh nein... das ist schon Okay... Ich bin doch nicht sauer
auf dich,- nur auf dieses dämliche Auto." Oh Mann, da ging ich noch nicht
mal eine Woche mit ihr und lüge sie schon an.
"Ich möchte einfach nur einen guten Eindruck auf deine
Familie machen, das ist Alles." fügte ich hinzu und das war ja auch die
Wahrheit. Immerhin, wenn ich heute Abend schon im Mittelpunkt stände, dann
wollte ich ja auch gut aussehen.
"Oh. Ja dann..." Wir standen eine ganze Weile nur so rum
und keiner von uns fühlte sich so richtig wohl. Ich denke ich sollte mir hinter
die Ohren schreiben, nie mehr meine Stimme gegen sie zu erheben. Niemals.
"Es tut mir leid, wenn ich etwas laut geworden bin,
Klassensprecherin."
"Ach das ist schon gut. Warum kommst du nicht einfach
rein?"
"Ist gut."
Der Rest des Abends verlief ganz nett, trotz all den Fussangeln,
die auf mich warteten. Ihr Vater schien ein netter Kerl zu sein und er stellte
auch nicht all zu viele Fragen. Und die wenigen gut versteckten vagen Drohungen
und so,- dass war wohl etwas, das alle Väter von Töchtern taten. Und selbst
dabei kam es mir vor als ob er es nicht ernst meinte.
Eigentlich war es nämlich Kodama, die mich nach allen Regeln der
Kunst verhörte. Doch als sie dann endlich damit fertig war, Hikari und mich so
richtig in Verlegenheit zu bringen, da war sie den Rest des Abends über recht
freundlich zu mir.
Nozomi, Hikaris kleine Schwester, war die ganze Zeit über sehr
still. Was mich verwunderte, war, dass scheinbar viel mehr Ähnlichkeit mir
Hikari hatte als mit Kodama. Merkwürdig.
Hikari servierte das Abendessen und half mir dann schliesslich die
verbalen Attacken von Kodama und ihrem Vater abzuwehren. Ich glaube da wurde
mir klar, dass Hikari und ihre Schwestern versuchten die Lücke in der Familie
auszufüllen, die der Tod der Mutter hinterlassen hatte. Kodama erwähnte, dass
sie sich um die Finanzen kümmerte, Hikari kümmerte sich um das Kochen und das
Wohlergehen der Familie und Nozomi hielt alles blitzblank sauber. Es war
irgendwie merkwürdig. Wohl besonders weil es in meiner Familie so etwas nicht
gab.
Na ja, abgesehen von Kodamas gnadenlosem Kreuzverhör und den
ständigen prüfenden Blicken ihres Vaters, habe ich mich wirklich amüsiert. Nach
dem Essen redeten wir,- zuerst über ganz belanglose Dinge und dann über unsere
Familien. Ich fand heraus, das Hikaris Mutter noch ein Jahr früher als meine
Mutter gestorben war. Wir sprachen auch ein wenig über meine Schwester und über
Tokyo-3. Als ihr Vater dabei das Wort 'Umzug' erwähnte, war Hikari nicht gerade
begeistert. Ich war es auch nicht.
Doch dann gingen uns irgendwie die Themen aus, und ich musste nun
auch wirklich langsam nach Hause gehen. Vater würde bald von der Arbeit kommen
und ich musste mit ihm ja noch über das reden was... na ja, was passiert war.
Also verabschiedete ich mich und Hikari begleitete mich noch ein Stück.
"Geht es dir gut?" fragte Hikari, als wir auf die
Strasse traten.
"Ja... ich mache mir nur Sorgen um Mari..." Und das tat
ich wirklich, nur dass andere Dinge mir noch mehr Sorgen machten. Ich hoffte
das sie nicht nachbohren würde, denn ich hasste es, sie schon wieder zu belügen.
"Sie wird schon wieder werden, Touji." sagte sie als sie
zärtlich mein Hand nahm. "Immerhin hat sie doch jemanden wie dich, der
sich um sie kümmert."
"Klassensprecherin..."
Hikari stellte sich auf ihre Fußspitzen und küsste mich sanft auf
die Lippen.
"Ich habe deine fürsorgliche Seite schon immer geliebt,
Touji-chan..." flüsterte sie in mein Ohr.
"H-Hikari..."
"Gute Nacht." Sie liess mich los, machte einen Schritt
zurück und ging dann zurück zur Haustüre.
"Ummm... Klassensprecherin?"
"Hmm?"
"Danke für das Abendessen." Ich versuchte ihr mein
schönstes Lächeln zu schenken, und das war gar nicht so einfach, so nervös wie
ich war. Eigenartig. Da hatten wir ein paar Nächte zuvor... - und trotzdem,
hatte ich immer noch, sobald ich in ihrer Nähe war, eine Gänsehaut.
"Du musst mir nicht danken, Touji. Wir sehen uns dann
morgen." Mit den Worten und einem Lächeln auf den Lippen hüpfte sie
glücklich ins Haus zurück. Und als ich sie so ansah, dieses wunderhübsche
Lächeln auf ihrem Gesicht...
da fragte ich mich wieder.
War das Liebe?
Ich ging in unser Haus und legte meine Schlüssel bei Seite. Es war
schon beinahe Zehn und der Ereignisreiche Tage hatte mich geschafft. Ich ging
in de Küche um mir ein Glass Wasser zu holen. Das Gespräch mit Vater würde wohl
bis morgen warten müssen.
"Touji" sagte er und vor Schreck liess ich mein Glas in
die Spüle fallen. Glücklicherweise hatten wir nur Plastikbecher, also ist
nichts zerbrochen.
"Heh. Hab' ich dich etwa erschreckt?"
"Das kannst du