Neon Genesis Evangelion: Meine Liebe gilt...
Verlangen
Eine Nebengeschichte zu Kapitel 8
Geschrieben von Sterry <sterrym@one.net.au>
Der letzte Schliff kam von Godsend777 <Godsend777@mindspring.com>
Übersetzt von Melissa Schneider <meschnei@gmx.net>
Mit herzlichem Dank an Markus Steiner
Die Charaktere unterliegen dem Copyright von GAINAX.
Basierend auf Handlungen geschaffen von Alain Gravel
Begonnen am 7.Oktober 1999
Erster Rohentwurf fertig gestellt am 3.November 1999
Endgültige Fassung fertig gestellt am 6. November 1999
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Is..." Internetseite bestimmt! Nicht ohne Zustimmung benutzen.
VERLANGEN
"Die
Wahrheit ist stets in dir"
Ich wachte im kalten Grau der Morgendämmerung auf. Dunkle
Schatten lagen im Raum und verhüllten das übliche Durcheinander um mich herum.
Selbst in diesem Dämmerlicht war Shinjis Gesicht hübsch, jetzt wo er schlief.
Ein junger Mann im Körper eines Kindes, dem man die Bürde aufgelastet hatte die
Menschheit zu retten, der gezwungen war meine Hoffnungen und Träume zu
verwirklichen. Was für eine schwere Last für so schmale Schultern.
Hoffnung,- ein befremdliches Wort in dieser Zeit
Furcht, ein treffender Ausdruck,- war doch meine schlimmste
Befürchtung in diesen letzten 24 Stunden wahr geworden.
Shinji atmete ruhig und gleichmäßig.
Ich dachte an die letzte Nacht zurück. Ein Kuss zwischen
Liebenden, ein leidenschaftlicher Kuss. Geborgenheit. Nicht das Gefühl von
Geborgenheit, das ein Männerkörper so wie der von Kaji vermittelt, sondern
vielmehr Trost von jemandem, der an der Schwelle zum Erwachsen werden steht,-
jemand voller Zuversicht und Hoffnung. Ich erinnerte mich an das angenehme
Gefühl als sich unsere Körper berührten,- auch wenn es nur flüchtig war.
Ich seuftze,- nein, weiter würde es zwischen uns nie gehen.
'Mein Shinji'... Ein kleines Lächeln verirrte
sich in mein Gesicht und das fühlte sich angenehm an. 'Mein Shinji', hinter dem
gleich zwei Mädchen her waren. Mein Lächeln wurde breiter, als ich hörte wie
'Mein Shinji' leise schnarchte
'Mein Shinji' sorgte sich um mich. Bis heute war mir wohl
noch nie so richtig klar gewesen, wie tief unsere Beziehung ging. War ich
einfach nur sein Vormund? Oder war ich eine Art Mutter? Ich denke ich bin ein
bisschen von beidem. Ich bin zwar auch sein
direkter Vorgesetzter, aber mit der Zeit hatte sich dieser Aspekt unserer
Beziehung verändert. Der Kuss,- wäre mehr daraus geworden,- so hätte das alles,
was wir aufgebaut hatten, zerstört.- Gewissermassen
ein Vertrauensbruch.
Ich lächelte. Ausser mir hatte Shinji noch so viele andere
Sorgen. Doch in der letzten Nacht, war aus dem Jungen ein Mann geworden; ein
Mann, der mir so viel älter schien als... Nein. Ich seufzte.
Empfanden Asuka und Rei genau so? Asuka; immer hitzköpfig
und direkt,- wie ein rothaariger Komet war sie in Shinjis Welt eingeschlagen.
Asuka allein wäre in der Lage einen Second Impact auszulösen! Rei; das genaue
Gegenteil,- wie eine friedliche Vollmondnacht,- verschlossen
und geheimnisvoll.
Die tiefe Liebe, die diese beiden Mädchen für Shinji
empfanden,- könnte ich die gleiche Leidenschaft jemals wieder spüren? So wie
bei Kaji?
Ich erinnere mich an eine Zeit, wo wir Kinder es nicht
erwarten konnten erwachsen zu werden, doch jetzt sehe ich Kinder, die gezwungen
werden erwachsen zu sein. Wieviel würde man Shinji, Asuka und Rei noch
aufbürden? So viel, bis sie daran zerbrachen ? Ich seufzte. So viel Last auf so
kleinen Schultern. Shinji sollte den beiden Mädchen nicht aus dem Weg gehen.
Der Waffenstillstand, den sie geschlossen hatten, war zwar angenehm, doch es
wäre besser, wenn sich Shinji endlich für eine von beiden entscheiden würde.
Shinji sollte wirklich eine Entscheidung treffen,- etwas das ich nie wirklich
getan habe! Das ist doch reine Ironie - nur weil ich doppelt so alt wie der
Junge bin, maße ich mir an, ihm einen Ratschlag zu geben, den ich selbst nie
befolgt hatte.
Ein Auto fuhr am Appartement vorbei und ich lauschte bis das
Motorengeräusch in der Ferne verschwunden war. Dann war wieder alles ruhig, bis
auf das Geräusch von Shinjis leisem Schnarchen. Es war noch gar nicht lange
her,... damals als Shinji zu uns zurückgekehrt war... da war es ähnlich gewesen... Ich hatte meinen Kopf auf Kajis
Brust gelegt und während wir schlummerten fühlte ich nichts ausser dem sanften
Heben und Senken seines Brustkorbes. Ich hatte mich schuldig gefühlt, weil ich
mich davongeschlichen hatte, kaum das 'Mein Shinji' wieder zu mir zurück
gekommen war. Doch solche Momente waren vergänglich, und jetzt würden sie auch
nie mehr wieder kommen.
Ach Kaji,- in der Vergangenheit war ich es gewesen, die
weggelaufen war. Ich hatte gedacht du wärst wie mein Vater, doch am Ende war
ich es, die wie Vater war. Ich hasste Vater, ich hasste dich, aber am meisten
von allen hasste ich mich selbst. Doch gestern war
der Tag, wo ich nicht weggelaufen bin. Der Tag, wo ich nicht getrunken habe, um
über die Runden zu kommen. Gestern war der Tag gewesen, an dem ich mich
zusammengerissen hatte.
Die Müdigkeit und die Strapazen der letzten Tage forderten
ihren Preis und ich begann wieder einzuschlafen.
"Ich will nicht träumen..."
Als ich wieder aufwachte schien die Sonne in das Zimmer,-
schmerzhaft grell und mir nur zu gut bekannt. Das, was bei Nacht von Schatten
verhüllt war, war nun klar und deutlich zu sehen. Leere Bierdosen,
Sake-Flaschen und Kaffee. Kleidung, verstreut als ob ein Derwisch am Werk
gewesen wäre. Ich seufzte. Der Morgen hatte
meine Flucht in das Reich des Vergessens beendet und mich in die Realität zurückgeholt.
Ein dumpfer nicht enden wollender Schmerz war immer noch da... er erinnerte
mich daran, mit welchem Leid ich mein Wissen erkauft hatte.
Scheinbar war Shinji schon sehr früh aufgestanden, - er
wollte mich wohl nicht stören. Ich grinste,- dieser Morgen würde interessant
werden!
Ich sah in den Spiegel als ich mich fertig machte, das
Zimmer zu verlassen. Das, was ich im Spiegel sah, war akzeptabel. Ich war noch
nicht ganz zufrieden damit, aber es war ein Schritt in die richtige Richtung.
Ein verirrter Sonnenstrahl lies das Kreuz, das um meinen Hals hing, aufblitzen.
Meine Augen gingen hinunter zu diesem Symbol eines Glaubens, dem ich eigentlich
nichts abgewinnen konnte. Es gab andere Dinge, an die ich glaubte.
Letzte Nacht wollte ich Shinji bei mir haben. Ich wollte
nicht allein sein.
Jetzt ist alles was ich will, denen, die ich liebe, die
Wahrheit zu zeigen.
Im Moment scheint das schwierig, wo jeder neue Morgen Kummer
und Leid bringt. Der Schmerz wird immer gegenwärtig sein, doch der Wille die
Wahrheit zu finden, die Rolle die du für mich bestimmt hast, Kaji,- das hilft
mir weiter zu machen.
Ich wollte dich, Kaji, aber wenn ich dich nicht haben kann,
dann war es vielleicht das, was du dir gewünscht hast. Für Shinji, für Asuka,
für Rei, für mich...
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Anmerkungen des Autors:
Nun gut, es ist eine kurze Geschichte, aber ich wollte ja
auch nicht dutzende Seiten für mich in Anspruch nehmen. Vielen Dank an Alain
und Godsend777, die das Ding Korrektur gelesen haben bevor sie es auf euch
losgelassen haben. Besonderen Dank an Godsend für den letzten Schliff, den er
dieser Geschichte verpasst hat.