Neon Genesis Evangelion: Meine Liebe gilt...
Visionen
Geschrieben von Alain Gravel
<rakna@globetrotter.qc.ca>
Übersetzt von Markus Steiner
<schweinehirt@t-online.de>
http://www.geocities.com/Tokyo/Teahouse/2236/
Based on
characters created by and copyright GAINAX.
Es fühlte sich... seltsam an. Anders konnte sie es nicht
beschreiben. Sie wußte das es irrational war, aber sie fühlte sich nicht wohl
im EVA-01 Entry Plug. Da war ein ständiger Eindruck von deja-vu, verbunden mit
einem Gefühl von Beklemmung. Und da war diese Präsenz. Nein, weniger eine
Präsenz. Viel mehr... ein Schatten, ein Echo des letzten Piloten.
„Also Rei, wie fühlt es sich an EVA-01 das erste mal zu
steuern?“
„Es riecht nach Ikari.“
* * *
Die anfänglichen Verbindungen zu dem EVA liefen ohne die von
ihr erwarteten Probleme ab. Sie hatte bedingungsloses Vertrauen in Kommandant
Ikari. Sie wußte das er nicht zulassen würde das die Ereignisse bei der
Aktivierung von EVA-00 noch einmal geschahen. Nur als die A10 Nervenverbindung
hergestellt wurde fühlte sie etwas eigenartiges. Sie keuchte. Bilder, Visionen
tauchten in ihrem Geist auf. Erinnerungen. An Ikari Shinji.
Visionen von Rei, die inmitten der Straßen von Tokyo-3
stand.
Bin ich das? Ich erinnere mich nicht daran...
Visionen von Shinji, der eine verletzte Rei hält während der
3. Engel angreift.
Hast du für mich... EVA gesteuert?
Visionen von Shinji der gegen den dritten Engel kämpft.
Diese Emotion. Ist das Furcht?
Visionen von Shinji der gegen den vierten Engel kämpft.
Diese Gefühle... Schmerz und Einsamkeit?
Visionen von Rei die mit Kommandant Ikari spricht.
Was ist das? Eifersucht? Ist das Eifersucht? Bist du
eifersüchtig auf mich?
Visionen von Shinji der ihre ID Karte ansieht.
Du findest mich... hübsch?
Visionen von Shinji der auf ihrem nackten Körper liegt und
sie anblickt.
Verlegenheit. Doch, da ist noch etwas anderes...
Visionen von Rei die Shinji ohrfeigt.
Seine Worte haben mich... wütend gemacht. Ein merkwürdiges
Gefühl.
Visionen von Rei´s Silhouette, durch einen Vorhang gesehen
als sie ihren Plugsuit für den Kampf gegen den fünften Engel anlegte.
Schon wieder dieses Gefühl... ist das... Verlangen?
Visionen von Shinji, der sie mit Tränen in den Augen
anblickte, nachdem er sie aus EVA-00´s Entry Plug gerettet hatte.
Traurigkeit. Dennoch Erleichterung und Fröhlichkeit?
Visionen von Asuka bei ihrer ersten Begegnung.
Das Second
Children.
Visionen von Asuka, teilweise nackt als sie ihren Plugsuit
anlegte.
Schon wieder diese Emotionen. Verlegenheit und Verlangen.
Visionen von Asuka´s Brüsten als sie neben ihm lag.
Schon wieder Verlangen. Warum?
Visionen von Asuka als Shinji versuchte sie zu küssen.
Er... hat versucht sie zu küssen...
Visonen von Asuka in ihrem Badeanzug wie sie sich über ihn
lehnt.
Er findet sie attraktiv.
Visionen von Rei in ihrem Badeanzug wie sie sich abtrocknet.
Aber er findet mich auch attraktiv...
Visionen von EVA-02, als EVA-01 in ihn letzter Sekunde aus
dem Vulkan rettet.
Diese Erleichterung... Er war froh das er sie retten konnte.
Das selbe Gefühl als er mich nach dem fünften Engelangriff aus EVA-00´s Entry
Plug herausholte.
Weitere Visionen von Asuka. Asuka ärgerte ihn. Asuka schrie
in an. Asuka in ihrer Schuluniform. Asuka in ihrem gelben Kleid. Asuka wie sie
nur mit einem Handtuch bekleidet ist. Asuka, Asuka, Asuka...
Warum sie? Warum?! WARUM?!
„In Ordnung, die Tests sind vorbei. Dein Arbeit ist getan
Rei.“
Die Stimme von Dr. Akagi ließ sie aufschrecken, auch wen sie
es sich nicht anmerken ließ.
„Hai.“
Was waren das für Gefühle? Bin ich... eifersüchtig auf sie? Habe
ich... Gefühle für Ikari-kun?
Als sie ihren Körper entspannte, stoß Ayanami Rei einen
Seufzer aus der ein paar Blasen im LCL verursachte.
„Ikari-kun,“ flüsterte sie.
* * *
Als sie im Eingang des Krankenzimmers stand und auf den
schlafenden Jungen blickte, wußte Ayanami Rei zum ersten Mal in ihrem Leben
nicht was sie tun sollte. Was sie heute erfahren hatte war so verwirrend.
Emotionen die sie nie gefühlt, aber dennoch wahrgenommen hatte. Und jetzt, als
sie den Jungen ansah, konnte sie diese in sich fühlen. Erleichterung und
Fröhlichkeit. Sie war glücklich das der Junge unverletzt war. Warum? Warum
fühlte sie so?
Sie näherte sich dem Bett und sah sich den Jungen genauer
an. Sein Gesicht war ein Ausdruck von Frieden und Ruhe. Sie fühlte einen neuen
Eindruck. Es kam fast wie eine Welle über sie. Schnell verglich sie dieses
Gefühl mit denen die sie in EVA-01 erfahren hatte.
„Finde ich dich attraktiv?“ flüsterte sie.
Als sie über diese Frage nachdachte konnte sie nur zu einem
Entschluß kommen.
Es war so.
Was bist du, Ikari Shinji? Was bist du für mich?“
Die alte, nüchterne Antwort kam ihr in den Sinn. Ein
Arbeitskollege. Der Sohn des Kommandanten.
Nein. Ihr wurde klar das er mehr war. Er hegte Gefühle für
sie. Sie hatte ihn beschützt und er hatte ihr im Gegenzug dafür auch geholfen.
Sie dachte zurück an den Tag an dem sie EVA-01 vor dem Schuß des fünften Engels
mit ihrem eigenen EVA beschützt hatte. Tat sie das nur weil es ihre Befehle
waren? Nein. Da war noch etwas anderes. Undeutlich, tief in ihrem inneren, aber
es war da.
„Sorge... ich mich um dich?“
Eine einfache Frage, dennoch war es fast so etwas wie eine
Offenbarung.
Ja. Ja, sie tat es.
Der Junge bewegte sich. Er würde bald aufwachen. Weil sie
nicht wußte was sie tun sollte, floh sie einfach. Furcht. Eine weitere Emotion
an die sie nicht gewohnt war. Sie lief verloren und verwirrt durch die Strassen
von Tokyo-3. Das hätte nicht passieren sollen. Sie war nicht darauf vorbereitet
so zu fühlen. Sie war nur ein Werkzeug. Etwas das ersetzt werden konnte. Dennoch...
Sollte sie mit Kommandant Ikari darüber reden? Das wäre in
dieser Situation wohl die beste Entscheidung.
Aber... er hat zugelassen das sein Sohn in EVA-00 verletzt
wurde... Hatte der junge Ikari recht? Konnte man dem Kommandanten wirklich
vertrauen? Sie schüttelte den Kopf. Natürlich konnte man das. Wie auch immer,
sie entschied sich gegen ein Gespräch mit ihm. Wen sie diese neuen Gefühle tief
in sich begrub, konnte sie diese vielleicht vergessen...
Nach Minuten die ihr wie Stunden vorkamen, erreichte sie
ihre Wohnung und ließ sich auf ihr Bett fallen, erschöpft von dem Versuch nicht
von diesem Strudel an neu erwachten Gefühlen überwältigt zu werden. Als sie ihr
Gesicht in ein Kissen grub, wurde ihr bewußt das sie nicht einfach ignorieren
konnte was sie heute erfahren hatte. Wieder und wieder, wiederholte sie in
ihrem Geist die letzten Visionen die sie sah wären sie mit EVA-01
synchronisiert hatte. Sohryu. Das
Second Children.
Nein! Sie würde ihn ihr nicht überlassen.
Auf keinen Fall.
„Ikari-kun gehört mir...“
Anmerkungen des Autors:
Man könnte diese Geschichte als einen One-Shot der für sich
allein steht ansehen. In Wirklichkeit ist er aber eine Voraussetzung für den
Prolog von „The One I Love Is...“ Eine der Schwächen von TOILI ist das Rei eher
OOC (= out of character = untypisch) ist. Also fragte ich mich... Woher kommen
diese Emotionen? Die Antwort ergab sich ein wenig später als ich mit einem
meiner Korrekturleser über das Thema eines Rei/Shinji One-Shot diskutierte.
„Two hearts of on mind“ fielen mir ein und ich dachte schnell an etwas auf
dieser Vorrausetzung basiert: Rei erkennt ihre Gefühle für Shinji infolge der
Kompatibilitätstest mit EVA-01. Nicht sonderlich orginell, aber effektiv.
Alain Gravel
06. Juli 1999